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  1. #1
    Jazemel Guest

    abra ke dabra sigill





    Aus den Ställen der fauligen Sümpfe sind sie gekommen. Die Leiber aus Maden und Larven, gewachst mit süßlichen Gelb und balsamiert mit rotweißem Schaum, schwanken die Mumien, auf kurzen Beinen des gestorbenen E, ins Schneeglanztal.
    Weiß getüncht tragen sie ihre Gesichter, andere die Nasen lang und rot und alle blicken aus farblosen Augen.
    Ihre Hierophanten und falschen Priester verhüllen ihr Haupt in purpurne Schleier - emeth rückwärts auf der Stirn.
    Sie verschlingen sich selbst und scheiden sich aus, brechen salzlos Tafel und Griffel, lassen saugende Schlangen die Flöten bewohnen und Saiten zerreißen; in ihren Darmlabyrinth aus Kröten und Dung, um in den Teich der spielenden Sieben zu blicken, bis er trüb wird, bis er Sumpf wird.

    Was bleibt ist der Ruf Abrakadabra, gesprochen im elfmaligen Schwinden.



    Geändert von Jazemel (19.07.2013 um 10:58 Uhr) Grund: m statt n

  2. #2
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    Hallo Jazemel,

    der Titel scheint eine Beschwörungsorgie einzuleiten - und genau das erwartet dann auch den Leser:

    mit Deinen Worte kreierst Du, so empfinde ich das, eine geradezu greifbare Atmosphäre des menschlichen Verfalls/Todes, der Niederungen, Hässlichkeiten und Widerwärtigkeiten - da drängt sich mir auch die Assoziation von Sündenpfuhl, Dekadenz und v.a. moralischer Morast auf.

    Ihre Hierophanten und falschen Priester verhüllen ihr Haupt in purpurne Schleier - emeth rückwärts auf der Stirn.
    ... dies unterstreicht diesen Eindruck noch.

    Ich finde, Dir ist es mit Deinen Worten gelungen, intensive und dichte Bilder zu zeichnen - so dass der Titel samt Text, der dazu noch gespickt ist mit mystischen Andeutungen, wahrhaft magisch (was die Beschwörungskraft anbelangt) anmutet.


    LG
    Zauberkind

  3. #3
    Jazemel Guest
    Hallo Zauberkind,

    über deinen Kommentar hab ich mich gefreut.
    Ich dachte eigentlich, dass der Text einfach so in den Tiefen verschwinden wird, weil es eben ein hermetischer Text ist. Umso mehr freut es mich, dass die Sigillenmagie bei dir ankommt ebenso, dass mir dein Kommentar gezeigt hat, dass man hermetische Texte sehr wohl auch intuitiv verstehen kann.

    Vielen Dank und lieber Gruß,

    Jazemel

  4. #4
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    Also, ich verstehe es nicht. Ich habe nur so die Bilder angeschaut und dachte an Zombiefilme. Habe vielleicht auch zu viele Zombiefilme gesehen in letzter Zeit. Sollte man vielleicht einen Kurzfilm draus machen, ein Musikvideo und dazu Heavy-Metal-Balkanmusik. Falls es so was gibt.

    LG, der Fffuchs

  5. #5
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    hallo jazemel
    "hermetisch" kann heissen: es will und kann nicht geöffnet, d.h. verstanden werden. oder es kann auf den alchimistischen charakter des ganzen hindeuten.
    da mir jegliche intuition abgeht, ist es für mich ein mehr wirrer als verwirrender text.
    stilistisch überdick auftragend, so dass die frage nahe liegt: was wird hier parodiert?
    auch deswegen, weil das sich vertippen bei den tasten für m und n auf eine recht flüchtige beschäftigung der autorin mit ihrem text hinweist.
    kurzfilme mit ähnlichen inhalten gibt es eigentlich schon reichlich auf youtube und anderswo. ob du dich da etwa hast inspirieren lassen?
    lg wilma27

  6. #6
    Jazemel Guest
    Hi Fffuchs,

    könnte man machen, obwohl Zombies mit dem Text wenig bis gar nichts zutun haben.
    Aber ein Musikvideo und dazu Heavy-Metal-Balkanmusik, hat was.

    Lieber Gruß,

    Jaz


    Hi Wilma,


    Zitat Zitat von wilma27 Beitrag anzeigen
    "hermetisch" kann heissen: es will und kann nicht geöffnet, d.h. verstanden werden. oder es kann auf den alchimistischen charakter des ganzen hindeuten.
    Nein, hermetischer Lyrik, oder hermetische Prosa ist sozusagen ein verschlüsselter Text, der sich nicht gleich beim Lesen erschließt. Entstanden ist die Stilrichtung Hermetische Lyrik nach '45.
    Den 'verschlüsselten' Inhalt kann man sich erarbeiten, wenn man das möchte, oder eben intuitiv erfassen und für sich deuten, wie Zauberkind es gemacht hat.

    Zitat Zitat von wilma27 Beitrag anzeigen
    da mir jegliche intuition abgeht, ist es für mich ein mehr wirrer als verwirrender text.
    Das ist die dritte Möglichkeit.


    Zitat Zitat von wilma27 Beitrag anzeigen
    stilistisch überdick auftragend, so dass die frage nahe liegt: was wird hier parodiert?
    Parodiert wird nichts. Das stilistisch üppige ist dem Grimoire, bzw. der Sigillensprache geschuldet. Da gehören einfach viele Schnörkel und barocke Üppigkeit dazu.
    Zitat Zitat von wilma27 Beitrag anzeigen
    auch deswegen, weil das sich vertippen bei den tasten für m und n auf eine recht flüchtige beschäftigung der autorin mit ihrem text hinweist.
    Nope, keineswegs flüchtig. Wenn verkehrte Endungen bezüglich n/m im Text sind, liegt es daran, dass ich da manchmal Schwierigkeiten habe. Wo liegen denn da die Fehler?

    Zitat Zitat von wilma27 Beitrag anzeigen
    kurzfilme mit ähnlichen inhalten gibt es eigentlich schon reichlich auf youtube und anderswo. ob du dich da etwa hast inspirieren lassen?
    Keineswegs, da der Inhalt, wie schon an den Fffuchs geschrieben, wenig bis gar nichts mit irgendwelchen Zombie-oder Gruselfilmchen zu tun hat.

    LG

    Jazemel

  7. #7
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    Naja, aber das ist so ein Weiberding, man vergebe mir die scheinbare Frauenfeindlichkeit. Ich weiß, dass da mehr drin steckt, aber ich kann es nicht entschlüsseln und werde es nie können. Das fängt schon mit der Sprache an. Frauen benutzen Sprache anders, man zwingt sie ja auch dazu. In der Folge entwickelt sich so ein Hexenkauderwelsch. Dass ich keinen logischen Zugang zum Text finde, liegt daran, dass ich keinen finden soll und dass Logik vielleicht nicht unbedingt weiterhilft. Das respektiere ich, ich kann es trotzdem genießen und für mich ist es eben ein Zombiefilm. Auch allemannische Fasnet, auch germanische Moorleichen, skythische Tätowierungen, Azteken, Spreewaldgurken, warzenbesprechende Großmütter und was sonst noch. Es ist ein geiler Film, ich will ihn eigentlich gar nicht erklärt haben.

    LG, 101010
    Geändert von 101010 (19.07.2013 um 01:41 Uhr)

  8. #8
    Jazemel Guest
    Hi Fffuchs,

    dann legst du zu viel Gewicht auf die Sigillensache. Letztendlich bestehen hermetische Texte aus Symbolik. Mal mehr, mal weniger und das auch weit ab von Hexenkrams und Dingsbums.
    Symbolik finde ich spannend, z.B. Kafka mit Hintergrundwissen der Symbolik lesen, oder James Joyce um zwei männliche Beispiele zu nennen, ist großartig und oft genug wie zwei Geschichten in einer. Die obere Geschichte und die darunter. Oder Filme von Buñuel. Alte Gemälde. Gibt es noch viele Beispiele. Und Celans "Schwarze Milch der Frühe" nun als Beispiel für Lyrik, kann man auch entweder so lesen wie geschrieben, oder entschlüsseln.
    Schlüssel gibt es immer.

    Kann gut sein, dass ich hier zu viel zusammengepackt habe, Symbolsprache plus der schnörkeligen Grimoiresprache. Hat aber einfach Spaß gemacht.

    Gruß in die Nacht,

    Jaz

  9. #9
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    Ja, es ist vielleicht zu viel oder die Symbole = Zeichen bedeuten bei mir etwas ganz andres. Der Schlüssel, vielleicht handelt der Text von Insektenlarven im Teich, ich bin da ratlos. Von der ersten Zeile an bin ich ratlos, entschlüsseln macht ja nur Laune, wenn die Wege, die man gehen kann, weniger werden statt mehr.
    Symbole, zum Beispiel Schlangen, sind extrem kontextabhängig. Dieser Gesamtkontext fehlt mir und wenn ich das Zeichensystem nicht kenne, bleiben die Zeichen bedeutungslos, was nicht bedeutet, dass ich es ästhetisch nicht genießen kann.

    LG, Fff

  10. #10
    Jazemel Guest
    Hi nochmal,

    eigentlich sind es (naja, vielleicht bis auf zwei, drei) ganz 'gängige' Symbole, ein paar sogar (wie Tafel und Griffel, Flöte und Saite(ninstrument) ) recht plakativ.
    Aber wenn du es auch so genießen kannst, freut mich das auch.

    Lieber Gruß,

    Jaz

  11. #11
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    Vielleicht ist es alles ein bisschen zu viel, zu verklausuliert. Solche Texte liest man dann eher assoziativ.

    Tafel und Griffel symbolisieren Schreibkundigkeit (in Verbindung mit der Schnellebigkeit mancher Aufzeichnungen), die Flöte steht für männliche Potenz und die Geige für die Verliebtheit. Wasser steht für das Unbewusste, die Verwandlung in einen Morast steht für die Beschmutzung der (reinen) Seele. Ergibt trotzdem alles nicht unbedingt Sinn für mich. Was das gestorbene E ist, kann ich auch nicht wissen, es ist ja ein Neologismus. Das Schneeglanztal - keine Ahnung. Die Mumien - hm.
    Den Text auf Tod und Verfall zu reduzieren, ist mir zu einfach, da steckt mehr drin, aber ich weiß nicht, was. Die Sieben z.B. könnten die Plejaden (Jungfrauen) sein, es gibt aber auch noch eine andere Geschichte mit sieben Schwestern, die in Bäume verwandelt wurden, deren Namen habe ich aber vergessen.

    LG, 101010

  12. #12
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    Hey Jaz, 101010, wilma

    rotweißen Schaum
    Der Schaum wäre die Stelle, bei der du uns ein X für ein U, bzw. ein n für ein m vormachen wolltest. Sonst ist mir gerade nichts in die Richtung aufgefallen.

    @101010
    Vielleicht solltest du versuchen von den Untoten wegzukommen und die Ebene der Willenlosen (und wohl auch Villenlosen) zu erreichen. Das würde hier nach meiner Interpretation eher hinkommen. Wer E. ist, kann ich nur sehr wage vermuten, was "emeth" rückwärts (nicht die Buchstaben!) musste ich google, und bei den Sieben komme ich auf jede Zahl außer den/der Sieben... (Jaz, du weißt, wo du mich findest!? )

    nächtlicher Gruß, gutes nächtle und carpe noctem
    Nachteule
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    Greis und Greisin miss u <3
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    (Der Buchstabe)
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    Drama: Das Gericht; Prosa: Fernreise als Kurztrip, Krieg im Frieden, Die Tote

  13. #13
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    Abrakadabra und Sigill stehen für Buchstabenmagie oder Symbolmagie. "Emeth" ist die Wahrheit und rückwärts spricht man, wenn man den Teufel beschwören oder einen Liebeszauber rückgängig machen will. Hilft mir alles nicht wirklich weiter. Ich meine, da stehen Worte und ich lese sie und ordne Bedeutung zu und konstruiere Sinn aufgrund des mir zur Verfügung stehenden Wissens. Gelange zu der Erkenntnis, dass keine Sinnkonstruktion ein schlüssiges Ergebnis liefert und rezipiere es dann als surrealen Kurzfilm, der mit Verfall, Magie und "Sünde" zu tun hat.

    LG, 101010

  14. #14
    Jazemel Guest
    He Fffuchs,

    da bist du aber eher in der psychologischen Deutung unterwegs, weniger in der literarischen und bildlichen Symbolik.
    Um mal den Ansatzpunkt zu geben, bei den von dir angesprochenen Begriffen:
    Flöte, Saiteninstrument, Tafel und Griffel sind Attribute der Musen.
    Euterpe, Muse der Lyrik und des Flötenspiels, Attribut die Doppelflöte.
    Erato, Muse der Liebesdichtung, Attribut Saiteninstrument, Leier.
    Kalliope, Muse der epischen Dichtung, der Rhetorik, der Philosophie und der Wissenschaft, Attribut Tafel und Griffel
    Der Teich, ist nicht gleich Wasser, sondern steht für einen Spiegel (bspw. Narziss).
    E ist ein Buchstabe, es gibt den Begriff des gestorbenen Buchstaben, der toten Buchstaben (meint bspw.: Der Satz 'Die Würde des Menschen ist unantastbar' besteht aus toten Buchstaben, da diese Würde überall angetastet und mehr wird. Oder auch für 'alles buchstäblich nehmen, starr sein, eng im Denken etc.).
    Die Sieben steht für Phantasie.
    Und Schneeglanztal ist eins von denen, die zugegeben ziemlich eckengedanklich sind. Schneeglanz/Schneestolz ist der Name einer blauen Blume.
    Mit dem Morast liegst du richtig.

    Soweit

    Lieber Gruß,

    Jaz

    Eule,

    dann muss es rotweißem Schaum heißen?

    Klar weiß ich, wo ich dich finde, Ein Auge immer bei dot.com.

    Lieber Gruß,

    Jaz

  15. #15
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    Hallo Jaz,
    natürlich deute ich psychologisch und denke bei Griffel, Flöte und Geige eher an die traumatische erste Klasse, dazu passt auch A Bra Ca Dabra und das E gibt es dabei nicht. Und dann kommen diese Zombies auf den toten Beinen dieses Buchstaben an und haben Emeth rückwärts auf der Stirn und da steige ich aus. Da fehlt mir das kabbalistische Fachwissen. Lieber Balkan-Heavy-Metal, falls es so was gibt, wenn nicht, sollte man es erfinden.

    LG, der Fffuchs

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