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Thema: Die Inversion

  1. #16
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    Zitat Zitat von Taras Bulba Beitrag anzeigen
    Denn meines Erachtens wird manchmal zu oft die Inversion pauschal als des Teufels schwarze Handschrift in der Lyrik vorverdammt.
    Auch wenn ich über die Formulierung "manchmal zu oft" schmunzeln musste: Genau das ist mein Punkt!

    Ich würde sogar noch weiter gehen und auch Inversionen mit einbeziehen, die syntaktisch nicht mehr tragbar sind. Denn Poesie reibt sich nicht nur an den Grenzen des Sagbaren, sie reibt sich zugleich auch an den Grenzen der Sprache, einschließlich der Grammatik, Orthografie und Interpunktion, wie es im Forum durch zahlreiche Beispiele belegt wird. Einziger Gradmesser ist das Verständnis (Nachvollziehbarkeit) eines absichtsvollen Einsatzes der Mittel.

    Selbstverständlich wenden Lyriker Inversionen häufig an, um Metrum oder Reim anzupassen. Die deutsche Sprache gestattet viele Varianten und es wäre schade, ihre Möglichkeiten nicht auszuschöpfen. Umso besser, wenn die Wirkung einer Inversion den Ton des Gedichtes trifft und unterstützt, wie es beim Erlkönig der Fall ist.

    Allerdings gilt auch das Gegenteil: Durch übermäßigen Gebrauch sind Inversionen zum lyrischen Charakteristikum schlechthin geworden. So er zu Dichten beginnt, greift der naive Dichter fast instinktiv zu Inversionen, wie auch zu altmodischen Genitiven: "Der Hölle Qualen ..."

    Aber auch das antiquierte Sprachpathos kann beispielsweise für Spott und Ironie verwendet werden. Im Folgenden habe ich einen Vers invertiert und seinen unterschiedlichen Wirkungen nachgespürt:

    xXxxXxXxXx
    Die Schönheit der Jugend ist verloren,
    als Haar noch verbarg die Segelohren.

    xXxXxXxXx
    Der Jugend Schönheit ist verloren:
    Sie hat ihr erstes Kind geboren!


    xXxXxXxxXx
    Verloren ist die Schönheit der Jugend,
    geblieben sind die Nöte der Tugend.


    xXxxXxxXxX
    Verloren die Schönheit der Jugend ist,
    und dieses Gedicht wird auch großer Mist.


    Liebe Grüße

    JB
    Meine Sandburg, die ist fein -
    Deine tret ich besser ein!

  2. #17
    Kohlräble Guest
    Eine gelungene "Inversion" falls man das überhaupt noch als solche bezeichnen will

    "-....
    sie war, als ob sie bluten könnte, rot
    ..."
    (Hebbel)

    Leider lösen 99,Periode neun % aller hier im Forum auftretenden Inversionen Brechreiz aus, weil sie keine derartige Qualität aufweisen. Und das schließt selbstverständlich meine mit ein

  3. #18
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    sie war, als ob sie bluten könnte, rot
    das ist keine Inversion.
    Die Syntax ist einwandfrei.

    Hier ein geflügeltes Beispiel aus dem dotcom-Fundus:

    Ich die neue Stadt betrat,
    lange ich gereist war!
    Mich nicht empfing ein Vater Staat.
    Das für mich war klar.


    Ich könnte Dutzende von Beispielen bringen!
    Ad nauseam...

  4. #19
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    Zitat Zitat von Kohlräble Beitrag anzeigen
    Eine gelungene "Inversion" falls man das überhaupt noch als solche bezeichnen will

    "-....
    sie war, als ob sie bluten könnte, rot
    ..."
    (Hebbel)
    Nachdem wir bereits erfahren haben, dass es sich in diesem Fall um keine Inversion handelt, wüsste ich gerne noch, was Dir daran als gelungen erscheint.

    Zitat Zitat von Kohlräble Beitrag anzeigen
    Leider lösen 99,Periode neun % aller hier im Forum auftretenden Inversionen Brechreiz aus, weil sie keine derartige Qualität aufweisen. Und das schließt selbstverständlich meine mit ein
    Magenprobleme?

    Zitat Zitat von Cyparissos Beitrag anzeigen
    das ist keine Inversion.
    Die Syntax ist einwandfrei.

    Hier ein geflügeltes Beispiel aus dem dotcom-Fundus:

    Ich die neue Stadt betrat,
    lange ich gereist war!
    Mich nicht empfing ein Vater Staat.
    Das für mich war klar.


    Ich könnte Dutzende von Beispielen bringen!
    Ad nauseam...
    Ich danke für das Beispiel! Zwar wird mir nach seiner Lektüre immer noch nicht übel, aber hier folgen die Verse recht unverbunden. Monolithisch wirken sie trotz des verbindenden Kreureimes. Allerdings wird hier bestenfalls der Reim, aber kein Metrum zurechtgerückt. Wozu also der Aufwand? Sprachunvermögen - oder soll vielleicht die Fremdheit dargestellt werden: ein Ausländer in einer neuen Stadt? Dann wiederum: Warum nicht?

    Erregt der Freie Vers (vers libre) in seiner pseudomodernistischen Kleinschreibung und Interpunktikonsfreiheit nicht erheblich mehr Übelkeit? Vielleicht geht es hier auch um individuelle Verträglichkeiten.

    Liebe Grüße

    JB
    Meine Sandburg, die ist fein -
    Deine tret ich besser ein!

  5. #20
    Kohlräble Guest
    wüsste ich gerne noch, was Dir daran als gelungen erscheint.
    Hier wird im Einklang mit Rhythmus und Sinn und gutem Sprachgebrauch betont.

    Magenprobleme?
    gähn

    Erregt der Freie Vers (vers libre) in seiner pseudomodernistischen Kleinschreibung und Interpunktikonsfreiheit nicht erheblich mehr Übelkeit?
    Nicht bei mir und ich mag vers libre prinzipiell nicht sehr. Aber lieber Vers libre ungelungen, als Plärrjadensülze, hochangereicherte, wortverdrehte.

  6. #21
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    Zitat Zitat von James Blond Beitrag anzeigen



    Ich danke für das Beispiel! Zwar wird mir nach seiner Lektüre immer noch nicht übel, aber hier folgen die Verse recht unverbunden. Monolithisch wirken sie trotz des verbindenden Kreureimes. Allerdings wird hier bestenfalls der Reim, aber kein Metrum zurechtgerückt. Wozu also der Aufwand? Sprachunvermögen - oder soll vielleicht die Fremdheit dargestellt werden: ein Ausländer in einer neuen Stadt? Dann wiederum: Warum nicht?

    Erregt der Freie Vers (vers libre) in seiner pseudomodernistischen Kleinschreibung und Interpunktikonsfreiheit nicht erheblich mehr Übelkeit? Vielleicht geht es hier auch um individuelle Verträglichkeiten.

    Liebe Grüße

    JB
    Du meine Güte!

    Ich schrieb von Syntax - nicht von Metrum oder Reim!
    Monolithisch? Ich werd nicht mehr ...

    Ein Ausländer in einer neuen Stadt?
    Neee -
    N Hamborcher in Kiel*.

    Lieber "Vers libre", "Freie Rhythmen", Kleinschreibung als schmerzende Satzkonstruktionen.

    Ich das sage heut!





    * Städtenamen austauschbar! Beleidungen sind nicht beabsichtigt!!!!

  7. #22
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    Liebe Cy,
    ich versteh Deine Aufregung nicht.

    Bevor Du Dich echauffierst, solltest Du meinen Beitrag erst einmal verstanden haben: Inversion wird häufig benutzt, um Metrum oder Reim zurechtzurücken. Das hattest Du zwar nicht geschrieben, aber ich. Und angemerkt, dass dieser häufige Grund in Deinem Beispiel eher nicht gegeben ist. Was hier den Autor bewogen hat, die unübliche Wortstellung einzusetzen, kann ich nur vermuten, da Du dazu nichts geschrieben und auch keine Quelle angegeben hast. Auf mich wirkt es wie Ausländerdeutsch. Und das könnte Absicht sein.

    Selbst hier können die Inversionen übrigens mit wenigen Handgriffen entschärft und der Reim gerettet werden:

    Als ich die neue Stadt betrat:
    Wie lange ich gereist war!
    Mich empfing kein Vater Staat.
    Das war mir gleich klar.

    Dabei bleibt der monolithische Charakter der einzelnen Verse erhalten: Sie stehen unverbunden, unabhängig von einander für sich selbst. Allgemein bezeichnet man Objekte, die aus einem Stück bestehen, als monolithisch.

    Allerdings habe derartige Härtefälle trotz intensiver Suche in Foren bisher noch nie aufspüren können. Ich werde den Verdacht nicht los, dass in diesem Fall Cy selbst die Autorin war, um ein mieses Paradebeispiel zu liefern. Ein link könnte das aber schnell entkräften ...

    Beruhigende Grüße

    JB



    Zitat Zitat von Kohlräble Beitrag anzeigen
    Zitat Zitat von Kohlräble Beitrag anzeigen
    Eine gelungene "Inversion" falls man das überhaupt noch als solche bezeichnen will

    "-....
    sie war, als ob sie bluten könnte, rot
    ..."
    Hier wird im Einklang mit Rhythmus und Sinn und gutem Sprachgebrauch betont.
    Einheit von Rhythmus und Sinn? Wie darf ich mir das vorstellen? Pferdegetrappel ist es wohl nicht. Welchen Sinn vermittelt ein Jambus? Welchen Sinn enthält die Zeile?

    Und "guten Sprachgebrauch" als "gelungen" zu bezeichnen, ist nichts weiter als eine recht simple Tautologie.
    Derartige "Begründungen" und Pauschalurteile (99,9%) bestätigen nur die Subjektivität der eigenen Sichtweise. Urteile gehen anders.

    Mit freundlichen Grüßen

    JB
    Geändert von James Blond (09.04.2014 um 22:49 Uhr)
    Meine Sandburg, die ist fein -
    Deine tret ich besser ein!

  8. #23
    Kohlräble Guest
    Urteile gehen anders.
    WEr redet denn von Urteilen, außer dir? Und wenn Urteile/Meinungsäußerungen erfolgen "dürfen", dann so?

    Erregt der Freie Vers (vers libre) in seiner pseudomodernistischen Kleinschreibung und Interpunktikonsfreiheit nicht erheblich mehr Übelkeit?
    Du gehst ebenso mit deiner eigenen Subjektivität hausieren, so what.

  9. #24
    Registriert seit
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    Zitat Zitat von Kohlräble Beitrag anzeigen
    WEr redet denn von Urteilen, außer dir? Und wenn Urteile/Meinungsäußerungen erfolgen "dürfen", dann so?

    Du gehst ebenso mit deiner eigenen Subjektivität hausieren, so what.
    Ich denke schon, dass zwischen Urteilen und Meinungsäußerungen ein Unterschied besteht.
    Der einleitende Beitrag von MaXces (#1) geht über eine bloße Meinungsäußerung hinaus. Er informiert, differenziert und argumentiert, indem er begründet.

    Du verbleibst hingegen bei Deiner Meinungsäußerung, stellst diese jedoch als allgemeine Tatsache dar:

    Zitat Zitat von Kohlräble Beitrag anzeigen
    Leider lösen 99,Periode neun % aller hier im Forum auftretenden Inversionen Brechreiz aus, weil sie keine derartige Qualität aufweisen.
    Hier wäre es klüger gewesen, den Hinweis "bei mir" zum Brechreiz hinzuzufügen, damit deutlich wird, dass es hierbei um eine persönliche Aversion und nicht um ein begründetes Urteil geht. Aus keinem anderen Grund habe ich daraufhin bemerkt:

    Zitat Zitat von James Blond Beitrag anzeigen
    Vielleicht geht es hier auch um individuelle Verträglichkeiten.
    So interessant individuelle Vorlieben und Aversionen auch sein mögen, eine Diskussion lässt sich darüber nicht führen. Zwar kann man sie zur Kenntnis nehmen, sie bestätigen, eigene Vorlieben dagegen setzen, sich aber über Geschmäcker zu streiten, wird nicht weit führen.

    Paradoxerweise überwiegen hier im Forum trotz Spam-Verbot Kommentare mit Geschmacksäußerungen. Die Beurteilungen, die sich an nachvollziehbaren Kriterien orientieren, muss man dagegen suchen, obwohl sie dem Autor sicher nützlicher wären.

    Was Inversionen anbelangt, so lässt sich immerhin objektiv feststellen, dass das Deutsche in seiner Wortstellung sehr flexibel ist. Dieses für Sinnbetonung, Satzmelodie, Metrum und Reim wichtige Instrument nicht zu nutzen, könnte dem Dichter den Vorwurf einbringen, seine Sprachkunst nur unzureichend zu beherrschen.

    Mit freundlichem Gruß

    JB
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  10. #25
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    Ich stimme Dir zu.
    Ich fürchte auch, daß ich den Begriff Inversion zu eng ausgelegt habe, denn es gibt durchaus geglückte und geschmackvolle Inversionen.

    Ixh wollte eher auf das seltsame Yoda-Deutsch hinaus (gibt es einen Fachterminus?) wie z.B. hier:

    http://www.gedichte.com/threads/184526-Rabe

  11. #26
    Dr. Üppig Guest
    In deinem Beispiel kann ich keine Inversionen entdecken.

    mfG

  12. #27
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    Zitat Zitat von Cyparissos Beitrag anzeigen
    Ich wollte eher auf das seltsame Yoda-Deutsch hinaus (gibt es einen Fachterminus?) wie z.B. hier:
    [/url]
    Das Yoda-Deutsch anders geht. Den Begriff Inversion Du zu eng ausgelegt nicht nur, Falsches auch hinzugefügt Du hast. Aphasie für taubes Rabengedicht der Fachterminus ist.

    Grüße, freundliche
    B,J
    Meine Sandburg, die ist fein -
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