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  1. #1
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    Die Chevy-Chase-Strophe

    Nötige Grundlagen: Metrum auslesen - in einfachen Worten
    Ziel: Kennenlernen der Chevy-Chase-Strophe und anwenden ihrer Besonderheiten
    Unterstützende Links: Lyrisches Lexikon der Nachteule
    Quellen: http://komparatistik-donat.userweb.m...evy-chase.html
    http://www.einladung-zur-literaturwi...d=41:kapitel-6
    http://de.wikipedia.org/wiki/Chevy-Chase-Strophe
    http://www.literaturkritik.de/public...item&task=show
    http://www.jungeforschung.de/grundku...phenformen.pdf
    (Die jeweiligen Gedichte sind direkt hinter dem Titel verlinkt.)
    Folgende Lektion: Keine

    1. Aufbau/Besonderheiten


    Das Besondere an der Chevy-Chase-Strophe ist ganz klar das Metrum. Hier bestehen die jeweils ersten und dritten Verse aus vierhebigen und die jeweils zweiten und vierten Verse aus dreihebigen Metren. Manche Quellen verlangen hierfür ein auftaktiges Metrum (Jambus, Amphibrachys), andere Schweigen zu diesem Punkt, die meisten Gedichte weisen allerdings einen unbetonten Versanfänge auf. Die Kadenzen sind aber immer als männlich/betont/stumpf vorgeschrieben.
    Doch das ist nur die Spitze des Eisberges, wenn man die Besonderheiten dieser Strophenform betrachten möchte. Interessant wird es erst, wenn man die Lücken zwischen den Hebungen betrachtet. Die Chevy-Chase-Strophe bietet dem Dichter nämlich eine wahre Rarität: Die Füllungsfreiheit. Das heißt: Vorgegeben ist nur die Anzahl der Hebungen, Versfüße, nicht die der Silben. Es können also, nach der Verslehre, zwei Silben zwischen jede Hebung gepackt werden. Auf die Freiheit und das Gefängnis, das dadurch geschaffen wird, komme ich später.
    Als metrisches Schema ergibt sich für diese Strophenform somit:
    (x)Xx(x)Xx(x)Xx(x)X
    (x)Xx(x)Xx(x)X
    (x)Xx(x)Xx(x)Xx(x)X
    (x)Xx(x)Xx(x)X
    Wobei die jeweils ersten Silben nicht unbedingt in Klammer gesehen werden müssen.

    Wie das im wahren Leben aussehen kann, könnt ihr an diesem Beispiel erkennen:

    Das Herz von Douglas, von Moritz Graf von Strachwitz

    (Strophe 13)
    Mit den Schwertern schneidet die Taue ab,
    Alle Segel in die Höh!"
    Der König fährt in das schwarze Grab,
    Und wir in die schwarzblaue See!
    xxXxXxxXxX
    XxXxxX (Bei "Segel" als "Segl" gesprochen)
    xXxXxxXxX
    xXxxXxxX

    (Strophe 28)
    Von den Heiden allen, durch Gottes Huld
    Entrann nicht Mann, noch Pferd,
    Kurz ist die schottische Geduld
    Und lang ein schottisch Schwert!
    xxXxXxxXxX
    xXxXxX
    XxxXxXxX
    xXxXxX

    Ihr seht also: die Versanfänge sind mal auftaktig, mal ohne Auftakt und mal mit doppeltem Auftakt, die Lücken zwischen den Hebungen sind frei gefüllt, die Anzahl an Hebungen wird genau erreicht, der Kreuzreim wird als Reimschema verwendet und es scheint beliebt zu sein, den Namen "Douglas" in der Chevy-Chase-Strophe zu verwenden.

    Das Reimschema ist weniger streng, als es bei anderen Strophenformen der Fall ist. Einige Dichter legten sich auf einen halben Kreuzreim (XAXA) fest, wie er in der namensgebenden Ballade „The Hunting in the Cheviothills“ genutzt worden sein soll (was allerdings nur die halbe Wahrheit ist, da die ersten Strophen reimlos, die folgenden drei im halben Kreuzreim und die restlichen Strophen größtenteils im Kreuzreim geschrieben sind), Klopstock dichtete die Chevy-Chase-Strophe ungereimt („Das Wiedersehen“, ohne Füllung), die gängige Praxis in der deutschen Dichtung ist aber inzwischen der Kreuzreim. Fontane schrieb bereits seinen „Archibald Douglas“ im Kreuzreim. Man kann also sagen, dass alle kreuzenden Reimschemata möglich sind.

    Wenn du lediglich eine Chevy-Chase-Strophe erkennen möchtest, kannst du jetzt aufhören zu lesen. Wenn du mit dem Gedanken spielst, eine zu schreiben, solltest du weiterlesen:

    2. Die Form in der Anwendung



    Wer meint, dass die Füllungsfreiheit der Chevy-Chase-Strophe das Schreiben vereinfacht („Ich muss nicht darauf achten, wie das Metrum funktioniert, weil ich ja füllen kann, wie ich will“) liegt falsch. In Wirklichkeit ist es sogar andersherum. Die Freiheit wird hier vielmehr zu einem Gefängnis. Das liegt in ihrer Wirkung begründet. Unterschiedliche Metren geben unterschiedliche Stimmungen wieder. So kann man durch einen Wechsel der Füllungen das Heranpirschen, Jagen und den triumphalen Sieg darstellen. Doch um dies wirklich umzusetzen, ist ein tiefergehendes Sprachgefühl notwendig. (Das Streichen der Auftaktpflicht würde hierbei das Spektrum erweitern.) So kann man zum Beispiel die Tatsache nutzen, dass man dazu neigt, Versfüße zu lesen und somit bei mehreren Senkungen zwischen zwei Hebungen schneller liest, weil man mehr Silben in der selben Zeit liest, was auch den Schritt der Protagonisten verschnellert.

    Die Chevy-Chase-Strophe wird vor allem in der Ballade angewendet, da dort ihre charakteristische Dynamik am Besten zum Tragen kommt. Gerade bei kriegerisch angehauchten Themen, die von einer Dynamik, einem Hin und Her, leben. Oder eben bei einer Jagd, bei der verschiedene Geschwindigkeiten notwendig sind. Ebenso könnte ich mir ein Rennen vorstellen, bei dem der Start ruhiger vorgetragen wird und im Verlauf des Wettkampfs immer mehr Silben hinzukommen und so eine Hektik entsteht.

    Konnte ich dich auf die Form neugierig machen? Dann nichts wie ran!
    Geändert von Nachteule (03.11.2014 um 02:08 Uhr)
    Meine Sydnatur:
    Greis und Greisin miss u <3
    Hier stehe ich! Ich kann nicht anders! Gott helfe mir! Amen!
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  2. #2
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    Hallo Butenlänner,

    Mache ich doch gerne! Also:

    so Dichter schreibt den Vers aufs Blatt,
    schreibt von der schönsten Zeit,
    schreibt auf die liebsten Verse gar,
    Reimt los ihr Lichter- Schar!
    xXxXxXxX
    XxxXxX
    XxxXxXxX
    XxxXxX

    Abwechselnd drei und vier Hebungen passen. Das Reimschema ist allerdings nicht ganz passend. Das müsste entweder reimlos, oder kreuzend sein. (XAXA oder ABAB) Bis auf das Reimschema ist es aber eine Chevy-Chase-Strophe. Das passt dafür in der unteren Strophe.

    Herr Butenlänners, du armer Hund,
    schreibe nur weiter so wild,
    leuchte hinab in den Grund,
    du Pseudo- Dichter, (du) trauriges Bild!
    xXxXxxXxX
    XxxXxxX
    XxxXxxX
    xXxXx(x)XxxX

    Nope, leider nicht. Hier müssest du aus metrischer Sicht Vers 3 mit Vers 4 vertauschen (,was inhaltlich sogar ginge. ), da ja die ungeraden Verse 4 Hebungen und die gerade 3 Hebungen benötigen. Dafür stimmt, wie oben angedeutet, das Reimschema besser zur Chevy-Chase Strophe. (Wobei dann der Tausch nicht mehr ginge. XD)

    Es freut mich, dass ich dich durch den kleinen Lehrfaden dazu bringen kann, dich mit dieser früher sehr gerne verwendeten und heute fast ausgestorbenen Strophenform auseinanderzusetzen!

    nächtlicher Gruß, gutes nächtle und carpe noctem
    Nachteule
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  3. #3
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    Wer sich aufs Reimen gut versteht
    hat damit kein Problem!
    Er handhabt diesen Vers diskret,
    das klingt recht angenehm!

    Doch wer sich nur zu Tode quält,
    und nichts zustande bringt
    wer alle Maße ständig zählt,
    auch mit den Reimen ringt,

    der hat jetzt endlich einmal frei,
    er soll nach Hause gehn
    Für ihn sei dieser Streit vorbei,
    er kann ihn nicht bestehn.
    Sind Fische stumm bloß weil sie schweigen
    Wenn sie im Netz gefangen sind
    Und die Verbrecher, die sie beugen
    Vor Torheit blind
    Zu einfacher Erklärung neigen?

  4. #4
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    Hallo ihr beide,

    @ubaldvoneberode
    Ich verstehe deinen Text einfach mal als Frage, ob das eine CCS ist. (Falls nicht, ist es sicherlich eine interessante Lehrstunde für interessierte User. )


    Wer sich aufs Reimen gut versteht
    xXxXxXxX
    hat damit kein Problem!
    xXxXxX
    Er handhabt diesen Vers diskret,
    xXxXxXxX
    das klingt recht angenehm!
    xXxXxX

    Doch wer sich nur zu Tode quält,
    xXxXxXxX
    und nichts zustande bringt
    xXxXxX
    wer alle Maße ständig zählt,
    xXxXxXxX
    auch mit den Reimen ringt,
    xXxXxX

    der hat jetzt endlich einmal frei,
    xXxXxXxX
    er soll nach Hause gehn
    xXxXxX
    Für ihn sei dieser Streit vorbei,
    xXxXxXxX
    er kann ihn nicht bestehn.
    xXxXxX
    Abgesehen davon, dass ich Probleme damit habe, "jetzt" unbetont zu lesen, was aber prinzipiell geht, ist der abwechselnd 4- und 3-hebige Jambus gut durchgehalten.
    Die Kadenzen sind alle männlich.
    Gereimt ist im Kreuzreim.
    Was mir allerdings fehlt ist das Ausnutzen der Füllungsfreiheit. Wobei ich zugeben muss, dass das bei so einem kurzen Gedichtlein nicht gut umsetzbar ist. Nur so kann sie halt auch nicht ihre komplette Dynamik ausschöpfen.
    Fazit: Im Prinzip eine CCS, wenn auch nicht unter ausnutzen aller Möglichkeiten.

    @Butenlänner
    Das Hauptproblem hast du selbst aufgezeigt: die Kadenzen müssten männlich sein. Ganz drin hast du die Form noch nicht.
    Aber schauen wir uns mal den Rest an:


    o Butenlänners, falscher Hund!
    xXxXxXxX
    Ja schreibe nur weiter so wild!
    xXxxXxxX
    Du Pseudo- Dichter, übler Befund!
    xXxXxXxxX
    du Teufels Ebenbild!
    xXxXxX

    Du hast kein Klang, kein Reim, null Chance!
    xXxXxXxXx
    Zur Hölle gehn ist besser!
    xXxXxXx
    Du nervst uns alle, zerstörst Balance!
    xXxXxxXxXx
    Poetiker- Stuss Geplapper!
    XxXxXxXx

    Es lebe Ubald von Eberod!
    xXxXxxXxX
    Der Einzigste, einzige Ein,
    xXxxXxxX
    der größte Dichtergott der Erd,
    xXxXxXxX
    sein Wort so gut und Rein!
    xXxXxX

    Die fetten Silben würde ich eher betont lesen.
    Die Anzahl der Hebungen passen.
    Die Reime sind gekreuzt.
    Die Kadenzen passen nicht immer.
    In der letzten Strophe passt der Inhalt nicht. XD

    Nun zu deinen Fragen:
    Darf ich mal betont, mal unbetont anfangen?
    Wie oben im Anfangspost steht, gehen da die Meinungen auseinander. Viele Quellen verlangen Auftakte, die meisten Gedichte haben Auftakte. Doch ebenso gibt es in sehr vielen Gedichten einzelne Verse oder längere Passagen, die unbetont beginnen. In dem Fall würde ich sagen, dass das, das der Form dient, also ihrem Ziel hilft, den Texten Dynamik zu verleihen, auch erlaubt sein sollte.
    Darf einfach mal ein Daktylus zwischen geschoben werden?
    Dürfen ist hier das fasche Modalverb. Ich würde eher "soll" verwenden. Allerdings: Das sollte dann auch am Inhalt begründet werden. Das Metrum sollte den Textfluss hier unterstützen, also die Dynamik des Inhalts sollte durch die Dynamik (oder fehlende Dynamik) des Metrums wiederspiegeln. Einfach so mal dazwischen geschoben erlaubt die Form zwar, aber ist nicht ihr Zweck.

    Ich hoffe, ich konnte deine Fragen zu deiner Zufriedenheit beantworten.

    nächtlicher Gruß, gutes nächtle und carpe noctem
    Nachteule
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  5. #5
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    Hallo Butenlänner,

    m.E. ist es schon wichtig, dass etwas nicht der Fall ist. (kein) Das kann ihm schon den Zwang geben, es zu betonen.

    Aber zurück zur CCS:

    Dotcoms wahrer Poetiker- Gott,
    XxXxxXxxX
    der einzigste Eine allein,
    xXxxXxxX
    das uns gesandte Himmels- Fagott,
    xXxXxXxxX
    das kann nur Buti sein!
    xXxXxX

    Das passt wirklich. Dennoch ist der Inhalt wieder nicht richtig. (Und du verwendest auch hier wieder das unmögliche Wort "einzigste". Du kannst einen Superlativ nicht steigern.

    also demnach ist die CCS recht großzügig hinsichtlich Normen. Sie kann mal unbetont beginnen, mal betont, sie sollte "daktyle" Elemente enthalten; also viel kann und wenig muss. Ich vermute mal, mein neuer Übungsvers ist formal korrekt, aber der Inhalt passt nicht so recht zu dieser Strophenform. Passender stelle ich mir da eher so eine Art Aufruf zur Revolution vor, oder eine Mobilmachung Gleichgesinnter, einen Weckruf, eine Schilderung eines wachsenden Problems, wie zB Umweltverschmutzung, oder Unwetter. Irgendwie meine ich, da muss Geschwindigkeit drin sein, wie: „Brüder, auf an die Waffen, schnell! Der Feind steht vor der Stadt, tausend Krieger, Hunde Gebell, sonst schlagen sie uns platt! Ist Geschwindigkeit, Dringlichkeit, plötzliche Not ein typisches Thema für die CCS? Oder darf ich jedes Thema in diese Strophenform legen, wie zB Liebeskummer? Danke.
    Das ist in etwa der Eingangspost...
    Wichtig ist eben nur, dass das Metrum zum Inhalt passt...

    nächtlicher Gruß, gutes nächtle und carpe noctem
    Nachteule
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  6. #6
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    Hallo Nachteule,

    danke für die gründliche Ausarbeitung! Eine Kleinigkeit hätte ich anzumerken. Ich denke, die Wahl der Beispielverse mit ungleichen Versanfängen war etwas ungünstig. Die Strachwitz-Verse lese ich durchgehend auftaktig:

    “Graf Douglas, presse den Helm ins Haar,
    Gürt um dein lichtblau Schwert,
    Schnall an dein schärfstes Sporenpaar
    Und sattle dein schnellstes Pferd!

    "Gürt um" und "Schnall an" sind zerlegte Verben mit betonter Vorsilbe: umgürten, anschnallen, d.h. die Präpositionen müssten m.E. auch nach der Trennung die Betonung behalten. Vielleicht eignet sich "Der Fischer" von Goethe eher als Beispiel?


    Das Wasser rauscht, das Wasser schwoll,
    Ein Fischer saß daran,
    Sah nach dem Angel ruhevoll,
    Kühl bis ans Herz hinan.

    Ideal ist es sicher auch nicht, weil hier halt die freie Füllung nicht gegeben ist. Auch würde ich die Betonungswechsel in V3 und V4 hier schlicht als Gebrauch dieser "metrischen Lizenz" im jambischen Vers werten, also eher nicht als Indiz für "typisch CCS". Hm, vielleicht kennt noch jemand ein besseres Beispiel?

    Was ich evtl. auch noch erwähnen würde, wären die zweisilbigen Auftakte, z.B. bei Strachwitz:

    König Robert liegt in Todesqual,

    LG Kakadu
    com zeit - com .com

  7. #7
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    Hallo kakadu,

    jaja, die Jugendsünden. Oder ich habe einfach nicht aufgepasst. Darfst dir aussuchen, was der Grund war. XD Ich habe die Xung angepasst. Die Präfixe müssen natürlich betont werden, selbst wenn die Faustregel, dass sie betont werden, eintritt.
    Gute Beispiele zu finden ist nicht wirklich leicht, da die meisten, die diese Strophenform verwendeten, Angst vor der eigenen Courage hatten. Zumindest ist das mein Gefühl.
    Das Beispiel mit den doppelten Senkungen finde ich auch ungeschickt, weil ich persönlich ein Problem damit habe, ein zweisilbiges Wort unbetont zu lesen, zumal es hier am Versbeginn steht und somit kein Lesezwang es in die Senkung drückt... Ich lasse mal mein Beispiel und hoffe, dass es jemanden gibt, der ein besseres hat. Wie gesagt, ich finde es schwer eines aus der Historie zu finden und ich habe lange gesucht. In den meisten Beispielen ist der Auftakt vorhanden, obwohl die Form einem die Freiheit lässt. (Wobei auch die wenigsten die Füllungsfreiheit nutzen, weswegen in vielen Teilen der Lyrikwelt nicht mehr bekannt ist, dass Teil der Strophe ist.)

    nächtlicher Gruß, gutes nächtle und carpe noctem
    Nachteule

    PS: Ich habe mich noch mal durch das Gedicht gescrollt:
    Mit den Schwertern schneidet die Taue ab,
    xxXxXxxXxX
    Alle Segel in die Höh!"
    XxXxxX (Ich gehe davon aus, dass Segel als "Segl" gedacht ist und somit die Xung stimmt.)
    Der König fährt in das schwarze Grab,
    xXxXxxXxX
    Und wir in die schwarzblaue See!
    xXxxXxxX

    So wären alle Beispiele angebracht, die die Form bietet. Was meinst du?
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  8. #8
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    Hallo Nachteule,

    Gute Beispiele zu finden ist nicht wirklich leicht, da die meisten, die diese Strophenform verwendeten, Angst vor der eigenen Courage hatten. Zumindest ist das mein Gefühl.
    das sehe ich auch so. Schade! Aber vielleicht wartet sie ja nur darauf, dass endlich wieder jemand alles aus ihr herausholt.

    Stimmt, die Zweisilber zu drücken, ist gewöhnungsbedürftig, aber die Strophe ist vom Charakter auch sehr eigenwillig (jedenfalls wenn man sie so nehmen will, was man ja nicht muss). Gerade habe ich im gleichen Gedicht noch eine andere Strophe entdeckt:

    Von den Heiden allen, durch Gottes Huld
    Entrann nicht Mann, noch Pferd,
    Kurz ist die schottische Geduld
    Und lang ein schottisch Schwert!

    xxXxXxxXxX
    xXxXxX
    XxxXxXxX
    xXxXxX

    Das wäre m.E. bis jetzt das beste Anschauungsmaterial, und alle Besonderheiten sind hier vereinigt.

    LG Kakadu
    com zeit - com .com

  9. #9
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    Hallo kakadu,

    soll das eine Aufforderung sein? XD

    Ich glaube, ich nehme einfach beide Strophen. Das ist dann, auch wenn es eine ähnliche Form in den Strophen gibt, eine größere Vielfältigkeit.
    Danke fürs anschauen und beim Überarbeiten helfen!

    nächtlicher Gruß, gutes nächtle und carpe noctem
    Nachteule
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  10. #10
    Sneaker Guest
    Die Eule umkreist den Metrumsbrei,
    tief Jambus, Trochäus Hoch,
    der Inhalt ist weitgehend einerlei
    doch felht da der Hebung ein Loch?

    will sagen ne Senkung? Ne Senkung muss her!
    Das checken noch Jüngling wie Greis,
    und gibst du dir Mühe da bleibt die nicht leer
    statt Scheiß wird’s dann Chefie Scheiß.

  11. #11
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    Liebe Claudi,

    danke für das vortreffliche "Material". Erinnert mich an die guten alten Zeiten.

    Liebe Grüße
    Sid
    Dichten und dichten lassen

  12. #12
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    hallo claudi
    willst du damit sagen, dass in einer Chevy-Chase-Strophe einfach alles geht?
    Wo soll das endgen?
    Kaspar Praetorius

  13. #13
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    Ich meine auch und vor allem folgendes:

    O Lady Judith, spröder Schatz,
    Drückt dich zu fest mein Arm?
    Je zwei zu Pferd haben schlechten Platz
    Und Winternacht weht nicht warm.

    Hart ist der Sitz und knapp und schmal,
    Und kalt mein Kleid von Erz,
    Doch kälter und härter als Sattel und Stahl
    War gegen mich dein Herz.

    Sechs Nächte lag ich in Sumpf und Moor
    Und hab' um dich gewacht,
    Doch weicher, bei Sankt Görg ich's schwor,
    Schlaf' ich die siebente Nacht!

    Da gibt es tendenziell Pfingstochsen und Ochspfingsten, untendenziell eindeutig Hebungen in einer aufgelösten Senkung und zudem Bildlogikhüpfer -
    Das sind alles Dinge, welche meiner laienmässsigen Meinung nach in einer Chevy-Chase-Strophe niemals vorkommen dürften. das reichtnicht mal, um eine Steeple Chase erfolgreich zu absolvieren.
    Kaspar Praetorius

    edit:
    Je zwei zu Pferd haben schlechten Platz
    könnte auch so lauten:
    Zu zweit zu Pferd wird eng der Platz
    warum also so wie oben?
    Aber dann folgt gleich die "wehende Winternacht" - mein Gott, was soll das!?!
    Geändert von kaspar praetorius (26.04.2018 um 17:38 Uhr)

  14. #14
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    im Loch

    Im Loch!

    Am Nordseestrand vor unbekannter Zeit - Galimed und seine Frau Jule belagern mit ihren Truppen den Ort Nieblum und wollen die Stadt erobern!

    Im Ort:
    „Brüder, an die Waffen, schnell-
    der Feind steht vor der Stadt,
    tausend Krieger, Hundegebell,
    sonst schlagen sie uns platt!

    Auf! Ihr Frauen und Kinder eilt!
    Lasst alles liegen, rennt
    zum Deich, solange der Feind dort weilt,
    euer Haus noch nicht brennt!

    Geht nur, geht nur! Betet zum Herrn,
    Dichter geh auch du,
    versteckt euch, bildet einen Kern,
    hört dem Dichter zu!“

    doch:
    Rasch sprang der Dichter aufs Pferd,
    ritt zum Feind am Rand!
    Schnallte ab beim Reiten das Schwert,
    hielt ein Buch in der Hand!

    „ Ihr Krieger, wer ist euer Herr?“
    Galimed, er trat hervor:
    „Butenlänner? Du kommst hierher?
    Sprich, du dummer Tor!"

    „Gnädiger, höret mich an, ich floh!
    Es wütet die Pest im Ort!
    Meine Rettung dies Buch; so froh, -
    nur ich kann lesen das Wort!"

    „Du Quasseltasche, nehmt ihn fest!
    Du meinst ich traue dir!?
    Ins Loch! Die Zeit erledigt den Rest!
    Das Buch gehört jetzt mir!"

    Im Ort:

    "Butenlänner, was will er dort?
    Beschlossen ist wohl sein Tod!
    Für immer und ewig ist Buti fort
    und wir in großer Not!“

    "Der Dumme, bewaffnet mit einem Buch
    gemacht aus bestem Hanf.
    Der Feind, er kann nicht lesen, welch Fluch!
    Buti, Ruhe sanft !"

    Am Feuer:
    „Galimed, Meister, glaube es nicht!
    Ich spionierte dort
    noch Gestern, dieser elende Wicht,
    alle Gesund im Ort!“

    "Schweige! Ich bin weise und klug,
    ja doch, Jule ich weiß,
    Bücher sind nutzloses Zeug, Betrug!
    Ab ins Feuer den Scheiß!"

    Im Loch:
    „Herr, es ist so ffinster und kkalt!
    Was hab ich nur ggetan
    Erlölöse mich, hhole mich bald
    Vergib mir, ich flehe ddich an!“

    Am PC:
    "Gott o Gott, so helf´ ihm doch!
    Schreib den Retter- Vers!
    Schnell! Der Buti stirbt im Loch!
    Helf´ dem Dichterherz!"

    Im Himmel:
    "Buti, Buti, was machst du jetzt?
    Glaubst du nicht an mich?
    Dein Himmelplatz ist noch besetzt,
    vertraue, jammer nich´!"

    im Loch:
    "Herr iich danke dir, vverzeih!
    Ein Vers der kommt bbestimmt,
    Aangst die zieht ganz schnell vorbei,
    bböse wer Nichts vernimmt!"

    Am Feuer:
    „Jule, nee was bin ich Müd,
    morgen greifen wir an...
    Julechen - o Julchen alles so trüb!“
    „O GALi denk nicht darAn!“

    "Krieg? Der Butenlänner; hi
    JULCHEN? Julchen JA!
    Alles so bunt hier, hi hi,
    mach weiter und komm ganz nah!"

    In der Praxis:
    "Butenlänner, sie sind krank!
    Poesie?! Vorbei!!!
    Obendrein sind sie noch blank!
    Schluss mit Dichterei!"

    Am Loch:
    "Tot ist er, der Dichter- Gott,
    schüttet das Loch nun zu!"
    "Du Missgeburt von Himmelsfagott! -
    Endlich haben wir Ruh!"

    ...mehr wurde leider nicht überliefert!


    Fietje Butenlänner


    Hallo @ all,
    eine CCS ist nicht einfach, schliesslich soll Zielstrebigkeit, Tempo oder Eile, sprich eine Geschwindigkeit spuerbar werden. Die Beispiele die Claudi verlinkte, lassen mich mitziehen, aber sie reissen mich nicht weg. Ich meine eine gut wirkende CCS zieht den Leser mit fort, vlt spuert er einen Sog. Im Gedicht im Loch hatte ich versucht die CCS Technik anzuwenden. Der Text war bereits Teil dieses Fadens, wurde aber von mir aufgrund von ploetzlich eintretenden Aufraeumalueren sinnfrei entfernt. Tja, da ist er wieder und darf zerrupft werden.
    Lg Fietje

  15. #15
    Registriert seit
    Aug 2009
    Ort
    Bremen
    Beiträge
    1.939
    Hi Fietje,

    wenn Du kommst, geht in den Sprechzimmerfäden die Sonne auf! Magst Du Deine Strophen nicht auch in eine Gedichterubrik stellen? Dann könnten wir etwas mehr als nur die Strophenform dazu bequatschen. Was mir jedenfalls auffällt, sind die häufigen auftaktlosen Versanfänge, die eigentlich bei der CCS die Ausnahme sind? Nach dem betonten Ende des Vorverses nimmt das eher Tempo raus? Die Grundform ist m.W. eigentlich jambisch.

    Hab dazu mal wieder bei Ferdi gegraben und eine informative Besprechung zu Theodor Fontanes „Frühling“ gefunden. Die anderen Beiträge im Verserzähler (nicht nur die zur CCS) sind natürlich auch lesenswert!

    Die deutschen Dichter haben ja, wie Nachteule schon erwähnte, meist die kreuzgereimte Form verwendet. Das muss für meinen Geschmack nicht unbedingt sein, aber auf jeden Fall bist Du damit in guter Gesellschaft.

    LG Claudi
    com zeit - com .com

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