David Brückner, der vor genau einem Jahr seine Freundin bei einem Autounfall verloren hat, erzählt in der neuen Talkshow "Ungeklärte Phänomene" von einem Gespräch, dass so mancher Zuschauer für unmöglich halten wird.
Werfen wir nun einen Blick auf das Geschehen, dass sich auf der Couch der Show abspielt:
David, ein gutaussehender junger Mann von 22 Jahren sitzt neben dem allseits beliebten und gefeierten Fernsehmoderator Richard Uhlmann, den die meisten Frauen mehr vergöttern als ihre eigenen Männer.
Schalten wir ein in das Gespräch, das die beiden gerade führen:

Richard: ...mit Ihrer verstorbenen Freundin kommuniziert haben?
David: Ja.
Richard: Wie kommen Sie zu dieser - zugegeben - abstrusen Geschichte?
David: Sie können gern glauben, dass ich mir das alles nur ausdenke, aber dem ist nicht so.
Richard: Und warum sollten wir Ihnen nun glauben?>
David: Ich würde mir wahrscheinlich selbst nicht einmal glauben, wenn ichs nicht selbst erlebt hätte.
Richard: Sie scheinen ja sehr von der Sache überzeugt zu sein...
David: Ich kann es Ihnen gern erzählen.
Richard: Liebend gern, Herr Brückner.
David: Also, ich war in einem dieser neuen Dark-Rooms mit einer Frau verabredet, die sich als Nana Destiny vorgestellt hatte, was ich schon, als ich in der Partnervermittlerbörse auf ihren Namen gestoßen bin, sehr anziehend fand.
Richard: Ihre Freundin hat also bei einem Blinddate zu Ihnen gesprochen?
David: So ist es.
Richard: Erzählen Sie weiter.
David: Als ich den Dark-Room betrat, spürte ich sofort, dass etwas anders ist als sonst. Ich habe ja schon oft bei solchen Blinddates mitgemacht, um meine Freunde zu beschwichtigen.
Richard: Sie wollten also eigentlich gar keine neuen Frauen kennenlernen?
David: Nein, dafür liebte ich Anna einfach immer noch zu sehr.
Richard: Aber diese Nana Destiny hat Ihnen dennoch zugesagt?
David: Naja, sie war einfach anders und schien mich zu verstehen, als ich ihr sagte, dass ich zwar bereit wäre, sie zu treffen, aber immer noch sehr um meine Freundin trauere und deswegen keine große Hoffnungen machen möchte.
Richard: Interessant. Und dann haben Sie sich also in dem Dark-Room getroffen?
David: Richtig.
Richard: Und was ist dann passiert? Wann hat Ihre verstorbene Freundin zu Ihnen gesprochen?
David: Meine verstorbene Freundin Anna... war Nana Destiny.

Wir spüren, wie das Publikum an dieser Stelle die Luft anhält, um dann anhaltend zu tuscheln. Diese Information hat eingeschlagen wie eine Bombe, auch wenn nur in etwa die Hälfte der Zuschauer Herrn Brückner glaubt.
Doch nun wird es überhaupt erst spannend:

Richard: ...absolut unglaublich
!
David: Mir ist auch erst viel später klar geworden, dass Nana ein Anagram für Anna ist und sie sich noch zusätzlich Destiny genannt hat, weil es mein Schicksal war, noch einmal mit ihr zu sprechen.
Richard: Jetzt würde mich - und unsere Zuschauer sicherlich auch - aber mal interessieren, was sie zu Ihnen gesagt hat.
David: Ich weiß noch, wie ich plötzlich vor ihr stand und sie mich auf eine angenehm schüchterne Weise gefragt hat, wie es mir geht, woraufhin ich logischerweise erst einmal ihren Namen wissen wollte und dabei völlig vergessen habe, ihre Frage zu beantworten:

Anna: Hi, wie geht es dir?
Ich: Hallo! Wer bist du?
Anna: Das weißt du nicht?
Ich: Nein, tut mir leid...
Anna: Dabei habe ich all die Jahre auf dich gewartet.
Ich: Echt? DU hast auf MICH gewartet?
Anna: Ja!
Ich: Wow! Und warum?
Anna: Das weißt du nicht mehr?
Ich: Nicht mehr?
Anna: Ich habe es dir doch damals versprochen.
Ich: Anna?!
Anna: Ja, David, ich bin es.
Ich: Aber... Aber du bist doch tot...
Anna: Ich weiß, aber was ist denn daran so schlimm?
Ich: Was daran so schlimm ist? Verdammt, du bist tot und ich rede mit dir!
Anna: Ja, es fühlt sich bestimmt komisch an...
Ich: Allerdings...
Anna: Aber keine Angst, du bist nicht verrückt!
Ich: Bin ich nicht?
Anna: Nein.
Ich: Aber wieso kann ich erst jetzt mit dir reden?
Anna: Dann glaubst du mir also, dass ich es bin?
Ich: Natürlich! Niemand sonst wusste von diesem Versprechen!
Anna: Du kannst erst jetzt mit mir sprechen, weil ich genau ein Jahr nach meinem Tod warten musste, bis ich zu dir Kontakt aufnehmen durfte.
Ich: Wer sagt denn sowas?
Anna: Weißt du, auch hier gibt es Gesetze und das ist eines davon.
Ich: Und wo ist "hier"?
Anna: Der Himmel, was sonst?
Ich: Dann gibt es tatsächlich ein Leben nach dem Tod?
Anna: Ja, aber mehr darf ich dir über das, was ICH Leben nenne, nicht verraten, denn es muss jeder selbst herausfinden.
Ich: Okay.
Anna: Und, David?
Ich: Ja?
Anna: Trauere nicht dem hinterher, was war, sondern freu dich auf alles, was noch kommen wird.
Ich: Wie könnte ich, wo ich doch gerade eine Möglichkeit gefunden habe, dir nahe zu sein?
Anna: Du musst, weil ich dir nie wieder diese Möglichkeit geben kann.
Ich: Was? Was sagst du da?
Anna: Es ist uns, die ihr Lebenden Geister oder gar Engel nennt, bis in alle Ewigkeit nur einmal erlaubt, mit denen, die wir aufrichtig lieben, noch ein letztes Mal Kontakt aufzunehmen.
Ich: Das heißt, ich werde nie wieder mit dir reden können?
Anna: Natürlich nicht oder hast du das Versprechen schon vergessen, dass ich dir damals gab?
Ich: Nein, habe ich nicht! Das heißt, du wirst auf mich warten?
Anna: Bis in alle Ewigkeit!
Ich: Aber ich will nicht, dass du gehst! Schon wieder...
Anna: Niemand will das, aber es muss so sein.
Ich: Ich weiß...
Anna: David, mein letzter Wunsch war es, dass du weißt, dass ich dich über alles liebe!
Ich: Ich liebe dich auch, Anna!
Anna: Kannst DU MIR nun etwas versprechen?
Ich: Alles, was du willst, mein Schatz!
Anna: Dann finde wieder jemanden, den du lieben kannst.
Ich: Ich... Ich werde es versuchen.
Anna: Gut.
Ich: Musst du jetzt gehen?
Anna: Ja, das muss ich wohl...
Ich: Dann habe ich noch eine letzte Frage, Anna.
Anna: Ja?
Ich: Ist das hier alles real oder passiert es nur in meinem Kopf?
Anna: Wer sagt denn, dass die Dinge, die in deinem Kopf geschehen, nicht real sind? ... Ich muss jetzt gehen. Ich liebe dich, David Brückner.
Ich: Ich liebe dich doch auch, Anna Hannsen, aber bitte geh nicht!

Und dann war sie plötzlich weg.
Richard: Mich interessiert besonders dieser Satz, den sie gesagt hat: 'Wer sagt denn, dass die Dinge, die in deinem Kopf geschehen, nicht real sind?'. Was denken Sie darüber?
David: Naja, mich hat diese Antwort ziemlich verwirrt, weil es ja keine direkte Antwort auf meine Frage war, aber ich denke, sie hatte schon ein bisschen Recht.
Richard: Und warum?
David: Weil - wenn man es genau betrachtet - die Wirklichkeit auch nur ein Abbild dessen ist, was wir in unserem Gedächtnis gespeichert haben. Deshalb ist alles, was wir in unserem Kopf sehen, hören oder ganz einfach empfinden ebenso wahr, wie die sogenannte "Wirklichkeit", weil beides dasselbe ist.
Richard: Interesante Theorie. Nun, meine Damen und Herren, wie denken Sie darüber? Schicken Sie uns eine Mail an kommentaresindgut@plauderecke.ungeklärtephänomene.com und diskutieren Sie mit Gleichgesinnten im verlinkten Forum - den Link finden Sie in der Antwortmail - über dieses Thema, David Brückner und andere ungeklärte Phänomene. Vielen Dank!

Daraufhin sehen wir, wie David, der sich mehr oder weniger - wie sagt man so schön - verarscht vorkommt, aufsteht, dem gutaussehenden, ihm aber in nichts überlegenen Richard zunickt, und den Raum verlässt, ohne sich offiziell abzumelden, wie es eigentlich Sitte ist.
Weiterhin beobachten wir, dass er weint, weil er weiß, dass ihn alle für einen Spinner halten und ihm von nun an immer mehr vereinsamen lassen.
David Brückner ist seit diesem Moment ein Ausgestoßener. Er rennt und rennt, bis er zuhause angekommen ist, wo er sich verbarrikadiert und hofft, niemand möge ihn je mehr zu Gesicht bekommen wollen.
Drei Tage später finden wir David Brückner, der keinen Versuch der Gegenwehr unternommen hat, von einem Anti-Ungeklärte-Phänomene-Mob erstochen auf seinem Schlafzimmerboden liegen und wissen, dass diese Anti-Phänomenler es nicht ertragen haben, dass einer von vielen mit einer so unglaublichen Geschichte die Hoffnung in die Herzen der Menschen sähte.
Doch was bis heute das eigentlich unglaubliche ist, ist, dass niemand jemals herausgefunden hat, wie viel Wahrheit in David Brückners Geschichte steckt.
Oder wirst du der nächste sein?