1. #1
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    Goethe - "Was auch als Wahrheit der Fabel"

    Hallo Leute,

    hier habe ich etwas von Goethe und würde gern von euch in einigen (müssen nicht viele sein) Zeilen eine Interpretation hören
    Und nein, das muss ich nicht für die Schule machen, sondern würde einfach gern einige andere Ansichten/Meinungen hören

    "Was auch als Wahrheit der Fabel
    In tausend Büchern dir erscheint,
    Das alles ist ein Turm zu Babel,
    Wenn es die Liebe nicht vereint."

    Ich danke euch

  2. #2
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    Wir meinen:
    Alle Fakten der Welt sind zusammenhangslos, wenn sie nicht etwas Erhabenem wie der Liebe dienen.
    Mit "Wahrheit der Fabel" wird wohl der Sinn, die Aussage, der Inhalt eines Textes ( -> Fabel) gemeint. Das alles kann aufgetürmt werden, und bricht dennoch wie der biblische Turm zusammen, wenn dieser Inhalt nicht einen tieferen Sinn hat, nicht einer höheren Wahrheit dient. Die Liebe wird demnach als der Mörtel zwischen den einzelnen Bausteinen eines Textes verstanden.

    Das erinnert uns an eine Aussage Kehlmanns:
    "Ich hatte gemeint, Literatur müsse bloß formal perfekt sein. Sie müsse bloß aus möglichst brillanten, tänzelnd überraschenden Sätzen bestehen. Aber natürlich reicht das nicht. Es muß immer ... nun ja, ein Element existentieller Wahrheit geben, eine Berührung mit den Grundtatsachen unseres Daseins."

    Man könnte meinen, Goethe hätte im Vorraus diese Aussage Kehlmanns aufgegriffen. Goethes "Element existentieller Wahrheit" ist folglich die Liebe.

    Wir haben fertig.

    mfG

  3. #3
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    Ich halte es für grundsätzlich unmöglich, dass jemand im Vorraus Aussagen eines Menschen aufgreifen kann, der fast 200 Jahre später geboren wird. Da scheint es mir sehr viel wahrscheinlicher, dass die Wirkungsgeschichte in entgegengesetzter Richtung verlief. Dass Kehlmann in Goethes Gedankenwelt eingedrungen ist, wäre nicht ganz auszuschließen: Er wäre da auch nicht der Erste.

    Auch wird das Bild vom Babelturm falsch interpretiert, wenn man das Scheitern des Turmbaus auf den fehlenden Mörtel zurückführen wollte. Wer sich mit der Geschichte auskennt, weiß auch, dass das Werk aufgrund einer Sprachverwirrung gescheitert ist.

    Die anfangs erwähnte Fabel lässt sich mit den Bauplänen vergleichen, die uns Aufschluss über die Konstruktionen, die Erklärungen und Zusammenhänge der Welt geben sollen, ihr analytisches Verständnis.

    Doch reicht das für ein sinnvoll Gemeinsames nicht aus. Erst die Liebe vermittelt uns den vereinenden Sinn und das Ziel des Ganzen, so wie zu Babel die Sprache den gemeinsamen Sinn repräsentiert. Es geht Goethe um die einheitsbildende Kraft der Liebe, ohne die kein sinnvolles Vorgehen möglich ist.

    Gern kommentiert - aber ängst noch nicht fertig.

    Grüße
    JB
    Meine Sandburg, die ist fein -
    Deine tret ich besser ein!

  4. #4
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    "Was auch als Wahrheit der Fabel
    In tausend Büchern dir erscheint,
    Das alles ist ein Turm zu Babel,
    Wenn es die Liebe nicht vereint."
    Meine Interpretation: Obwohl man die Wahrheit mit unzähligen Worten (x-tausenden Büchern) zu definieren versucht, taugt diese Theorie nur wenig - (Babel), solange sie (die Theorie) nicht auf dem Grund der Liebe (sprich u.a. Verständnis) fusst.

    Grüße
    Tau
    Alles ist nichts, ohne Liebe.

    Wer nicht glauben kann, der kann das Wesentlichstes nicht sehen.

  5. #5
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    MfG
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