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Thema: Formen

  1. #1
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    Hier folgt nun eine Auflistung von Gedichts- und Strophenformen! Demnächst werden Formen der Prosa folgen um das Angebot zu komplettieren.

    Besten Dank an Satchmo für seine Unterstützung!

    Micha


    Quellen: http://www.vera-hewener.de/ / www.haiku.de / www.ingrids-haiku.de / www.deinlein.de / Satchmo´s Metrik-Thread / www.uni-essen.de / http://www.limerick-queen.de


    Gedichtsformen (Beitragsnummer)
    Ballade (12)
    Elfchen (23)
    Epigramm (25)
    Figurengedicht (26)
    Haibun (11)
    Haiku (22)
    Limerick (17)
    Madrigal (5 + 24)
    Okto (32)
    Renga (28 + 30)
    Senryû (21)
    Sestine (16)
    Sonett (2)
    Tanka (19)
    Terzanelle (31)

    Strophenformen
    Akrostichon (21)
    Alexandriner (6)
    Chevy-Chase-Strophe (10)
    Distichon (18)
    Elegie (27)
    Gasel/Ghasel (13)
    Nonarime (9)
    Ode (7 + 29)
    Ritornell (8)
    Siziliane (14)
    Stanze (15)
    Terzine (4)
    Volksliedstrophe (3)
    Geändert von Nachteule (18.07.2015 um 02:31 Uhr) Grund: Überarbeitet/Übersichtlicher

  2. #2
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    Sonett

    Die Ursprünge liegen weitgehend im Dunkel, doch hat es sich als eigenständige Form im italienischen Mittelalter herauskristallisiert. Seine Erste Blüte erfuhr das Sonett durch die Dichtungen Petrarcas und Dantes. So haben vor allem auch Petrarca-Übersetzungen zur Verbreitung des Sonetts in Europa beigetragen, wie auch Opitz mit seinem Lehrbuch von der deutschen Poetery. Der Begriff Sonett heißt übersetzt "Tönchen" oder "kleiner Klang". Die deutsche Bezeichnung "Klinggedicht" stammt von Andreas Gryphius. Ein gutes Sonett muss klingen, hat immer auch eine musikalische Note. Dies schlägt sich in der Form im Metrum und Reimschema nieder. Keine andere lyrische Form ist derart strikt festgelegt wie das Sonett, denn Versmaß, Reim, Strophenform und Länge des Gedichtes sind vorgegeben. Das vierzehnzeilige Gedicht besteht aus zwei über Reime miteinander verbundenen Quartetten und zwei anschließenden Terzetten in der Reimfolge abba - abba - oder abba - baab und cdd - cee oder cdc - ede im fünfhebigen Jambus, d.h. das Versmaß ist der Elfsilbler. Das klassische Versmaß der italienischen Sonette ist ebenfalls der Endecasillabo (Elfsilbler), im Französischen herrscht der Alexandriner vor. Shakespeare entwickelte eine eigene Form des Sonetts, das durch drei kreuzgereimte Quartette ohne Reimwiederholung und ein abschließendes Reimpaar gekennzeichnet ist. Das Sonett hat im Laufe der Zeit viele Abwandlungen erfahren. Versmaß und Versfuß können variieren. Was weiterhin kennzeichnend bleibt sind zwei Quartette und zwei Terzette mit umschlingendem Reim.

  3. #3
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    Terzinen

    (Terzine = Dreizeiler, Dreireimer)

    Eine Terzine besteht aus drei Versen. Das klassische Versmaß ist der fünfhebige Jambus. Terzinen können betont oder unbetont enden. In diesem Falle besteht die Terzine aus Elbsilblern. Kennzeichnend für die Terzine ist das Reimschema. Es reimen sich jeweils der erste und dritte Vers. Der mittlere Vers reimt sich strophenübergreifend mit dem ersten und dritten Vers der zweiten Strophe. Damit der überhängende Reim der letzten Strophe der mittleren Zeile nicht reimlos bleibt, wird ein Vers angehängt, der sich wiederum mit der letzten mittleren Zeile reimt. Reimschema daher: aba bcb cdc d. Der Terzinenreim wird auch äußerer Kettenreim genannt.

  4. #4
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    Madrigal

    Das Madrigal ist ein einstrophiges Gedicht mit freier Silben-, Vers- (zwischen 4 und 20) und Reimfolge; Ursprungsland Italien; seit dem 16. Jh. in Deutschland nachgebildet.

    Bsp:

    “Wenn ich sechs Hengste zahlen kann,
    Sind ihre Kräfte nicht die meine?
    Ich renne zu und bin ein rechter Mann,
    Als hätt ich vierundzwanzig Beine.
    Drum frisch! Laß alles Sinnen sein,
    Und grad mit in die Welt hinein!
    Ich sag es dir: ein Kerl, der spekuliert,
    Ist wie ein Tier, auf dürrer Heide
    Von einem bösen Geist im Kreis herumgeführt,
    Und ringsumher liegt schöne, grüne Weide.“

    Goethe (Faust)

  5. #5
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    Alexandriner

    Der Alexandriner läßt sich erstmalig in der französischen Epik des frühen 12. Jahrhunderts (im Roman d‘Alexandre von Lambert le Torts) nachweisen, eigentliche jedoch ist er nur eine Variante des klassischen antiken Tragödienverses (Sophokles), des jambischen Trimeters. Seit dem 16. Jahrhundert wird der Alexandriner zum bevorzugten Vers der französischen Tragödien (Corneille / Racine), ein Jahrhundert später erklärt ihn Martin
    Opitz in geringfügig abgewandelter Form zum Hauptversmaß deutscher Dichtung. Und in der Tat handelt es sich beim Alexandriner um den wichtigsten Vers der barocken Verssprache – nicht nur in der Lyrik, sondern auch in Epik und Dramatik.

    Der Alexandriner ist ein jambisch alternierender, sechshebiger Reimvers: er beginnt auftaktig, also mit einer unbetonten Silbe, dann wechseln sechs Hebungen mit je einer Senkung. Die sogenannte Kadenz, das Versende, kann sowohl aus einer betonten ("männlichen") als auch aus einer unbetonten ("weiblichen") Silbe bestehen. Je nach Endung ist der Alexandriner damit zwölf- oder dreizehnsilbig. In der Mitte, nach der dritten Hebung, ist der Vers
    durch eine Zäsur deutlich unterteilt, die zu einer antithetischen oder auch parallelen Gestaltung der beiden Vershälften einlädt. So beispielsweise bei Gryphius in dem Gedicht „Es ist alles eitell“:

    "DU sihst / wohin du sihst nur eitelkeit auf erden.
    Was dieser heute bawt / reist jener morgen ein:
    Wo itzund städte stehn / wird eine wiesen sein
    Auff der ein schäffers kind wird spilen mitt den heerden."


    a à a à a à / a à a à a à a
    a à a à a à / a à a à a à
    a à a à a à / a à a à a à
    a à a à a à / a à a à a à a

    Die antithetischen Möglichkeiten des Alexandriners macht der zweite Vers besonders deutlich, indem das konstruktive Bauen der Städte dem destruktiven Einreißen gegenübergestellt wird. Die Querstriche, die in diesem Fall mit der Zäsur zusammenfallen, sind als von Gryphius gesetzte Satzzeichen zu verstehen, die Zäsur liegt immer in der Mitte der Verse, also nach "sihst", "bawt", "stehn" und "kind". Liest man das Gedicht laut, macht man an diesen Stellen unwillkürlich eine Pause. Die Versenden sind in diesem Gedicht gekennzeichnet durch einen umarmenden oder Schweifreim, bei dem sich jeweils die beiden unbetonten (1. und 4. Vers) und die beiden betonten (2. und 3. Vers) Endungen miteinander reimen. Es gibt aber auch Gedichte in Alexandrinern, die in Paarreimen geschrieben sind.

  6. #6
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    Sestine

    Aus sechs Strophen bestehende Gedichtform zu je sechs jambischen Verszeilen; Besonderheiten: Die Schlusswörter der Verszeilen der ersten Strophe werden durch sämtliche Strophen in freier Folge beibehalten. Ferner kehrt das Schlusswort der letzten Zeile einer Strophe als Schlusswort der ersten Zeile der folgenden Strophe wieder. An die sechs Strophen schließt sich eine dreizeilige Coda an, in der sämtliche Schlusswörter in der Reihenfolge der ersten Strophe frei verarbeitet wiederkehren.

    “Wenn durch die Lüfte wirbelnd treibt der Schnee,
    Und lauten Fußtritts durch die Flur der Frost
    Einhergeht auf der Spiegelbahn von Eis;
    Dann ist es schön, geschirmt vorm Wintersturm,
    Und unvertrieben von der holden Glut
    Des eignen Herds, zu sitzen still daheim.

    O dürft¢ ich sitzen jetzt bei der daheim,
    Die nicht zu neiden braucht den reinen Schnee,
    Die mit der sonn¢gen Augen sanfter Glut
    Selbst Funken weiß zu locken aus dem Frost!
    Beschwören sollte sie in mir den Sturm,
    Und tauen sollte meines Busens Eis.

    Erst muß am Blick des Frühlinges das Eis
    (...)

    Mit Blütenschnee schmückt sich der kahle Frost,
    Das Eis wird Lichtkristall und Wohllaut Sturm,
    Wo ich voll Glut zu dir mich denke heim."

    Fr. Rückert: Sestine (aus den italienischen Gedichten)

  7. #7
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    Limerick

    Der Limerick ist ein Fünfzeiler der im Reimschema AABBA aufgebaut ist. Die A-Verse (Zeilen 1, 2 und 5) umfassen in der Regel 9 Silben, die B-Verse (Zeilen 3 und 4) nur 6 Silben. Limericks im Anapäst-Versmaß sind das Übliche. Jedoch werden vielfach auch Jamben akzeptiert oder Kombinationen von Anapästen und Jamben. Bei Kombinationen ist zu beachten, dass der Lesefluss nicht durch Versmaßwechsel unterbrochen wird. Daher sollten die A-Verse (1, 2 und 5) im Versmaß gleich sein (z.B. Jamben), die B-Verse 3 und 4 dann entsprechend, z.B. nur Anapäste. Es müssen Hebung im Limerick-Versfuß und die beim Sprechen übliche Wortbetonung übereinstimmen. Schon ein einziger Betonungsfehler wertet den Beinahe-Limerick zum Fünfzeiler ab.

    Beim klassischen Limerick werden in der ersten Zeile eine Orts- und Namensangabe genannt, die letzte Zeile bringt eine Pointe.

    Bsp.:

    „Es wollte in dörflichen Mauern
    ein Hacker nicht gänzlich versauern.
    Er surft schnell zu Eros,
    da war schließlich mehr los.
    Da tat er vor Wonne erschauern.“

    Jörg Neumann

  8. #8
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    Distichon

    Das Distichon ist ein Doppelvers aus Hexameter und Pentameter. Wird es stophisch verwendet, nennt man es elegisches Distichon. Die alten Griechen bezeichneten ein Gedicht, das aus aneinander gereihten Distichen bestand, als Elegie. Es ging dabei nur um die Form, nicht um den Inhalt. Nach unserem Sprachverständnis ist eine Elegie eine Dichtung aus Wehmut.

    Bsp:

    "Liebeskuss

    © Vera Hewener

    Herzwind, hauche dem Brennenden Kühlung, dem Sterbenden Leben,
    flechte der Nachtfaser Kranz. Lichtwerk ins Dunkel. So glühe

    Wegwarte verlassenen Seelen, erfüll sie mit Hoffnung,
    tagbeständig das Gefühl. Liebe, die rief, dich erlöste.

    Sehnsucht entfesselt die sprühenden Funken, von Träumen befeuert,
    gegenwartsnah wie dein Kuss. Herztiefer Sternengesang!"

    aus: Bist Himmel mir und tausend Feuerfunken.

  9. #9
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    Tanka

    Tanka ist neben Haiku eine weitere japanische Gedichtform.
    Jede Gedicht ist fünfzeilig und besteht aus 31 Silben, die sich wie folgt auf die Zeilen 1- 5 verteilen: 5,7,5,7,7. Aufgrund der 31 Silben kann mehr beschrieben werden als beim 17 silbigen Haiku. Die Themen der Tankas sind sehr unterschiedlich. Sie reichen von der reinen Betrachtung der Natur bis zum Versuch das eigene Empfinden in der Beobachtung der Natur wiederzufinden. Dabei werden auch häufig sehr vergängliche Ereignisse beschrieben wie z.B. das Fallen von Blütenblätter vom Ast, die dem normalen Betrachter aufgrund der Unaufmerksamkeit entgehen. Man nimmt Alltägliches ganz anders wahr und verliert sich in der Betrachtung, wie z.B der Blick auf ein Gebirge, wo der Nebel drüber hinwegzieht.
    (Quelle unbekannt)

    Bsp:

    „Zarte Schneeflöckchen
    zieren Bäume und Sträucher -
    ausgefallene
    lichtfunkelnde Schmuckstücke.
    Jedes glänzt als Unikat.“
    D.Heider



    Eigene Anmerkung: Dies ist ein winziger Rahmen des Tanka. Es gibt sehr viele Themen und Stile dieser Stücke.

  10. #10
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    Akrostichon:

    (griech. Versspitze = erster Buchstabe eines Verses), Gedicht, bei dem die Anfangsbuchstaben (-silben, -wörter) der einzelnen Verse oder Strophen aneinandergereiht ein Wort, einen Namen oder Satz ergeben.

    Bsp:

    "Nachruf

    Akrostichon für Gerhard Stebner

    © Vera Hewener

    Gerhard Stebner,
    ein Dichter
    reiner Sprachkultur,
    hat stets in seinen Versen
    auf Strenge geachtet,
    Raum, Zeit und Sinngehalt
    der Worte zelebriert.

    Seines Werkes poeta ductus:
    tausendfach in seinen Gedichten,
    engagiert in der Literatur,
    bis zuletzt,
    nie zaudernd, nie verzagend.

    Ein schmerzhafter Verlust
    reicht uns die Hand."

    In: Bist Himmel mir und tausend Feuerfunken. 2003

  11. #11
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    Senryû

    Wie Haiku sind Senryû Dreizeiler nach dem japanischen Strickmuster 5-7-5. Im Gegensatz zum Haiku hat das Senryû den Menschen mit all seinen Eigenarten, Schwächen und Beziehungen zum Thema. Zwar können auch im Haiku Personen vorkommen, sogar in der Ich-Form, aber sie gehen meist in der Natur/Umwelt auf. Die Aufteilung in Haiku und Senryû erscheint merkwürdig, sieht das vom Zen und Shinto geprägte Japan doch den Menschen als Teil der Natur.

    Bsp:

    “Hinter ihrem Mund
    die Lippen ihrer Ahnen.
    Herrisch bis heute.“

    Unbekannt

  12. #12
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    Haibun
    Ein Haibun ist eine Verbindung von Prosa und Lyrik. Es kann den Charakter eines (Reise-)Tagebuches haben, aber auch einem Essay oder einer Sammlung spontaner Skizzen und Gedanken ähneln. Ein Haibun kann ein oder mehrere Haiku (gelegentlich auch Tanka) enthalten, oder nur aus Prosa bestehen. Vom Stil her ist diese Form eher lyrisch und betrachtend als erzählend, dabei konzentriert und wahrhaftig. Prosa und Haiku ergänzen sich, das Haiku gibt also keine bloße Zusammenfassung des Textes, sondern vertieft das Erzählte auf lyrische Weise. Das Haiku sollte auch ohne Prosa als ein eigenständiges Gedicht verstanden werden können. Ein Haibun ist in sich geschlossen, lässt aber am Ende etwas offen. Wie ein gutes Haiku hat es einen Nachhall.
    Der Haibun lebt von klaren, einfachen Worten, Assoziationen, Bildern, Vergleichen und Anspielungen. Ebenso wichtig wie atmosphärische Dichte und eine knappe Darstellung sind Rhythmus und Klang der Sprache.

    Bsp:

    >>Strandgut

    Es dauert eine Weile, bis ein Weinen mich im Schlaf erreicht. Den Kopf an meine Freizeittasche gelehnt, war ich eingenickt am Strand, vor dem prunkvollen Scheveninger Kurhaus. Um mich herum liegen nun Gummistiefel und nasse Söckchen. Benommen richte ich mich auf. Entlang der Strandlinie tollt ein schwarzer Hund, neugierig beschnuppernd, was das Meer angeschwemmt hat. Und dort, ja, dort sehe ich auch schon meine Kinder; an großen Vaterhänden springen sie in die einrollenden Wellen. Wie blass ihre Waden noch sind. Neben mir haben sich drei junge Frauen eingefunden. Zwei von ihnen sonnen sich im Liegen, nur eine sitzt - wie ich jetzt auch -, aber etwas abseits und mit dem Rücken zum Meer. Sie hat ein schönes Gesicht. In einem fort nimmt sie etwas Sand auf, sieht gebannt zu, wie er glitzernd über ihren Jeans zerstiebt, und lacht dabei. Vorhin meinte ich ein Schluchzen zu hören, aber jetzt sehe ich: es ist etwas an ihrem Lachen...
    Angestrengt beobachte ich meine Kinder. Auch ohne hinzuschauen, weiß ich jetzt, was neben mir geschieht. Der Sand auf ihren Jeans reicht der jungen Frau bald bis an die Brust. Mit einer schnellen Bewegung ihrer Beine lässt sie ihn dann in sich zusammen sinken. Drei, vier weitere Hügel mag sie so schon angehäufelt haben - ganz zufrieden in ihrer Welt. Da räkeln sich die beiden anderen. Beherzt beenden sie das starre Spiel und klopfen der Schönen fix den Sand aus der Bluse.
    Ob sie Hunger habe, höre ich.
    „Eis", spricht sie tonlos.
    Mitsamt diesem Strand,
    der durch ihre Hände rinnt,
    rieselt ihr Lachen
    in eine Schublade, noch
    voll vom Sand meines Jungen.“<<
    Ingrid (siehe Quellenangabe)

  13. #13
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    Ballade
    Wie viele andere Gedichtformen auch, ist die Ballade ursprünglich ein von Tanzenden gesungenes Gedicht, das seine Wurzeln in den romanischen Ländern hat. In England wurde der Begriff Ballade im 18. Jahrhundert auf Volkslieder übertragen, die ein dramatisches Ereignis, auch mithilfe der Personenrede, erzählen. Seither ist die Ballade definiert als ein längeres Gedicht, das lyrische, epische (narrative) und dramatische Elemente verbindet. Im 18. Jahrhundert wurde die volkstümlich-traditionelle Ballade in Deutschland von Dichtern des Göttinger Hains (Höltys Romanzen, Bürgers Lenore) aber auch von Goethe (Der Erlkönig) und Schiller (Die Bürgschaft) zu einer neuen kunstvollen Form weiterentwickelt. Diese Tradition wurde von Heine (Atta Troll) und Fontane (Die Brück‘ am Tay) im 19. Jahrhundert, von Brecht und Biermann mit Rückbesinnung auf die volkstümlichen Wurzeln des Bänkelsangs im 20. Jahrhundert fortgesetzt.

    Bsp:

    Theodor Fontane Die Brück´ am Tay

    Aufbauhilfen zur Ballade findet ihr hier

  14. #14
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    Stanze

    (stanza = Zimmer, Aufenthaltsort, Strophe)

    Die Stanze ist eine klassische italienische Strophenform. Sie besteht aus acht Versen mit dem Reimschema abababcc. Das Versmaß ist der fünfhebige Jambus. Ursprünglich bestand er nur aus Elbsilblern, endete also betont bzw. mit einem weiblichen Reim. Er kann jedoch auch abwechselnd weibliche und männliche Reime aufweisen. Die erste bis sechste Zeile ist der Aufgesang, die beiden letzten der Abgesang.

  15. #15
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    Haiku

    Das HAIKU (Plural: die Haiku) ist eine Jahrhunderte alte japanische Gedichtform. In seiner klassischen Tradition, die bis heute in Japan gilt, ist das Haiku vor allem Natur- und Jahreszeitendichtung. Es besteht aus siebzehn Silben aufgeteilt in drei Zeilen zu jeweils 5-7-5 Silben. Große Meister-Haiku bestechen durch ihre schlichte Ästhetik, mit der es dem Dichter gelingt, einen Augenblick menschlichen Erlebens in Worte zu fassen, der beim Leser nachklingt.

    Bsp:

    “Der nahe Frühling
    Verschleiert den ganzen Tag
    Die Schlucht mit Regen.“

    Toyo

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