Sie saß auf dem Schulhof, abseits von den anderen, beobachtete stillschweigend das bunte Treiben, starrte dann voll Sehnsucht gen Himmel, wünschte, fliegen zu können, wünschte, frei zu sein, und starrte danach auf den Boden, betrachtete das frische Gras, betrachtete das Leben.
Und sie starrte geradeaus, verlor sich in der Ferne.
Und als sich dann in ihr Sichtfeld ein paar ihrer Mitschüler drängten, die ihren in die Ferne gerichteten Blick belächelten und hinter vorgehaltenen Händen darüber redeten, blickte sie wieder gen Himmel und wünschte, dass der Tag sich der Nacht hingab und die Bilder ihrer Mitschüler von den Bildern ihrer Traumwelt fortgespült würden.
Als das erste Klingeln den nahenden Unterricht ankündigte, erhob sie sich langsam und schritt unter belustigten Blicken in das Schulgebäude. Sie hörte die abwertenden Bemerkungen und nahm sie in sich auf, ohne Gefühle zu zeigen, und nahm sie sich zu Herzen, ohne Schmerz zu zeigen, und nahm sie sich geistlich vor, ohne Verachtung zu zeigen.
Sie zeigte gar nichts, obwohl alle dachten, dass sie alles zeige.
Sie war unsichtbar, weil zu viele Farben in ihrem Inneren tobten, als dass Gewöhnliche sie hätten erfassen können.

Nachdem das letzte Klingeln des Tages das Ende der Schulwoche angekündigt hatte, sprang ein Großteil ihrer Mitschüler auf, während sie sich gemächlich erhob, und erhobenen Hauptes aus dem Schulgebäude schritt, nur, damit sie im Schatten des imposanten Baus in sich zusammenfallen konnte.
Während die Woche ihr gläsernes Antlitz mit lauter Steinschlägen bestückte, bemühte sie sich, an ihren freien Tagen diese kleinen Kerben mit Verschlossenheit und Kälte zu decken.

Und während sie zusammensank, blickte sie voll Sehnsucht gen Himmel, wünschte, fliegen zu können, wünschte, frei zu sein, und starrte danach auf den Boden, betrachtete das frische Gras, betrachtete das Leben.
Und sie starrte geradeaus, verlor sich in der Ferne. Und während die Scherben ihrer Fassade ihr Blickfeld zerstachen, sank sie in die tröstende Umarmung der Nacht und verlief sich in ihren Träumen.