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    Horst des Ursprungs 2

    „Mardina!“ die Stimme der Nachtgöttin hallte von den Wänden des Saals wieder und verdeutlichte den wütenden Klang, der im Kontrast zu ihrer klaren und hellen Stimme stand.
    „Cousinchen, warum hast du unseren Wunsch noch nicht erfüllt?“ sprach Milazia, während sie bedrohlich begann um Mardina zu schleichen. Sie bewegte sich dabei so grazil wie eine Katze, die kurz vor einem Angriff war. Ihre stechend gelben Augen durchbohrten Mardina und der Mund verzog sich zu einem hämischen Grinsen, wobei sie ihre spitzen Eckzähne entblößte.
    „Wieso hältst du unsere Krieger zurück?“ zischte die Milazia und war nun nur noch wenige Zentimeter von Mardina entfernt.
    „ Warum sind sie noch immer im Horst?!“ die letzten Worte schrie die Göttin aus, und für kurze Zeit schien sich die Luft zu verändern. Sie wurde trocken und kalt, und die Steinplatten unter ihren Füßen waren plötzlich mit einer Frostschicht bedeckt.
    „Milazia!“ die tiefe Stimme des Sonnengotts lies die Halle vom Neuen erbeben.
    „Hüte deine Kraft!“ sprach Enerdo mit drohender Stimme. Milazia zischte noch ein letztes Mal in Mardinas Richtung und nahm wider ihre Position neben ihren Bruder ein.
    „Nun Mardina, sage uns warum wir mit unserem Krieg so lange warten müssen? Du weißt doch wie sehr es uns verzerrt, endlich alle Differenzen beizulegen und eine Macht herrschen zu lassen. Wir sehnen uns danach die Welt nicht mehr teilen zu müssen. Wir wollen entweder Tag oder Nacht und du lächerliches, unwichtiges Ding, wirst uns nicht daran hindern.“
    „Ich kann sie noch nicht aussenden.“ Sprach die Wächterin mit zitternder Stimme.
    „Sie sind noch nicht bereit, sie haben noch nicht vergessen.“
    „Du wagst es unseren Wunsch ein weiteres Mal abzulehnen? Du erdreistest dich vom Neuen?
    Ich werde dich lehren uns nicht zu widersprechen!“ die Stimme des Gottes dröhnte durch die Halle und zerriss Mardina fast das Gehör.
    Hitze und Kälte drangen nahezu gleichzeitig auf sie ein und ihr wurde schier der Atem genommen. Die Erde erbebte und das Licht begann sich Wellenartig vom Dunkel ins Helle Abzuwechseln.
    „Du hast die nicht die Macht uns zu wiedersprechen!“ schrie die jähzornige Göttin der Nacht, während Mardina langsam und zitternd in die Knie fiel. Schweißtropfen bildeten sich auf ihren Körper, gefroren augenblicklich und verdampften im nächsten Moment wieder.
    Ihre Augen drehten sich nach Hinten und gaben das Weiße frei. Der Körper der Wächterin wurde mit einer leichten Bewegung des Gottes zum schweben gebracht und wie eine Marionette hing Mardina, an der Grenze zur Bewusstlosigkeit, vor den beiden Mächten.
    Milazia klatschte begeistert in die Hände. „Schau Bruder, wie sie sich windet. Spürst du auch die Angst? Lass sie uns noch ein bisschen quälen, nur ein bisschen?“
    „Ja Milazia, ich spüre sie. Aber so wundervoll es wäre sie endgültig zu zerstören. Wir brauchen sie noch eine Weile.“ flüsterte Enerdo.
    „Mardina, hörst du mich?“ sagte der Gott in einem behutsamen Tonfall.
    „Gut, dann lausche genau. Noch einmal werden ich und Milazia abwechselnd herrschen. Nur noch eine Dauer hast du Zeit, um unseren Wunsch Folge zu leisten. Solltest du dich unverständlicher Weiße erneut sträuben, werden wir dich vernichten.“
    Mit diesen Worten ließ Enerdo die Halbgöttin zu Boden fallen.
    „Auf Wiedersehen Cousinchen“ zischte Milazia ein letztes Mal und sie und ihr Bruder wurden von einem plötzlich auftretenden schwarzen Nebel umhüllt. Der Nebel verschwand einen Wimpernschlag später und mit ihm waren auch die Mächte verschwunden. Zurück blieb nur eine zitternde, alte Frau.

    Mardina versuchte sich langsam aufzurichten, doch ihr vorzeitig gealterter Körper, sträubte sich gegen die Bewegungen. Geplagt von den Schmerzen schrie sie auf und erschreckte sich vor ihrer eigenen krächzenden Stimme. Als es der Wächterin endlich gelang, sich keuchen zu erheben, entschlüpfte ihr ein erneuter Aufschrei des Ekels, als sie ihren schlappen weich gewordenen Körper erblickte. Langsam bewegte sich durch die Halle, durchquerte die Gänge, die sie zuvor mit Leichtigkeit hindurch geeilt war, um schlussendlich, es kam ihr wie eine Ewigkeit vor, wieder die Terrasse zu erreichen.
    Der geschockte Blick der jungen Dienerin, die in ihrer Abwesenheit über den Horst wachte, verriet ihr, dass auch ihr Gesicht unter den Zauber litt. Plötzlich ertrug die Wärterin den Anblick der schönen Dienerin nicht mehr. Geblendet vor Wut über ihr Schicksal, schrie sie grellend auf und stürzte sich auf das Mädchen. Wie ihm Wahn begann sie ihr die Augen aus dem Kopf zu kratzen und das Gesicht zu zerreißen. Stumm, wie es sich für eine Dienerin eines Gottes, wenn auch nur Halbgottes, gehörte, lies das junge Mädchen diese Schandtat über sich ergehen.
    Als Mardina endlich keuchend von dem Mädchen abließ, war ihr einst schönes Gesicht nur noch eine blutende, pulsierende Masse.
    „Geh und lass die von Zarza, der Heilerin verarzten“ befahl die wieder zu sich gekommene Wächterin, während sie sich das Blut an ihrem Gewand von den Händen wischte.
    Die Gehilfin kroch mit den Händen blind um sich tastend über die Terrasse und zog dabei eine Blutspur hinter sich her.


    Bitte um Verbesserungsvorschläge
    Geändert von Baukis (09.08.2013 um 15:13 Uhr)

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