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Thema: Formen

Hybrid-Darstellung

  1. #1
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    Hier folgt nun eine Auflistung von Gedichts- und Strophenformen! Demnächst werden Formen der Prosa folgen um das Angebot zu komplettieren.

    Besten Dank an Satchmo für seine Unterstützung!

    Micha


    Quellen: http://www.vera-hewener.de/ / www.haiku.de / www.ingrids-haiku.de / www.deinlein.de / Satchmo´s Metrik-Thread / www.uni-essen.de / http://www.limerick-queen.de


    Gedichtsformen (Beitragsnummer)
    Ballade (12)
    Elfchen (23)
    Epigramm (25)
    Figurengedicht (26)
    Haibun (11)
    Haiku (22)
    Limerick (17)
    Madrigal (5 + 24)
    Okto (32)
    Renga (28 + 30)
    Senryû (21)
    Sestine (16)
    Sonett (2)
    Tanka (19)
    Terzanelle (31)

    Strophenformen
    Akrostichon (21)
    Alexandriner (6)
    Chevy-Chase-Strophe (10)
    Distichon (18)
    Elegie (27)
    Gasel/Ghasel (13)
    Nonarime (9)
    Ode (7 + 29)
    Ritornell (8)
    Siziliane (14)
    Stanze (15)
    Terzine (4)
    Volksliedstrophe (3)
    Geändert von Nachteule (18.07.2015 um 02:31 Uhr) Grund: Überarbeitet/Übersichtlicher

  2. #2
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    Elfchen

    Das Elfchen besteht aus elf Wörtern. Dabei hat die erste Zeile ein Wort, die zweite zwei, die dritte drei und die vierte vier wörter. Die fünfte aber nur eins.

    Formbeispiel:

    eins
    zwei drei
    vier fünf sechs
    sieben acht neun zehn
    elf

  3. #3
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    Ich mache mal ein paar Ergänzungen und Berichtigungen zum Thema Madrigal. Ich selbst bin mit dieser Form vertraut.

    Etymologisch vermutlich von matricalis [lat.] "von der Mutter her, in der Muttersprache". Im Ursprung von Petrarca (weniger von Dante) gepflegte und kultivierte poetische Gattung. Muttersprachliches (italienischens) Gedicht aus beliebieg vielen Terzetti gleichen Endreims mit jeweils einem ein- oder zweiversigen Ritornell, das anders reimt als das zugehörige Terzett. Jeder Vers eines Terzetts besteht aus 7 oder 11 Silben.
    Bei Petrarca hat das Madrigal noch pastorale Themen. Die arkadischen Texte werden jedoch im Verlaufe von autobiographischen, symbolischen, moralischen oder politischen Inhalten abgelöst.
    Beim Madrigal handelt es sich um poesia per musica, d.h. Lyrik, die sich zum Vertonen eignet und das wurde auch gemacht. Dabei fällt den Terzetti der musikalische Teil A, dem Ritornellen der musikalische Teil B zu. Das Madrigal ist die häufigste Liedgattung des frühen Trecento, später von der Ballata abgelöst.
    Mein Beispiel stammt vielleicht von Francesco Landini oder Jacopo da Bologna. Man vermutet, es wird um 1375 entstanden sein:

    Musica son che mi dolgo piangendo
    veder gli effetti mie dolci e perfetti
    lasciar per frottol i vaghi intelletti.
    Perché ingnoranza e vizio ogn'uom costuma,
    lasciasi 'l buon e pigliasi la schiuma.

    Ciascun vuol inarrar musical note,
    e compor madrigal, cacce, ballate,
    tenendo ognun le sue autenticitate.
    Chi vuol d'una virtù venire in loda
    conviengli prima giugner a la proda.

    Già furon le dolcezze mie pregiate
    da cavalier, baroni, e gran signori
    or sono 'mbastarditi e' genti cori.
    Ma i' Musica sol non mi lamento,
    ch'ancor l'altre virtù lasciate sento.

    (Bei meinen Gedichten "Ein altes Lied" und "Dichter Worte" handelt es sich übrigens auch um Madrigale.)

    Vampyre

    [Geändert durch levampyre am 22-02-2004 um 00:54]
    --LeV

    Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, schließlich ist die Auswahl groß genug. ~ J.P. Sartre

  4. #4
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    Epigramm

    (heute : Sinngedichte)
    Ursprünglich "Aufschrift" auf Weihgeschenken, Denkmälern und Gebäuden; seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. literarische Kurzform (meist in Distichen), von den Griechen zur Kunstform entwickelt; von den Römern zur klassischen Form knappster Aussage gesteigert (Martial, Catull); in Deutschland seit dem Barock verwandt und in den "Sinngedichten" F. von Logaus und G. E. Lessings und in den "Xenien" Goethes und Schillers zur Meisterschaft entwickelt.

  5. #5
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    Renga - Das Partnergedicht

    Im 13.Jh entstand aus der japanischen Lyrikform Tanka die Renga-Gestaltung, eine Partnerdichtung. Ein Autor schrieb drei Zeilen (5-7-5 Silben) vor, den sogenannten Oberstollen. Dann bat er seinen Dichterfreund um Vollendung des Verses, der aus zwei Zeilen (7-7 Silben) bestand, dem sogenannten Unterstollen.

    In seiner Grundstruktur besteht also Renga, aus einem 31 silbigen Tanka, nur dass es von zwei Autoren verfasst wird. Als Abschluss wird eine Themenüberschrift hinzugefügt.

    Bsp.:

    Part 1 by OPPI
    Part 2 by Dietlinde

    "Sonnenlicht flutet
    durch das offene Fenster
    in meine Kammer.

    Verlockt mich zur Fahrradtour.
    Computer hält gefangen.

    Computerleidenschaft"

  6. #6
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    Ode/ Sapphische Strophe

    Guten Abend, verehrte Poetessen und Poeten!

    Geehrter Micha, ich erlaube mir, aus aktuellen Anlaß, zu Ode/ Sapphische Strophe zwei Anmerkungen hinzuzufügen:

    Horaz (65 v. Chr. – 8 v. Chr.) verwendete den sapphischen Vers immer mit einer Länge auf der vierten Silbe und einer Zäsur nach der fünften:

    - È - - -/ È È - È- È (Versmaß: Sapphicum)

    Beispiel:
    „Integer vitae scelerisque purus...“
    („Wer von Lastern frei und von Frevel rein lebt...“)
    -aus Hor.c.1,22: An Aristius Fuscus: „Des Dichters Unverletzbarkeit“


    Im Deutschen wird meist auf die Zäsur und den Spondeus verzichtet, da es Spondeen im Deutschen in der Reinform auch gar nicht gibt, greift man in der deutschen Sprache auf die schon in diesem Forum beschriebene saphische Strophe:

    - È - È - È È - È - È
    - È - È - È È - È - È
    - È - È - È È - È - È
    - È È - È



    Diese wurde in der deutschen Sprache von Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1802) etwas umgewandelt:

    - È È - È - È - È - È
    - È - È È - È - È - È
    - È - È - È È - È - È
    - È È - È


    Wie man sieht, wandelt hier der Daktylus von Vers zu Vers, adonischer Vers bleibt unverändert.

    Beispiel:
    „Ring des Saturns, entlegner, ungezählter
    Satelliten Gedräng, die um den großen
    Stern sich drehn, erleuchtet und leuchtend, droben
    Wandeln am Himmel.“
    - Friedrich Gottlieb Klopstock



    Hochachtungsvoll grüßt *pränumerando*


    "Um die Früchte zu erkennen, achte auf die Wurzel. Studiere die Vergangenheit, um die Zukunft zu erkennen."

    - Lieh-Tse!

    (wahrscheinlich 440 - 370 v. Chr.), eigentlich Lie-Yü, latinisiert Licius. Wundertätiger Heiliger, seine Existenz ist allerdings nicht zweifelsfrei zu beweisen!

  7. #7
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    Renga

    Was ist ein Renga?
    Ein Renga ist ein von zwei oder mehr Dichtern geschriebenes Kettengedicht.
    Es besteht aus einer Reihe von dem Tanka im formalen Aufbau gleichenden
    Kurzgedichten. Traditionell bestehen diese aus einem Oberstollen (Kami no ku)
    mit dem Silbenschema 5-7-5 und einem Unterstollen (Shimo no Ku) mit der Form
    7-7. Es gibt Renga mit bis zu 100 Teilgedichten.

    Erste Quellen, die von dieser Form der Dichtung berichten, findet man im
    jap. Mittelalter etwa um 1100 herum. Spätere Autoren wie etwa Nijo Yoshimoto (14.Jh)
    und Matsuo Bashô (17.Jh) machen das Renga zu einer akzeptierten Lyrikform.
    Das Renga setzte sich vor allem wegen seines Unterhaltungswertes durch, in dem sich
    bald abendliche Gesellschaften aus Zeitvertreib zur gemeinsamen Rengadichtung zusammensetzten.

    Bei der Rengadichtung, so wie sie sich bis heute etabliert hat, geht es vor allem um
    einem aus dem Zen-Buddhismus entliehenen Grundgedanken: Versuch Dein möglichstes, damit
    das gemeinsame Werk gut wird.
    Nicht der Autor, sondern die Synergie aller beteiligten Autoren und ihr Werk stehen im
    Mittelpunkt.


    Wie muß ich mir den Abblauf einer Rengadichtung vorstellen?

    Es beginnt ein Dichter mit dem Schreiben eines Oberstollens. Der nächste Dichter schreibt
    den Unterstollen. Dabei kann durch die Verse des zweiten Autors nocheinmal eine völlig
    andere Sinnwendung entstehen. Deshalb geht man davon aus, daß unter Umständen selbst die
    Interpuntkion eines Teilgedichts immer erst nach Schreiben des Unterstollens in beiden Strophen
    gesetzt wird.
    Je nach dem ob mit zwei oder mehr Dichtern das Renga geschrieben wird, setzt nun der zweite
    oder ein weiterer Autor das Renga mit einer neuen Obertrophe fort. Dann wieder der erste usw.

    Da das Renga vermutlich als Wurzeln das Tanka bzw. das Uta (jap. Kurzgedicht/Lied) hat,
    ist es inhaltlich nicht etwa wie beispielsweise ein Haiku so stark reglementiert. So müssen
    die Motive nicht etwa der Natur enliehen sein und auch eine jahreszeitliche Bindung ist nicht
    zwingend. Nicht selten kann man erleben, daß ein Renga alle Bereiche der Gesellschaft
    berührt.
    Es ist zumindest im deutschsprachigen Raum eine Form mit relativ lyrischem Charakter,
    sodaß das Augenmerk auch auf der sprachlichen Schönheit liegen kann und auch Bilder, Metaphern
    und ähnliche Stilmittel Anwendung finden können. Reime hingegen sind wie bei
    allen japanischen Formen verpönt.


    psychronicon
    (c)05/2006
    urbanwaka - Lieder der Stadt (Der Blog)

  8. #8
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    Die Terzanelle

    Bei der Terzanelle handelt es sich um eine Modifizierung der Villanelle, die ihren Ursprung in der englischen Literatur hat. Sie wurde von ihrem Erfinder Lewis Turco, ehem. Professor an der State University of New York in Oswego, inzwischen emeritiert, unter ihrem heute bekannten Namen erstmals in der Sommerausgabe des The Michigan Quarterly Review (1965) erwähnt und publiziert.[1]

    Turco definierte die Terzanelle als 19-zeiliges Werk, zusammengesetzt aus 5 Terzinen und einem abschließenden Quartett. Um die allg. Regeln der Terzanelle einzuhalten (s. Nächster Absatz) würden jedoch auch 2 Terzinen und ein Quartett genügen – man kann also davon ausgehen, dass man die Terzanelle nach Gusto verlängern bzw. verkürzen kann. [1],[3]

    Eine Besonderheit dieser Form sind die sich wiederholenden Verse:

    Der zweite Vers der ersten Terzine ist gleichzeitig der dritte Vers der nächsten Terzine, und so weiter.
    Außerdem wiederholen sich der erste und dritte Vers der ersten Terzine als zweiter und vierter Vers des abschließenden Quartetts. [3]

    Das Reim- und Wiederholungsschema einer Terzanelle (nach Turco) sieht also folgendermaßen aus:

    1. Erster Vers mit Reim A
    2. Erster Vers mit Reim B
    3. Zweiter Vers mit Reim A

    4. Zweiter Vers mit Reim B
    5. Erster Vers mit Reim C
    6. Wiederholung: Erster Vers mit Reim B

    7. Zweiter Vers mit Reim C
    8. Erster Vers mit Reim D
    9. Wiederholung: Erster Vers mit Reim C

    10. Zweiter Vers mit Reim D
    11. Erster Vers mit Reim E
    12. Wiederholung: Erster Vers mit Reim D

    13. Zweiter Vers mit Reim E
    14. Erster Vers mit Reim F
    15. Wiederholung: Erster Vers mit Reim E

    16. Zweiter Vers mit Reim F
    17. Wiederholung: Erster Vers mit Reim A
    18. Wiederholung: Erster Vers mit Reim F
    19. Wiederholung: Zweiter Vers mit Reim A [1],[2],[3],[4]

    Im Quartett können die Verse auch anders arrangiert sein. [2]

    Es gibt kein vorgeschriebenes Versmaß für die Terzanelle, allerdings sollte man ein gewähltes Metrum beibehalten.
    [1]
    Optimalerweise kann man sich am Versmaß des klassischen Sonetts orientieren, dem Endecasillabo;
    Dabei handelt es sich um einen Elfsilbler mit weiblicher Kadenz, dem im besten Falle ein jambisches Betonungsmuster zu Grunde liegt.[3]

    Tipps zum Schreiben einer Terzanelle


    Auf den ersten Blick mag es unmöglich erscheinen, eine Terzanelle zu Papier zu bringen – der erste Eindruck kann allerdings trügen.
    Der größte Knackpunkt der Terzanelle ist die Tatsache, dass V1 und V3 der ersten Terzine im abschließenden Quartett der Terzanelle wiederholt werden müssen; ebenfalls muss dort eine Wiederholung vom V2 der letzten Terzine untergebracht werden.

    I. Zur Mitte hinarbeiten

    Am Einfachsten hat man es also, wenn man mit dem Quartett beginnt und die relevanten Verse in der ersten und letzten Terzine einfügt. Damit wäre schon einmal der Rahmen der Terzanelle geschaffen.
    Danach kann man sich zur Mitte des Werkes hinarbeiten, indem man immer im Wechsel – also erst oben, dann unten – je einen Vers schreibt; spätestens der zweite, bzw. dritte Vers einer Terzine muss dann wiederholt werden; so setzt sich die Terzanelle nach und nach zusammen.
    Bei dieser Variante wird es erst problematisch, wenn der letzte Vers fehlt, der Anfang und Ende des Werkes sinnwahrend und formgebunden verknüpfen muss.

    II. Zum Ende hinarbeiten

    Die zweite Möglichkeit ist die, mit der ersten Terzine zu beginnen – dann kann man im Endquartett immerhin schon 2 Verse einfügen.
    Nach der ersten Terzine kann man sich – dank der Wiederholungen – stringent durch das Werk arbeiten, von oben nach unten.
    Bei dieser Variante sollte man erst überprüfen ob man mit den Wiederholungsversen der ersten Terzine überhaupt ein ansprechendes Ende schaffen kann, damit man nicht nach 5 Terzinen merkt, dass die Wiederholungsverse im Quartett überhaupt keinen Sinn ergeben.

    III. Zum Anfang hinarbeiten

    Für die Leute, die rückwärts denken können gibt es natürlich noch die Möglichkeit, mit dem Quartett anzufangen und die Terzanelle dann von hinten aufzurollen.
    Der V3 einer Terzine wird also zum V2 der vorhergehenden Terzine, es handelt sich also um eine Umkehrung von II.
    Natürlich ist, wie in II., zu überprüfen, ob mit den relevanten Versen des Quartetts ein stimmiger Einstieg geschaffen werden kann.

    Grundsätzlich sollte man die Repititios so gestalten, dass sie, immer wenn sie auftauchen, in einem unterschiedlichen Kontext gebraucht werden, dies kann z.b. durch geschickte Präpositionen hervorgerufen werden. Und auch für die Terzanelle gilt: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

    Beispiele

    I. Lewis Turco präsentiert seine Erfindung.

    Lewis Turco: Terzanelle in Thunderweather

    This is the moment when the shadows gather
    Under the elms, the cornices and eaves.
    This is the silent heart of thunderweather.

    The birds are quiet now among the leaves
    Where wind stutters, then moves steadily
    Under the elms, the cornices and eaves -

    These are our voices speaking guardedly
    About the sky, about the sheets of lightning
    Where wind stutters, then moves steadily

    Into our lungs, across our lips, tightening
    Our throats. Our eyes speak in the dark
    About the sky, about the sheets of lightning

    Illuminating moments. In the stark
    Shades that we inhabit there are no words
    For our throats. Our eyes speak in the dark

    Of things we cannot say, cannot ignore.
    This is the moment when the shadows gather,
    Shades that we inhabit. There are no words -
    This is the silent heart of thunderweather.


    'Terzanelle in Thunderweather,' originally published as 'Thunderweather' in Modern Poetry Studies, Vol. III, No. 5, 1973, is reprinted by permission of the author from The Collected Lyrics of Lewis Turco / Wesli Court 1953-2004, Scottsdale: Star Cloud Press, copyright Lewis Turco 1973, 1986, 2000, 2004, all rights reserved.

    II. Eine Terzanelle im fünfhebigen Jambus

    Coup de grâce: Terzanelle der Blätter

    Ich wandere im goldgetünchten Ganzen
    Den Herbstesspuren heiter hinterher,
    Wo bunte Blätter, voll von Träumen, tanzen,

    Im Farbenreigen steter Wiederkehr.
    Sie wirbeln wild in windigen Spiralen
    Den Herbstesspuren heiter hinterher

    Und trotz der Eile scheinen sie zu malen:
    Ein Bild von Freude und Zufriedenheit.
    Sie wirbeln wild in windigen Spiralen

    An mir vorbei, sind fern für kurze Zeit;
    Ein Windstoß und schon kommen sie zurück:
    Ein Bild von Freude und Zufriedenheit.

    Ich folge ihrem farbenfrohen Glück
    Durch Stoppelfelder, herbstliche Alleen –
    Ein Windstoß und schon kommen sie zurück,

    Um einen Teil des Wegs mit mir zu gehen.
    Ich wandere im goldgetünchten Ganzen
    Durch Stoppelfelder, herbstliche Alleen,
    Wo bunte Blätter, voll von Träumen, tanzen.

    III. Eine Terzanelle mit sechshebigem Versmaß

    Sturmherz: Terzanelle von der Einsamkeit

    ...kein Tag, an dem der Wind nicht etwas kälter weht.
    Das Sonnenlicht ist kaum mehr als ein Traum von sich,
    bevor es gänzlich graut und friert und es vergeht.

    Ein jeder sehnt sich nach Geborgenheit, auch ich,
    in dieser Zeit der grauen Stunden, kahlen Bäume.
    Das Sonnenlicht ist kaum mehr als ein Traum von sich,

    den ich so lang schon träume - und es bleiben Träume,
    das Gold der Blätter und die Astern an den Wegen -
    in dieser Zeit der grauen Stunden, kahlen Bäume.

    Und gehe ich zu später Stunde durch den Regen,
    ist alles, was mir dieser Herbst vergönnen wollte
    das Gold der Blätter und die Astern an den Wegen.

    Und nicht ein Kuss trifft meine Lippen, wie er sollte:
    Ein bitt'rer Kuss, der mir das Lächeln schwerer macht,
    ist alles, was mir dieser Herbst vergönnen wollte.

    Nun ist die Zeit der Einsamkeit - es folgt der Nacht
    kein Tag, an dem der Wind nicht etwas kälter weht,
    ein bitt'rer Kuss, der mir das Lächeln schwerer macht,
    bevor es gänzlich graut und friert und es vergeht...


    ________________________________________________________
    Dieser Post ist ein Gemeinschaftsprojekt von Sturmherz und Coup de grâce


    Quellen:
    [1] http://allpoetry.com/column/784852
    [2] http://en.wikipedia.org/wiki/Terzanelle
    [3]
    http://www.gryphonsmith.com/fileg/verse/Terzanelle.html
    [4] http://www.uni.edu/~gotera/CraftOfPoetry/villanelle.html
    Geändert von Coup de grâce (05.11.2016 um 17:23 Uhr)
    Ich bin definitiv nicht für diese Zeit gemacht.

  9. #9
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    Okto

    ...hier fehlt doch was...

    Ein Okto besteht aus 8 Zeilen, deren Inhalt vorgegeben ist.

    1. Zeile eine Farbe im Vergleich.
    2. Zeile eine Jahreszeit
    3. Zeile ein Ort mit Attribut
    4. Zeile eine Wetterlage
    5. Zeile eine Bewegung
    6. Zeile ein Kleidungsstück im Vergleich
    7. Zeile ein Gefühl (auch bildhaft)
    8. Zeile eine Handlung/ eine Person /ein Gegenstand.
    Dieses Zitat stammt von der Königin der Nacht, soweit ich mich richtig erinnere. Ich hatte mir das gespeichert und weiß nicht, ob es das Original überhaupt noch gibt.


    Hier die Oktos, die ich auf Gedichte.com finden konnte:
    Vorfrühling
    Trügerische Zeiten
    Alpenflug
    Endlich unendlich
    wildfruchtrot
    Sonnenuntergang
    Freudlos
    "Oh Bär", sagte der Tiger, "ist das Leben nicht unheimlich schön, sag!"
    "Ja", sagte der kleine Bär, "ganz unheimlich und schön."
    Und da hatten sie verdammt ziemlich recht.

    -Post für den Tiger, Janosch-

  10. #10
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    Haiku

    Das HAIKU (Plural: die Haiku) ist eine Jahrhunderte alte japanische Gedichtform. In seiner klassischen Tradition, die bis heute in Japan gilt, ist das Haiku vor allem Natur- und Jahreszeitendichtung. Es besteht aus siebzehn Silben aufgeteilt in drei Zeilen zu jeweils 5-7-5 Silben. Große Meister-Haiku bestechen durch ihre schlichte Ästhetik, mit der es dem Dichter gelingt, einen Augenblick menschlichen Erlebens in Worte zu fassen, der beim Leser nachklingt.

    Bsp:

    “Der nahe Frühling
    Verschleiert den ganzen Tag
    Die Schlucht mit Regen.“

    Toyo

  11. #11
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    Ballade
    Wie viele andere Gedichtformen auch, ist die Ballade ursprünglich ein von Tanzenden gesungenes Gedicht, das seine Wurzeln in den romanischen Ländern hat. In England wurde der Begriff Ballade im 18. Jahrhundert auf Volkslieder übertragen, die ein dramatisches Ereignis, auch mithilfe der Personenrede, erzählen. Seither ist die Ballade definiert als ein längeres Gedicht, das lyrische, epische (narrative) und dramatische Elemente verbindet. Im 18. Jahrhundert wurde die volkstümlich-traditionelle Ballade in Deutschland von Dichtern des Göttinger Hains (Höltys Romanzen, Bürgers Lenore) aber auch von Goethe (Der Erlkönig) und Schiller (Die Bürgschaft) zu einer neuen kunstvollen Form weiterentwickelt. Diese Tradition wurde von Heine (Atta Troll) und Fontane (Die Brück‘ am Tay) im 19. Jahrhundert, von Brecht und Biermann mit Rückbesinnung auf die volkstümlichen Wurzeln des Bänkelsangs im 20. Jahrhundert fortgesetzt.

    Bsp:

    Theodor Fontane Die Brück´ am Tay

    Aufbauhilfen zur Ballade findet ihr hier

  12. #12
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    Haibun
    Ein Haibun ist eine Verbindung von Prosa und Lyrik. Es kann den Charakter eines (Reise-)Tagebuches haben, aber auch einem Essay oder einer Sammlung spontaner Skizzen und Gedanken ähneln. Ein Haibun kann ein oder mehrere Haiku (gelegentlich auch Tanka) enthalten, oder nur aus Prosa bestehen. Vom Stil her ist diese Form eher lyrisch und betrachtend als erzählend, dabei konzentriert und wahrhaftig. Prosa und Haiku ergänzen sich, das Haiku gibt also keine bloße Zusammenfassung des Textes, sondern vertieft das Erzählte auf lyrische Weise. Das Haiku sollte auch ohne Prosa als ein eigenständiges Gedicht verstanden werden können. Ein Haibun ist in sich geschlossen, lässt aber am Ende etwas offen. Wie ein gutes Haiku hat es einen Nachhall.
    Der Haibun lebt von klaren, einfachen Worten, Assoziationen, Bildern, Vergleichen und Anspielungen. Ebenso wichtig wie atmosphärische Dichte und eine knappe Darstellung sind Rhythmus und Klang der Sprache.

    Bsp:

    >>Strandgut

    Es dauert eine Weile, bis ein Weinen mich im Schlaf erreicht. Den Kopf an meine Freizeittasche gelehnt, war ich eingenickt am Strand, vor dem prunkvollen Scheveninger Kurhaus. Um mich herum liegen nun Gummistiefel und nasse Söckchen. Benommen richte ich mich auf. Entlang der Strandlinie tollt ein schwarzer Hund, neugierig beschnuppernd, was das Meer angeschwemmt hat. Und dort, ja, dort sehe ich auch schon meine Kinder; an großen Vaterhänden springen sie in die einrollenden Wellen. Wie blass ihre Waden noch sind. Neben mir haben sich drei junge Frauen eingefunden. Zwei von ihnen sonnen sich im Liegen, nur eine sitzt - wie ich jetzt auch -, aber etwas abseits und mit dem Rücken zum Meer. Sie hat ein schönes Gesicht. In einem fort nimmt sie etwas Sand auf, sieht gebannt zu, wie er glitzernd über ihren Jeans zerstiebt, und lacht dabei. Vorhin meinte ich ein Schluchzen zu hören, aber jetzt sehe ich: es ist etwas an ihrem Lachen...
    Angestrengt beobachte ich meine Kinder. Auch ohne hinzuschauen, weiß ich jetzt, was neben mir geschieht. Der Sand auf ihren Jeans reicht der jungen Frau bald bis an die Brust. Mit einer schnellen Bewegung ihrer Beine lässt sie ihn dann in sich zusammen sinken. Drei, vier weitere Hügel mag sie so schon angehäufelt haben - ganz zufrieden in ihrer Welt. Da räkeln sich die beiden anderen. Beherzt beenden sie das starre Spiel und klopfen der Schönen fix den Sand aus der Bluse.
    Ob sie Hunger habe, höre ich.
    „Eis", spricht sie tonlos.
    Mitsamt diesem Strand,
    der durch ihre Hände rinnt,
    rieselt ihr Lachen
    in eine Schublade, noch
    voll vom Sand meines Jungen.“<<
    Ingrid (siehe Quellenangabe)

  13. #13
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    Senryû

    Wie Haiku sind Senryû Dreizeiler nach dem japanischen Strickmuster 5-7-5. Im Gegensatz zum Haiku hat das Senryû den Menschen mit all seinen Eigenarten, Schwächen und Beziehungen zum Thema. Zwar können auch im Haiku Personen vorkommen, sogar in der Ich-Form, aber sie gehen meist in der Natur/Umwelt auf. Die Aufteilung in Haiku und Senryû erscheint merkwürdig, sieht das vom Zen und Shinto geprägte Japan doch den Menschen als Teil der Natur.

    Bsp:

    “Hinter ihrem Mund
    die Lippen ihrer Ahnen.
    Herrisch bis heute.“

    Unbekannt

  14. #14
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    Tanka

    Tanka ist neben Haiku eine weitere japanische Gedichtform.
    Jede Gedicht ist fünfzeilig und besteht aus 31 Silben, die sich wie folgt auf die Zeilen 1- 5 verteilen: 5,7,5,7,7. Aufgrund der 31 Silben kann mehr beschrieben werden als beim 17 silbigen Haiku. Die Themen der Tankas sind sehr unterschiedlich. Sie reichen von der reinen Betrachtung der Natur bis zum Versuch das eigene Empfinden in der Beobachtung der Natur wiederzufinden. Dabei werden auch häufig sehr vergängliche Ereignisse beschrieben wie z.B. das Fallen von Blütenblätter vom Ast, die dem normalen Betrachter aufgrund der Unaufmerksamkeit entgehen. Man nimmt Alltägliches ganz anders wahr und verliert sich in der Betrachtung, wie z.B der Blick auf ein Gebirge, wo der Nebel drüber hinwegzieht.
    (Quelle unbekannt)

    Bsp:

    „Zarte Schneeflöckchen
    zieren Bäume und Sträucher -
    ausgefallene
    lichtfunkelnde Schmuckstücke.
    Jedes glänzt als Unikat.“
    D.Heider



    Eigene Anmerkung: Dies ist ein winziger Rahmen des Tanka. Es gibt sehr viele Themen und Stile dieser Stücke.

  15. #15
    Registriert seit
    Feb 2003
    Ort
    Leipzig
    Beiträge
    8.613
    Akrostichon:

    (griech. Versspitze = erster Buchstabe eines Verses), Gedicht, bei dem die Anfangsbuchstaben (-silben, -wörter) der einzelnen Verse oder Strophen aneinandergereiht ein Wort, einen Namen oder Satz ergeben.

    Bsp:

    "Nachruf

    Akrostichon für Gerhard Stebner

    © Vera Hewener

    Gerhard Stebner,
    ein Dichter
    reiner Sprachkultur,
    hat stets in seinen Versen
    auf Strenge geachtet,
    Raum, Zeit und Sinngehalt
    der Worte zelebriert.

    Seines Werkes poeta ductus:
    tausendfach in seinen Gedichten,
    engagiert in der Literatur,
    bis zuletzt,
    nie zaudernd, nie verzagend.

    Ein schmerzhafter Verlust
    reicht uns die Hand."

    In: Bist Himmel mir und tausend Feuerfunken. 2003

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