1. #1
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    Jim Morrison - When the Music's Over

    When the Music's Over





    Jim Morrison
    (8.12.1943 - 3.7.1971)


    Jim Morrison, Sänger der berühmten Rockgruppe The DOORS; er wäre am 8. Dezember dieses Jahres 70 Jahre alt geworden, leider gehört er jedoch zum legendären Club 27; er starb am 3. Juli 1970 in Paris im Alter von 27 Jahren.

    Jim: unvergessen seit Jahrzehnten, und das nicht nur bei seinen Fans. Presse, Fernsehen und Radio bedachten ihn mit Kommentaren, spielten seine Lieder, ein Fernsehsender brachte zu bester Sendezeit einen Film über ihn. Sein Grab im Pariser Friedhof Père-Lachaise ist das meistbesuchteste; und dies obwohl neben ihm noch 200 zum Teil weltberühmte Persönlichkeiten ruhen; dies obwohl Jim Morrison kein Franzose war. Inzwischen (13.12.13), so hört man, will der Stadtrat von Paris über einen Antrag abstimmen, einen öffentlichen Ort (Straße, Platz oder Einrichtung) nach Jim Morrison zu benennen.

    Jim Morrison, eine Ikone der Rockmusik, vergöttert wie Elvis Presley und Michael Jackson; doch ist er größer als sie, größer als jeder andere „Star“ im Musikgeschäft, denn er war nicht nur charismatischer Sänger, Musiker und Showtalent, er war zudem etwas, was man in der Branche kaum antrifft: er war Dichter.

    Für uns, die wir hier in Gedichteforen Beiträge für unsere Sprache und Kultur schreiben und uns dabei freuen, wenn die Werke von einigen hundert Interessenten wahrgenommen werden, ist der Blick nach oben, hinauf zu Jim Morrison, schwindelerregend. Er hat alles erreicht, was möglich ist: er wird weltweit geliebt und verehrt und ist zudem ... "unsterblich".

    Ein Song, der Jim Morrison in besonderem Maße als Dichter zeigt, ist When the Music's over (1967). Wenn ich ihn hier interpretiere, so ist das, so denke ich, auch für Leute von Interesse, die Jim und die DOORS nicht kennen; es geht ja ums Dichten.

    When the music's over
    Turn out the lights
    So beginnt und endet das vertonte Gedicht. Mit "music's over" ist dabei nicht das Ende einer Vorstellung gemeint, sondern music ist das, was den Sänger lebendig macht, sie ist Kreativität, Lebenskraft, Leidenschaft - "alles".

    For the music is your special friend
    Dance on fire as it intends
    Music is your only friend
    Until the end
    Wer als Sänger die Musik verloren hat, der tanzt nicht mehr auf dem Feuer, er ist, hat er doch seinen "einzigen Freund" verlofren zutiefst einsam; und ein solches verarmtes Leben hat für ihn keinen Sinn mehr; aus diesem Grund ergreift ihn die Todessehnsucht: turn out the light.

    Cancel my subscription to the Resurrection
    Send my credentials to the House of Detention
    I got some friends inside
    Hier geht es um letzte Dinge vor dem Sterben. Das Abonnement für die religiöse Zeitschrift "Resurrection" soll gekündigt werden, wohl weil der Sänger ohnehin nicht an die Auferstehung (resurrection) glaubt. Dazu möchte er seine Freunde im Gefängnis (House of Detention) grüßen lassen. Die Nähe der beiden Aufforderungen soll auch zeigen, daß der Sänger seine Freunde eher bei „Sündern“ findet als in einer frommen Glaubensgemeinschaft.

    The face in the mirror won't stop
    The girl in the window won't drop
    A feast of friends
    "Alive!" she cried
    Waitin' for me
    Outside!
    Auch hier drängen sich ihm beim Abschiednehmen Menschen auf. Geheimnisvoll das Gesicht im Spiegel, ist es sein eigenes? Geheimnisvoll auch das Mädchen im Fenster. Das "feast of friends" könnte eine Anspielung auf das letzte Abendmahl Jesu sein, war nicht auch er auf dem Weg zum Tode? Informierte Kenner von Morrisons Gedichte sehen an dieser Stelle einen Einfluß des französischen Dichters Arthur Rimbaud, den Jim intensiv gelesen hat.

    Before I sink
    Into the big sleep
    I want to hear
    I want to hear
    The scream of the butterfly
    Wie ein Todeskandidat möchte der Sänger - als letzten Wunsch - den Schrei des Schmetterlings noch einmal hören. Das ist die Stelle, die mich als Zwanzigjährigen zutiefst beeindruckt hat. Kann ein Schmetterling schreien? Und wenn, kann man es hören? "Man" kann es bestimmt nicht, doch kann es der Dichter? Das Schöne, Zerbrechliche und Wehrlose in der Natur, kann es leiden? Fühlt es, wenn ihm vom Menschen Unrecht oder Schmerz zugefügt wird?

    Come back, baby
    Back into my arm
    We're gettin' tired of hangin' around
    Waitin' around with our heads to the ground

    I hear a very gentle sound
    Very near, yet very far
    Very soft, yet very clear
    Come today, come today
    Können wir den Schrei des Schmetterlings schon nicht hören, dann wohl erst recht nicht den leisen Ton, der aus der Erde das Ohr des Dichters trifft.

    What have they done to the earth?
    What have they done to our fair sister?
    Ravaged and plundered and ripped her and bit her
    Stuck her with knives in the side of the dawn
    And tied her with fences and dragged her down
    Der Mensch hat die Erde, „unsere schöne Schwester“, vergewaltigt, verwüstet und übel zugerichtet. Nimmt unsere Erde dies klaglos hin?

    I hear a very gentle sound
    With your ear down to the ground
    We want the world and we want it...
    We want the world and we want it...
    Now
    Now?
    Now!
    Die Erde fordert - wenn auch mit leiser Stimme - ihr Recht. Sie will wieder denen "gehören", die sie lieben und respektieren, so wie dies früher der Fall war, als der Mensch - insbesondere die Indianer - Natur und Erde liebten und mit ihr im Einklang lebten. Jim Morrison ist der Schamane, der Vermittler zwischen Erde und Mensch, der "Medizinmann", der - meist im Zustande einer Trance - die Stimme der Erde vernimmt und die Menschen belehrt. Jim Morrison, der Dichter als Schamane! Er gibt der Erde nun seine Stimme, fordert, immer lauter werdend, ihr Recht.

    Persian night, babe
    See the light, babe
    Save us!
    Jesus!
    Save us!
    Der Dichter fordert in höchster Erregung Jesus’ Beistand. "Persian night" bezieht sich auf die "Weisen aus dem Morgenland", die "heiligen drei Könige". Sie stammen aus Persien und lebten in Dunkelheit, bis sie "das Licht", den Stern von Bethlehem erblickten. Diesem folgten sie und fanden Jesus - den "Erlöser". In Jims Gedicht hat "Erlösung" jedoch nichts mit "Erbsünde" zu tun - etwas, wovon wahrscheinlich Jesus selbst nichts wußte. Erlösung oder Rettung kann nur in einem neuen Verhältnis zum Leben und zur Natur liegen. Und dieses liebende, lebendige Verhältnis zur Natur läßt sich im Evangelium entdecken. Jesus bemerkt die "Lilien auf dem Feld" (Matth. 6/25) und verwendet in seinen Gleichnissen viele Metaphern aus der Natur.

    Die Verbindung von indianischem und christlichem Glauben findet sich in Aldous Huxleys utopischen Roman "Schöne neue Welt" (Brave New World). Wir begegnen dort "John the Savage", einem weißen jungen Mann, der in einem indianischen Reservat aufgewachsen ist. Dort werden bei einer rituellen Handlung sowohl die Symbole des indianischen Adlers als auch des Gekreuzigten umhergetragen. Als Initiationsritus müssen die jungen Indianer eine längere Zeit im Inneren eines Berges in völliger Dunkelheit verbringen, um dort - im Roman wird es nicht ausdrücklich gesagt - die Stimme der Erde zu vernehmen.

    Der Name von Jim Morrisons Band: The Doors, hat ihren Ursprung in Huxleys Begriff "doors of perception". Mir scheint, daß Jim Morrison sich viel mit Huxley beschäftigt hat und sich so wie auch John, the Savage aus Brave New World fremd in der heutigen "Zivilisation" gefühlt hat. Wie dieser wollte er die Menschen zu einem ursprünglichen besseren Leben bekehren, wie dieser hat er gegen eine dekadente Zivilisation, gegen eine geistlose Wohlfühlgesellschaft rebelliert.

    When the music's over
    Turn out the lights
    Und so endet der Song, mit gleichen Worten und mit derselben Stimmung wie am Anfang. Die „Musik“ ist nur kurz zurückgekehrt, und mit Musik kann, so haben wir gesehen, nicht diese allein gemeint sein, sondern zudem – wenn nicht vornehmlich – auch die Dichtung.

    Jedem, der den Song noch nicht kennt, sei empfohlen, ihn sich auf youtube anzusehen.


    Mit lieben Grüßen an alle Freunde Jim Morrisons

    Friedrich


    P.S. Zum selben Thema siehe auch meinen Beitrag The End - To Jim Morrison
    Geändert von Friedrich (17.12.2013 um 16:28 Uhr)

  2. #2
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    Hallo Friedrich,
    ein interessanter Artikel den du da verfasst hast und ich habe ihn nun mehrmals gelesen. Danke erst mal dafür.
    Du hast wirklich gute Recherche geleistet und in ich musste oft anerkennend mit dem Kopf nicken.
    Ich habe zwar nicht die Erfahrung im Kommentieren, aber möchte mal versuchen auf einige Punkte einzugehen.

    Den „Club27“ halte ich persönlich für eine schöne Geschichte der Medien, die immer mal wieder gerne wieder aufgegriffen wird. Die Gerüchte darüber, dass Jim, nachdem er vom Tod von Hendrix und Joplin erfahren hat, gesagt haben soll er sei der nächste, halten sich aber hartnäckig und sind auch nicht wirklich wichtig.
    Der Kult der um Morrison betrieben wird, ist mir manchmal nicht wirklich geheuer, da hier von vielen Leuten einfach gesagt wird, dass Morrison der Größte war, einfach nur um … angesagt zu sein? Ab und an sehe ich ein T-Shirt mit seinem Konterfei oder einen Aufkleber den die Menschen sich dann aufs Auto oder was weiß ich wohin pappen und explizit nachgefragt, sind es dann nicht wenige die nur Light my fire und bestenfalls den Film zum Menschen kennen. Das mag ich dann nicht wirklich und das sind dann eigentlich auch genau die Menschen denen Morrison dann den Hintern gezeigt hätte. Meine Meinung.

    Zugegeben, immer kann ich mir the Doors auch nicht anhören, es gibt Zeiten da klingt ihre Musik für mich unprofessionell und irgendwie nach dem Proberaum einer Schülerband, wenn ich dann aber an anderen Tagen einen Zugang zu der Musik bekomme ist es immer wieder eine Freude.

    Ich meine nun hier in erster Linie die Musik, oder besser gesagt die Untermalung von Morrisons Texten. Die Texte halte ich wirklich für gut und sie bestehen für mich auch ohne das Medium Musik. Er war ein Dichter, gewiss, ob nun der „Größte“ lasse ich mal dahingestellt, da das ja doch eine subjektive Angelegenheit ist, anders gesehen ist ein direkter Vergleich mit Jackson (der ja nun wo er nun tot ist überall gehört werden darf und auch angesagt ist) oder Elvis nicht möglich, da Morrison eben anders war.

    Du schreibst, dass der Blick für uns hinauf zu Morrison schwindelerregend ist, da er alles erreicht hat und wenn ich mir mal seinen Weg in die Halle des Ruhms ansehe, sage ich einfach mal, dass ich nicht alles erreichen will und wenn man den Autobiographen glauben schenken darf, wollte er das auch nicht wirklich. „Unsterblich“ schreibst du und das ist nun auch das Stichwort für mich, endlich auf deine Interpretation zum Text zu kommen.

    „Frage fünf Leute die the Doors kennen, nach einer Interpretation und du bekommst sechs verschiedene Meinungen“, habe ich mal irgendwo gelesen und so sehe ich das auch. Morrison war jemand der mit Metaphern umzugehen wusste und vieles,wenn nicht sogar alles, was er geschrieben hat, kann man auf verschiedene Weise deuten.


    When the music's over
    Turn out the lights



    Ich nehme mal den für mich einfachen Weg und stelle mir den Musiker nach dem Konzert vor. Er schaut sich den leeren Konzertsaal an. Wo eben noch die Menschen nach Musik getanzt und gefeiert haben ist nun Stille und Einsamkeit, ein Ort den man verlässt wenn er seine Schuldigkeit getan hat und so macht der letzte die Tür zu und das Licht aus. Was ich sagen will, hier kann durchaus „einfach“ das Ende der Musik gemeint sein und dieses Ende eröffnet wiederum so viele Türen, dass die Möglichkeiten Morrisons Texte zu deuten in immer wieder in andere Richtungen zeigen können und sich so viele weitere Türen öffnen.

    In einer Autobiographie stand mal das Morrison jemand war der sich mit den Lehren von Aleister Crowley befasst hat und wenn ich seine Texte dann aus dieser Perspektive betrachte, könnten sie sich auch auf eine okkulte Ebene verschieben, okkulte hermetische Lyrik sozusagen, welche dann ohne den Schlüssel nicht zu dechiffrieren wäre. Ich neige dazu seine Texte aus dieser Sichtweise zu betrachten und versuche sie auch so zu verstehen bzw. für mich zu deuten.


    Cancel my subscription to the Resurrection
    Send my credentials to the House of Detention
    I got some friends inside


    Hier übersetzte ich subscription (nur für mich) mit der Wortherkunft, dem Unterschreiben, und lese es dann als Vertrag mit der Unsterblichkeit, der aufgelöst wird oder anders das LI kehrt dem Christentum den Rücken zu (um dann vielleicht einen anderen Vertrag/Pakt einzugehen?) und winkt den Freunden, die noch im Glauben gefangen sind, noch einmal zu.

    So geht es bei mir Zeile um Zeile und es ist jetzt bestimmt nicht so, dass ich deine Interpretation nicht mag oder nicht gutheißen würde, im Gegenteil, sie haben mich überhaupt erst mal dazu gebracht darüber nachzudenken, dass es noch andere Möglichkeiten gibt Jim Morrison zu betrachten.

    Ich glaube man könnte sich hier endlos drüber auslassen, da Morrison eben sehr viel Stoff bietet, aber ich halte mich nun an ein Zitat von Aerosmith, wo es denn heißt, „Let the music do the talking“.
    Auf jeden Fall hat es mir Freude gemacht mich deinen Worten zu befassen, du hast mich dazu gebracht die schwarzen Scheiben wieder reinzurollen und es ist gerade recht laut hier (Kopfhörer).

    Einen lieben Gruß
    L.
    Hauptsache du machst was
    .... und wenn du was kaputt machst.

  3. #3
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    Hallo Lehmann,

    vielen Dank für Deinen umfangreichen Kommentar. Es ist schön, hier einen Verehrer ("Fan" ist in diesem Zusammenhang wohl zu wenig) Jim Morrisons zu finden, der nicht nur Light My Fire und einen Film über ihn kennt. (Kleine Bemerkung am Rande: Der meistverkaufteste und bekannteste Song von The Doors ist noch nicht einmal von Jim Morrison selbst, sondern von dem Gitarristen der Gruppe: Robby Krieger).

    Den „Club27“ halte ich persönlich für eine schöne Geschichte der Medien, die immer mal wieder gerne wieder aufgegriffen wird.
    Damit hast Du recht. Ich erwähnte den Begriff club27 auch nur, um die Leser davon in Kenntnis in Kenntnis zu setzen, daß es einen solchen gibt und daß Jim zu ihm zählt. Neben Jimi Hendrix und Janis Joplin gehören auch noch Brian Jones (Rolling Stones), Kurt Cobain (Nirvana) und seit kurzem (2011) auch Amy Winehouse dazu. Bei Brian Jones und Jim Morrison sind - so wikipedia - die wahren Todesumstände "ungeklärt". Was Jim Morrison betrifft, so wird als offizielle Todesursache "Herzversagen" genannt; die Umstände seines jämmerlichen Todes in einer Pariser Badewanne lassen aber eher den Verdacht einer Vergiftung aufkommen. Beweisen läßt sich im nachhinein nichts mehr und es hatte auch damals "niemand" Interesse daran.

    Die Texte halte ich wirklich für gut und sie bestehen für mich auch ohne das Medium Musik. Er war ein Dichter, gewiss, ob nun der „Größte“ lasse ich mal dahingestellt, da das ja doch eine subjektive Angelegenheit ist, ...
    Natürlich ist es subjektiv, wer für wen "der Größte" ist. Für mich ist Jim Morrison nicht der größte Dichter überhaupt, sondern der Größte auf seine Art und das wird deutlich, wenn man ihn mit Elvis Presley und Michael Jackson vergleicht, so verschieden diese auch immer von jenem sein mögen. Einen Vergleich kann man immer dann anstellen, wenn man einen gemeinsamen Nenner findet, in diesem Fall ist es die Rockmusik und der Status einer "Ikone". Von diesen - und noch anderen Ikonen - ist Jim Morrison (für mich) der Größte, eben weil er Dichter war und die anderen nicht. Es kommt bei ihm neben Musik, Stimme, Aussehen und Bühnenshow also noch eine weitere Dimension dazu, und die macht Jim "outstanding", also zum "Größten".

    Du schreibst, dass der Blick für uns hinauf zu Morrison schwindelerregend ist, da er alles erreicht hat ...
    Wenn ich mir Jim Morrisons Erfolg vor Augen führe, so frage ich mich - heute mehr denn je - wie dieser überhaupt möglich war. Jim ist eine Jahrhunderterscheinung, etwas, das es vorher nicht gab und so schnell auch nicht wieder geben wird.

    Wer kann heute noch als Dichter berühmt werden? Wenn jemand Glück hat, dann werden seine Gedichtbände gedruckt und sein Name ist in ausgesuchten Kreisen ein Begriff; mehr ist wohl kaum möglich. Wie seine "Kollegen" im Mittelalter war Jim aber auch "Sänger", er hatte die Melodien für seine Gedichte im Kopf, konnte sie - da er kein Instrument beherrschte - aber weder selbst spielen noch auch aufschreiben. Das Schicksal fügte es, daß er die virtuosen Musiker Ray Manzarek (Orgel) und Robby Krieger (Gitarre) fand, die mit ihm zusammen diese einzigartige Musik hervorbrachten. Und wie in einer Oper wurden seine Gedichte nicht nur gespielt und gesungen, sondern noch dazu in Szene gesetzt. Oper ist hier vielleicht nicht der richtige Ausdruck, denn es handelt sich dabei ja um ein Zusammengehen von Oper und Schauspiel, um ein gesungenes Drama also. Das hat mich, als ich Jim Morrison das erste Mal gehört und mehr noch als ich ihn später auf Video gesehen habe, zutiefst beeindruckt. Und diese Kombination hat ihn meiner Meinung nach in diese schwindelerregende Höhe des Ruhms katapultiert.

    „Frage fünf Leute die the Doors kennen, nach einer Interpretation und du bekommst sechs verschiedene Meinungen“, habe ich mal irgendwo gelesen und so sehe ich das auch. Morrison war jemand der mit Metaphern umzugehen wusste und vieles,wenn nicht sogar alles, was er geschrieben hat, kann man auf verschiedene Weise deuten.
    Hier gebe ich Dir völlig recht, und ich denke, das ist auch gut so. Wer zum Beispiel Huxleys Brave New World nicht gelesen hat, wird wohl kaum auf die Idee kommen, Gemeinsamkeiten von Jim Morrison und den dort beschriebenen Charakteren wie John, the Savage oder auch Helmholtz Watson zu sehen. Für mich sind sie jedoch da. Andererseits kann ich aber auch nicht alles gelten lassen, was anderen zu Jims Metaphern so einfällt. Jemand schrieb im Internet, daß "The Scream of the Butterfly" ein zu Zeiten Jims bekannter Pornofilm war. Daß der Dichter in When the Music's Over nun bevor "der große Schlaf" (the big sleep) kommt, einen Gedanken an Pornofilme (!) verschwenden sollte, will mir nun überhaupt nicht einleuchten, zumal alles weitere dann gar nicht mehr dazu paßt.

    When the music's over
    Turn out the lights
    Deine Interpretation dieser Zeilen ist richtig, dennoch denke ich, daß sie noch eine weitere Dimension haben, so wie ich es beschrieben habe. "Wenn die Show zuende ist, mach einer das Licht aus" ist mir als Aussage eines Gedichtes einfach zu wenig, zu banal. Die Doors spielten When the Music's Over tatsächlich meist am Ende der Show, was Deine Sicht durchaus bestätigt; allein der Mittelteil steht dann - so gesehen - irgendwie isoliert da.

    Ich glaube man könnte sich hier endlos drüber auslassen, da Morrison eben sehr viel Stoff bietet, aber ich halte mich nun an ein Zitat von Aerosmith, wo es denn heißt, „Let the music do the talking“.
    Dem Zitat von Aerosmith kann ich nur dann voll zustimmen, wenn mit "music" beides gemeint ist: vertonte Dichtung, so wie es meiner Interpretation von When the Music's Over entspricht. Dichtung "spricht" zu uns, denn Dichtung ist Wort, gesprochen oder gesungen, und wenn diese uns "anspricht" dann spricht sie möglicherweise auch aus uns, und damit entsteht eine Interpretation oder ein dadurch "angeregtes" Gedicht zum selben Thema.

    Vielen Dank nochmals für Dein Interesse. Vielleicht werden durch unsere Diskussion noch weitere User dazu angeregt, ihre "schwarzen Scheiben" hervorzuholen und sich mit Jim zu beschäftigten. Vielleicht gelingt es auch, User mit Jim überhaupt erst bekannt zu machen.

    Mit lieben Grüßen

    Friedrich

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