1. #1
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    Christian Morgenstern (Interpretation)

    Hey Leute, ich habe mir sämtliche Gedichte von Morgenstein im Internet durch gelesen und halbwegs interpretieren können, doch bei diesem habe ich wirklich Probleme Könnt ihr mir Gedankenanstöße gebe?


    Auch du bist fremd und feind den großen Worten.
    Sie haben uns zu oft betrogen.
    Wir haben selbst damit zu oft gelogen;
    vielleicht nicht wollend, doch zu allen Orten.

    Schmerzlich misstrauend jenen blinden Räuschen,
    die Menschen treiben, Menschen anzuhangen,
    umfangen unsre Seelen sich voll Bangen
    und zittern, sich noch einmal zu enttäuschen


    Es handelt sich ja, wie schon erwähnt, eigentlich bloß um Gedankenanregungen
    Vielen lieben Dank im Voraus,
    eure Sternchen123

  2. #2
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    In die Bibliothek verschoben. Bitte beachte, dass die Gedichtrubriken für eigene Texte gedacht sind.

    mfG Mod

  3. #3
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    Hi sternchen,

    bin selbst ein großer Morgenstern Fan
    Kannte bisher vor allem aber Palmström, Palma Kunkel, Galgenlieder.

    Dieses hier kannte ich noch nicht.
    Ich finde es tief und ernst. Noch besser als obiges.

    Ich finde man kann es mehrfach interpretieren.
    Einerseits eine Betrachtung des Lyrischen ichs mit sich selbst.
    Andereseits auch eine Paarbeziehung, die eine Krise hinter sich hat.
    Man kann das aber auch politisch sehen, nach dem Rausch und den großen Worten, die 1914 durch Europa gingen.

    Das lyrische ich wurde enttäuscht von den großen Worten
    Die es vorher selbst benutzt hat.
    Das kostbare, zarte, wirklich wertvolle und zerbrechliche ist in Gefahr: das Umfangen der Seelen.
    Dass diese noch einmal enttäuscht werden, wenn das lyrische ich oder sein lyrisches du wieder den Räuschen und den großen Worten anheimfällt.

    So ungefähr wären meine spontane Gedanken dazu

    LG, magus

  4. #4
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    Sicherlich gingen nicht erst 1914 große Worte durch Europa, allerdings waren sie in jenem Jahr nicht mehr zu überhören.

    Doch wird Morgenstern diese Worte nicht gehört haben, denn sein Gedichtband "Und aber ründet sich ein Kranz" erschien bereits 1902. Morgenstern hat mehr das Zwischenmenschliche bedacht und bedichtet als das politische Zeitgeschehen.

    Auch ist es nicht ganz zutreffend, dass das lyrische Ich von großen Worten nur enttäuscht wurde; vielmehr noch: es bekennt sich dazu, häufig mit ihrer Hilfe selbst gelogen zu haben, wenn auch unabsichtlich.

    Was nun bleibt sind die Angst und das Misstrauen den eigenen Gefühlen gegenüber. Darüber wird im Gedicht versucht, eine Brücke zum lyrischen Du zu bauen: Zwei Enttäuschte, die sich nur sehr vorsichtig in die Arme nehmen.

    Liebe Grüße

    JB
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  5. #5
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    @Sternchen


    Grüße. Irgendwie gibt es eine Redewendung: „Das, was der sagt, ist alles nur Blauer Dunst“

    Bezieht sich auf alle Bereiche des Lebens. Politik, Liebe, zwischenmenschlich, usw.


    Auf Deutsch: Rede Phrasen. Große Worte, nichts dahinter.


    Hier im zitierten Text ist der Mensch gemeint, der Worten (großen Worten) gegenüber sehr skeptisch steht.
    Die Lüge, ist das Endprodukt aufgeblasener, wissentlich falsch interpretierter Tatsachen.
    Meine Meinung.

  6. #6
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    OH GOTT, WAS FÜR EINE AUSLEGUNG GROßER WORTE!!
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  7. #7
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    Zitat Zitat von AndereDimension Beitrag anzeigen
    Ich glaube man muss sich von dem Gedanken verabschieden, dass sich hinter jedem Gedicht eine große Geschichte versteckt.
    Das ist in dieser Allgemeinheit sicherlich richtig, allerdings wurde hier bisher noch nicht von "großer Geschichte" geredet. Oder doch? Wo?
    Zitat Zitat von AndereDimension Beitrag anzeigen
    Das waren in erster Linie Dichter und keine Politiker, Weltverbesserer, Philosophen und auch keine Gutmenschen.
    Christian Morgenstern war wohl, trotz eines Volkswirtschaftslehre-Studiums, in erster Linie Schriftsteller, Dichter und Übersetzer. Er entstammte einer Künstlerfamilie. Ob das allerdings politisches und philosophisches Streben ausschließt, wage ich zu bezweifeln. Bei einem Künstler wird besonderes Bewusstsein vorausgesetzt.

    Zitat Zitat von AndereDimension Beitrag anzeigen
    Manchmal ist Fremdschämen angesagt, wenn ich seitenlange Interpretationen zu belanglosen Vierzeilern lese. Dichter fangen manchmal einfach nur in großen Worten kleine Stimmungen ein.
    Es muss ja nicht immer Fremdschämen sein. Mit Schämen lässt sich ja bereits bei eigenen Werken beginnen, selbst wenn dort die seitenlangen Interpretationen ausbleiben. Hier ist zumindest noch keine Seite an Kommentar zustande gekommen. Auch bezweifle ich, dass in diesem Gedicht große Worte für kleine Stimmungen verwendet werden, im Gegenteil: Das Gedicht wendet sich ausdrücklich gegen große Worte und erwähnt auch die Gefahr ihres Gebrauchs.

    Liebe Grüße

    JB
    Geändert von James Blond (08.04.2014 um 10:11 Uhr)
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  8. #8
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    Interessant,
    zu erfahren, worum es Ihnen ging, liebe AndereDimension, doch geht es hier im Forum um Kommentare zu einzelnen Gedichten und hier in diesem Thema ging es um eines von Christian Morgenstern.

    Ich verstehe nicht, warum Sie hier Ihre allgemeine Meinung zur Interpretation von Gedichten ablassen. Es gibt doch selbst in diesem Forum genügend Laberecken, oder etwa nicht?

    Mit freundlichen Grüßen

    JB
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  9. #9
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    Bitte wieder ontopic. Danke.

    mfG Mod

  10. #10
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    Zitat Zitat von AndereDimension Beitrag anzeigen
    Ich schrieb: "nicht explizit", d.h. nicht ausdrücklich, nicht nur, nicht unbedingt, nicht entschieden...und noch mindestens 20 weitere Definitionen/ gedanklich folgt dahinter demzufolge ein ..."aber auch". Nur damit wir die Begrifflichkeiten mal geklärt haben. Im Gegensatz zu meinem Beitrag, der klar Stellung bezieht, halte ich so manche "Interpretation" für substanzloses Gelaber und eine willkommene Gelegenheit um das Ego zu stärken. Dabei wäre so manchem zu empfehlen, diese Energie in die eigene Werke zu packen.
    Ja merken Sie denn nicht, wie Sie jetzt herumeiern? Dafür muss ich mich ja fast fremdschämen!
    Sie haben unter #7 einen Beitrag abgegeben, dessen Aussagen ich in #8 als unzutreffend bezeichnet habe. Daraufhin entgegneten Sie in #9 , es ginge Ihnen darin "nicht explizit um Christian Morgenstern oder die Kommentare darunter."

    Daraufhin habe ich Ihnen in #10 empfohlen, sich besser in eine Laberecke zu verziehen, und Sie entgegen nun, Ihr "nicht explizit" schließe die Genannten nicht aus. Demzufolge gilt dann doch alles, was Sie seit #7 kommentierten auch für dieses Gedicht und diese Kommentare? Und wie darf ich dann #9 verstehen? Und ist dann #11 als Rückzieher vom Rückzieher zu deuten?

    Sie bescheinigen "mancher Interpretation" "substanzloses Gelaber", und von sich selbst behaupten Sie, "klar Stellung" zu beziehen. Das würde ich mir sehr wünschen, doch scheint es mir, wenn ich die Kommentare hier überblicke, geradezu umgekehrt. Wer klar Stellung beziehen möchte, sollte sich auch klar und konkret ausdrücken und nicht auf Wortinseln retten.

    Was wollten sie denn nun eigentlich - nicht explizit - zu Morgensterns Gedicht und seinen Interpretationen anmerken?

    Mit freundlichem Gruß

    JB
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  11. #11
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    @Morgenstern

    Christian Morgenstern wurde durch seine hintergründigen und der witzigen Galgenpoesie, in der er sich einer grotesken Unsinnsprache bediente, weiten Kreisen bekannt: der vielseitig begabte Münchener, litt an einer unheilbaren Lungenkrankheit, die ihn zwang das Studium der Rechte, Philosophie, und Kunstgeschichte in Breslau aufzugeben. Lange Sanatorienaufenthalte zwangen ihn sich danach als freier Übersetzer, Journalist und Schriftsteller zu betätigen. Er machte sich auch als Übersetzer von Henrik Ibsen einen Namen. Gleichzeitig schuf er in grotesken Gedichtsammlungen und Galgenlieder eine beispiellose Nonsenswelt. Unter dem Einfluss Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie schrieb er in seinen letzten Lebensjahren seine weltanschaulichen mystischen und konventionelle Gedichte. Ich habe ihn bewundert!

    Meine Antwort bezieht sich ausschliesslich auf die sonderbare Formulierung eines Kollegen, die an Gehässigkeit nur so strotzte, und an dem es möglicherweise nur an UNWISSEN mangelte. Jedenfalls hat es bei mir ein unverständliches Kopfschütteln ausgelöst.-
    almebo
    Geändert von almebo (26.04.2014 um 16:28 Uhr)
    Lieber ein eckiges Etwas,
    als ein rundes Nichts.

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