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Thema: Formen

  1. #16
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    Volksliedstrophe

    Vier „Volksliedzeilen“; Reimschema: abab; in der Regel Wechsel von weiblichen und männlichen Kadenzen; Liedhaftigkeit.

    Bsp:

    „Hier hinter den Myrtenbäumen
    In heimlich dämmernder Pracht,
    Was sprichst du wirr wie in Träumen
    Zu mir, phantastische Nacht?“

    (Eichendorff: Schöne Fremde, 2. Str.)

  2. #17
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    Ode

    (griech.: Gesang) In der griechischen Antike war der Begriff Ode ursprünglich eine Sammelbezeichnung für alle strophische Dichtung, die mit Musikbegleitung vorgetragen wurde. Blickt man heute auf die antiken Oden im engeren Sinne, so unterscheidet man die Chorlieder beispielsweise Pindars vom lyrischen Einzelgesang der äolischen Lyriker Sappho und Alkaios. Sind die Oden Pindars in Thematik und Ton meist Lobesänge auf Helden und Sieger, so zeichnen sich die lyrischen Einzelgesänge eher durch Leichtigkeit und alltägliche und private Inhalte aus. Horaz übersetzte die Oden der griechischen Antike ins Lateinische, dichtete nach diesen Vorlagen eigene Oden und entwickelte neue Odenstrophen.

    In Deutschland ist es, nach einigen Versuchen im Barockzeitalter, vor allem Klopstock, der die antiken Odenmaße zur Grundlage seiner Dichtung macht. Die langen und kurzen Silben des Griechischen ersetzt er durch betonte bzw. unbetonte Silben und versucht im übrigen, so genau wie irgend möglich die antiken Strophenformen nachzuahmen. Der Ton der Klopstockschen Oden ist pathetisch und oft hymnisch. Hölderlin, der einige Jahrzehnte nach Klopstock Deutschlands zweiter großer Odendichter wird, behält die von seinem Vorgänger eingeschlagene hohe Tonlage dieser Form bei.

    Die antiken Strophenformen zeichnen sich im Gegensatz zu den meisten neueren Formen durch Reimlosigkeit aus. Auch sind die Verse nicht alternierend, sondern setzen einfache und doppelte Senkungen nach relativ strikten, für die einzelnen Verse jeder Strophenform verschiedenen Regeln ein.

    In der deutschen Lyrik sind vor allem drei antike Odenformen rezipiert worden: die nach der griechischen Dichterin Sappho (600 v. Chr.) benannte sapphische Odenstrophe, die von Sapphos Zeitgenossen Alkaios bevorzugte alkäische Odenstrophe und eine von Asklepediades (270 v. Chr.) entwickelte Strophenform, die als asklepiadeische Odenstrophe in die Literaturwissenschaft eingegangen ist.


    sapphische Odenstrophe:
    Die sapphische Odenstrophe ist nach der um 600 v. Chr. lebenden griechischen Dichterin Sappho benannt und wurde in der deutschen Lyrik am wenigsten nachgeahmt, daher als Beispiel die erste Strophe der Ode an Anaktoria von Sappho in der metrisch genauen Übersetzung von Max Treu:

    "Reiterheere mögen die einen, andre
    halten Fussvolk oder ein Heer von Schiffen
    für der Erde köstlichstes Ding, - ich aber
    das was man lieb hat." (S. 90)

    Das Schema der sapphischen Odenstrophe sieht so aus:

    - È - È - È È - È - È
    - È - È - È È - È - È
    - È - È - È È - È - È
    - È È - È

    Die drei ersten Verse sind metrisch vollkommen gleich und bilden die sogenannten sapphischen Elfsilbler: sie beginnen auftaktlos mit einem (aus zwei trochäischen Versfüßen bestehenden) Trochäus, in der Mitte des Verses steht ein Daktylus, dem wieder ein Trochäus folgt. Der vierte Vers besteht aus einem Daktylus und einem trochäischen Versfuß.


    alkäische Odenstrophe:
    Der um 600 v. Chr. lebende griechische Dichter Alkaios entwickelte eine eigene Odenstrophenform, die in der deutschen Literatur von Hölderlin häufig verwendet wurde, so etwa in dem Gedicht Die Götter:

    "Du stiller Aether! Immer bewahrst du schön
    Die Seele mir im Schmerz, und es adelt sich
    Zur Tapferkeit vor deinen Strahlen,
    Helios! Oft die empörte Brust mir." (S. 57)

    È - È - È / - È È - È -
    È - È - È / - È È - È -
    È - È - È - È - È
    - È È - È È - È - È

    Bis auf den vierten Vers beginnen bei der alkäischen im Unterschied zur sapphischen wie asklepiadeischen Odenstrophe alle Verse auftaktig. Die beiden ersten Verse stimmen metrisch überein und bestehen aus den sogenannten alkäischen Elfsilblern: nach zwei jambischen Versfüßen und einer zusätzlichen Senkung folgt eine Zäsur, an die sich ein Daktylus und ein vollständiger sowie ein verkürzter, unvollständiger (="katalektischer") trochäischer Versfuß anschließen. Der dritte Vers ist durchgehend jambisch vierhebig, mit einer auch hyperkatalektisch genannten überzähligen Senkung am Schluß, und wird als alkäischer Neunsilbler bezeichnet. Zwei Daktylen und zwei darauffolgende Trochäen bilden den vierten, alkäischen Zehnsilbler genannten Vers.


    asklepiadeische Odenstrophe:
    Nach dem um 270 v. Chr. lebenden griechischen Dichter Asklepiades ist die asklepiadeische Odenstrophe benannt. Beispielhaft für diese Odenstrophenform ist Klopstocks Gedicht Der Zürchersee:

    "Schön ist, Mutter Natur, deiner Erfindung Pracht
    Auf die Fluren verstreut, schöner ein froh Gesicht,
    Das den großen Gedanken
    Deiner Schöpfung noch einmal denkt." (S. 53)

    Das zugrundeliegende Schema der asklepiadeischen Odenstrophe sieht so aus:

    - È - È È - / - È È - È -
    - È - È È - / - È È - È -
    - È - È È - È
    - È - È È - È -

    Alle vier Verse beginnen auftaktlos: dem trochäischen Versfuß folgt jeweils ein Daktylus und eine zusätzliche Hebung. In den ersten beiden Versen folgt an dieser Stelle eine Zäsur, die in Klopstocks Zürchersee nach den Worten "Natur" und "verstreut" deutlich spürbar ist. Die zweite Hälfte der ersten beiden Verse ist ebenfalls metrisch gleich: an einen Daktylus schließt ein katalektischer, d.h. um eine Senkung verkürzter Trochäus an, so daß beide Verse betont enden. Die dritte Zeile ist der kürzeste Vers der asklepiadeischen Strophe: einem trochäischen Versfuß folgt ein Daktylus, dann endet der Vers wiederum mit einem trochäischen Versfuß. Der vierte und letzte Vers stimmt mit dem dritten bis auf eine zusätzliche Hebung am Versende vollkommen überein.

  3. #18
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    Ritornell

    Ebenfalls aus Italien stammend; drei Verszeilen; 1. und 3. Verszeile reimen, während die 2. Verszeile reimlos bleibt. Die erste Verszeile enthält in der Regel eine Frage oder einen Ausruf.

    Bsp:

    „Blühende Myrte -
    Ich hoffte süße Frucht von dir zu pflücken;
    Die Blüte fiel; nun seh ich, dass ich irrte.

    Schnell welkende Winden -
    Die Spur von meinen Kindertagen sucht ich
    An eurem Zaun, doch konnt sich sie nicht finden.“

    (Th. Storm: Frauenritornell, 1. u. 2. Str.)

  4. #19
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    Nonarime

    (von ital. Nona rime = Neunreim): 9-zeilige Strophe, bei der auf die acht Verszeilen der Stanze eine neunte Verszeile folgt, die auf die b-Zeile reimt; Reimschema: abababccb.

  5. #20
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    Chevy-Chase-Strophe

    Im 18. Jh. aus England zuerst von Klopstock und Gleim übernommene volkstümliche Strophe; vier Verszeilen, von denen die 1. und 3. vier Hebungen, die 2. und 4. drei Hebungen hat; durchweg männliche Kadenzen; häufig in der Ballade verwendet.

    Bsp:

    „Graf Douglas, presse den Helm ins Haar,
    Gürt um dein lichtblau Schwert,
    Schnall an dein schärfstes Sporenpaar
    Und sattle dein schnellstes Pferd!“

    (von Strachwitz: Das Herz von Douglas, 1. Str.)

  6. #21
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    Gasel (das) / Ghasel (die)

    (arab. „Gespinst“) Orientalische Strophenform, bestehend aus zweizeiligen Strophen, die durch einen gleichen Reim der zweiten Verszeile miteinander verbunden sind, sodass alle geradzahligen Verse reimen, während die ungeraden Verse ungereimt bleiben. Vorbild ist der persische Dichter Hafis (14. Jh.); nachgeahmt von Fr. Schlegel, Goethe („Westöstlicher Divan“), Platen, Rückert.

    Bsp:

    „Es liegt an eines Menschen Schmerz, an eines Menschen Wunde nichts,
    Es kehrt an das, was Kranke quält, sich ewig der Gesunde nichts!

    Und wäre nicht das Leben kurz, das stets der Mensch vom Menschen erbt,
    So gäbs Beklagenswerteres auf diesem weiten Runde nichts!

    Einförmig stellt Natur sich her, doch tausendförmig ist ihr Tod,
    Es fragt die Welt nach meinem Ziel, nach deiner letzten Stunde nichts.„

    (Platen)

  7. #22
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    Siziliane

    Aus Sizilien stammend; Abart der Stanze; Reimschema: abababab; von Fr. Rückert in die deutsche Dichtung eingeführt.

    Bsp:

    „Ich will aufs Grab dir duft¢ge Blüten streuen,
    O Blüte, die der Tod in Staub gestreut!
    Das Blumenopfer will ich dir erneuern,
    So oft der Lenz sein Blumenreich erneut.
    Wie sollt¢ ich, Blumen, euch zu brechen scheuen,
    Da sie zu brechen nicht der Tod gescheut?
    Für sie zu sterben sollt ihr nun euch freuen,
    Weil ohne sie euch doch zu blühn nicht freut.

    (Fr. Rückert)

  8. #23
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    Elfchen

    Das Elfchen besteht aus elf Wörtern. Dabei hat die erste Zeile ein Wort, die zweite zwei, die dritte drei und die vierte vier wörter. Die fünfte aber nur eins.

    Formbeispiel:

    eins
    zwei drei
    vier fünf sechs
    sieben acht neun zehn
    elf

  9. #24
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    Ich mache mal ein paar Ergänzungen und Berichtigungen zum Thema Madrigal. Ich selbst bin mit dieser Form vertraut.

    Etymologisch vermutlich von matricalis [lat.] "von der Mutter her, in der Muttersprache". Im Ursprung von Petrarca (weniger von Dante) gepflegte und kultivierte poetische Gattung. Muttersprachliches (italienischens) Gedicht aus beliebieg vielen Terzetti gleichen Endreims mit jeweils einem ein- oder zweiversigen Ritornell, das anders reimt als das zugehörige Terzett. Jeder Vers eines Terzetts besteht aus 7 oder 11 Silben.
    Bei Petrarca hat das Madrigal noch pastorale Themen. Die arkadischen Texte werden jedoch im Verlaufe von autobiographischen, symbolischen, moralischen oder politischen Inhalten abgelöst.
    Beim Madrigal handelt es sich um poesia per musica, d.h. Lyrik, die sich zum Vertonen eignet und das wurde auch gemacht. Dabei fällt den Terzetti der musikalische Teil A, dem Ritornellen der musikalische Teil B zu. Das Madrigal ist die häufigste Liedgattung des frühen Trecento, später von der Ballata abgelöst.
    Mein Beispiel stammt vielleicht von Francesco Landini oder Jacopo da Bologna. Man vermutet, es wird um 1375 entstanden sein:

    Musica son che mi dolgo piangendo
    veder gli effetti mie dolci e perfetti
    lasciar per frottol i vaghi intelletti.
    Perché ingnoranza e vizio ogn'uom costuma,
    lasciasi 'l buon e pigliasi la schiuma.

    Ciascun vuol inarrar musical note,
    e compor madrigal, cacce, ballate,
    tenendo ognun le sue autenticitate.
    Chi vuol d'una virtù venire in loda
    conviengli prima giugner a la proda.

    Già furon le dolcezze mie pregiate
    da cavalier, baroni, e gran signori
    or sono 'mbastarditi e' genti cori.
    Ma i' Musica sol non mi lamento,
    ch'ancor l'altre virtù lasciate sento.

    (Bei meinen Gedichten "Ein altes Lied" und "Dichter Worte" handelt es sich übrigens auch um Madrigale.)

    Vampyre

    [Geändert durch levampyre am 22-02-2004 um 00:54]
    --LeV

    Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, schließlich ist die Auswahl groß genug. ~ J.P. Sartre

  10. #25
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    Epigramm

    (heute : Sinngedichte)
    Ursprünglich "Aufschrift" auf Weihgeschenken, Denkmälern und Gebäuden; seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. literarische Kurzform (meist in Distichen), von den Griechen zur Kunstform entwickelt; von den Römern zur klassischen Form knappster Aussage gesteigert (Martial, Catull); in Deutschland seit dem Barock verwandt und in den "Sinngedichten" F. von Logaus und G. E. Lessings und in den "Xenien" Goethes und Schillers zur Meisterschaft entwickelt.

  11. #26
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    Figurengedicht

    Gedichte, deren Schrift- oder Druckbild den Umriss eines Gegenstands wiedergibt (Herzen, Kreuze, Bäume). Besonders in der Barockdichtung gepflegt.

    Beispiele sind auf der HP http://gutenberg.spiegel.de zu finden.

  12. #27
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    Elegie
    Antike Form
    urspr. jedes im elegischen Distichon verfasste Gedicht; im engeren Sinn ein Klage- oder Trauergedicht (auch in einem anderen als dem elegischen Versmaß)

  13. #28
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    Renga - Das Partnergedicht

    Im 13.Jh entstand aus der japanischen Lyrikform Tanka die Renga-Gestaltung, eine Partnerdichtung. Ein Autor schrieb drei Zeilen (5-7-5 Silben) vor, den sogenannten Oberstollen. Dann bat er seinen Dichterfreund um Vollendung des Verses, der aus zwei Zeilen (7-7 Silben) bestand, dem sogenannten Unterstollen.

    In seiner Grundstruktur besteht also Renga, aus einem 31 silbigen Tanka, nur dass es von zwei Autoren verfasst wird. Als Abschluss wird eine Themenüberschrift hinzugefügt.

    Bsp.:

    Part 1 by OPPI
    Part 2 by Dietlinde

    "Sonnenlicht flutet
    durch das offene Fenster
    in meine Kammer.

    Verlockt mich zur Fahrradtour.
    Computer hält gefangen.

    Computerleidenschaft"

  14. #29
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    Ode/ Sapphische Strophe

    Guten Abend, verehrte Poetessen und Poeten!

    Geehrter Micha, ich erlaube mir, aus aktuellen Anlaß, zu Ode/ Sapphische Strophe zwei Anmerkungen hinzuzufügen:

    Horaz (65 v. Chr. – 8 v. Chr.) verwendete den sapphischen Vers immer mit einer Länge auf der vierten Silbe und einer Zäsur nach der fünften:

    - È - - -/ È È - È- È (Versmaß: Sapphicum)

    Beispiel:
    „Integer vitae scelerisque purus...“
    („Wer von Lastern frei und von Frevel rein lebt...“)
    -aus Hor.c.1,22: An Aristius Fuscus: „Des Dichters Unverletzbarkeit“


    Im Deutschen wird meist auf die Zäsur und den Spondeus verzichtet, da es Spondeen im Deutschen in der Reinform auch gar nicht gibt, greift man in der deutschen Sprache auf die schon in diesem Forum beschriebene saphische Strophe:

    - È - È - È È - È - È
    - È - È - È È - È - È
    - È - È - È È - È - È
    - È È - È



    Diese wurde in der deutschen Sprache von Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1802) etwas umgewandelt:

    - È È - È - È - È - È
    - È - È È - È - È - È
    - È - È - È È - È - È
    - È È - È


    Wie man sieht, wandelt hier der Daktylus von Vers zu Vers, adonischer Vers bleibt unverändert.

    Beispiel:
    „Ring des Saturns, entlegner, ungezählter
    Satelliten Gedräng, die um den großen
    Stern sich drehn, erleuchtet und leuchtend, droben
    Wandeln am Himmel.“
    - Friedrich Gottlieb Klopstock



    Hochachtungsvoll grüßt *pränumerando*


    "Um die Früchte zu erkennen, achte auf die Wurzel. Studiere die Vergangenheit, um die Zukunft zu erkennen."

    - Lieh-Tse!

    (wahrscheinlich 440 - 370 v. Chr.), eigentlich Lie-Yü, latinisiert Licius. Wundertätiger Heiliger, seine Existenz ist allerdings nicht zweifelsfrei zu beweisen!

  15. #30
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    Renga

    Was ist ein Renga?
    Ein Renga ist ein von zwei oder mehr Dichtern geschriebenes Kettengedicht.
    Es besteht aus einer Reihe von dem Tanka im formalen Aufbau gleichenden
    Kurzgedichten. Traditionell bestehen diese aus einem Oberstollen (Kami no ku)
    mit dem Silbenschema 5-7-5 und einem Unterstollen (Shimo no Ku) mit der Form
    7-7. Es gibt Renga mit bis zu 100 Teilgedichten.

    Erste Quellen, die von dieser Form der Dichtung berichten, findet man im
    jap. Mittelalter etwa um 1100 herum. Spätere Autoren wie etwa Nijo Yoshimoto (14.Jh)
    und Matsuo Bashô (17.Jh) machen das Renga zu einer akzeptierten Lyrikform.
    Das Renga setzte sich vor allem wegen seines Unterhaltungswertes durch, in dem sich
    bald abendliche Gesellschaften aus Zeitvertreib zur gemeinsamen Rengadichtung zusammensetzten.

    Bei der Rengadichtung, so wie sie sich bis heute etabliert hat, geht es vor allem um
    einem aus dem Zen-Buddhismus entliehenen Grundgedanken: Versuch Dein möglichstes, damit
    das gemeinsame Werk gut wird.
    Nicht der Autor, sondern die Synergie aller beteiligten Autoren und ihr Werk stehen im
    Mittelpunkt.


    Wie muß ich mir den Abblauf einer Rengadichtung vorstellen?

    Es beginnt ein Dichter mit dem Schreiben eines Oberstollens. Der nächste Dichter schreibt
    den Unterstollen. Dabei kann durch die Verse des zweiten Autors nocheinmal eine völlig
    andere Sinnwendung entstehen. Deshalb geht man davon aus, daß unter Umständen selbst die
    Interpuntkion eines Teilgedichts immer erst nach Schreiben des Unterstollens in beiden Strophen
    gesetzt wird.
    Je nach dem ob mit zwei oder mehr Dichtern das Renga geschrieben wird, setzt nun der zweite
    oder ein weiterer Autor das Renga mit einer neuen Obertrophe fort. Dann wieder der erste usw.

    Da das Renga vermutlich als Wurzeln das Tanka bzw. das Uta (jap. Kurzgedicht/Lied) hat,
    ist es inhaltlich nicht etwa wie beispielsweise ein Haiku so stark reglementiert. So müssen
    die Motive nicht etwa der Natur enliehen sein und auch eine jahreszeitliche Bindung ist nicht
    zwingend. Nicht selten kann man erleben, daß ein Renga alle Bereiche der Gesellschaft
    berührt.
    Es ist zumindest im deutschsprachigen Raum eine Form mit relativ lyrischem Charakter,
    sodaß das Augenmerk auch auf der sprachlichen Schönheit liegen kann und auch Bilder, Metaphern
    und ähnliche Stilmittel Anwendung finden können. Reime hingegen sind wie bei
    allen japanischen Formen verpönt.


    psychronicon
    (c)05/2006
    urbanwaka - Lieder der Stadt (Der Blog)

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