Ein paar Gedanken zur Prosa

Ziel: Vermittlung der Grundlagen der Prosa, Methoden zur Spannungserzeugung
Vorraussetzungen: Nachteules Lexikon, Satzgefüge und Gliedsätze, Prosaformen, Zwei ungleiche Paare
Weiterführendes:Tropen und Figuren, Neologismen in Lyrik und Prosa

1. Vorbemerkungen

Dieser Leitfaden zielt darauf ab, ein grundlegendes Verständnis für Kurzgeschichte und sonstige Prosa zu schaffen. Ich gehe dabei weniger auf eine einzelne Form ein (wenngleich die Kurzgeschichte am öftesten angesprochen wird), sondern möchte eher allgemeine Anmerkungen und Überlegungen aufstellen.

Schließlich möchte ich diese kurze Einleitung mit einem Zitat schließen:


Zitat Zitat von Vicente Aleixandre
Eine Kurzgeschichte ist eine Geschichte, an der man sehr lange arbeiten muss, bis sie kurz ist.


2. Allgemein



Begriffsunterscheidung:

Epik, Lyrik und Dramatik sind die drei Naturformen in der Literatur. Lyrik und Prosa sind demnach keine echten Gegensätze, auch wenn für uns Lyrik sehr stark mit dem Wort 'metrisch' verknüft ist. Epische Texte können etwa in Versen geschrieben sein, aber auch ungebunden. Kurzgeschichten, Romane, Novellen, Reden, Briefe und Erzählungen sind meist Prosaformen.


Weitere wichtige Begriffe, die im Folgenden verwendet werden:

Kurzgeschichte: Prosaform, die durch besondere Kürze (zB.: keine Einleitung, ...) und inhaltliche Verknappung (wenige Personen, wenige/meist einen Ort(e), Darstellung einer Situation) hervorsticht
Anekdote: Prosaform, die durch starke Pointiertheit auffällt


Erzählzeit: Zeit, die man zum 'Erzählen' der Geschichte benötigt
Erzählte Zeit: Zeit, die in der Handlung der Kurzgesichte, ... vergeht
Erzählperspektive: Wer erzählt die Geschichte bzw aus wessen Sicher erfahren wir von gewissen Situationen?
Hypotaxe: Sehr lange, komplexe Sätze; "Schachtelsätze"
Parataxe: Sehr kurze, knappe Sätze; Hauptsätze

Schematischer Aufbau einer Geschichte:
Einleitung - Hauptteil - Schluss

Einleitung: Ort, Zeit, handelnde Personen sowie das Umfeld oder die 'Rahmenbedingungen' werden vorgestellt. Bei Kurzgeschichten kann die Einleitung sehr kurz bis nicht vorhanden sein.

Hauptteil: Hier findet die eigentliche Handlung statt. Diese Handlung ist meist auf einen Höhepunkt, einen besonders wichtigen und spannenden Moment, ausgerichtet.

Schluss: Der Schluss rundet die Geschichte ab. Der Ausgang, die Folgen des Hauptteils können enthalten sein. Der Schluss kann auf eine Pointe abzielen, wie es bei Schwänken und Anekdoten üblich ist, er kann aber auch offen sein und den Leser im Unklaren lassen.


3. Ein paar Gedanken

3.1 Aufbau

Zunächst beginnt eine gute Geschichte mit einem spannenden Titel. Der Titel sollte je nach Thema und Art der Geschichte spannend sein und Neugier wecken, ohne aber zuviel verraten. Der Titel entscheidet sehr oft darüber, ob der Leser eine Geschichte überhaupt lesen will. Deshalb sollte gerade auch beim Titel Zeit investiert werden, bis der optimale gefunden ist. Ob man mit einen Leser überhaupt dazu bringt, die Geschichte zu lesen, hängt oft von wenigen Worten ab.

Die Einleitung enthält nur die wichtigsten Informationen, die der Leser braucht, um sich in der Geschichte zurecht zu finden. Es sollte hier geklärt werden: Wer kommt vor? Wo spielt die Geschichte? Wann? sowie weitere Aspekte, die für die Geschichte wichtig sind. Totz allem sollte eine Einleitung nicht zu lang werden. Es findet sich, etwa bei Kurzgeschichten, oft ein direkter Einstieg, sodass auf eine Einleitung gänzlich verzichtet wird.

Anschließend folgt der Hauptteil, bzw steigen viele Kurzgeschichten erst da ein. Im Hauptteil passiert das nun die eigentliche Handlung. Man findet hier oft Gespräche, direkte und indirekte Reden, innere Monologe und vieles mehr. Es wird Spannung erzeugt oder auf eine überraschende Wendung hingearbeitet. Der Protagonist wird mit Problemen konfroniert und muss Konflikte lösen. Der Höhepunkt ist der spannendste Moment des Hauptteils. Der Hauptteil sollte mehr oder weniger auf den Höhepunkt ausgerichtet sein.

Im Schluss wird die Geschichte abgerundet. Der Schluss kann eine Pointe enthalten, die für die Geschichte wichtig ist. Hier ist die Geschichte eindeutig und fix und fertig abgeschlossen. Der Leser kann überrascht werden, kann seine Meinung über die Handlung revidieren, kann unterhalten werden. Eine solche Pointe kann lustig und unterhaltsam sein. Sie kann aber auch dazu genützt werden, die Handlung in einem völlig anderen Licht erscheinen zu lassen oder den Leser zu schockieren. Als Beispiel für zweiteres sei Elisabeth Langgässers Saisonbeginn genannt. In diesem Beispiel ändert der Schluss die gesamte Handlung der Kurzgeschichte auf fundamentale Art und Weise, der Schluss schockiert den Leser und präsentiert eine absolut unerwartete Wendung und eine neue Sicht auf das, was im Hauptteil eigentlich passiert ist. Die Pointe kann auch belehrend sein, wie es bei Fabeln der Fall ist. Eine zweite Möglichkeit ist der offene Schluss. Der Leser erfährt hier nicht alle nötigen Informationen, sondern wird im Unklaren gelassen. Oft kann eine Erklärung oder eine Antwort bei genauem Studium des Textes gefunden werden, oft ist aber auch der Leser selbst gefordert, sich seinen Teil zu denken.

Es empfliehlt sich, vorab eine Ideensammlung zu schreiben, in der man gliedert, was man in die Einleitung (sofern vorhanden), was man in den Hauptteil und was in den Schluss steckt. Des weiteren sollte man sich vorab einmal die Rahmenhandlung überlegen und diese anschließend logisch und stimmig umsetzen. Es kann auch für den Autor selbst nützlich sein, wenn man sich fragt, was denn eigentlich die Grundaussage, die Quintessenz des Textes sein soll, sodass man nicht "im Blindflug" die Geschichte schreibt.

Fehlerquellen:
  • Die Titel sind oft uninspiriert, unkreativ und unspannend. Der Titel sollte versuchen, den Leser in den Bann der Kurzgeschichte zu ziehen. Oft werden kürzere Titel empfohlen und im Allgemeinen mag das auch stimmen. Dennoch können auch längere Titel interessant sein, allerdings sollte man dafür das Handwerk auch gut beherrschen, um den Grat zwischen Langeweile und Innovation bei längeren Titeln zu schaffen.
  • Einleitungen sind oft zu lang. Eine gute Einleitung endet spätestens da, wo der Autor sonst zu schwafeln beginnen würde. In eine Einleitung gehört nur das wichtigste. Nicht mehr.
  • Der Hauptteil sollte in Kurzgeschichten nach Möglichkeit schon stringent auf ein Ziel, einen Höhepunkt, hingeführt werden, da man sonst Gefahr läuft, sich in Nebensächlichkeiten zu verlieren. Wichtig ist es dabei, den Überblick zu bewahren und einem roten Faden zu folgen. Je nach Länge der Geschichte (es ist klar, dass hier längere Fortsetzungsgeschichten nicht mit Kurzgeschichten in einen Topf geworfen werden können) können durchaus auch Wendungen und mehrere spannende Momente vorkommen. Der Spannungsbogen einer Kurzgeschichte sollte sich allerdings im Allgemeinen nicht durch die Sinusfunktion beschreiben lassen.
  • Der Schluss ist das, was der Leser zuletzt liest. Es bleibt deshalb am besten zurück, nachdem man die Geschichte gelesen hat. Ein Schluss, der nur so schnell schnell geschrieben wurde, damit die Story jetzt endlich fertig ist, bringt das nicht. Auch hinter dem Schluss sollte eine Überlegung stehen. Falls eine Pointe gewählt wird, sollte die auch im Hauptteil entsprechend umgesetzt werden. Eine Pointe darf nicht einfach so ohne weiteres vom Himmel in den Schluss rein fallen, sondern sollte vorbereitet sein.




3.2 Personen, Orte

Allgemein ist zu sagen, dass je nach Form die Personen, Orte und Zeiten eine andere Bedeutung haben. Während in längeren Romanen durchaus Ortswechsel, Zeitsprünge (Rückblenden, ...) eingesetzt werden können, ist das in Kurzgeschichten (wohl auch wegen der Kürze) eher selten oder kaum der Fall. Auch die Anzahl der handelnden Personen ist in Kurzgeschichten eher gering, in Romanen oder ähnlichem kann diese Zahl durchaus höher sein (vgl. Game of Thrones, um ein modernes Beispiel zu bringen).

Personen können dann überzeugen, wenn sich der Leser in sie hineinversetzen kann. Das kann man in der Regel dann, wenn die Figuren realistisch wirken, wenn sie wie aus dem Leben gegriffen wirken. Der siebenfache Nobelpreisträger, der all dies noch unter 17 Jahren erreicht hat, und jetzt für eine streng geheime Regierungsbehörde als guter und moralisch einwandfreier Auftragskiller der Extraklasse arbeitet, wirkt nicht besonders glaubwürdig. Der humpelnde Taxifahrer, der mit seinem Bruder zerstritten ist, sein Studium mit 22 abgebrochen hat und dessen Hobby sein Bonsai ist, ist es schon eher. Damit ein Held liebenswert wird, braucht er auch Probleme und Fehler ("Ecken und Kanten"). Die Eigenschaften der Personen müssen dabei auch nicht direkt benannt werden, sondern können durch ihr Verhalten, ihre Gedanken, ihre Gefühle in gewissen Situationen verdeutlicht werden.

Bei Orten geht es oft um eine gute Beschreibung. Wie sieht was aus? Welche Gegenstände liegen da? Wenn ein wichtiger Ort mit einem Satz abgehandelt wird: 'Wir waren in einem Gasthaus.' und dieses Gasthaus ist beispielsweise extrem wichtig, dann empfiehlt sich hier eine nähere Erklärung. Was hängt an der Wand? Wie sieht der Kellner aus? Ist die Stube gut gefüllt oder seid ihr die einzigen Gäste? Dabei gilt es, die Gratwanderung zwischen Detailgetreue und unnötigen Beschreibungen zu schaffen. Was nicht wichtig ist, muss nicht genau beschrieben werden. Details sind dabei oft wichtig, weil man dabei den Leser oft viel eindringlicher erreichen kann.

Fehlerquellen:
Einer der größten Fehler liegt dann vor, wenn der Protagonist nicht überzeugt. Das kann zB durch Makellosigkeit oder Klischeehaftigkeit entstehen. Wenn man einen makellosen Superhelden erschafft, dann sollte das auch zum sonstigen Text passen und gezielt und gewollt eingesetzt werden. Das gleiche gilt für klischeehafte Protagonisten.
Unüberzeugende Orte können besonders durch fehlende Detailgetreue oder falsche Details entstehen.
Beamen ist nicht möglich. Spontane Ortswechsel der Protagonisten sind selten überzeugend.


3.3 Die Information

Oft gibt es in einer Geschichte, besonders wenn sie etwa eine längere Fortsetzungsgeschichte ist, wichtige Informationen. Das können Geheimnisse, Ergebnisse, Erlebnisse, Hintergründe und vieles mehr sein. Dabei kann das Timing eine Rolle spielen. Wann erfährt der Protagonist von einer Sache? Wann erfährt der Leser davon? Bei Kriminalgeschichten ist es oft so, dass der Leser oft erst bei der Auflösung eine sehr wichtige Information erhält. Da sollte man sich dann immer fragen, ob es ratsam und glaubwürdig ist, wenn alle wichtigen Information am Schluss wie von selbst vom Himmel fallen, nur damit unser Detektiv-Held seinen Fall abschließt.

Eine Weitere Problematik ist der jeweilige Wissensstand. Der Leser kann bereits mehr als der Protagonist wissen ('Nein, geh da nicht rein ...'), er kann gleich viel wissen ('Was ist wohl hinter der Tür?') und er kann weniger wissen ('Warum gehst du nicht einfach in den Raum? Was ist denn so Schlimmes dahinter?'). Jede Variante hat ihre Vorzüge, aber auch ihre Nachteile, bei denen man aufpassen muss.

Der Leser weiß mehr: Besonders wenn man verschiedene Handlungsstränge hat, kann es sein, dass der Leser schon weiß, dass Person X das und das verändert hat, während sich gleich darauf Person Y von den Veränderungen irgendwie überrascht, getroffen oder sonst etwas wird. Person Y weiß dabei noch nicht, was X gemacht hat, warum X das gemacht hat und ob es überhaupt X war. Der Leser weiß das allerdings schon. In Kriminalgeschichten kann das verwendet werden, um ein Verbrechen sowohl aus Sicht der Polizei (die vielleicht am Anfang nicht einmal sicher sein kann, ob es überhaupt Mord war) als auch aus Sicht des Mörders (der uns sowohl über den Tathergang, Motive und ev.Schuldgefühle informiert) zu zeigen. Damit kann die Handlung komplexer und interessanter werden. Es kann allerdings auch schwieriger werden, den Spannungsbogen entsprechend auszufüllen.

Der Leser weiß gleich viel: Der Leser sieht alles durch die Augen unseres Protagonisten und weiß nicht mehr und nicht weniger. Damit kann der Spannungsbogen teils recht angenehm aufrecht erhalten werden. Bei Kriminalromanen kann das auch sehr gut verwendet werden, wenn der Leser selbst miträtseln soll. Der Leser erhält alle Informationen wie der Protagonist und möchte selbst herausfinden, wer der Täter ist, wie die Information zusammenpassen, was das Motiv sein könnte. Man muss hier allerdings auf zwei Sachen aufpassen: Man darf nicht zu früh alles verraten, der Leser weiß bereits, wer der Täter wäre, doch der Held irrt noch umher und man denkt sich: Das ist doch schon offensichtlich. Die andere Sache, auf die man aufpassen muss, ist, dass die Auflösung aus Sicht des Lesers zwar vielleicht überraschend sein mag, doch zur Story an sich passt, sodass der Leser Andeutungen finden könnte, um es eventuell selbst zu lösen.

Der Leser weiß weniger: Der Leser hat selbst weniger Wissen. Hier ist dann das Timing der Information wichtig, wann der Leser also doch noch informiert wird. Der Spannungsbogen kann zwar prinzipiell recht gut aufrecht erhalten werden, allerdings sollte man den Leser nicht dumm zurücklassen.

3.3.1 Spannungserzeugung in Krimis - Das Spiel mit der Information


MacGuffin
Ein MacGuffin bedeutet, dass etwas die Handlung vorantreibt/vorgibt, ohne dass dieses Objekt der Begierde selbst von Bedeutung ist. Der Zuschauer braucht nicht zu wissen, was es ist, und warum es so wichtig ist, es reicht, zu wissen, dass es so wichtig ist. Am besten erklärt Hitchcock, was ein MacGuffin ist:

Zitat Zitat von Hitchcock
It might be a Scottish name, taken from a story about two men in a train. One man says ‘What’s that package up there in the baggage rack?’, and the other answers ‘Oh, that’s a McGuffin’. The first one asks ‘What’s a McGuffin?’. ‘Well’, the other man says, ‘It’s an apparatus for trapping lions in the Scottish Highlands’. The first man says ‘But there are no lions in the Scottish Highlands’, and the other one answers ‘Well, then that’s no McGuffin!’. So you see, a McGuffin is nothing at all.
Du kannst deine Figuren in der Story also einem MacGuffin - einem geheimnisvollen Koffer, einem geheimen Codewort oder sonst irgendwas - nachjagen lassen. Der MacGuffin kann das Mordmotiv sein. Und am Ende weiß niemand, was es eigentlich war.


Whodonit - Wer ist der Mörder?
Viele klassische Krimis sind nach dem Whodonit-Konzept konstruiert. Der Detektiv steht vor der Leiche und muss den Mordfall/scheinbaren Selbstmord/Unfall aufklären. Unser Detektiv stellt dann den richtigen Leuten die richtigen Fragen. In den Klassikern steht dann am Ende der Detektiv mit den Verdächtigen in einem Raum und legt den Verdächtigen sowie dem Leser die wahren Hintergründe der Tat dar und überführt den Täter. In einer guten Story hätte der Leser die Möglichkeit, selbst auf den Täter zu kommen. Trotzdem darf es nicht zu einfach sein.

Howcatchthem - Wie kriegen wir ihn dran?
Mit diesem Konzept startet man nicht, wie bei einem Whodonit mit der Frage, wer der Täter ist, da der Täter bereits im Vorhinein feststeht. Die Frage ist, wie man den Täter überführt.


3.4 Erzählzeit vs. Erzählte Zeit

Die Erzählzeit einer Kurzgeschichte wird sich Bereich von Minuten bewegen. Bei Romanen mag sie allerdings schon weitaus länger sein. Die erzählte Zeit bewegt sich hier schon in einer größeren Zeitspanne. Angefangen bei Zeiträumen in Minuten, können Geschichten auch weitaus längere Zeiträume einnehmen.

Bei der Zeitraffung vergeht die Zeit viel schneller als tatsächlich. Jeder kennt Zeitraffung aus dem Fernsehen, wenn man zB eine Blume beim Aufblühen sieht. In der Literatur ist das ähnlich. Durch allgemeine, kurze, knappe Beschreibungen kann die Zeit sehr gut gerafft werden.
Bei der Zeitdehnung vergeht die Zeit viel langsamer. Minuten erscheinen wie Stunden, Tage oder gar Wochen. Wir erfahren jedes Detail der Situation, jeden Gedanken, jedes Gefühl.

3.5 Der Stil - Hypotaxe oder Parataxe

Wie im Faden über Satzzeichen schon nachzulesen war, gibt es Hauptsatzreihen und Satzgefüge. Hauptsatzreihen bestehen nur aus aneinander gefügen Hauptsätzen. Satzgefüge können da schon weitaus komplexer sein und zahlreiche Nebensätze umfassen. Parataxen zeichnen sich durch Hauptsatzreihen, durch sehr kurze und knappe Sätze aus. Hypotaxen hingegen sind komplizierte, längere Satzgefüge.

Parataxen:
Sie wirken trocken, nüchtern und einfach. Den kurzen und knappen Sätzen kann man sehr leicht folgen. Parataxen lassen sich auch sehr gut im Zusammenspiel mit Parallelismen anwengen, wenn man gleiche oder ähnliche Zusammenhänge verdeutlichen will.
Beispiel: Viele Leute lesen heute weniger. Diese Leute können die Begeisterung am Lesen und an der Literatur nur schwer an ihre Kinder weitergeben. Diese Entwicklung betrifft den Buchhandel, den Alphabetisierungsgrad der Bevölkerung und die Zukunft des Landes. Ersterer muss durch sinkende Nachfrage mit rückläufigen Quartalszahlen rechen. Zweiterer wird verringert und drittere erscheint immer düsterer. Die positiven Auwirkungen des Lesens auf die Intelligenz und auf die Kreativität stehen außer Frage, meine Herren.

Hypotaxen:
Mit Schachtelsätzen kann man sehr komplexe, komplizierte Themen darstellen. Sie können aber auch genützt werden, um besonders detailliert und genau Zusammenhänge zu schildern.
Beispiel: Da viele Menschen in der heutigen Zeit kaum oder gar nicht mehr selbst lesen, können diese die Begeisterung an jener Beschäftigung auch nicht oder nur sehr schwer an ihre Kinder weiterleiten, welche in erster Folge die Leidtragenden dieser Entwicklung sind, eine Entwicklung, die aber nicht nur die Kinder, sondern die Zukunft des Landes betrifft, indem diese Entwicklung, die nicht nur den Buchhandel schadet, droht, sowohl den Alphabetisierungsgrad der Bevölkerung zu senken als auch in weiterer Folge die Kreativität und Intelligenz der Bevölkerung zu verringern.


Je nach Thema, Stimmung und Aussage der Erzählung sollte auch der Stil angepasst werden. Das gilt auch und insbesondere, aber nicht nur für Dialoge.



3.5.1. Ausgewählte Beispiele

Als Beispiel für einen eher kurzen, knappen Stil sei Borcherts "Nachts schlafen die Ratten doch" genannt.

Durch den Stil wird die Sprachlosigkeit und Trostlosigkeit vermittelt. Die Form unterstützt den Inhalt.

Im Gegensatz dazu besteht Kafkas Text "Die Vorüberlaufenden" aus sehr wenigen, aber sehr langen Sätzen. Dies verdeutlicht die Gedankengänge des Protagonisten und deren Komplexität. Erst gegen Ende, wenn die innere Anspannung und das Nachdenken vorbei ist, werden die Sätze kürzer.



3.6 Schreib, was du weißt

Worüber sollte man schreiben? Wichtig ist, dass man zumindest irgendetwas über das Thema weiß. Fehlt dieses Wissen nämlich, kann man schnell in logische, inhaltliche oder sonstige Verstrickungen gelangen, aus denen man sich und seinen Helden nicht mehr befreien kann.


4. Planung

Eine gute Story mag geplant sein, auch wenn es manchmal ganz gut funktioniert, einfach darauf loszuschreiben. Was soll und kann man planen?

Erfinde deine Hauptfigur. Stell sie dir vor. Gib ihr Eigenschaften, aber nicht wahllos. Denk dir auch den Gegenspieler aus. Wenn du aber nicht gerade eine Trash-Story schreiben willst, dann achte auf die Feinheiten. Kein Bösewicht ist rein böse, kein Held ist perfekt. Vermeide das Schwarz-Weiß-Denken, dazwischen liegen viele Graustufen.

Oft hat man eine Figur oder eine Situation im Kopf. Das ist für die Ausgangslage schon einmal sehr gut, doch überleg dir auch die Rahmenhandlung. Wie magst du in den Text starten? Wie kann es weitergehen? Zu welchen Problemen kann es dabei kommen? Wie können die Probleme gelöst werden? Was ist der spannendste Punkt? Wie kann die Story aufgelöst werden? Kann eine Pointe oder ein prägnanter Schluss gefunden werden oder soll alles offen bleiben?
Bedenke dabei auch die wichtigste Frage: Ist der Inhalt nachvollziehbar und logisch? Es ist nicht nachvollziehbar, wenn die Hauptfigur ihre Eigenschaften im Verlauf der Geschichte ändert. Deshalb reicht es nicht, wenn nur die Frage "Wie können die Probleme gelöst werden?" gestellt wird. Man muss auch fragen: Wie würde unser Held dieses Problem lösen? Auch wenn wir selbst so handeln würden, heißt das nicht, dass sich das im Einklang mit der Hauptfigur befindet. Vielleicht hat diese ja gute Gründe, etwas gänzlich anderes zu tun. Eine derartige Überprüfung, ob das Geschehen aus Sicht des Protagonisten logisch und damit auch für den Leser nachvollziehbar ist, sollte nicht vergessen werden.

Auch wenn deine Geschichte schließlich fertig ist, dann überleg dir, ob jeder Aspekt, jede Handlung und jede Aussage so auch logisch ist und zu der jeweiligen Figur passt. Die Figuren und deren Probleme bestimmen, wie sich die Gesichte entwickelt, nicht der Autor, der mit seiner Tastatur passend macht, was nicht zusammengehört.


5. Das Buch-Film Äquivalent oder: Wen interessiert das?

An einen guten Film stellt man in etwa dieselben Erwartungen wie an ein gutes Buch oder eine gute Story.

Da gibt es die, die einfach eine geniale Handlung haben. Von Krimis & Gangsterfilmen über Sci-Fi bis hin zur Fantasy. Man erwartet sich Spannung, unerwartete (!) Wendungen sowie eine gelungene Auflösung, die bisweilen auch ein gewisses Überraschungsmoment beinhalten darf.

Und es jene, die mit wenig bis keiner Handlung auskommen. Unser Protagonist ist mit sich selbst beschäftigt und hat Zweifel oder Sorgen. Es geht weniger um die Handlung, als um die Figur und deren Stimmung. In diesem Fall sind aber wirklich authentische, überzeugende, facettenreiche, kauzige und auch liebenswerte Personen wichtig. Es können auch Dialoge im Zentrum stehen. In Filmen wie "Broken Flowers", "The Straigt Story" oder ""Lost in Translation" erwartet man sich keine Explosionen, keine Verfolgungsjagden - der Film lebt von seiner Stimmung, von der Atmosphäre

Zieht man eines von beiden Extremen durch oder findet einen Mittelweg, dann kann man davon ausgehen, dass die Story irgendjemandem gefallen wird. Wird allerdings ein langweiliger Plot durch miserable Charaktere verschlimmert, ...

Es empfiehlt sich daher durchaus, sich nach dem Schreiben zu fragen: Wen interessiert das? Spreche ich damit jemanden an? Was ist an meinem Text das Besondere?