1. #1
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    im gedenken an max dauthendey (96. todestag)

    Ich tat den Weg um die Erde wagen,
    Ging Tagen entgegen, die mich weit von der Geliebten getragen,
    Wanderte einsam in der Sehnsucht Gehegen,
    Auf Wegen, die über Meere kamen. Sieben Meere nahmen mich mit.
    Und Schritt um Schritt, auf jeder Welle, in jedem Meer,
    Die helle Sehnsucht mir die Brust zerschnitt.
    Ich sah des Orients kindliche Pracht und Behagen,
    Des Okzidents strebendes Wagen und Allmacht.
    Ich ging den reich lebenden Weg, wie über einen bebenden Steg,
    Wie durch einen bunten Schacht,
    Als sei ich drunten unter der Erde,
    Wo sich Nacht reiht an Nacht


    Mit der Verlassenheit tödlicher Gebärde.



    So wie ein Herz geht und eilt
    Und doch weilt und immer auf einer Stelle steht,
    So wanderte ich wohl früh und spät;
    Und als einzige Helle, die in die Herzzelle fällt,
    Sah ich im dunkeln Getriebe,
    Als Anfang und Ausgang in dieser Welt,
    Der Geliebten Liebe.


    ultraviolett
    zu einem bild Munchs

    Vision

    ! Stöhnendes Graugelb.

    Aber das Stöhnen nur im Blick.

    Lautlos sonst und mit unterdrücktem Atem.

    ! Und ein Blau,

    Ein Blau, aus dem ganz zarte silberne Glockenspiele singen,

    Und ein Duft geht von Sonnenwärme und Mandelblüten.

    ! Silber darüber.

    Duftleeres, schneekühles Silber.

    Aber aus allem hebt sich steif

    Und hebt sich fahl, wie Gewitterlicht,

    Das stumme Graugelb.

    Und hebt sich lautlos stöhnend wie Asche,

    Mit welkem darbenden Blick.

    ! Ein Gesicht — die starre Maske eines Toten —
    Ein Kopf — aus dem Blau — aus dem blauen, glatten

    Wasser.

    Braunviolette Strähne — Haare in die Stirn,
    Das eine Auge schief, spitze Wangenknochen,
    Und trieft von den Schläfen das braunviolette Haar
    Über das öde aschige Gelb.

    Und darüber: über das blaue Wasser
    Silbern ein Schwan.
    Silbern die Reflexe von Wolken,
    Duftleer, schneekühl.

    In das Blau,

    In das Silber

    Ragt der gelbaschige Kopf des Ertrunkenen.

    Und der Schwan zieht reglos vorbei,

    Reglos die Reflexe der Wolken.




    Max Dauthendey
    Geändert von hyperion01 (29.08.2014 um 11:26 Uhr)

  2. #2
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    Jan 2014
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    352

    Talking Einstimme!

    Wieder ging die Sonne aus,
    Ging wie jedes Blutes Röte.
    Sterne suchen überm Haus,
    Fern her übt noch eine Flöte.
    Auskriecht eine Sehnsucht leis,
    Die den Weg für Lust und Nöte
    Ohne Licht im Dunkel weiß.

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