1. #1
    Registriert seit
    Jul 2013
    Beiträge
    6

    Gestaltungsprinzipien der heutigen Zeit

    Hi leute,

    ich wollte hier die Chance ergreifen euch eine Frage zu stellen und so hoffentlich auf eine Erleuchtung zu kommen.

    Wie ihr wisst gibt es verschiedene Gedichtsarten. Formen die verschieden häufig Anwendung in den unterschiedlichen Epochen gefunden haben.
    Früher konnte man also sagen...."hier herrscht diese und jene Metrik vor....diese bestimmte Strophen-Versform(Endecasillabo usw)..."
    Nur ich habe ein Problem.
    Seit der Dichtung der Gruppe 47 (also nach 2 Weltkrieg) komme ich immer schlechter mit der Dichtung und ihrer KLAHRHEIT für mich zurecht.Hesse ist noch super angenehm...aber Erich Fried zum Beispiel....man kann eine gewisse Strukur erkennnen, doch es wird schon schwerer. Dann sind da Dichter wo ich die Gedichte lese und verwundert den Kopf schüttel. (z.B. Robert Gernhardt: Osterballade)

    Zusammengefasst: ich erkenne nicht mehr so deutlich das Konzept das hinter den "neuzeitlichen" Dichtern steckt. Manches wirkt sehr experimentell (Struktur stört nur..) und manches sehr "lässig" (ach Paarreime reichen..)

    Könnt ihr mir Aufklärung über die Konzeptionsweise der "neueren" Dichtung geben??? Fachbücher z.B gibts ja nur über die Formen in Barock usw usw...Die Stilformen finden ja heute auch Anwendung aber ich suche eine GENAUERE AUSSAGE was die heutige Dichtung aussmacht...

    Mit freundlichen Grüßen
    Heinrich Börn

  2. #2
    Registriert seit
    May 2008
    Beiträge
    4.447
    Hey,

    Hier habe ich bei uns einen relativ aufschlussreichen Faden zu eigentlich genau dem Thema gefunden, in dem auch ein modernes Gedicht besprochen wird.


    Zu Gernhardt im Allgemeinen fand ich auch gerade einen Faden. Schau mal hier.


    Zum Gedichte Osterballade: Ich habe das Gedicht jetzt erst einmal ganz grob und oberflächlich gelesen (werde mir den Text aber genauer durchlesen, wenn ich mehr Zeit habe). Gehen wir von der Einordnung aus, die im ersten von mir verlinkten Faden vorgestellt wird (metrisch-prosäisch-periodisch), so sehen wir, dass der Text ganz eindeutig metrisch gegliedert ist.

    Beispiel S1 der Osterballade - Metrik
    XxXxXxXx
    XxXxXxXx
    XxXxXxXx
    XxXxXxXx
    XxXxXxXx
    XxXxXxXx

    Perfekter () gehts eigentlich gar nicht. Sauberer Trochäus, eindeutig eine metrische Gliederung. Darüberhinaus fällt mir in S1 auch eine gewisse Periodizität auf. Beispiel: S1V1(erster Vers)=S1V6(letzter Vers); In V2 und 3 der ersten Strophe ist die Gliederung auch parallel und sieht in etwa so aus: Adjektiv - Siehts/hörts - Vater/Mutter

    Siehst du, was ich meine?

    Ich hab mir da jetzt einmal nur die erste Strophe angesehen. Wenn du Interesse hast oder noch Unklarheiten bestehen, dann können wir gerne hier auch über das restliche Gedicht und die Einordnung sprechen. Natürlich können wir auch über ein anderes Gedicht, dessen Einordnung Probleme macht, reden.

    Ich hoffe, dass ich dir damit erst einmal weiterhelfen konnte.

    LG,
    maXces
    Geändert von MisterNightFury (29.07.2013 um 18:54 Uhr)

  3. #3
    Registriert seit
    Jul 2013
    Beiträge
    6
    @maXces
    danke für deine Antwort. Ja metrisch ist der Aufbau, was du aufgezeigt hast, Trochäus.

    Deinen Link zur "neuen Lyrik" jedoch finde ich nur teilweise befriedigend. Vers-Prosa-Prosodie Konzeption..schön und gut, finde ich aber noch momentan schwer zu erfassen. Muss ich vielleicht auf mich wirken lassen. Bei Rilkes Panther kann man schön deutlich von einer bewussten lautlichen Konzeption ausgehen (tausend Stäbe gebe...), aber ein User hat geschrieben, das wohl nicht jeder Dichter NUR seine Dichtung daran festmacht und das sehe ich genauso.
    Der Autor des themas aber beharrt sehr dringlich auf seine Sichtweise und hat ja auch die Dichtung FÜR SICH aus diesem Aspekt erschlossen. Fast schon bin ich dann aber wieder an l' art pour l'art erinnert....das die Gestaltung hier dann das Wichtigste ist...

    Der Link war interessant aber für mich noch nicht befriedigend, wenn du mir mein Aufbegehren hier verzeihen kannst^^
    Vielleicht kommt man ja noch auf einen Nenner.

    Ich habe das jetzt mal auf mich wrken lassen.
    Bist du also der Ansicht, dass heutoge lyrik durch speziell in ihrer Konstruktionsweise ist?
    Das man also erst einmal das gedciht liest, dann guckt was "technisch"(metrisch, Stilmittelmäßig) auffällt?
    -Klingt ein bisschen komisch hier, weil man das auch bei "alten " Gedichten macht. Doch für mich, meine ich damit, das man das intensiver macht.
    Mein Eindruck ist, dass bei alten gedichten oft die Wirkung harmonischer war. Bei den neueren muss (ich) man eventuelle. wirklich erst mal abreitsmäßig die Konstruktion wieder erfassen......

    Hätte nur gern ein meomosatz verfasst...So nach dem Thema:
    Die heutige Lyrik konzentriert sich nunmehr auf die Benutzung....
    Trotzdem danke nochmal, dass du mir geantwortet hast.
    Geändert von MisterNightFury (04.08.2013 um 16:14 Uhr)

  4. #4
    Registriert seit
    May 2008
    Beiträge
    4.447
    Hey,


    Ich glaube nicht, dass sich die moderneren Gedichte mit einem einzelnen Satz allgemein charakterisieren lassen, zu groß ist einfach die Vielfalt (wenn es dir aber gelingt, wäre ich auch sehr gespannt darauf). Die Einteilung, die im verlinkten Beitrag vorgestellt wird, kann da mE etwas Licht ins Dunkel bringen.

    LG,
    maXces

  5. #5
    Dr. Üppig Guest
    Das Gestaltungsprinzip der modernen Lyrik könnte man weitschweifig als "Formpluralismus" bezeichnen. Oder auch als "Regelpluralismus". Es werden seltener Formen verwendet, und wenn, dann werden keine bevorzugt, sodass man diese als typisch bezeichnen kann. Viel öfter ist eine Abkehr von der Form zu lesen: Als Beispiele könnte man Thomas Kling oder Sarah Kirsch anführen, letztere schreibt auch vermehrt die sog. "Prosagedichte". Die Dichter wenden sich von Gestaltungsmitteln wie Reim oder Versmaß ab und konzentrieren sich auf die Bildhaftigkeit der Sprache, auf bewusste Polysemie des Werks, aber auch auf die zentrale Stellung des Kunstwerks als solches (somit wäre eine Assoziation mit dem "L'art pour l'art"-Banner des Impressionismus durchaus richtig). Wenn man das Ganze weiter betrachtet, kann man auch den Begriff "Abkehr" in diesem Fall hinterfragen: Vielmehr wird die Formlosigkeit in ihren zahllosen Möglichkeiten zur Form.
    Das gleiche gilt für die Regeln, wie die der Grammatik und Rechtschreibung, Interpunktion etc. Diese werden sehr oft außer Kraft gesetzt, oder, parallel zur "Formpluralität", die Regellosigkeit wird zur Regel. Siehe, z.B., konkrete Poesie: Jandl schrieb Texte, die formal betrachtet falsche Wörter enthalten, wie "brüllzten", "kechelte" (wien: heldenplatz). Hier wird die Nähe zu den erahnten Wörtern und deren Erweiterung zur Regel erhoben, die für das Gedicht bestimmend ist. Somit bieten die Wörter bedeutend viel mehr Interpretationsspielraum.

    Zusammenfassend könnte man etwas flapsig formulieren: In der heutigen Lyrik gilt: Alles kann, nichts muss.

    mfG
    Geändert von Dr. Üppig (04.08.2013 um 22:24 Uhr)

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. Zum heutigen Sonntag
    Von Carolli im Forum Humor, Satire und Rätselhaftes
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 02.10.2016, 08:25
  2. Zum Muttertag - am heutigen englischen Mothering Sunday
    Von Montag im Forum Liebe und Romantik
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 10.03.2013, 09:33
  3. Der große Traum der heutigen Zeit
    Von Frodo im Forum Archiv
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 12.02.2009, 18:31
  4. Liebe bis zum heutigen Tag
    Von Low'sGirl im Forum Liebe und Romantik
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 18.04.2006, 16:14
  5. Ich stehle mir Zeit - gestohlene Zeit?
    Von Artemisia im Forum Nachdenkliches und Philosophisches
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 30.09.2004, 14:29

Stichworte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden