Simon sitzt mit tiefen Falten auf seiner Stirn an seinem Schreibtisch. Ihm gegenüber John, abwartend, unberührt.

Simon (kratzt sich zweifelnd am Kopf): Beim besten Willen John, das können wir nicht drucken. Die Situation ist medial ohnehin schon aufgeheizt, wenn nicht gar schon auf ihrem Siedepunkt. Du kannst nicht behaupten, dass sowohl Republikaner als auch Demokraten das Land zielsicher in die Zahlungsunfähigkeit manövrieren.
John: Ja, du hast Recht. An eine momentan faktische Berichterstattung ist einfach nicht zu denken. Wir sollten uns weiter dramatisch als Opfer inszenieren und uns kleinkariert und engstirnig fragen, welche Argumentation welchen Lagers richtiger, ergo schlüssiger ist.
Simon: Das ist nicht der richtige Zeitpunkt für deinen Sarkasmus. Ich werde deinen Artikel in dieser Form nicht drucken. Du kannst nicht einmal belegen, was du geschrieben hast!
John: Die Logik und der menschliche Verstand birgt den Beweis. Und selbst wenn dem nicht so wäre, würden wir keinesfalls schlechter dastehen, als Politiker, die ungeniert ihre Grabenkämpfe auf dem Rücken des Volkes austragen und die Medien nur für ihre Zwecke manipulieren. Dieser Artikel bietet die Chance ein Exempel zu statuieren, zu zeigen, dass man der Verantwortung gegenüber den Leserinnen und Lesern, dem Volk, gerecht werden will und nicht politischen Lagern. Die Wahrheit hat verdient, geschrieben zu werden.
Simon: Das ist nichts Neues. Das ist sowieso unser Anspruch, allerdings muss sie faktisch belegbar sein. Du darfst nicht vergessen, dass wir als Zeitung einen Ruf zu verteidigen haben.
John: Und den verteidigen wir, indem wir zeigen, dass wir unabhängig sind. Wir haben nichts zu verlieren. Entweder uns wird Glauben geschenkt, oder nicht.
Simon: Deine Kritik könnte eine Lawine der Panik lostreten. Das kann ich nicht verantworten. Noch ist Zeit, noch ist der Kollaps des Landes nicht eingetreten.
John (mit ruhiger Stimme): Denkst du, mir hat das Spass gemacht, so etwas zu schreiben? Ich will keine Panik auslösen. Aber wenn das die Folge des Artikels ist, zeigt das, in welchem verleumderischen Verhältnis das Volk zur Wahrheit steht. Das Resultat hätten sowohl Staatsmänner als auch Medien zu verantworten. Wir hätten erfolgreich abgerichtet und hätten die Öffentlichkeit der Kontroverse beraubt. Es muss angefangen werden, die Verantwortung tatsächlich zu schultern. Dazu ist der Verrat jeder bisherigen politischen Überzeugung notwendig. Es bringt nichts, gegeneinander zu steuern, nur um das Kredo einer Partei zu wahren. Denn im Augenblick kann niemand den „American Dream“ in Tatsachen aufleben lassen.
Simon (presst nachdenklich die Finger gegeneinander): Ein beeindruckendes Plädoyer für deine Arbeit. Dennoch liegt die Entscheidung in meinen Händen.
John (nickt resigniert): Sicher. Eine Sache noch: Vor dir liegt keine Kritik, sondern ein Text mit meinen Ansichten. Kritik ist oftmals das, was andere aus Ansichten machen.

Er erhebt sich und verlässt das Büro. Simon sieht ihm mit Bedauern nach.