Gepäck


Die meisten Menschen werden sagen, ich bin krank, doch ich fühle mich nicht so. Ganz und gar nicht.
Ich gehe nur einer Neigung nach, einem Gefühl. Manche mögen es als Hobby bezeichnen, manche als Obsession und die meisten als gewagt.



Ich verließ mein Büro, wie jeden Abend und ging zu meinem nicht weit entfernten Wagen. Ich versuche stets in der gleichen Straße zu parken. Die Entfernung zu unserer Firmenzentrale ist von hier aus gut zu Fuß zu überbrücken und aufgrund der wohl gewachsenen Platanen schaffe ich es meist trockenen Fußes mein Büro in der Karl-Schumacher-Allee 187 zu erreichen.

Bevor ich an meinem Automobil ankomme, ein spanischer Kompaktklasse-PKW deutscher Fabrikation, entdecke ich sie. Sie machte sich so eben an der Paketstation zu schaffen. Ein hässlicher gelber Klotz, vor ca. zwei Wochen errichtet und dank des Engagements verschiedener Jugendlicher kaum noch als solche zu erkennen. Sie entnahm ihr ein kleines Paket, schätzungsweise ein paar Kilo schwer. Es musste etwas Zerbrechliches in sich halten, denn als ich ihr mit dem Griff meines Regenschirms auf den Schädel schlug, fiel es herunter und gab ein klirrendes Geräusch von sich.

Nachdem ich mein Gepäck im Kofferraum meines Automobils verstaut und meine Frisur gerichtet hatte, fuhr ich in Richtung meines Heimatorts. Ich lebe hier bereit seit meiner Geburt. Der Ort ist nicht groß, jedoch besitzen wir neben einem Kino auch ein kleines Einkaufszentrum am Ortsende.

Ich bog in die Einfahrt meines Hauses ein als sie erwachte. Das dumpfe Pochen gegen den Kofferraumdeckel erschreckte mich. Ich brachte das Gepäck ins Haus und überprüfte anschließend den Kofferraumdeckel auf Beschädigungen. Mein Haus ist relativ neu. Wir bezogen es erst vor gut achtzehn Monaten. Ich wollte schon immer eins im Bauhaus-Stil besitzen und als ich es sah, ja ich gebe es zu, da war es um mich geschehen. Das kantige Design und die großen Glasfronten hatten mich sofort gepackt.

Nachdem ich das Gepäck in den Keller gebracht hatte, begab ich mich in die Küche um das Abendessen vorzubereiten. Der lange Tag im Büro kann einen durchaus schlauchen, zumal es in der Schifffahrtsbranche zurzeit nicht gerade rosig aussieht. Man kann sich gar nicht vorstellen wie oft es Probleme in der Frachtgutschifffahrt gibt. Probleme, die meist unverzüglich zu lösen sind. Nicht ist unrentabler als ein im Hafen liegendes Frachtschiff.

Während das Essen im Topf vor sich hin köchelt, decke ich schon einmal den Tisch. Gerade fällt mir ein, dass wir heute zu viert sind. Jörg bringt noch einen Kollegen und seine Frau mit. Ein wirklich nettes Paar. Wir waren bereits zum Grillen bei ihnen eingeladen. Das Haus wäre nun nicht mein Stil, aber jeder wie er es mag. Die beiden mögen es sich in der Küsschen hier, Küsschen dort-Gesellschaft zu bewegen. Etwas stupide, aber nun gut.

Zeit für Gesellschaft nach einem langen Arbeitstag. Ich darf nicht vergessen, dass ich morgen noch in den Garten wollte.