1. #1
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    Letzte Fahrt von Tucholsky HILFE!

    Letzte Fahrt

    An meinem Todestag – ich werd ihn nicht erleben –
    da soll es mittags Rote Grütze geben,
    mit einer fetten, weißen Sahneschicht ...
    Von wegen: Leibgericht.

    Mein Kind, der Ludolf, bohrt sich kleine Dinger
    aus seiner Nase – niemand haut ihm auf die Finger.
    Er strahlt, als einziger, im Trauerhaus.
    Und ich lieg da und denk: »Ach, polk dich aus!«

    Dann tragen Männer mich vors Haus hinunter.
    Nun faßt der Karlchen die Blondine unter,
    die mir zuletzt noch dies und jenes lieh ...
    Sie findet: Trauer kleidet sie.

    Der Zug ruckt an. Und alle Damen,
    die jemals, wenn was fehlte, zu mir kamen:
    vollzählig sind sie heut noch einmal da ...
    Und vorne rollt Papa.

    Da fährt die erste, die ich damals ohne
    die leiseste Erfahrung küßte – die Matrone
    sitzt schlicht im Fond, mit kleinem Trauerhut.
    Altmodisch war sie – aber sie war gut.



    Das ist ein Teil des Gedichtes von Tucholsky. Jetzt soll ich daraus eine Szene formen. Nur bin ich kein Könner in Gedichte analysieren und Informationen entnehmen. Ich will keine vorgeschrieben Szene, gott bewache, nur brauch ich Erklärungen der einzelnen Strophen, damit ich verstehe woraus ich eine Szene machen soll. Welche Informationen ich miteinbauen muss, was das Gedicht und die daraus resultierende Szene prägt. Ich brauch einfach Informationen weil ich das bei lyrischen Texten nicht hinbekomme.

    Wäre nett wenn ihr mir helfen könntet!

    Danke im Vorraus! MfG

  2. #2
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    Es ist insofern seltsam, als die Mahlzeit hier vor der Trauerfeier stattfindet. Szene 1 und 2 sind chronologisch vertauscht. Selbst die Tatsache, dass Tucholsky jüdische Vorfahren hatte, erklärt es nicht.

    SZENE 1
    Im Esszimmer. Eine Trauergemeinschaft. Alle schwarz gekleidet, ernste Mienen. Ein Hausangestellter bringt rote Grütze mit Sahne. Alle löffeln schweigend, jemand flüstert, das sei die Leibspeise des Toten gewesen.

    SZENE 2
    Im Trauerhaus. Trauerfeier. Im Hintergrund sieht man den aufgebahrten Toten im offenen Sarg.
    (Später ist im hier ausgelassenen Teil des Gedichts davon die Rede, dass der Sarg schwarz lackiert sei. Das deutet darauf hin, dass die Bestattung nicht irgendwelchen jüdischen Bestattungsregeln folgt, sodern ganz normal abläuft.)
    Ein kleiner Junge popelt und grinst. Niemand beachtet ihn.

    SZENE 3
    Vier Sargträger tragen den Sarg die Treppen vor der Trauerhalle runter. Sie schwitzen, lassen ihn beinahe fallen.
    Unten vor dem Haus fasst KARL (35) eine Blondine unter, die darüber redet, was sie dem Toten alles noch geliehen hat, insgesamt sicher 600 Mark, alles futsch. Karl grinst. Die Blondine fragt Karl, ob er nicht auch findet, dass schwarz ihr gut steht? Karl nickt.

    Hier gibt es jetzt ein weiteres logisches Problem, weil zu Leichenwagen umfunktionierte Privatfahrzeuge i.d.R. keinen Fond haben. Vermutlich handelt es sich also um ein Pferdegespann. (Außerdem starb Tucholskys Vater, als T. 15 war)

    SZENE 4
    Der Sarg wird in einen Leichenwagen geladen oder auf einen Pferdewagen gestellt. Ein alter Mann, der Vater des Verstorbenen, besteht darauf, selbst zu fahren. Die Trauergemeinschaft läuft hinter dem Sarg her. Auffällig viele Prostituierte oder Damen, die welche sein könnten, darunter. Sie weinen. Neben oder hinter dem Vater im Fond sitzt eine dicke, ältere und sehr ehrbar wirkende Dame mit einem kleinen Hut und schneuzt sich die Nase.

    (Eine Matrone ist eigentlich eine Muttergottheit aus einem vorchristlichen Fruchtbarkeitskult. Hier ist wohl eher auch eine Prostituierte oder eine dicke Tante gemeint)

    Im weiteren Verlauf des Gedichtes werden einzelne Personen aus dem Trauerzug herausgegriffen und dem Leser vorgestellt. Es würde Sinn ergeben, einen Erzähler im off den Text vortragen zu lassen. Wenn es nur eine Szene werden soll, würde ich die 3 nehmen und das Gespräch zwischen Karl und der Blondine ausbauen. Flirten auf einer Trauerfeier hat was.

    LG, 101010

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