Thema: Es herbstet

  1. #1
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    Es herbstet

    Da purzeln endlich die Gedichte
    Land auf, Land ab von früh bis spät,
    verschnürt in traurigschönem Lichte.
    So manchem sich die Kehle bläht.

    Von Vögeln, die ziehen,
    der Kälte entfliehen,
    von Nebeln, die wallen,
    und Blättern, die fallen.

    Der Almbub bläst ein letztes Lied,
    die Sennerin zu Tale zieht.
    Von fern ein leiser Glockenklang,
    ums Herze wird so vielen bang.

    Doch Hoffnung keimt in dieser Zeit.
    Ich lehne mich entspannt zurück,
    denn Weihnachten ist nicht mehr weit.
    Ein Seufzer nur: Was für ein Glück!
    Solange Glut ist, kann auch Feuer sein...
    Eva Strittmatter

  2. #2
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    wo ich mich wohl fühle
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    Hallo manehans,
    dein Herbst- bis Vorweihnachtszeitgedicht hat mich beim Stöbern angesprochen.
    Die 1. Str. mit den weibl. Kadenzen in den 1. u. 3. Z. tänzelt aus der Reihe.
    Was mir aber besonders gefiel, war der Wechsel von Jambus in Daktylus in der 2.Str.
    Übrigens, die 2. Str. habe ich spontan als einen rhythmischen Refrain empfunden, aus dem Grund vermisste ich diesen Refrain nach der 3.Str. sehr. Aus dem Grund habe ich es mir spontan ausgedacht.
    Vielleicht können meine Zeilen als eine Anregung dienlich sein.

    viele Grüße
    Tau


    Gedanken sprudeln eins, zwei drei,
    Land auf, Land ab von früh bis spät
    und träumen im Gehirn ganz frei,
    was in das Traumgesicht gerät:

    Von Vögeln, die ziehen,
    der Kälte entfliehen,
    von Nebeln, die wallen,
    und Blättern, die fallen.

    Der Almbub bläst ein letztes Lied,
    die Sennerin zu Tale zieht.
    Von fern ein leiser Glockenklang,
    ums Herze wird so vielen bang.

    Gedanken, sie ziehen,
    dem Finstren entfliehen,
    der Wärme entgegen,
    die Träume anregen.

    Und Hoffnung keimt in dieser Zeit.
    Ich lehne mich entspannt zurück,
    denn Weihnachten ist nicht mehr weit.
    Ein Seufzer nur: Was für ein Glück!
    Alles ist nichts, ohne Liebe.

    Wer nicht glauben kann, der kann das Wesentlichstes nicht sehen.

  3. #3
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    Guten Tag liebe/r Tau,
    sehr freut es mich, dass auch du zu denen gehörst, die im Verborgenen kramen und nach Interessantem Ausschau halten.

    Dass du "Es herbstet" fandest und nun sehr konstruktiv kommentierst, bring mich in eine gewisse, jedoch nicht ausschließlich unangenehme Verlegenheit.

    Du machst einen Vorschlag, der mir auf Anhieb gefallen könnte, wenn ich das Stück tatsächlich als vorweihnachtliches Herbstgedicht gedacht und nicht unter Satire gepostet hätte. Schon die von dir gewählten Bilder in S1+4+5 sind sehr schön für ein besinnlich gemeintes Thema und unterscheiden sich von den meinen deutlich, da ich sie bewusst simpel gehalten habe. Es zeigt natürlich auch, wie viel sprachliches Talent du hast, wenn ich nur an dein "gewidmet" denke.

    Meine S2+3 hatte ich gewollt thematisch ein bisserl kitschig aufgeschrieben und zusätzlich mit wechselndem Rhythmus, um die einfachen Gedichte, die du Land auf Land ab in den Zeitungen und Foren lesen kannst, zu ironisieren.

    Meine S4 beschreibt die Aussicht, auch vorweihnachtlich wieder mit allerlei Kitschigem überschüttet zu werden.

    Spannend finde ich, dass, trotz Übernahme meiner S2+3, deine Version von mir keineswegs als kitschig empfunden wird; im Gegenteil; deine Version fällt gewiss nicht unter das, was ich ironisieren wollte.

    Auf der anderen Seite zeigt dein Kommentar mit Vorschlag, dass mir der satirische Ansatz nicht wirklich gut gelang; sonst hättest du als erfahrener Hase ihn sicher bemerkt. Insofern sind mir deine Impulse Grund genug, noch sorgfältiger zu planen und zu arbeiten.

    Ich danke, dass du dir Zeit nahmst, konstruktive Gedanken und Vorschläge zu machen.

    Lieben Gruß und eine besinnliche Adventszeit wünscht
    manehans
    Solange Glut ist, kann auch Feuer sein...
    Eva Strittmatter

  4. #4
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    hallo manehans,
    o nein,du brauchst keine Asche auf dein Haupt zu streuen! Das" Purzeln der Gedichte", die "geblähten Kehlen",die "wallenden Nebel" usw.
    machen deutlich,dass es sich bei diesem Gedicht um eine Satire auf die vielfältigen "Herbsteleien" handelt.Ich las und lese es mit
    großem Vergnügen.Trotzdem: Ich mag Herbstgedichte sehr !
    liebe Grüße, Cara 1963

  5. #5
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    im schönen bayrischen ...........
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    Hallo manehans

    mir gefällt auf Anhieb dein herbstliches Weihnachtsgedicht oder soll ich sagen das weihnachtliche Herbstgedicht.
    Ich weiß es halt noch nicht richtig ein zu schätzen. Aber trotzdem Daumen hoch

    der Panzerknacker grüßt dich
    Ich bin ein Niemand. Niemand ist perfekt.
    Also bin ich perfekt!

  6. #6
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    @manehans

    in deinem Gedicht es herbstet ist ein Weihnachtsgefühl sehr wohl zu erkennen. Und so sollte es ja auch sein. Für die schwulstigen Festgesänge bin ich auch nicht zu haben. Ich habe früher ebenfalls versucht Weihnachtsgedanken zu kreieren, die samt und sonders belächelt wurden. In diesem Jahr habe ich mir auch einmal erlaubt weihnachtliches Denken etwas anders darzustellen, ohne mich aber über den eigentlichen Sinn des christlichen Glaubens lustig zu machen.

    Mit Vergnügen gelesen

    lieben Gruß
    almebo

    Lieber ein eckiges Etwas,
    als ein rundes Nichts.

  7. #7
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    Guten Tag ihr Drei,

    @Cara 1963,
    schön, dass du die Intention erkanntest und dass sie dir gefiel. Und na klar, schöne Herbstgedichte mögen wir. Sind ja auch einige in diesem Jahr gepostet worden.

    @Panzerknacker,
    nun, es ist ja auch nicht immer nötig es im Sinne des Dichters einzuschätzen. Jeder soll sich sein Bild machen, so wie du oder auch Tau. Aus seiner Sicht hat es ihm ja auch gefallen und mit einigen klugen Vorschlägen ergänzt. Wichtig ist, finde ich, dass sich beim Lesen überhaupt etwas regt.

    @almebo,
    sich lustig zu machen über anders Denkende, halte ich auch für falsch, nein für respektlos. Es sei denn, jemand oder etwas hat diesen Respekt nicht verdient, weil er/es selbst die weiße Linie überschritten hat.

    Ich danke euch Dreien fürs Vorbeischauen und Kommentieren.
    lg manehans
    Solange Glut ist, kann auch Feuer sein...
    Eva Strittmatter

  8. #8
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    Hallo manehans,

    da schließe ich mich den Gratulanten sehr gerne an, sieht man mal von einer Stelle, So manchem sich die Kehle bläht, ab.
    Das manchem wohl die Kehle bläht - schon passt es.

    ...evtl noch hier:

    Ein Seufzer nur: Was für ein Glück! "Was für" bremst, was gerade am Ende ein wenig schade ist. O welch, oder Ach welch

    ansonsten gut gemacht und gerne gelesen!

    Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  9. #9
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    Guten Tag AndreDimension,

    Zitat:
    da schließe ich mich den Gratulanten sehr gerne an, sieht man mal von einer Stelle, So manchem sich die Kehle bläht, ab.
    Das manchem wohl die Kehle bläht - schon passt es.
    Meinst du es wirklich als Relativsatz, bezogen auf "Lichte", oder doch "dass" als konsekutive Verknüpfung: dass manchem sich die Kehle bläht?

    Zitat:
    Ein Seufzer nur: Was für ein Glück! "Was für" bremst, was gerade am Ende ein wenig schade ist. O welch, oder Ach welch
    Die Alternativen gefallen mir. Besonders "oh welch", weil es den ironisierenden Charakter noch stärker hervorhebt.

    Und ich werde das "doch" in S5V1 durch "und" ersetzen, weil es eine gegensinnige Position aufbaut (Ironie aufhebt), wie ich erst jetzt beim nochmaligen Lesen bemerke.

    Danke fürs Gratulieren und Kommentieren. (Und im Voraus für die Rückantwort zu obiger Frage)
    lg manehans
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    Eva Strittmatter

  10. #10
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    Hallo manehans,

    - Korrektur -

    natürlich "dass", aber halt mit Komma statt Punkt (hatte falsch gelesen)

    Gruß, A.D.
    Geändert von AndereDimension (16.12.2014 um 12:22 Uhr)
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  11. #11
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    AD,
    Danke für die rasche Antwort!
    manehans
    Solange Glut ist, kann auch Feuer sein...
    Eva Strittmatter

  12. #12
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    Hallo manehans,
    bitte verzeihe, wenn ich mich nicht gleich gemeldet habe, aber in der letzter Zeit bin ich extrem ausgelastet.
    Als ich dein Gedicht las, übersah ich tatsächlich die Themen-Rubrik. Das finde ich rückwirkend sogar besser,
    denn dadurch ist mein Eindruck neutral eingerichtet geblieben.
    Naja, ich habe zugegeben deine Intension nicht herausgelesen. Aber weil es mir reichte, nur ein paar Pinselstriche
    hinzufügen, um in deinem Gedicht eine romantisch angehauchte Atmosphäre zu erwecken, finde ich deinen Eindruck,
    den du als Reply zu meinem Kom in Ausdruck gebracht hast, doch in richtige Bahnen gelenkt.

    Denn bei einer Ironie/Satire würde ich schon mehr Biss erwarten als sie o.a. vorhanden sind.
    Zu deiner Intention: Auch ich fühle mich sehr davon abgestoßen, dass unsere atheistische Gesellschaft aus einem christlichen Fest eine Steuergelderankurbellungsmaschine entwickelt hat.
    Die meisten Leute, die im Dezember Massenpanikkäufe durchführen, wissen schon gar nicht mehr, worum es sich am 24.12. eigentlich handelt. Ich bin gegen Geistlosigkeit und gegen jeglichen Automatismus in der Gesellschaft.

    Allerdings ist mir nicht entgangen, dass viele Menschen durch die Weihnachtsmärkte
    eine Möglichkeit finden, um ihr tägliches Brot zu verdienen....

    Wie auch immer: Es hat mir viel Freude bereitet, an deinem Gedicht zu werkeln.

    LG Tau
    Geändert von Tau (18.12.2014 um 14:20 Uhr)
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    Wer nicht glauben kann, der kann das Wesentlichstes nicht sehen.

  13. #13
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    Guten Tag Tau,
    schön dass du dich noch einmal meldetest.
    Zitat Tau:
    Denn bei einer Ironie/Satire würde ich schon mehr Biss erwarten als sie o.a. vorhanden sind.
    Nun, das Satirische bezog sich in erster Linie auf die kitschige Art von Herbstgedichten, wie ich sie in S2+3 nachzuahmen versuchte. Und die sollten in sich schon, was Reim und Versmaß angeht, einigermaßen perfekt sein. Und wirklich verletzen wollte ich damit niemanden. Deshalb wars auch nur subtil ironisch angelegt.

    Vielleicht, und da bin ich ganz ehrlich, ist das Gedicht auch eine Art Selbstironie und eine frustrierte Reaktion auf meine eigenen begrenzten Möglichkeiten, ein mitreißendes Herbstgedicht zu schreiben, wie ich es z.B. Okotadia, Wilma27, AndreDimension oder James Blond u.a. zutraue. Das Einfache kann ich nämlich ziemlich gut, denke ich. Bis der andere Knoten bei mir platzt, wenn überhaupt, braucht es halt noch Zeit.

    Noch einmal Danke für die Zeit, die du dir nahmst.
    lg manehans
    Solange Glut ist, kann auch Feuer sein...
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