1. #1
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    Zwei Arbeiter nach zwanzig Jahren

    Das war mal dein Betrieb. Heut ist er weg,
    gehört dem Boss da mit dem dicken Wagen.
    Der kennt die Börse, höchstens noch den Scheck,
    den er dir reicht, und du darfst danke sagen.

    Dein Unternehmer geht flott über Leichen,
    für den bist du ein dreckiger Prolet.
    Was der dir löhnt, muss doch zum Leben reichen!
    Sonst sitzt du fest und jammerst aufs Diät.

    Denk mal zurück ein Stück und denk mal klar.
    Du hattest Arbeit, alles war im Lot. Und nun?
    Sag bloß, und das ist alles nicht mehr wahr?
    Ach nee. Mit Köpfchen hat das kaum zu tun.

    Sag nichts. Ich kann mir denken, was da war.
    Zu leicht kann man den klügsten Kerl verwirren.
    Wenn ich dich sehe, wird mir manches klar.
    Versteh ja, jeder Mensch kann sich mal irren.

    Doch jetzt ist Zeit, dass du der Klügre wirst.
    Dass du begreifst, wie sehr man dich bescheißt.
    Und dass du dich nicht wieder so verirrst.
    Ich mein ja bloß. Ich sag‘s dir, dass du’s weißt.

  2. #2
    mooney Guest
    Jaja – die guten, braven und fleißigen Arbeiter und die böhsen Unternhmer-Onkelz (Elektrobaine nennt sie schlicht „Bosse“), die mit dem dicken Wagen herumbrummen und sich an der Börse reich spekulieren, obwohl ihr Betrieb längst den Jordan hinuntergeschwommen ist.

    Höre ich aus dem unreinen Verserlgeklapper Sehnsucht heraus nach den maroden Staatsbetrieben, in denen es beim besten Willen nach 1990 nicht mehr weitergegangen wäre, weil Dummheit und Kurzsichtigkeit der „planenden“ Behörde sie zerbröseln hatte lassen? Wo die guten und braven Arbeiter bei mäßigem Fleiß in einer Scheinwelt leben mussten, in der’s außer staatlich kontrollierten – physischen ebenso wie geistigen – „Sättigungsbeilagen“ so gut wie nichts mehr gab, außer reichlich auf’s Maul, wenn man es denn aufzureißen wagte?

    Dass nicht nur ganze Staaten Pleite gehen können wie die damalige „demokratische“ Republik, sondern auch Privatfirmen, liegt nicht immer nur an der Idiotie eines Politbüros oder der Blödheit eines Aufsichtsrates. Zumeist ist es die – inzwischen global gewordene – Konkurrenz untereinander, die große und kleine Unternehmen zum Leidwesen und zum Schaden aller, nicht nur der guten, braven und fleißigen Arbeiter, in Bedrängnis bringt.

    Wenn man diese Konkurrenz ausschalten möchte, muss man es machen wie Kim Jong-bumm, wie Zar Putin oder wie weiland der Ulbricht Walter auf Geheiß des großen Bruders. Was dabei herauskommt, wissen alle, die so etwas haben wie ein Hirn.

    Wer solche „Systeme“ immer noch reimklappernd lobpreisen möchte, fände sein Publikum hierzulande eventuell in jenem Prekariat, das seine Tage müßig vor dem Flachbildschirm verhockt und die von RTL gescriptete „Reality“ für die Wirklichkeit hält. Das Dumme daran ist, dass diese Typen nichts lesen, Elektrobainchen. Du schreibst Deine Grufti-Traktate in das Nichts einer Forenwelt, in der sich nur ein paar Hanseln aufhalten und köstlich über Deinen Schmarren amüsieren.

    Hoffentlich baut die Administration nie eine Mauer, wie sich die AutorIn das wiederholt gewünscht hat. Es wäre schade.

    Heitere Grüße

    moony

  3. #3
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    Hallo Mooney,

    immer wieder bewundernswert, wie exakt der User Mooney ihm gestellte Aufträge erfüllt. Ob er sich nun den Auftrag zur Rettung der Welt selbst erteilt hat oder ob er von einer anderen Stelle kommt, ist dabei unwichtig. Entscheidend ist:

    In diesem Kommentar wird auf der gesamten Klaviatur der in einschlägigen Medien veröffentlichten westlichen Propaganda gegen den Sozialismus und speziell gegen die DDR gespielt. Bemerkenswert daran ist zudem, dass ein zu kurz gekommener Hinterwäldler aus den schweizerischen Bergen glaubt, mir mit seiner dumpfen, dummfrechen Weltsicht erklären zu wollen, wie ich die Dinge zu sehen habe. Ich bedanke mich.

    Er schlägt einen Bogen von den „maroden Staatsbetrieben“ über den „mäßigen Fleiß“ der Arbeiter in der DDR hin zur Wolfswelt des Kapitals, in der er sich offensichtlich für den Leitwolf hält, wie man unschwer seinen vulgär-primitiven Ausführungen entnehmen kann. Mooney, der Hirnträger. Die Herren der Banken und Konzerne bedanken sich.

    Richtigstellen möchte ich zum Schluss nur noch, dass ich nie von der Administration gewünscht habe, irgendwo eine Mauer zu bauen. Ich denke aber, dass sie zwischen mir und diesem unappetitlichen Dummschwätzer Mooney manchmal sicher nicht unangebracht wäre.

    Elektra

  4. #4
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    Hallo Elektra,

    dieser Text erinnert mich an die ganz großen Arbeiterdichter nicht nur in der Geschichte der deutschen Lyrik.
    Er transportiert den klaren Geist, der einst u. a. auch zur Geburt der deutschen Sozialdemokratie führte. Mit Worten lässt sich kaum beschreiben, wie genau du den Nerv unserer Zeit getroffen hast.

    Doch jetzt ist Zeit, dass du der Klügre wirst.
    Dass du begreifst, wie sehr man dich bescheißt.
    Erst dann kann es gelingen, jedem das Gekläff Umnachteter als solches erkennbar zu machen.

    Und glaube mir, nicht nur der Osten wünschte sich mindestens eine unüberwindbare Mauer zwischen sich und diesem Gewürm.


    Baine

  5. #5
    mooney Guest
    Natürlich hast Du versucht, ein Mäuerchen bauen zu lassen zwischen Dir und Deinen Kritikern, Elektrobainchen - es ist dir nur nicht gelungen. Die Administration hat sich nicht dazu herbeigefunden.

    On topic: Die ehemalige DDR hatte 1990 völlig abgewirtschaftet. Es wäre so kein Jahr mehr weitergegangen. Jeder, der zu der Zeit mal "drüben" war und sich umgeguckt hat, musste lachen über Kohls "blühende Landschaften" in nur fünf Jahren.

    Tipp: Nicht immer gleich nach dem "Staat" rufen, wenn's hinten und vorne nicht langt. Wie wär's mit einem Würstelstand an der Ecke oder einem Kiosk neben dem Zoo? Wenn Du dort etwas anders feilbötest als Maulaffen und ungereimte Neues-Deutschland-Aufgüsse, würdest auch Du erkennen können, dass Handwerk immer noch goldenen Boden hat. Ist halt nur ein bisschen mühsam!

    Vergnügte Grüße aus der Analogwelt

    mooney

  6. #6
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    Ich bemerke mit Erstaunen, dass der User Mooney von sich als "Kritiker" im Majestätischen Plural spricht, sozusagen in royale Kreise aufgestiegen ist. Aber warum so klein-klein? Vielleicht wäre es angebrachter, dass sich unser verzwergter Gernegroß doch gleich als Jesus ausgibt. So viel ich annehme, hätte er für den Winter dann wieder eine sichere Unterkunft in der Geschlossenen.

    Elektra

  7. #7
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    Tja, mein Vater war auch auf der Seite der Roten, bis er verraten wurde. Dann wechselte er die Seiten und fand sein Glück. Ohne die Verirrung auf die rote Seite hätte er nichts in den Sand gesetzt, das unwiederbringlich verloren ist.

  8. #8
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    Hallo Fifthdimension,

    hab ja schon viel gehört und gelesen von Renegaten. Schade, dass ich zu spät gekommen bin, ich hätte deinen Vater gern kennengelernt, mich interessieren die psychologischen Aspekte des Verrats. Lebt er noch?

    Vielleicht solltest du dich auch noch ein wenig mit dem Gedicht selbst beschäftigen. Taras Bulba hat recht, dein Kommentar hat keinerlei Textbezug. Es täte mir leid, würde dieser Kommentar in meiner Sammlung fehlen.
    Taras Bulba ist ein fixer Löscher.

    Schöne Grüße, Elektra


    Hallo Baine,

    der Vergleich mit den großen Arbeiterdichtern (wie zum Beispiel Erich Weinert in der Weimarer Zeit) ehrt mich ja, aber ich muss ihn ausschlagen, an ihn ranzureichen, dazu fehlen mir noch ein paar Meter. Und du siehst ja, meine Feinde sind äußerst beschränkt, ich meine die Zahl meiner Feinde, Weinert hatte ja das ganze verkrüppelte deutsche Groß- und Kleinbürgertum gegen sich. Und lachte sich eins. Ich probiere es ja schon, ich meine das mit dem Lachen, vielleicht aber fehlen mir noch ein paar richtig ordentliche Feinde, nicht bloß die paar Kläffer hier. Vielen Dank für dein Statement.

    Schöne Grüße, Elektra
    Geändert von Nachteule (22.12.2013 um 15:49 Uhr) Grund: Doppelposting

  9. #9
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    Vielleicht schreib ich grad daneben ,
    aber wieso kann man einfach nicht akzeptieren die Fälsche der Politik von beiden Seiten? und vielleicht auch mal draus lernen damit was neues entsteht? das wäre doch mal eine tolle Idee. Wie ich in dem Text sehen kann geht's da nur um die Machtverteilung, so wie um die Menschlichkeit und Unmenschlichkeit? Hat den was in der Wirklichkeit die Politik damit zutun?
    Wo bloß von beiden Seiten der Mauer wird ein Psychoterror durchgeführt, wir sind die Guten, die sind die Bösen? wie kann es zu einem Land passen? das kommt bei mir nicht an ... Bitte dafür um Verzeihung.
    Zum Text
    Gefällt mir die Klarheit der Wirtschaft, hab mich sofort erinnert an alle möglichen Krisen so ab 1900+ die ich so lesen könnte und auch die Folgen danach, wie es mit manchen Arbeitern, die für die Unternehmen da waren, umgegangen worden ist... traurig aber wahr.

    MfG
    Metallist
    Geändert von Unum (22.12.2013 um 16:21 Uhr)
    ...
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  10. #10
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    Hallo Metallist,

    das ist ein Thema, das nichts mit meinem Text zu tun hat. Ich weise dich vorsorglich darauf hin, sonst kommt der böse Löscher und verwarnt dich.

    Aber zu deinem Nachsatz: Vielleicht weißt du nicht, wie die sogenannte Wiedervereinigung, als in Wahrheit die BRD die DDR einfach verschluckte, vor sich gegangen ist, nachdem der Genosse Gorbatschow die DDR an den CDU-Mann Kohl gegen ein paar Milliarden Westmark oder Valutarubel verhökerte. Man hat die Betriebe der DDR verscherbelt an westdeutsche Unternehmer, die bezahlten eine Westmark für riesige Werke, steckten sich die Kundenlisten ein, verscherbelten das Gelände als Immobilie und schlossen den Betrieb. Ich kann mir vorstellen, dass auch die ehemaligen sogenannten sowjetischen Kommunisten darum wetteiferten, wer jetzt der bessere Kapitalist ist. Zu messen an der Anzahl geschlossener Betriebe, auf die Straße gesetzter Arbeiter und am Elend der ehemals sowjetischen Bevölkerung.
    Darum aber geht es in meinem Text nicht, sondern darum, dass zwei Arbeiter zwanzig Jahre nach der sogenannten Wiedervereinigung sich treffen und der ältere, sicher arbeitslose Arbeiter dem jüngeren ins Gewissen redet. Lies ihn noch einmal, vielleicht erschließt er sich dir trotz deiner kleinen Sprachschwierigkeiten.

    Schöne Grüße, Elektra
    Geändert von Elektra (22.12.2013 um 17:17 Uhr)

  11. #11
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    Liebe Elektra,

    das erinnert mich an die Küchengespräche.

    MfG
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  12. #12
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    Was verstehst du unter Küchengesprächen? Meines Wissens werden gerade in der Küche die klügsten Reden gehalten.
    Elektra

  13. #13
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    Das sind die Erinnerungen an diese Zeit, da war ich ein kleines Kind noch, doch zugehört hab ich schon obwohl man mich verjagt hat.

    MfG
    Metallist
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