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  1. #16
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    Ich meine auch und vor allem folgendes:

    O Lady Judith, spröder Schatz,
    Drückt dich zu fest mein Arm?
    Je zwei zu Pferd haben schlechten Platz
    Und Winternacht weht nicht warm.

    Hart ist der Sitz und knapp und schmal,
    Und kalt mein Kleid von Erz,
    Doch kälter und härter als Sattel und Stahl
    War gegen mich dein Herz.

    Sechs Nächte lag ich in Sumpf und Moor
    Und hab' um dich gewacht,
    Doch weicher, bei Sankt Görg ich's schwor,
    Schlaf' ich die siebente Nacht!

    Da gibt es tendenziell Pfingstochsen und Ochspfingsten, untendenziell eindeutig Hebungen in einer aufgelösten Senkung und zudem Bildlogikhüpfer -
    Das sind alles Dinge, welche meiner laienmässsigen Meinung nach in einer Chevy-Chase-Strophe niemals vorkommen dürften. das reichtnicht mal, um eine Steeple Chase erfolgreich zu absolvieren.
    Kaspar Praetorius

    edit:
    Je zwei zu Pferd haben schlechten Platz
    könnte auch so lauten:
    Zu zweit zu Pferd wird eng der Platz
    warum also so wie oben?
    Aber dann folgt gleich die "wehende Winternacht" - mein Gott, was soll das!?!
    Geändert von kaspar praetorius (26.04.2018 um 17:38 Uhr)

  2. #17
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    im Loch

    Im Loch!

    Am Nordseestrand vor unbekannter Zeit - Galimed und seine Frau Jule belagern mit ihren Truppen den Ort Nieblum und wollen die Stadt erobern!

    Im Ort:
    „Brüder, an die Waffen, schnell-
    der Feind steht vor der Stadt,
    tausend Krieger, Hundegebell,
    sonst schlagen sie uns platt!

    Auf! Ihr Frauen und Kinder eilt!
    Lasst alles liegen, rennt
    zum Deich, solange der Feind dort weilt,
    euer Haus noch nicht brennt!

    Geht nur, geht nur! Betet zum Herrn,
    Dichter geh auch du,
    versteckt euch, bildet einen Kern,
    hört dem Dichter zu!“

    doch:
    Rasch sprang der Dichter aufs Pferd,
    ritt zum Feind am Rand!
    Schnallte ab beim Reiten das Schwert,
    hielt ein Buch in der Hand!

    „ Ihr Krieger, wer ist euer Herr?“
    Galimed, er trat hervor:
    „Butenlänner? Du kommst hierher?
    Sprich, du dummer Tor!"

    „Gnädiger, höret mich an, ich floh!
    Es wütet die Pest im Ort!
    Meine Rettung dies Buch; so froh, -
    nur ich kann lesen das Wort!"

    „Du Quasseltasche, nehmt ihn fest!
    Du meinst ich traue dir!?
    Ins Loch! Die Zeit erledigt den Rest!
    Das Buch gehört jetzt mir!"

    Im Ort:

    "Butenlänner, was will er dort?
    Beschlossen ist wohl sein Tod!
    Für immer und ewig ist Buti fort
    und wir in großer Not!“

    "Der Dumme, bewaffnet mit einem Buch
    gemacht aus bestem Hanf.
    Der Feind, er kann nicht lesen, welch Fluch!
    Buti, Ruhe sanft !"

    Am Feuer:
    „Galimed, Meister, glaube es nicht!
    Ich spionierte dort
    noch Gestern, dieser elende Wicht,
    alle Gesund im Ort!“

    "Schweige! Ich bin weise und klug,
    ja doch, Jule ich weiß,
    Bücher sind nutzloses Zeug, Betrug!
    Ab ins Feuer den Scheiß!"

    Im Loch:
    „Herr, es ist so ffinster und kkalt!
    Was hab ich nur ggetan
    Erlölöse mich, hhole mich bald
    Vergib mir, ich flehe ddich an!“

    Am PC:
    "Gott o Gott, so helf´ ihm doch!
    Schreib den Retter- Vers!
    Schnell! Der Buti stirbt im Loch!
    Helf´ dem Dichterherz!"

    Im Himmel:
    "Buti, Buti, was machst du jetzt?
    Glaubst du nicht an mich?
    Dein Himmelplatz ist noch besetzt,
    vertraue, jammer nich´!"

    im Loch:
    "Herr iich danke dir, vverzeih!
    Ein Vers der kommt bbestimmt,
    Aangst die zieht ganz schnell vorbei,
    bböse wer Nichts vernimmt!"

    Am Feuer:
    „Jule, nee was bin ich Müd,
    morgen greifen wir an...
    Julechen - o Julchen alles so trüb!“
    „O GALi denk nicht darAn!“

    "Krieg? Der Butenlänner; hi
    JULCHEN? Julchen JA!
    Alles so bunt hier, hi hi,
    mach weiter und komm ganz nah!"

    In der Praxis:
    "Butenlänner, sie sind krank!
    Poesie?! Vorbei!!!
    Obendrein sind sie noch blank!
    Schluss mit Dichterei!"

    Am Loch:
    "Tot ist er, der Dichter- Gott,
    schüttet das Loch nun zu!"
    "Du Missgeburt von Himmelsfagott! -
    Endlich haben wir Ruh!"

    ...mehr wurde leider nicht überliefert!


    Fietje Butenlänner


    Hallo @ all,
    eine CCS ist nicht einfach, schliesslich soll Zielstrebigkeit, Tempo oder Eile, sprich eine Geschwindigkeit spuerbar werden. Die Beispiele die Claudi verlinkte, lassen mich mitziehen, aber sie reissen mich nicht weg. Ich meine eine gut wirkende CCS zieht den Leser mit fort, vlt spuert er einen Sog. Im Gedicht im Loch hatte ich versucht die CCS Technik anzuwenden. Der Text war bereits Teil dieses Fadens, wurde aber von mir aufgrund von ploetzlich eintretenden Aufraeumalueren sinnfrei entfernt. Tja, da ist er wieder und darf zerrupft werden.
    Lg Fietje

  3. #18
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    Hi Fietje,

    wenn Du kommst, geht in den Sprechzimmerfäden die Sonne auf! Magst Du Deine Strophen nicht auch in eine Gedichterubrik stellen? Dann könnten wir etwas mehr als nur die Strophenform dazu bequatschen. Was mir jedenfalls auffällt, sind die häufigen auftaktlosen Versanfänge, die eigentlich bei der CCS die Ausnahme sind? Nach dem betonten Ende des Vorverses nimmt das eher Tempo raus? Die Grundform ist m.W. eigentlich jambisch.

    Hab dazu mal wieder bei Ferdi gegraben und eine informative Besprechung zu Theodor Fontanes „Frühling“ gefunden. Die anderen Beiträge im Verserzähler (nicht nur die zur CCS) sind natürlich auch lesenswert!

    Die deutschen Dichter haben ja, wie Nachteule schon erwähnte, meist die kreuzgereimte Form verwendet. Das muss für meinen Geschmack nicht unbedingt sein, aber auf jeden Fall bist Du damit in guter Gesellschaft.

    LG Claudi
    com zeit - com .com

  4. #19
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    hi,
    Fontanes Fruehling gefaellt mir gerade sehr gut. Ein Apfelbaum der sich noch straeubt, aber dann doch seine mueden Aeste im warmen Aether wiegt und das luftige Spiel annimmt. Die ewigen Kraefte rufen und wecken die Lebewesen, hier ist es die mitreissende Kraft des Fruehlings die mich sogartig in den Text mitzieht und animiert.
    lg f

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