1. #1
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    Kommentarfaden zu "Ubahnfahren in Paris"

    Hier besteht die Möglichkeit, Kritik, Anregungen anzubringen zu meiner Geschichte "Ubahnfahren in Paris"
    Freu mich über alle Kommentare! L.G. Mondscheinwesen

  2. #2
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    So kann man einen Text verlinken

    Hallo. Ich bin bei deinem Projekt noch nicht ganz sicher, was ich davon halten soll. Stellenweise ist es richtig gut, stellenweise merkt man aber auch handwerkliche Ahnungslosigkeit durchschimmern. Ich gehe jetzt schrittweise durch. Mitunter sind meine Anmerkungen persönlicher Geschmack, mitunter allgemeingültig.
    Der Ausdruck ist sehr gut, Wortschatz auch, Stil lässt zum Ende hin nach, die Rechtschreibung ist mittelmäßig, Zeitformen werden oft falsch verwendet.

    Die gewählte Struktur ist unpassend. Ich würde vorschlagen, das noch ein paar Mal zu überarbeiten und mit 2 parallelen Handlungssträngen in 2 verschiedenen Zeitebenen an die Sache heranzugehen, denn ich spüre hier eine sehr große Kluft zwischen der kleinen und der großen Luise.
    Im Detail:


    "Luise ist 18 Jahre alt, sie ist attraktiv, findet sich selbst zu dick. Mit 165 cm ist sie mittelgroß.
    Alles was sie will, ist die Weltherrschaft!"
    Ich finde es schade, dass die Figur so stichpunkthaft eingeführt wird, wie in einer Ideenskizze üblich. Es kommt auch weiter nichts über das Ziel "Weltherrschaft", dabei ist es doch alles, was sie will.

    "Manchmal kann sie fliegen. Sie fliegt einfach aus Übermut über dem kleinen Dorf, wo sie lebt.
    Es passieren merkwürdige Dinge. Sie fegte einmal..."
    Hier wird jetzt auf einmal völlig unmotiviert in die Vergangenheitsform gewechselt.

    "... mit einem Straßenbesen(kein Komma) draußen den Hof, im Auftrag ihrer Mutter, als ein Sturm aufkam. Der Sturm hob sie hoch, sie ließ den Besen los. Dann flog sie wie eine Feder dem Himmel entgegen, getragen vom Wind. Dieses Gefühl würde sie nie vergessen, und irgendwann würde sie bestimmt nochmal fliegen. Sie wartete nur auf diesen Wind, der sie hochgetragen hatte.
    In den allermeisten Fällen endet ihr Flug zu den Wolken, wenn sie erwachte."
    Also, es passieren merkwürdige Dinge. Das Beispiel für etwas merkwürdiges ist dann ein Traum aus der Vergangenheit und die Autorin ist sich nicht sicher, ob Luise nun dauernd rumfliegt, oder ob sie auf den Wind wartet oder wartete.


    "Der Flug endet genau zwischen 6.00 und 6.30 Uhr. Auch wenn sie es nicht fassen kann, die Nacht ist vorbei, es winkt ein neuer Tag.
    Und leider kann sie nichts mitnehmen aus der letzten, wundervollen Nacht.
    Früher, als sie etwas jünger war, versuchte sie es mit Tricks. Die tollen roten Pumps der letzten Nacht versteckte sie unter ihrem Bett, um sie dann am nächsten Morgen wieder anziehen zu können. Nur Luise weiß, wie enttäuschend es war, als sie die Pumps nicht finden konnte. Die Pumps waren nicht da."
    Das ist echt süß. Habe ich als Kind auch gemacht, aber mit Münzen.

    "Realisten würden behaupten, das diese Pumps niemals existiert hatten, dass Luise nur von ihnen geträumt hatte. Aber für Luise war das schwer zu verstehen, sehr schwer. Wie war es möglich, dass etwas, was sie lieb gewonnen hatte, etwas, was sie begehrte, plötzlich nicht mehr da war, und was noch schlimmer war, wahrscheinlich auch niemals existierte hatte, nur in ihrer Fantasie? Heute würde sie sagen, das mit dem Pumps, war ein "Fake".
    Das mit den "Fakes" sind meistens ganz miese Sachen, dachte Luise."
    Hier müsste wieder "denkt Luise" kommen. Hier sind wir wieder in der Gegenwart bei der jugendlichen Luise, die das Wort "Fake" kennt und nicht mehr bei dem Kind.

    "Auf etwas, worauf man sich gefreut hat, kann man nicht einfach verzichten, das geht nicht. Auf etwas, worauf man sich freute zu verzichten bedeutet (kein Komma) viele schlechte Tage, in denen man keine Energie mehr hat. Die ganze Energie wurde..."
    Wird oder wurde? Sprechen wir jetzt über damals oder über heute?

    "verbraucht durch diese Enttäuschung, wenn etwas nicht passiert, worauf Luise sich so freute."
    Das ist jetzt ein bisschen langatmig, da kann man aus zwei Sätzen einen machen und sich auf eine Zeitform festlegen.

    "Luise freute sich oft, und oft wurde sie enttäuscht. Dies war ein langwieriger Prozess, solange bis Luise sich irgendwann auf nichts mehr freute, weil sie vorsichtig geworden war. Das würde aber noch eine Zeit dauern. In dieser Zeit in der Luise nun ist, freut sie sich noch sehr oft. Alles ist leicht für sie, sie ist voller Energie und Lebensfreude. Sie liebt das Leben, das Leben liebt sie. Auch wenn sie aus ihren Träumen nichts mitnehmen kann, ist ihr Leben voller Wunder und Abenteuer."
    Zeit-Chaos pur. Sie freut sich, sie freut sich nicht, sie träumt, sie träumt nicht - warum erzählt man nicht einfach alles chronologisch? Man fängt bei dem kleinen Mädchen Luise an und den Träumen und erzählt in der Vergangenheitsform. Das wechselt man ab mit Szenen, die man in der Gegenwart erzählt mit einer Luise, die ganz anders ist, als die kindliche. Sie verwendet andere Worte, sie träumt anders, sie macht sich plötzlich um die Figur Sorgen, sie ist vorsichtig geworden, sie freut sich auf gar nichts mehr. Diese erwachsene Luise sitzt vielleicht in der Pariser Metro und denkt nach, beobachtet Menschen, Kinder, Ältere, erinnert sich.
    Dadurch erzeugt man eine Spannung, der Leser erfährt über kleine Geschichtchen sehr viel über Luise und warum sie da jetzt U-Bahn fährt. Nur mal so als Struktur-Tipp.


    "Nie hätte Luise gedacht, daß sie 18 Jahre alt werden würde.
    Der Weg bis hierhin war schwer."
    Dieser Satz erzeugt eine Erwartungshaltung, ich denke nämlich, dass Luise eine schlimme Krebserkrankung überwinden musste. Mir ist klar, dass Kinder sich nicht vorstellen können, mal 18 zu werden, ich konnte das auch nicht, aber man muss es etwas anders formulieren.

    "In den Jahren zwischen Kindheit und Erwachsen sein, hatte Luise all das lernen müssen,
    was alle lernen müssen:
    Es gibt den Ernst des Lebens,
    das Traurige,
    es gibt den Tod,
    es gibt nicht nur Erfolge,
    es gibt auch den Mißerfolg.
    es gibt nicht nur Spass und Lust,
    es gibt auch Leid, Schmerz und Langeweile.
    Und eine besondere Erkenntnis für Luise war: Es gibt nicht nur Luise, nein es gibt noch jede Menge anderer Menschen. Was das Schlimme daran ist? Das Schlimme ist, die anderen Menschen haben ähnliche Begabungen wie Luise, sehen ähnlich aus, manchmal sogar viel besser, sind sogar manchmal intelligenter, sie sind reicher .......usw."
    Die Stelle ist sehr gut, diese Erfahrungen müssen wir alle machen und die sind schmerzhaft, aber kein Grund, am Leben zu verzweifeln. diese vielen ................ Punkte sehen extrem unprofessionell aus. "usw." würde ich ausschreiben.

    "Das war für Luise besonders schlimm: Sich mit der Erkenntnis abzufinden, dass sie ein soziales Wesen ist, dass sie andere Menschen braucht, sich nicht so viel von ihnen unterscheidet und dass sie sich einfügen muss, immer! "
    Wer sagt, dass sie das muss? Und Leute, die es schlimm finden, soziale Wesen sein zu müssen, sind per Definition keine sozialen Wesen. "dass sie ein soziales Wesen sein soll" könnte man vielleicht sagen.
    Der Schluss ist so ziemlich negativ.


    Nun zum zweiten Teil:

    "Die Zeit steht nicht still, ab zu läuft sie einem davon, ein andermal macht sie es sich gemütlich."
    Sehr schöner Satz

    "Manchmal, wenn man sehnlichst auf etwas wartet, sei es ein Bus, ein Liebesbrief, eine Email, oder im Wartezimmer eines Arztes"
    Im Wartezimmer ist nichts, worauf man wartet. Da muss man einen neuen Satz machen oder das Wartezimmer kicken.

    "geht sie nicht um, die Zeit. Falls Sie, lieber Leser, mal in einem Krankenhaus waren, dann wissen sie, wie langweilig es manchmal ist."
    Würde ich nicht machen, hier den Leser persönlich ansprechen. Das macht eine Ebene auf, die hier nicht her passt. Es ist auch nicht nötig. "Wer schon einmal in einem Krankenhaus war, der weiß..." tut es auch.

    "Was gut ist, Zeit ist nicht käuflich - sie vergeht für alle gleich, und je älter wir werden, desto schneller und irgendwann ist die Zeit abgelaufen."
    Manche Menschen sagen: Zeit ist käuflich, weil Lohnarbeit existiert. Und sie vergeht eben nicht für alle gleich, wenn sie doch für Ältere schneller vergeht, oder?
    Generalisierungen sind immer problematisch und Aussagen über Zeit zu treffen, obwohl man kein Physikprofessor ist, ist immer sehr schwierig.
    Jeder zweite Leser wird über den Satz nachdenken und sagen: Nö, das stimmt so nicht.
    Der Satz lenkt den Leser von der Geschichte ab.
    Warum müssen da überhaupt Gedanken des Autors stehen? Ich will doch eigentlich wissen, was Luise denkt und nicht, was mondscheinwesen denkt, denn Luise ist die Heldin der Geschichte.

    "Sonntage waren für Luise immer besonders langweilig, sie wohnte bei ihren Eltern, diese hatten ihre Rituale für den Sonntag: 7 Uhr Frühstück, Arbeit im (kein Apostroph) Stall, Tiere füttern, dann etwas waschen"
    Die Tiere oder sich selbst oder irgendetwas waschen?

    " (es gab kein Badezimmer; das kostbare (kein Apostroph)Gut Wasser (kein Komma) wurde nicht verschwendet) (kein Komma)sehr schön anziehen, (kein Apostroph)Besuch des (kein Apostroph)Gottesdienstes in der kleinen Dorfkirche. Anschließend ausgiebiges Mittagessen. Rückzug ihrer Eltern, wahrscheinlich ins Schlafzimmer? Genau wusste Luise nicht, wo ihre Eltern waren nach dem Mittagessen, sie waren dann eben weg. Gegen 16 Uhr waren dann alle wieder anwesend zur sogenannten "Kaffeezeit". Bei Kaffee und Kuchen war es sehr gemütlich und kalorienreich. Zu dieser Zeit war für Luise jedes Stück Kuchen eine Qual, sie wollte doch abnehmen. Im Hintergrund duddelte der Fernseher.
    Seit sie mit 15 Jahren aus London zurück kam, von einer Klassenfahrt, wollte ihr Körper nicht mehr abnehmen."
    "aus London zurück gekommen war, wollte..." oder "zurück gekommen ist, will... "
    Ich verstehe nicht, was in London Schlimmes passiert ist, dass man nicht mehr abnimmt, wenn man Kuchen isst. Aber die Frauen in London sind dicker als die deutschen, vielleicht stimmt was mit dem Trinkwasser nicht.


    "Hatte Luise gar keine sonstigen Probleme, fühlte sie sich immer noch zu dick."
    Warum immer noch? Ich dachte, seitdem?

    "Nach dem Kaffee war es dann möglich für Luise, zu verschwinden, sich mit ihrer Freundin oder mit ihrem Freund oder mit beiden zu treffen. Das war dann recht lustig immer. Zusammen mit ihrer Freundin konnten viele Dinge neu entdeckt werden, es gab sehr interessante Gespräche, es war immer spannend."
    Hier werden die Freundin und der Freund gleichzeitig eingeführt, der Freund aber sofort wieder links liegen gelassen. Würde ich nicht machen. Den kann sie ja später kennen lernen.
    Die Freundin erhält keinen Namen und dann kommen irgendwelche Sachen, die wieder so klingen wie eine nicht ganz ausgearbeitete Ideenskizze.
    "Das war dann recht lustig immer" - ja ha ha. "viele Dinge neu entdeckt" - und welche? "sehr interessante Gespräche" - habe ich auch manchmal hackedicht auf der Vernissage von "Tütenkunst 13", aber so, wie das da steht, klingt es wie eine Anmoderation vom Musikantenstadel.
    Diese Freundin muss ganz anders eingeführt werden und vielleicht sollte hier auch mal ein spritziger Dialog hin?


    "Sicher viele Sachen waren auch albern, zum Beispiel, wenn sie sich über Möhren, über "dicke Möhren" kaputtlachten, weil einfach die Assoziation zu Möhre (kein Gedankenstrich) männliches Geschlechtsteil ist. Sowas kann natürlich nur mit Blicken ausgetauscht werden."
    Dass die Assoziation zu Möhre nicht weibliches Geschlechtsteil ist, hätte ich mir fast gedacht. Wie man das Wort "Möhre" mit Blicken austauschen will, muss man mir mal vor machen.
    Die Stelle hier ist nicht witzig. Ich erfahre zwar, dass Luise und *namenlose Freundin* zwei unreife Kicherpflaumen sind, also vielleicht 15 oder so, oder dass sie schon einigen Hasen die Möhren angeknabbert haben und sich mit Blicken über die genaue Beschaffenheit des Gemüses austauschen, aber es ist zu viel erklärt und behauptet, ohne dass ich in die Szene hineingezogen werde und die Figuren plastisch vor mir sehe. Luise vielleicht ein bisschen schüchterner, die Freundin ein bisschen frecher.
    Ich würde diese Szene umschreiben.


    "Ebenfalls richtig genial "
    Genial wie telepatische Möhrengespräche?

    "waren die Tage, an denen Luise mit Ihrer (kein Apostroph) Freundin Jill schwimmen ging."
    Eine andere Freundin oder dieselbe?

    "Es gab direkt in der Nähe ein riesiges Baggerloch, dort wurde noch gearbeitet, aber an den Wochenenden war dies der Treffpunkt für alle jungen Leute, von nah und fern. Gemeinsam schwammen sie hinaus, Jill hatte meistens ihren kleinen, schwarzen, lockigen Hund dabei, der auch recht gut schwamm. Das kalte (kein Apostroph) Wasser, die Bewegung, das war wie ein einziger Rausch, dazu die Hitze der Sonne. Das war Genuss pur."
    Der vorletzte Satz ist zu lang, der letzte eine Wiederholung. Ich würde den Punkt hinter Rausch machen und gut. Hitze ist kein Genuss.

    "Mit ihrem Freund gab es immer was Leckeres zu essen, "
    Sie hat ihren Freund gegessen? Oder bei ihrem Freund gab es immer was Leckeres zu essen? Oder wenn er dabei war, gab es...
    Der Freund ist hier zu früh eingeführt. Der Leser will wissen, wie das kleine Mädchen, das gerade noch Traumpumps unterm Bett versteckt hat, an den Freund geraten ist.
    Er will dabei sein.
    Und der Freund braucht einen Namen. Er kann einfach so in einer Szene auftauchen, Tom heißen, immer was Leckeres zu essen dabei haben und sich später als der Freund heraus stellen, das geht auch. Aber ich will dann etwas mehr über ihn wissen als "Er war so und so". Ich will keine Behauptungen und Erklärungen (die Einleitung ist ja jetzt vorbei) sondern Szenen, Handlung, Dialoge.


    "es gab auch Zigaretten, meistens stritten sich die beiden, versöhnten sich und hatten anschließend irgendwo guten Sex. (kein Apostroph) Wobei von 100% Sex (kein Komma) mit Sicherheit 90 % Petting war, schließlich war der fremde Körper immer eine Expedition wert."
    Ehrlichgesagt interessiert mich jetzt der fremde Körper von *Namenloser Freund* nicht, ich kenn den Typen ja nicht. Ich weiß nur, dass er gutes Essen mag und Raucher ist. Die Sex/Petting-Quote interessiert mich auch nicht, die ist nicht handlungsrelevant. Wäre es ein Problem für den einen oder anderen Handelnden, dass die Quote so ist, dann wäre es interessant.

    "Oft fuhren sie stundenlang einfach nur rum, um dann irgendwann, wenn es dunkel war (kein Komma) oder auch nicht,"
    Wenn es egal ist, ob es dunkel ist oder nicht, muss man es nicht extra hinschreiben.

    "auf einem einsamen Parkplatz, irgendwo im (kein Apostroph) Wald auszukommen."
    Was ist "auszukommen" in dem Zusammenhang? Eine Dialektphrase?

    "Das alles war ebenfalls sehr spannend."
    Nee, finde ich nicht. Sie fuhren rum, um irgendwann auszukommen. Ich weiß nicht, was es bedeutet und warum das spannend sein soll. "Luise fand das spannend, weil..." würde gehen oder es wäre möglich, Spannung durch Handlung aufzubauen (z.B. "Plötzlich war Tom weg und Luise hatte vergessen, aus welcher Richtung sie gekommen waren.") Sonst ist es einfach nur behauptet. "Dieses Buch ist spannend."

    "Einfach war es aber nicht. Ihr Freund Clemens hatte sehr schöne große Hände,"
    Ist das jetzt ein anderer Freund? Hat sie zwei?

    "eine ganz dunkle Stimme, war groß, muskulös, eben sexy. "
    - "eben sexy, fand Luise" sollte da stehen. Denn nicht jeder Leser findet große, muskulöse Männer mit großen Händen und Basstimme sexy. Die heterosexuellen Männer, diejenigen, die keine großen Männer mögen, diejenigen, die keine muskulösen mögen... usw.

    "Manchmal dachte Luise, wenn sie sich berührten, sie das alles sah, was sie taten, das wäre ein prima Bild ...für den Teil "Bravoaufklärung"."
    Der Satz ist nicht gut formuliert. Die Gedankenpunkte sind überflüssig

    "Luise fand, das sie und Clemens ein schönes Paar abgaben, besonders wenn sie beide nackt waren, sich begehrten und so....."
    Es sind immer DREI Punkte. "und so" gehört nicht in Romane, außer man heißt Salinger oder so.

    "Die Sonntage mussten erträglich gemacht werden, dies war Pflichtprogramm für Luise."
    Hier sind wir jetzt wieder zurück bei den Sonntagen, aber das war vorhin schon Thema. Strukturfehler.

    "Schlimm waren Sonntage, an denen nichts lief, zur Zeit hatte sie Clemens, da ging also immer was."
    "Ging also immer was" passt sprachlich nicht zum Rest. Man könnte es so machen, dass die Welt der Luise-Teenager in Umgangssprache geschrieben ist und die der Luise-Kind in Literatursprache, aber das sollte man sich genau überlegen. Dann muss man viel näher an die Protagonistin und ihre Gedankenwelt ran.

    "Sonntag überstanden, schon wieder Schule, noch ein gutes halbes Jahr bis zur Abiturprüfung.
    Vorher würde noch eine Klassenfahrt stattfinden."
    Ich finde es sehr erstaunlich, dass Luise schon 17 oder älter ist. Macht sie sich gar keine Gedanken, was sie studieren will? Wofür interessiert sie sich, außer für Träume und Möhren?

    "Klassenfahrten fand Luise ziemlich überflüssig, meistens ziemlich doof, immer sehr risikoreich.
    Die ständige Anpassung über mindestens 5 Tage,"
    Bis jetzt habe ich nicht das Gefühl, dass Luise Anpassungsschwierigkeiten haben könnte. Bei dem kleinen Mädchen in Kapitel 1 schon eher. Aber im Moment weiß ich nicht, was Luise anders oder besonders macht. Sie scheint mir sehr oberflächlich. Könnte auch wieder interessant sein, wenn man Kind und Jugendliche parallel erzählt.


    "die Durchführung des vorbereiteten Programms des Klassenlehrers, es war eine Qual. Außerdem sehr oft extrem peinich für Luise."
    Unglücklich formuliert, weil man denkt, die Durchführung des Programms wäre peinlich für Luise.

    "Irgend etwas passierte immer. Luise hatte keinen Plan für sowas, aber meistens entwickelten sich die Dinge. Es kam zu tiefen, leidenschaftlichen Gefühlen, zu Sehnsüchten."
    Für den Klassenlehrer? Seit wann sind Gefühle peinlich? Oder eine Katastrophe?

    "Diese Sachen funktionierten wie ein Motor, Luise wurde förmlich getrieben in solche Abenteuer."
    Was für Abenteuer? Sexuelle?

    "Woran das letzten Endes lag, was der Sinn oder der tiefe Grund hierfür war - wer weiß?"
    Der tiefe Grund für Gefühle? Ähm. Das limbische System? Ich weiß hier nicht, worum es geht. Wäre es nicht besser, eine kleine Anekdote in zwei, drei Sätzen zu erzählen, was auf Klassenfahrten üblicherweise passiert?

    "Luise selbst wußte es definitiv nicht, sie litt meistens sehr unter diesen (kein Apostroph) Gefühlen. Immer Gefühle, boah wie ätzend!"
    Ausdruck. " 'Boah, wie ätzend', dachte sie."

    "Angstgefühle, Einsamkeitsgefühle, Liebeswünsche, "
    Sie hat doch einen Freund?

    "Sehnsüchte nach Anerkennung, Liebe"
    Dopplung Liebeswünsche/ Liebe

    " ---- "
    Es ist EIN Gedankenstrich und nicht vier.

    "und vieles.
    Gefühle eben!"
    Gefühlsverwirrung muss aber nicht den Autor beim Schreiben überkommen, dass er gleich seinen Schreibstil komplett über den Haufen wirft. Bisher hatten wir einen ruhigen, zurückhaltenden, beschreibenden, erklärenden, sachlichen und unemotionalen Erzählton. Jetzt auf einmal liest es sich wie das Tagebuch einer 15-jährigen Borderlinerin, nur weil es um Gefühle geht.
    Wenn man so an die Sache herangeht, müsste man vielleicht die Form eines Fake-Tagebuchs wählen oder Briefe mit einarbeiten.


    "Ein Sog von Gefühlen der sie packte, mitzerrte, mit riss ........"
    Es sind immer noch immer drei Punkte.

    "das war eben Abenteuer.
    Luise war in dem Rahmen dankbar für jede Abwechslung, endlich kein Gefühl. Aber das war eben selten mit der Abwechslung."
    Moooment. Ein Sog von Gefühlen, das war Abenteuer. Luise war dankbar für die Abwechslung - ich dachte sie hasst diese peinlichen Gefühlsüberflutungen? "endlich kein Gefühl" - ? Wieso jetzt kein Gefühl? Es wird zunehmend wirrer hier.

    "Die Klassenfahrt wurde langsam Gesprächsthema.
    Es war klar das ihr Klassenlehrer Herr Meyer mitfahren würde, und die nette Französischlehrerin Frau Fischer. Natürlich die Französischlehrerin, schließlich war sie die Person, die im Notfall auch Französisch sprechen würde."
    Im Notfall? Gehts nicht wieder nach London? Wohin denn dann? Wo spricht man französisch?
    Hat der Autor vielleicht vergessen "Klassenfahrt nach Paris" irgendwo einzuflechten? Ja, hat er.
    Solche Sachen katapultieren den Leser jedes Mal aus der Handlung raus.


    "Soweit der Plan. Ebenfalls klar war, dass Nadines Cousin Raphael mit fahren würde."
    Wer ist Nadine, wer ist Raphael? Wenn Jill und Clemens gleich mit Namen eingeführt worden wären, könnte man das jetzt so machen, aber da das anders lief, denkt man jetzt hier 'Wer waren die denn noch mal?' und sie wurden ja noch gar nicht erwähnt.

    "Hmmmm, wie peinlich war das denn,"
    'Hm, wie peinlich ist das denn?', dachte Luise.

    "weil Raphael ja der Liebhaber von Nadine war."
    Einen Liebhaber zu haben ist nicht peinlich. Ihn mit auf die Klassenfahrt zu schleusen, könnte peinlich sein. Ist komisch formuliert.

    "Das war für alle klar, Nadine wollte nicht auf ihren Liebhaber verzichten. Nadine war sehr hübsch, blond und hatte einen süssen roten Kirschmund, hiermit war sie in der Lage, ihrem Klassenlehrer Herrn Meyer, diese Geschichte zu verdeutlichen. So war allen klar, allen Schülern und Lehrern, es besteht eine Notwendigkeit, daß Raphael, der Vetter von Nadine, mit nach Paris fährt."
    Hier stimmen wieder die Zeitformen nicht. Zuviel "es war klar" und "es besteht eine Notwendigkeit" könnte in den Konjunktiv.

    "Niemand sprach hierüber offen. Lediglich in den kleinen Freundeskreisen wurde dieses Thema, Nadine und ihr Vetter, erörtert.
    Es blieben noch 5 Tagen bis zu dieser Klassenfahrt nach Paris."
    Ich habe hier einen stärkeren Cliffhanger erwartet. Nadine und - wie hieß er noch? - interessieren mich nicht. Luise interessiert mich. Sie hat Angst vor dieser Klassenfahrt. Das ist ein guter Cliffhanger, nur leider weiß ich nicht, warum sie Angst hat. Wegen Gefühlen? Pah! Ich habe dauernd Gefühle - so what? Ist Luise vielleicht ein bisschen in diesen Cousin verknallt? Oder in den Lehrer? Oder ist Clemens vielleicht der Freund von Nadine und der geheime Liebhaber von Luise und er fährt mit und darum hat sie Angst?
    So etwas würde ich spannend finden.


    Yo. Das wars mal. Ich lese das jetzt nicht noch mal alles durch.
    LG, 101010

  3. #3
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    Dec 2005
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    Vielen Dank für den Kommentar......
    Schönes Wochenende L.G. Mondscheinwesen

  4. #4
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    Keine Ursache.
    Ich hab hier noch mehr gefunden:
    "Es war klar, dass ihr Klassenlehrer Herr Meyer mitfahren würde, und die nette Französischlehrerin"

    Jetzt zum dritten Teil, der sich stilistisch wieder an den ersten annähert.
    Die Protagonistin wird hier als wesentlich älter als angenommen (etwa 20) beschrieben und hier wirkt sie auf einmal auch so. Auch der Text wirkt auf einmal von einem reiferen Autor geschrieben.


    "Jeder Tag eine neue Herausforderung. Nur, wenn sich ein Problem hält, das fühlt sich dann schwer an. ...
    Das Schlimme an Problemen ist, meistens werden sie nicht gelöst, werden zu der Macht im Kopf. Diese Probleme können alles Mögliche sein, Versagensangst, ...
    Viele ungelöste, mitgeschleppte Probleme sind oft die Ursache für Depressionen. Die sich als ein Gefühl der Ohnmacht bezeichnen lassen, dieses Gefühl zerstört die Persönlichkeit, macht aus starken Menschen schwache Menschen.
    Luise hatte im Moment keine Angst."

    Das sind sehr gute Gedanken über die Entstehung von Depressionen. Aber warum wird mir das jetzt erzählt? Luise hat/ hatte im Moment keine Angst, keine Depression. Früher hatte es diese Zeiten gegeben und das soll mir jetzt ja erzählt werden.
    Der Satz "Luise hatte jetzt keine Angst" muss raus, denn es wird etwas über Luise in der Vergangenheit erzählt, die welche hatte. Und auch, wie es dazu kam, was Luises Angst war. Wie es Luise im Moment geht, ist jetzt+hier nicht relevant, das bringt den Leser aus dem Erzählfluss.


    "Es hatte schon Zeiten gegeben, da war die Angst übermächtig gewesen. Luise wusste sich zu wehren. Im Notfall, wenn es nicht mehr anders ging, sah sie immer noch die Möglichkeit, sich vom Problem und der entsprechenden Ursache zu trennen. Es gab immer einen Weg, ein Gebüsch, um sich zu verstecken, oder das Problem einfach zu töten, irgendwas ging immer."

    Dann hatte sie also nie Depressionen bekommen, sondern immer eine Lösung gefunden?
    Dann erwarte ich aber, dass sie jetzt zum ersten Mal keine findet. Und hier ist es jetzt problematisch, dass ich "das Problem" (das die Angst auslöst) nicht kenne, denn das die Klassenfahrt das Problem ist, funktioniert nicht, weil ich, wie erwähnt, nicht verstehe, warum irgendwelche schwammigen "Gefühle" einen davon abhalten können, Spaß auf einer Reise zu haben.
    Und darunter leidet jetzt die Spannung.
    Den letzten Satz des oberen Abschnitts würde ich ändern. "Es hatte bisher immer einen Weg gegeben".
    Probleme töten kann ich mir nicht vorstellen und sich im Gebüsch verstecken, löst keine Probleme.


    "Luise wusste, sie ist allein, sowie jeder Mensch allein ist. Sicher, jeder Mensch ist eingebunden in soziale Beziehungen und Systeme. Diese Systeme binden, fangen ein, aber geben Sicherheit. Diese Systeme gaukeln Sicherheit und Geborgenheit vor."

    Geben sie nun Sicherheit oder gaukeln sie sie vor?

    "Fünf Tage bis Paris.
    Nur noch vier (Leerzeichen) Tage, wieder einen Tag verbracht."

    Zahlen bis 20 werden in Romanen ausgeschrieben. Der Sprung von fünf zu vier ist unlogisch und unmotiviert. Besser: "Nur noch vier Tage bis Paris". Davor einen Absatz, der Leser weiß, aha, hier war ein Zeitsprung.

    "Luise nutzte das Auto ihres Freundes, der ihr dieses netterweise zur Verfügung stellte, um damit zur Schule zu fahren. Schon früh morgens holte ihr Freund sie ab. Wenn Luise aufstand, die Treppe herunter gestolpert kam, dann saß Clemens schon am Frühstückstisch. Zu diesem Zeitpunkt schlafwandelte Luise.
    Es war einfach noch viel zu früh. Es war viel zu früh für alles. Welch ein Luxus waren die Tage, an denen man einfach im Bett liegen bleiben konnte. Mit dem Gefühl, die Welt dreht sich, ohne das man selbst etwas tun muss.
    Luise konnte das sehr gut, einfach liegen bleiben, aber diese Zeiten waren selten.
    Normalerweise eben Schule, am Wochenende sorgte ihre Mutter für Ordnung. Ihre Mutter weckte Luise auch am Wochenende um 7 Uhr. Luise hatte auch heute morgen wieder ihren Freund zur Arbeit gebracht, anschließend fuhr sie dann zur Schule."

    Hier sind zwei kleine logische Problemchen. Dass ihr Freund sein Auto zur Verfügung stellt und sich dann selbst auf Arbeit chauffieren lässt und dann auch Belehrungen absondert, ist alles andere als "netterweise". Offenbar teilen sie sich ein Auto.
    Dass Luise gerne ausschläft, obwohl sie IMMER von der Mutter geweckt wird, sogar am Wochenende um 7 (!) Uhr, erfordert einen Nebensatz, wann der seltene Luxus stattfindet (im Urlaub?)


    "Clemens hatte Luise, wie immer, belehrt, vorsichtig zu fahren. Luise konnte es nicht mehr hören, immer diese Angst, es könnte etwas passieren. Sicher, es passiert immer etwas, nichts ist so beständig wie die Veränderung."

    Sehr kluger Satz. Denkt sie das auch in Bezug auf einen Unfalltod?

    "Aber Clemens war nicht ihr Vater, er hatte ihr garnix zu sagen. Sie machten zusammen Sex, guten Sex.
    Das war vollkommen in Ordnung. Aber denken konnte Luise alleine, dachte sie zumindest."

    Hier würde ich das "dachte sie zumindest" streichen, denn es sind sowieso schon ihre indirekt widergegebenen Gedanken.

    "Sie fühlte sich doppelt so klug wie Clemens, er hatte nur einen Hauptschulabschluss. Manchmal war es Luise sogar peinlich, Clemens mitzunehmen zu ihren Freundinnen."

    Das ist kein schöner Zug an Luise, aber ein interessanter Konflikt. Dieser Clemens, er scheint wirklich nur ein Betthase für Luise zu sein. Der Hauptschulabschluss sagt übrigens nichts über die Intelligenz eines Menschen aus, sondern über die soziale Schicht, aus der er kommt und über das System, in dem er lebt.
    Da wäre eine klitzekleine Anekdote über Clemens' Dummheit besser, vielleicht sogar noch ein bisschen Geschlechterkampf einstreuen. So was vielleicht: "Er glaubte zum Beispiel, dass Frauen nicht logisch denken können und hielt das für wissenschaftlich erwiesen. Vielleicht hatte man an der Hauptschule kein Biologie?"
    So einer wäre wirklich peinlich vor den anderen Mädchen vom Gymmi und nicht nur vor den Mädchen.


    "Aber Luise wusste, Clemens liebt sie, mehr als alles andere, er wird sie immer beschützen, egal was kommt."

    Hier wieder die Zeitformen beachten: Er würde sie beschützen.
    Ich frage mich, was lieben und beschützen würden miteinander zu tun haben. Ich würde meinen kleinen Bruder beschützen und ich liebe ihn auch. Aber Luise meint hier eine andere Liebe, eine große, romantische. In Wahrheit haben die beiden aber eine Sex-Beziehung. Was findet Mr. Supersexy Clemens eigentlich an Luise? Sie ist hübsch, aber klein und pummelig. Sie ist sehr klug, das wird er kaum mögen, Stress vorprogrammiert. Ein männlicher Leser weiß an der Stelle, dass auch Clemens' Interesse an Luise nur rein sexuell ist und stellt sich vor, sie hätte große Brüste.

    Ich finde, dass diese Beziehung Clemens-Luise bis jetzt psychologisch das Spannenste ist. Man erwartet da irgendeine Unstimmigkeit, man erwartet, dass Luise jemanden trifft, den sie geistig lieben kann.
    Die Klassenfahrt jetzt als Aufhänger der Ängste und der dramaturgischen Spannung funktioniert nur, wenn die Beziehung Luise-Clemens dadurch in Gefahr geraten könnte. Das muss eher angedeutet werden und das "Monster Klassenfahrt", vor dem man Angst haben soll, muss konkreter werden.


    "Dieses Gefühl machte Luise stark, es gab ihr Sicherheit."

    Jetzt hatten wir vorhin schon mal das Thema (vorgegaukelte) Sicherheit durch das soziale Umfeld. Aber das ist zu lange her. Allgemeintheoretische Überlegungen zur Sicherheit sollten besser hier hin.

    "Jemanden zu finden, um sich zu teilen, das wird wohl nicht gehn, dachte Luise."

    Der Satz ist unverständlich. Teilen? Wieso das denn?

    "So war Luise immer beschäftigt, mit sich, mit anderen, mit Beziehungen.
    Ihre Mutter sagte dann immer: "Zum Glück, hast Du was zu tun!"?
    Irgendwie natürlich alles sehr tragisch."

    Beziehungen? Sie hat nur eine, denke ich. Die Überleitung von Clemens, seiner (von L. empfundenen) Dummheit und Peinlichkeit hin zu Liebe, Sicherheit und dann sozialer Vollzeitbeschäftigung ist nicht schlüssig. Was will mir dieser Absatz denn sagen? Was wird hier erzählt?
    Eigentlich die Beziehung Clemens-Luise. Vorher habe ich auch erfahren, dass Luise nicht der Typ für viele Sozialkontakte ist, also warum tut sie sich das neben dem Abitur überhaupt an? Ein Freund und eine Freundin, das reicht doch.
    "... alles sehr tragisch', dachte Luise", denn das ist ja kein bisschen tragisch hier.


    "Doch wenn wir uns umschauen, liebe Leser, wo gibt es denn die große Liebe, die beide gleich empfinden?
    In den meisten Beziehungen ist es so: einer liebt mehr.
    Der Schultag war wirklich witzig heute."

    Nicht den Leser ansprechen als auktorialer Erzähler. Durch das "du" wird der abstrakte, allwissende Erzähler zum "ich" und das geht nicht, denn dann fragt man sich, wer da spricht. Dadurch tritt ein Verfremdungseffekt ein und das ist eine Meta-Ebene, die dieser Text nicht braucht, die Struktur ist so schon kompliziert genug.
    Der Übergang zum Schultag heute muss mit einer Leerzeile gekennzeichnet sein, er ist sonst zu abrupt. Der Schultag hat ja nichts mit den vorherigen Überlegungen zu tun.
    "War wirklich witzig heute" bedeutet, dass der Tag jetzt vorbei ist, aber heute stattfand. Das kann nicht sein, denn entweder findet der Tag erzähltechnisch gerade statt oder fand in ferner Vergangenheit statt, jedenfalls wenn man dem Stil des Buches treu bleiben will und es ist nun mal kein Tagebuch.


    "Ihre Freundin Jill kam erst zur zweiten Schulstunde. Dies war nicht ungewöhnlich, da Jill es selten schaffte, rechtzeitig aufzustehen. Jills Mutter war im Urlaub, so verschlief Jill regelmäßig."

    Sie war jahrelang im Urlaub? Kann nicht sein. Jill verschläft oft, das ist nicht ungewöhnlich, wenn ihre Mutter mal wieder verreist ist. Oder immer, wenn Jills Mutter nicht da ist, verschläft Jill. Oder Jill verschläft überhaupt fast immer, weil ihre Mutter Briefträgerin ist und von 6.00 bis 12.00 Uhr arbeitet?

    "Jill als Luises beste Freundin, war ihre Tischnachbarin in der Klasse. Luise teilte fast alle Geheimnisse mit Jill.
    Der Deutschlehrer war sehr jung, Luise schätze ihn auf 25 Jahre. Luises Klasse war seine erste Leistungsklasse in der Oberstufe. Er war jung, ..."

    Dass er jung war, wurde schon gesagt.

    "neugierig auf die Schülerinnen, unerfahren. Erstaunlicherweise stand Luise in Deutsch "sehr gut", genauso wie Jill.
    Eine gute Note erleichtert das Leben sehr.
    Das ist eine Tatsache, Luise wusste das, noch von früher."

    Ein so großes Geheimnis, dass man 2 Sätze darüber schreiben muss, ist es aber auch nicht.

    "Es gab Zeiten, da betete Luise zu Gott, damit er ihr ein "ausreichend" für eine Klassenarbeit schenkte.
    Gott erhörte sie nicht, Luise hatte in allen Fächern mangelhafte Leistungen und in Englisch sogar ein ungenügend.
    Luise mußte die Klasse wiederholen....Das klappte aber auch nur zur Hälfte, Luise blieb wieder sitzen, musste die Schule verlassen.
    Nun waren die schulischen Leistungen plötzlich für sie kein Problem mehr. Das Leben hatte sich einfach geändert.
    Sie war jetzt zwar auf einem Umweg, aber wieder auf dem Mädchengymnasium, und zwar in der Oberstufe."

    Moment, Mädchengymnasium? Das ist eher selten und oft kirchlich. Da dürfen Cousins einfach so mit auf die Klassenfahrt? "Wieder Mädchengymnasium"? Vorher war sie auf demselben? Denn dass es zwei Lyzeen an einem Ort gibt, ist doch sehr unwahrscheinlich. Und natürlich in der Oberstufe, warum sollte eine 20-jährige in der Unterstufe sein?

    "Das war wirklicher Erfolg, es fühlte sich genau so an - ---- "

    Diese vielen Bindestriche erfüllen keinen Zweck. Punkte, Striche, Smileys und Abkürzungen verwendet man nicht inflationär in Romanen.



    Dieser dritte Teil ist, obwohl sehr gut geschrieben, insgesamt zusammenhanglos. Du fängst bei tiefsinnigen Gedanken über Depressionen an, nur, um zu erzählen, dass Luise jetzt keine hat und auch nie welche hatte, weil sie sich im Gebüsch versteckt hat. Dann erzählst du den normalen Schultag von Luise, die ihren Freund auf Arbeit fährt und deutest einen Beziehungskonflikt an, der sich entwickeln könnte. Dann wird die Liebe postuliert, für den Leser nicht nachvollziehbar. Nun folgen generelle Überlegungen zur Liebe, die fast nie von beiden gleich stark empfunden wird, ohne jedoch zu erfahren, wie das bei L.+C. genau ist und dann landet man bei einem Tag, von dem behauptet wird, er sei witzig gewesen, was nicht stimmt. Der Deutschlehrer ist neu und unerfahren - will er sich beliebt machen und gibt darum gute Noten? Nein, denn Luise ist jetzt auf einmal in allen Fächern gut.
    Schließlich wird erzählt, dass Luise viel älter ist, als man zuerst dachte und dass sie eine zweite Chance bekommen hat, das Abitur zu machen.
    Jetzt mach gefälligst die Erzählklammer auch zu und erwähne, dass sie es beim ersten Mal wegen Depressionen und Ängsten nicht auf die Reihe gekriegt hat. Denn sonst macht die Einleitung keinen Sinn.

    LG, 101010

  5. #5
    Registriert seit
    Dec 2005
    Beiträge
    196
    :ja .....ich werde das überarbeiten ... Danke fürs Lesen! mfG mondscheinwesen

  6. #6
    mooney Guest
    Mein liebes Mondscheinwesen,

    nachdem sich niemand anderer Deiner Fortsetzungsgeschichte erbarmt, tu ich's.

    In aller Regel ist man nicht besonders erbaut von mooneys Zuschriften, weil diesem Avatar nicht daran liegt, durch Süßholzgeraspel user gefügig zu machen und sie so zu Elogen auch auf eigene "Werke" zu veranlassen. Das meiste, was in den "Literatur"foren dieser Welt produziert wird, ist alles andere als solche, und es verlohnt nicht, ein Wort darüber zu verlieren. Wenn ich mich doch mängisch zu Wort melde, hat das Gründe.

    Das, was du hier seit einiger Zeit von Dir gibst, taugt leider nicht viel. Es scheint recht schnell, vielleicht sogar atemlos, hingeschrieben und weiß insgesamt weder vom Inhalt noch von der Sprache, schon gar nicht von der Form her zu überzeugen. Alltäglichkeiten und allerlei Banales werden nicht erzählt, sondern aufgezählt, und es fällt dem Leser schwer, bei der Sache zu bleiben - wobei er gar nicht so recht weiß, um welche "Sache" es hier eigentlich geht. Insgesamt entsteht der Eindruck, es habe hier ein recht junger Mensch die Absicht gehabt, "etwas" zu schreiben und habe gehofft, es entstünde schon irgendetwas, wenn man nur damit begönne.

    Wie man sieht, ist das aber ein Trugschluss.

    Warum melde ich mich also?

    Ich melde mich wegen der paar Stellen, die in dem Text enthalten sind und die herauszusuchen und zu zitieren ich jetzt zu faul bin, die erkennen lassen, dass du eigentlich den Blick hättest, den man braucht, um hinter Kulissen zu gucken, und das Talent, Erkanntes in Worte zu fassen und zu vermitteln. Nota bene hübsch. Leider versaust Du diese Ansätze sofort wieder durch Endlosgeschwafel und die Hereinnahme plattester Nena- und Silbermondsprüche.

    Ich nehme an, Du seiest noch ziemlich jung, und wenn nicht, dann jedenfalls noch nicht erwachsen geworden. Es bestünde also noch Hoffnung.

    Tipp: Setzt Dich mal auf deinen Hosenboden und schreib nicht drauflos, sondern mach Dir einen Plan und geh bei dessen Ausführung methodisch vor. Lass den Leser nicht in einer langweiligen U-Bahn-Endlosschleife verkümmern und erklär ihm nicht dauernd, wie sich Schülerliebe vielleicht anfühlt, sondern zeig ihm einen Fahrplan. Ein Fahrplan ist etwas anderes als ein Sack voller Ideen, der zwar klimpert, wenn man ihn schüttelt (und damit zu erkennen gibt, dass er etwas in sich hat), seien Inhalt damit aber nicht sichtbar macht. Also: nimm eine Handvoll heraus aus Deinem Klimpersack, nur eine Handvoll, nicht mehr, und bereite sie so auf, dass wir erkennen, welchen Wert die Summe wirklich hat. Eine Summe ist etwas anderes als ein Haufen. Um ihren Wert zu schätzen, müssen wir sie zählen können. Am besten erkennen wir ihren Wert, wenn du die Scheine und Münzen so andordnest, dass wir auf einem Blick sehen, um wieviel es sich handelt.

    Mach aus jeder Station der Fahrt eine wirklich ganz besondere, miste die Waggons aus und befreie sie von dem Wortmüll, in dem die Protagonisten so mühsam waten und fast nicht vorankommen. Lass sie ein Ziel haben, das sie entweder erreichen oder nicht. Sie müssen sich nicht outen, ob sie sich dabei wohl fühlen oder nicht - aber der Leser sollte es ahnen können. Sonst sitzt er nur im Waggon, hört ihn klappern bis zu Endstation und weiß nicht, wo er angekommen ist.

    lg

    mooney



    nachdem sich niemand anderer Deiner Fortsetzungsgeschichte erbarmt, tu ich's.
    Sorry, von der Verlinkung wusste ich nichts. Ich bitte alle, die sich mit dem Text schon Mühe gegeben haben, um Entschuldigung

    lg

    mooney
    Geändert von Dr. Üppig (15.10.2013 um 18:56 Uhr) Grund: Doppelpost

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