1. #1
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    Mord in seinem Revier

    Wachtmeister “Pedersen” ist mit Leib und Seele Polizist.
    Seit mehr als zehn Jahren geht er in Hamburg auf Streife.
    Seinen “Kiez” kennt er wie seine Westentasche und er ist überall beliebt, na ja, nicht überall.
    Die Ganoven mögen ihn nicht so sehr, weil er stets seine Nase in Dinge steckt, die ihn eigentlich “gar nichts angehen" ,…meinen sie.
    Seine Frau, er nennt sie liebevoll “Hummel”, weil sie stets vor sich hin summt, hat schon öfter mal Angst um ihren “Wachtmeister” und immer Nachts, wenn er auf Streife ist, macht sie sich stets große Sorgen.
    Pedersen ist gern nachts auf Streife, dann sind die Geräusche der Großstadt gedämpft, nachts hört sich Hamburg ganz anders an.
    Er lenkt seine Schritte zu den alten Speichern, jetzt sehen sie aus wie große, schwarze Ungetüme. Sie liegen am alten Fleet, einem Kanal und das Glucksen des Wassers, ist das einzige Geräusch was zu hören ist.
    Von einer kleinen Brücke schaut Pedersen ins Wasser, nachtschwarze, kleine Wellen, machen sich -ohne Eile- auf den Weg zur nahen Elbe.
    Ab und zu hört man das Tuckern von Bootsmotoren, dann ertönt das dumpfe Horn eines größeren Schiffes.
    Pedersen spuckt ins Wasser, aber als er sich abwenden will, sieht er einen dunklen Gegenstand im Wasser treiben. Er leuchtet mit seiner kleinen Lampe und erschrickt, da unten treibt ein menschlicher Körper und der sieht nicht gerade “lebendig” aus.
    Er verständigt sofort seine Zentrale, die alles Weitere veranlasst.
    Pedersen bleibt noch auf der Brücke um seinen Kollegen Bericht zu erstatten.
    Es war eine junge Frauenleiche die man dann aus dem Wasser zog, ein junges Ding, zu jung zum Sterben.
    Die Beamten stellten fest, dass sie erwürgt worden war.
    Pedersen blickte über das dunkle Wasser …was bedeutet anderen schon ein Menschenleben?
    Der ermittelnde Kommissar bat ihn zu der Adresse zu gehen, die man bei der Leiche gefunden hat.
    Es war nicht sehr weit dorthin, ein großes, dunkles Mietshaus, keine erleuchteten Fenster. Mit seiner Lampe leuchtete es das Klingeltableau ab, er fand den Namen “Jennings”, den Name der Toten. Pedersen fühlte sich jetzt nicht sehr wohl, er musste den Eltern des Mädchens eine schlimme Nachricht überbringen.
    Er riss sich zusammen und läutete.
    Es dauerte eine ganze Weile, bis die Sprechanlage ertönte : “Was soll der Scherz mitten in der Nacht”?
    Pedersen räusperte sich: “Entschuldigen sie bitte, ich bin von der Polizei und muss sie dringend sprechen”! Ein Summen ertönte und die Tür öffnete sich, er ging hinein, eine Glühbirne erleuchtete den schmalen Hausflur. Von Oben erklang eine Stimme: “ Hier, im zweiten Stock”!
    Oben angekommen, stand eine ältere kleine Frau im Morgenmantel vor ihrer Wohnungstür. Sie sah ihn erwartungsvoll an. ”Ja bitte”? Pedersen stellte sich vor, “darf ich bitte herein kommen“?
    Die Frau war blass geworden, mit unsicheren Schritten ging sie voran. In der Wohnung setzten sie sich und Pedersen versuchte, mit schonungsvollen Worten, sie vom Tod ihrer Tochter zu informieren.
    Die Frau begann hemmungslos zu weinen.
    Nach einer geraumen Weile fragte er: ”Wissen Sie, wo sich Ihre Tochter heute aufgehalten hat”? Die Frau wischte sich die Tränen fort und sagte “Susi hatte heute Abend die “Table -Tanz-Bar-” -Feuchte Lagune- aufgesucht, dort tanzt sie jeden Abend vor den Gästen, sie tat das, um sie -also die Mutter- zu unterstützen …und jetzt, was soll jetzt werden”?
    Pedersen versuchte, so weit es ging, die alte Frau zu beruhigen und versprach, am anderen Tag wieder zu kommen.
    Das Schicksal dieses Mädchens hatte ihn doch sehr mitgenommen!
    Am nächsten Tag ging er wieder zu der alten Frau, sie war etwas ruhiger und konnte ihm erzählen, dass ihre Tochter davon gesprochen habe, der “Rote Paul” sei hinter ihr her, er will dass sie “Anschaffen” geht, er habe ihr sogar gedroht, ihr könnte ja mal was passieren, wenn sie sich weiterhin weigert”!
    Am gleichen Abend betritt Pedersen -in Zivil - die “Feuchte Lagune”, die Bar ist gut besucht, überall sitzen Männer, Dockarbeiter, Hafenarbeiter und Neugierige, die sich die Darbietungen anschauen. Das geht nicht ohne Gegröle und zotigen Bemerkungen ab. Auf drei großen Tischen verrenken sich halbnackte Mädchenkörper. Blaue Rauchschwaden hängen unter der Decke. Pedersen findet einen Platz und bestellt sich “ein Gedeck”, also Pils und Korn!
    Das Gejohle der Gäste widert ihn an.
    Ein grober Kerl mit roten Haaren weckt sein Interesse …der “Rote Paul”! Immer wieder spricht er zu den Tänzerinnen und immer wieder geht eine von ihnen zur Treppe im hinteren Teil der Bar, um “nach Oben” zu verschwinden! Dann folgt meist einer der Kerle, nachdem er dem “Roten” einen Geldschein in die Hand gedrückt hat.
    Nach einer Stunde steht der “Rote” plötzlich vor Pedersen. “Na Kumpel, bist zum ersten Mal hier”? “Ja, wollte mich hier etwas umsehen, nach Frischfleisch”!
    Der “Rote” lacht, stößt ihm in die Rippen und sagt. ”Da bist du hier richtig, was soll’s denn sein blond oder schwarz”?
    Pedersen grinst …is mir egal!
    Der “Rote” sagt : “Komm mit”! Er geht bis zur Treppe, zeigt nach Oben und sagt ,”Für Hundert, die zweite Tür”!
    Dabei hält er seine Hand auf und macht mit den Fingern die Bewegung des Geldzählens.
    Pedersen greift in die Tasche, holt einen Geldschein hervor und reicht ihn dem “Roten”! Der grinst und wünscht -viel Spaß-.
    Pedersen steigt nach Oben und öffnet die zweite Tür, ein fast dunkler Raum, spartanisch eingerichtet, breites Bett, zwei kleine Sessel, davor ein runder Tisch, daneben ein kleiner Schrank.
    Das Bett ist ganz in rot, aber alles ist sehr sauber.
    Die Tür öffnet sich plötzlich und ein fast nacktes Mädchen kommt ins Zimmer, sie lächelt ihn etwas scheu an und fragt, ”Möchtest Du ein Glas Sekt trinken”?
    Pedersen nickt, - “o.K., das lockert etwas die Stimmung“.
    Aus dem Schränkchen holt sie eine Flasche Sekt und zwei Gläser, gießt ein und prostet ihm zu. … ich bin Janine sagt sie, mit einem leichten Beben in ihrer Stimme.
    Sie legt sich aufs Bett und schaut ihn erwartungsvoll an!
    Pedersen setzt sich in einen der Sessel, er sagt: ”Eigentlich wollte ich zu Susi, wo ist sie denn”?
    Janine sagt, ”das wissen wir auch nicht, sie ist seit gestern verschwunden, sie hatte wieder einmal Ärger mit Paul, seit dem ist sie weg”! Pedersen bezahte den Sekt und lies eine etwas verwirrte Janine zurück:
    Als Paul sah, dass Pedersen schon wieder herunter kam, fragte er ,”Was ist passiert, hat sie gezickt”?
    Pedersen sagte -“nein-, aber ich muss mit Dir ungestört reden, geht das“?
    Paul öffnete einer der Türen, knipste das Licht an und erhielt plötzlich einen wuchtigen Faustschlag unter das Kinn!
    Benommen stürze er zu Boden, Pedersen war schon über ihn, legte Handschellen an und verpasste ihm einen Knebel, er öffnete das Fenster und wuchtete Paul durch dieses auf den Hinterhof. Als Paul wieder zu sich kam, kniete Pedersen auf ihn und hielt ihm ein Messer an die Kehle. “Wo ist Susi”?
    Paul sah ihn entsetzt an… sie ist…tot! Den Einstich des Messers spürte er noch! Als man ihn fand -ohne Knebel und ohne Handschellen- war er tot!
    Am anderen Tag ging Pedersen wieder auf Streife, sah im dunkeln die Lichter seines geliebten Hamburgs und war rundherum zufrieden.
    Von einer kleinen Brücke, spuckte er in das dunkle Wasser eines schmalen Kanals.

  2. #2
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    Hallo,

    Im Gegensatz zur Kaffeehauswerbung hätte diese Story sogar Potential.

    Abgesehen von den üblichen Verdächtigen, wie etwa die Punkt-Punkt-Punkt-Direkte-Rede und den Tempuswechseln, ist hier bereits ein Ansatz von Inhalt oder gar Handlung erkennbar. Dass der Schluss nicht nur überraschend, sondern auch unlogisch erscheint, mag ein Manko sein, allerdings ist ein Inhalt immer noch besser als keiner (gilt nicht für sonstige Fehler).

    Ein Fehler, wobei das jetzt schon Jammern auf höherem Niveau ist, ist auch, dass du dem Leser nicht zeigst, was Sache ist, sodass sich der Leser selbst sein Bild machen kann, sondern du schreibst das fix fertige Urteil hin. Ein Beispiel dafür ist etwa folgender Teil:

    Zitat Zitat von Twiddy4you Beitrag anzeigen
    Seinen “Kiez” kennt er wie seine Westentasche und er ist überall beliebt, na ja, nicht überall.
    Die Ganoven mögen ihn nicht so sehr, weil er stets seine Nase in Dinge steckt, die ihn eigentlich “gar nichts angehen" ,…meinen sie.
    Hier lässt du den Leser sich nicht selbst die Meinung bilden, sondern du sagst dem Leser das, was er sich eigentlich selbst denken sollte. Eleganter wäre es mE, wenn man derartige Aussagen in den Inhalt einbindet. Also etwa, dass die alte Dame, unserem Wachtmeister aus der Pâtisserie zuwinkt und sich bedankt, dass er ihr letzte Woche beim Hochtragen ihres Einkaufs half. Dann wissen die Leser auch: Okay, der Wachtmeister ist einer von der netten Sorte. Die Leute mögen ihn. Nur wirkt es damit unaufdringlicher, als wenn du direkt schreibst, dass ihn alle mögen. Das gleiche geht auch mit den Ganoven. Dann hat halt irgendwo ein Vandale an eine Mauer gesprüht, dass Pedersen stinkt oder jemand hat einen toten Vogel auf Pedersens Wagen gelegt. Voila. Damit wissen wir auch, dass unser Wachtmeister nicht überall beliebt ist und wir können uns denken, dass das nicht die alte Dame aus der Patisserie war.

    Pedersen spuckt ins Wasser, aber als er sich abwenden will, sieht er einen dunklen Gegenstand im Wasser treiben. Er leuchtet mit seiner kleinen Lampe und erschrickt, da unten treibt ein menschlicher Körper und der sieht nicht gerade “lebendig” aus.
    Man muss "wichtige" "Wörter" "nicht" unbedingt "unter Anführungszeichen" "schreiben". DAS IST FAST SO TOLL WIE WENN MAN ALLES GROSSSCHREIBT. O d e r a l l e s g e s p e r r t s c h r e i b t.


    Er verständigt sofort seine Zentrale, die alles Weitere veranlasst.
    Pedersen bleibt noch auf der Brücke um seinen Kollegen Bericht zu erstatten.
    Es war eine junge Frauenleiche die man dann aus dem Wasser zog, ein junges Ding, zu jung zum Sterben.
    Die Beamten stellten fest, dass sie erwürgt worden war.
    Pedersen blickte über das dunkle Wasser …was bedeutet anderen schon ein Menschenleben?
    Zunächst einmal: Hast du dir deinen Text jemals selbst durchgelesen? Ist dir dabei nicht aufgefallen, dass die Zeit herumhüpft wie ein Känguru?
    Positiv möchte ich die rhethorische Frage am Ende der zitierten Passage hervorheben - insbesondere im Hinblick auf den Schluss ist diese Frage wohl von entscheidender Bedeutung für diesen Text.

    Mit seiner Lampe leuchtete es das Klingeltableau ab, er fand den Namen “Jennings”, den Name der Toten.
    Er.


    “Susi hatte heute Abend die “Table -Tanz-Bar-” -Feuchte Lagune- aufgesucht, dort tanzt sie jeden Abend vor den Gästen, sie tat das, um sie -also die Mutter- zu unterstützen …und jetzt, was soll jetzt werden”?
    Gut, dass die Mutter zu Tränen gerührt ist, weil sie ihre eigene Tochter jetzt nicht mehr prostituieren kann. Die arme alte Frau. Was soll nur aus ihr werden?
    Es scheint so, als hätte Pedersen Mitleid mit der alten Frau. Warum? Die Alte betrauert den finanziellen Verlust, wie es scheint, mehr als den Tod ihrer Tochter.

    Tipp am Rande: Auch wenn sowohl Mutter als auch Tochter feminin sind, ist nur "sie" derartig oft wiederholt wie hier nicht optimal.

    Paul öffnete einer der Türen, knipste das Licht an und erhielt plötzlich einen wuchtigen Faustschlag unter das Kinn!
    Benommen stürze er zu Boden, Pedersen war schon über ihn, legte Handschellen an und verpasste ihm einen Knebel, er öffnete das Fenster und wuchtete Paul durch dieses auf den Hinterhof. Als Paul wieder zu sich kam, kniete Pedersen auf ihn und hielt ihm ein Messer an die Kehle. “Wo ist Susi”?
    Paul sah ihn entsetzt an… sie ist…tot! Den Einstich des Messers spürte er noch! Als man ihn fand -ohne Knebel und ohne Handschellen- war er tot!
    Zwei Leute sagen, dass der Rote Paul der Täter ist. Und unser ach so toller Kommissar lyncht den bösen Roten Paul. Ohne Beweise. Aufgrund von zwei Vermutungen. Ja, das riecht nach Gerechtigkeit. Die Aussage der Mutter, die um den Verdienstentgang trauert, ist sicherlich viel wert. Gänzlich undenkbar, dass hinter dem Mord die Mutter mit ihren finanziellen Motiven steckt. Oder die andere Prostituierte, die vermutlich auch finanzielle Motive hätte. Gab es vielleicht einen reichen Kunden? Oder steckt etwas anderes dahinter? Die Ermittlungen unseres Kommissars sind miserabel, er stellt weder die richtigen noch überhaupt Fragen. Er übernimmt wie ein dreijähriges Kind jede Aussage gänzlich unreflektiert, er zweifelt nichts und niemanden und schon gar nicht die Schuld des Roten Pauls an. Hätte der Rote Paul jetzt noch eine Narbe über der Wange, eine Augenklappe und einen gefährlichen Akzent, ...
    Der Böse kann ja auch nur der Böse sein. Ich finde dieses Ende zwar von der Idee her gut, also dass unser Kommissar zum Mörder wird, allerdings würde ich mir hier ein Motiv wünschen. Es geht mir dabei weniger um das Motiv des Roten Pauls, das natürlich auch nicht schlecht wäre, sondern viel mehr um das Motiv unseres Kommissars. Was hält ihn davon ab, seinen Verdacht dem zuständigen Kollegen zu melden? Wäre das jetzt schon der fünfte Fall dieser Art innerhalb der letzten paar Monate, wäre der Rote Paul bereits mehrfach angeklagt worden und mittels schmieriger und zwielichtiger Anwälte den Freispruch erreicht, hätte der Rote Paul die Nichte des Kommissars zur Prostitution gezwungen oder hätte der Kommissar erst letzte Woche erfahren, dass er Krebs hätte, dann würde mir diese Story besser gefallen.



    Von einer kleinen Brücke, spuckte er in das dunkle Wasser eines schmalen Kanals.
    Guter Schlusssatz. Der gefällt mir. Der Schlusssatz sorgt hier für eine schöne Abrundung.

    LG,
    maXces

  3. #3
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    Hallo maXces,
    es freut mich natürlich, wenn eine Geschichte so gut kommentiert wird.
    Das es meist etwas auszusetzen gibt liegt in der Sache an sich.
    Du hast gut und aufmerksam gelesen, darum gibt es an Deiner Kritik nichts zu bemängeln.

    Lg von mir...Twiddy...

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