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Thema: Palaverecke

  1. #76
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    Altersmild... damit meine ICH, ich erkenne kaum noch prinzipiell neue Standpunkte. Viele Für und Wider hab ich ausgefochten und irgendwann mit ihnen Frieden geschlossen. Mein Augenmerk gilt nun mehr den Feinheiten. Mit ähnlicher Neugier und Leidenschaft, wie früher dem Prinzip. Bei Euch Dichtern gilt es Themen wie: Was ist eine Sinneinheit, Zäsur? Wohin führt mich reimlose Dichtung?

    Kreativ schreib ich fast nur 2-3 Stunden nach dem Aufwachen. Der Rest des ATs ist Korrektur, Stoffsammlung, Bürokram. Im Zwielicht zwischen Traum und Wirklichkeit hat mein relativierender Verstand noch nicht die Oberhand. Da kann ick mir noch überraschen.

  2. #77
    Dr. Üppig Guest
    Ich habe kürzlich einen interessanten Artikel über Testosteron und seine Wirkung auf den männlichen Körper gelesen. Demnach ist ein zu hoher Testosteronspiegel kein Garant für Männlichkeit, oft sogar im Gegenteil. Es ist vielmehr ein empfindliches Gleichgewicht von verschiedenen Hormonen, von denen Testosteron eines ist.
    The more you know.

    mfG

  3. #78
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    @ll Guten Tag!

    Uih, hier ist ja richtig viel palavert worden. Das freut einen, wenn man mal ein paar Tage nicht da war und hier etwas zum Nachlesen findet.

    Bei mir sind es oft stumpfsinnige Arbeiten, Haushalt, Garten, sonstwo, wo die Gedanken kreisen. Hier entwickeln sich dann auch schon mal Ideen für eine Geschichte. Lässt mich ein Wort nicht los und finden sich dann Ideen dazu ein und Stunden später ist der Gedanke immer noch da, dann notiere ich mir das. Es kann dann sein, dass sich innerhalb einer Stunde eine Geschichte dazu findet, die es aus meinen Augen lohnt, festgehalten zu werden.

    Wo ich nach wie vor hake, ist die Gedichtsform. Merkwürdigerweise bin ich dann teilweise nicht mal des Lesens mehr mächtig und Betonungen einzelner Wörter werden in Frage gestellt.
    Vielleicht kapituliere ich auch, weil das Thema Gedichte schreiben, für jemanden als Neuling wie mir, einfach sehr komplex ist und man möchte auch einfach nichts falsch machen?

    Sich, so wie du Artname, dann noch an eine Melodie zu koppeln, stelle ich mir dann nochmal um einiges schwerer vor. Du hast ja gewisse Vorgaben, die du dann beachten musst.
    Chapeau vor dem, dem das gelingt.

    Um noch mal auf das Gefallen von gereimten bzw. nicht gereimten Gedichten zu sprechen zu kommen. Dem Ganzen folgt ja oft der Kommentar des Lesers, eben auch in der Form, als das er den Inhalt analysiert und die Gedanken, die dazu aufkommen, dokumentiert.
    Dieses Feedback wird dann aber des öfteren vom Autor gar nicht aufgenommen, falls es sich nicht auf die Form bezieht.
    Sowas finde ich persönlich dann wieder sehr schade. Da scheint dann doch bei einigen Autoren die Wertigkeit nur auf der Form und der Korrektur des Gedichts zu liegen und der Rest interessiert nicht.
    ODER, jetzt mit Absicht provozierend gemeint, er/sie hat es nicht mehr nötig, auf inhaltliche Kommentare einzugehen.

    So und jetzt noch zum Testosteron ...











    Fertig, dazu fällt mir nämlich grad so gar nichts ein.

    LG
    Die Minos, die mit ihrem Testosteronanteil glaube ich ganz zufrieden ist, wenn es sich nicht gerade auf ihren Nicknamen bezieht!
    Falschen Menschen kann man nichts Falsches sagen

  4. #79
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    Hallo,

    auf Musik zu schreiben, ist nicht schwieriger, als Lyrik zu schreiben. Einerseits gibt mir die Musik die Stimmung und die Metrik vor, andererseits muss ich allerdings das ganz Spezielle meiner jeweiligen Interpreten beachten.. Der entscheidende Unterschied: Lyrics bedeuten Teamarbeit, Lyrik wohl in aller Regel nicht. Ich arbeite sehr gern in Teams....die ich mir aber sehr sorgfältig auswähle

    Ja, der Inhalt von Gedichten. Das fiel mir anfangs auch auf. Inhalte werden hier eher beiläufig diskutiert. Als würde jeder Mensch sowieso etwas gaaaaaaanz Anderes aus einem Gedicht herauslesen. Dabei beweist der Applaus in einem Konzert, dass sich Menschengruppen sehr wohl spontan darauf einigen können, was sie für besonders gut oder schlecht erachten.

    Wenn sich allerdings Autoren nicht frühzeitig über ihre inhaltlichen Intentionen äußern, verstehe ich das wiederum. Sie wollen halt checken, was beim Leser ankommt.

    Warum, liebe Minos, bist Du denn bei Gedichte.com gelandet, wenn Du dich mit Gedichteformen eher schwer tut?

    lg
    Geändert von Artname (18.02.2015 um 17:50 Uhr)

  5. #80
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    Hallo lieber Artname,

    ich glaube man muss nicht nur fähig sein, um Lyrics zu schreiben, sondern auch viel Sensibilität mitbringen und wenn man die noch im Team "teilt", kann ich es verstehen, dass du dir die Leute für dein Team sehr sorgfältig aussuchst. Das alles ist ja auch sehr persönlich.

    Gut, das ist auch eine Sichtweise, wenn die Autoren erst mal schauen wollen, was beim Leser ankommt. Dann scheint aber wiederum beim Autor der Rückfluss zum Teil etwas gestört zu sein, wenn schon 2 Kommentare unter dem Gedicht stehen und er/sie sich immer noch nicht äußern.
    Aber gut, jeder so wie er meint.

    Bei Gedichte.com bin ich gelandet, nachdem ich ein Prosastück schrieb und mich damit in einer Community einbringen wollte. Da hat mich Onkel Google hierhin geführt.

    Außerdem liebe ich es hier Gedichte zu lesen, mir meine Gedanken zu machen, wenn mir ein Stück gefällt und auch die Kritiken mitzulesen. Es ist manchmal sehr interessant, mit welchen Kleinigkeiten man ein Gedicht schleifen kann und sich Gesichtspunkt herauskristallisieren.

    Da reizt es mich dann, selber Versuche Richtung Dichtung zu starten, die dann aber eher eine freie Form haben. Die sind hier dann auch schon frequentiert worden.

    Ich glaube aber, dass mir Prosa mehr liegt.
    Jetzt könnte man natürlich wieder sagen, wandere doch ab in ein Prosaforum, aber nein, mir gefällt es hier und da bleibe ich.

    LG
    Die Minos
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  6. #81
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    Liebe Minos,

    nein, ich versteh dich schon. Bin ja, so gesehen, auch kein reiner Dichter. Bin in manchem Musikforum sehr aktiv. Hier dagegen bin ich eher wie ein Spaziergänger, ein Tourist.

    Ja, im Team zu schaffen, macht sensibel. Man muss es lernen, jedem Beteiligten Spielraum ein zu räumen. Gerade lese ich das Script für ein Teaterstück, wofür ich mit einem Komponisten 4-5 Songs schreiben soll. Die nächsten Tage heißt es, etwas heraus zu spüren, was der Schreiber vielleicht vergessen hat. Oder ich finde eine schöne Stelle, die ich mit einem Songtext hervorheben möchte. Oder irgendwas im Stück erinnert an etwas, was ich schon immer mal sagen wollte..

    Aber er wie auch immer: Am besten fühlt man sich wie ein Theatermensch, der jeden Tag zur Arbeit geht. Zusammen mit Bühnenarbeitern, Büroangestellten, anderen Künstlern. Man trifft sich zu Proben, in der Kantine und übt ein höfliches Miteinander. Übertragen gesagt.

    Du hast ein eigenes Haus? Das macht ja sicher viel Arbeit. Wann kommst Du zum Schreiben?

    lg

  7. #82
    Tessa Guest
    Hallo Minos,

    zunächst einmal ein schöner Faden, Palaver.

    Gut, das ist auch eine Sichtweise, wenn die Autoren erst mal schauen wollen, was beim Leser ankommt. Dann scheint aber wiederum beim Autor der Rückfluss zum Teil etwas gestört zu sein, wenn schon 2 Kommentare unter dem Gedicht stehen und er/sie sich immer noch nicht äußern.
    Aber gut, jeder so wie er meint.
    Das finde ich auch, jeder so wie er meint. Denn, wenn ich nicht irre, hast du auf mein Gedicht „Der ewige Wanderer“ einen Kommentar aus gerade mal zwei oder drei nebulösen Worten dagelassen und dann gelöscht. Insofern war das bisschen Zeit doch wertvoll seine Zeilen noch einmal zu überdenken Wäre ohnehin Spam gewesen J

    Nun aber mal zum Thema: wann und wobei kommen die Ideen?
    Bei mir ist es keine bestimmte Zeit, meistens ist es erst ein Wort oder eine Zeile.
    Dabei weiß ich dann überhaupt noch nicht wohin das Gedicht will und erst in der Folge entwickelt es sich, bekommt eine Hülle und eine Seele.
    Allerdings kann ich weder schreiben noch an meinem Haupthobby der Fotografie arbeiten wenn ich im Streß bin, besonders im Job. Dann geht leider kreativ gar nichts mehr und das ist wirklich schade.

    Euch allen einen schönen und hoffentlich kreativen Abend.

    LG Tessa

  8. #83
    Dr. Üppig Guest
    Ich finde, es geht nicht wirklich darum, den Autor zu fragen, was er mit einer Form beabsichtigt hat, sondern darum, wie die Form auf mich als Leser wirkt. Falls der Autor keine Wirkung mit der Form beabsichtigt hat, ist das doch eher sein Schaden.

    mfG

  9. #84
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    Hallo lieber Artname,

    dann wünsche ich dir viele gute Einfälle, damit du die Noten mit Text füllen kannst. Ich meine aber herauslesen zu können, dass dir deine Arbeit viel Spaß und die Kreativität dich ausfüllt. Das kann längst nicht jeder von seinem Beruf sagen.

    Ich schreibe immer dann, wenn ich den Kopf dafür frei habe. Das kann ich an einem Zeitpunkt gar nicht fest machen. Ich notiere mir Stichpunkte, die dann aber teilweise erst mal bei Seite liegen, um vielleicht später wieder aufgenommen zu werden.
    Fasziniert mich ein Gedanke aber dermaßen, dass er immer wieder auftaucht, dann setze ich mich möglichst zeitnah hin und versuche etwas daraus zu machen.
    Dann kann es tatsächlich sein, dass etwas in einer halben bis zu einer Stunde geschrieben ist, je nach dem, wie komplex es wird.

    Hallo Tessa,

    schön, dass auch du hier hereinschaust.

    Mit deinem "Wanderer", da muss ich dich aber leider enttäuschen, der hat sich weder bei mir vorgestellt, noch kenne ich dieses Stück von dir.
    Davon abgesehen habe ich noch nie einen Kommentar hier im Forum gelöscht, wüsste auch gar nicht warum, denn bei Kommentaren gebe ich mir immer Mühe und die fallen auch immer großzügiger aus. Das liegt vielleicht in meinem Naturell gerne zu schreiben.

    Wenn man wie du 2 doch sehr starke Hobbys hat, wie das Schreiben von Gedichten und der Fotografie, zudem auch berufstätig ist, ist das sicherlich manchmal die Grätsche, die man dann macht.

    Aber schön, dass alles so verteilt ist, dass du doch noch zum Schreiben kommst, bzw. zum Fotografieren.

    Hallo Taras,

    Ich denke schon, dass ein Dichter sich in einem Forum auch ausprobieren will und je nach Schweregrad seines Gedichtes hier auch anwesende Dichter um Kritik fragen soll.
    Ich habe hier schon viel gelesen, wo ich persönlich nicht gewusst hätte, dass das Gedicht in xy geschrieben ist. Dann finde ich es auch interessant, was man beachten muss, um die Form einzuhalten und wie ein Gedicht aufgebaut ist. Das ist schon Handwerk und benötigt Wissen.

    Geht es mir als Dichter erst mal nur um die Form, ist die Wirkung auf den Leser "nettes Beiwerk". Dann kann ich, wenn ich diese Form beherrsche auch immer noch andere Prioritäten setzen.

    Das ist aber auch nur meine bescheidene Meinung und mit der und einem schönen Nachmittag verabschiedet sich die Minos auch schon wieder.

    Liebe Grüße
    Falschen Menschen kann man nichts Falsches sagen

  10. #85
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    Liebe Minos,

    als ich 30 war, erschien mir Dichtkunst göttlich. Gleichzeitig hatte ich armer Sterblicher aber Termin als Texter. Davor hatte ich Angst. Lieber ging ich feiern. Davon musste ich mich danach 2 Tage erholen. Je näher die Termine kamen, um so mehr feierte ich. Und dann kam der letzte Tag. Müde, zerquält und ideenlos begann ich zu schreiben ... und hielt so ALLE Termine... und schrieb teilweise Texte, die noch heute mit Beifall aufgeführt werden.

    Mit den Jahren änderte (s)ich mein Leben. Heute schreibe ich, sobald ich einen Auftrag erhalte. Weil ich begriffen habe, dass man IMMER schreiben kann. Schreiben ist der Schlüssel zu einer Tür, der IMMER passt. Wichtig scheint nur der bedingungslose Wille zur Ehrlichkeit!

    Dieser Wille war bereits damals meine Rettung. Ich nahm mir bereits damals vor, wenn schon zu scheitern, dann total ehrlich. Aber total ehrlich kann man als Autor wirklich NICHT scheitern

    Verstehst Du was ich meine? Es gibt vermutlich gar keine Idee, die übermorgen noch so gut wie heute. Es gibt aber jeden Tag viele gute Ideen. Widerspruch?

  11. #86
    Tessa Guest
    Hallo Minos,

    hab ganz lieben Dank für deine Erklärung, dann muss ich mich bei dir entschuldigen und hoffe, du siehst das nicht so eng.
    Diesen gelöschten Post gab es tatsächlich und er bestand aus vielleicht noch nicht einmal drei Worten, ich glaubte mich an deinen Namen zu erinnern. Also, sorry.

    Ja, die liebe Zeit.....das ist immer ein Spagat, aber wem sag ich das

    Geht es mir als Dichter erst mal nur um die Form, ist die Wirkung auf den Leser "nettes Beiwerk". Dann kann ich, wenn ich diese Form beherrsche auch immer noch andere Prioritäten setzen.
    Du hast eine gesunde Einstellung. Wenn die Form stimmig ist, kann sie vermutlich auch den Leser ansprechen. In erster Linie aber sollte der Dichter selbst mit seinen Zeilen zufrieden sein Dieses hängt selbstverständlich auch vom eigenen Ehrgeiz und den eigenen Ansprüchen ab.

    In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen zufriedenen Abend,
    Tessa

  12. #87
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    Ein etwas verschlafenes guten Morgen in die Runde!

    Hallo lieber Artname,

    das freut mich, dass die in jungen Jahren diese Erfahrung gemacht hast und auch, dass die Stücke, die in der Zeit zustande gekommen sind, heute noch honoriert werden.

    Dass es seinerzeit einen gewissen Druck benötigte, hat bei dir viel bewegt und in die richtige Richtung gelenkt.
    Auch wenn du jetzt vielleicht schmunzelst, aber das Schreiben hat bei mir viel mit eintauchen zutun. Man lässt die Gedanken rechts und links fallen und "schwimmt" dann auf einer Gedankenwoge mit, die in einem selbst entsteht. (Ich hoffe, man kann mir folgen )

    So gesehen hast du auch recht damit, dass man einen Gedanken, der entsteht, nicht beiseite legen sollte, sondern dann, in dem Moment, aufnehmen und verfolgen sollte. Da ist der Antrieb da, die Emotion, das Ausdrucksstarke. Einen oder mehrere Tage später kann man eigentlich schon nicht mehr mit dieser Intensität auf den Gedanken zurückgreifen.

    Und, und das sprichst du noch an, ist man in Bereitschaft zu schreiben und hat ein gewisses Talent, dann ist es auch völlig egal, worüber man schreibt. Man "webt" ja quasi immer wieder um einen Gedanken herum. Also ist der Gedanke gar nicht maßgeblich, sondern das was dann kommt.
    Und das was dann kommt, macht wieder den Schreiber und seine Vielfältigkeit, seine Phantasie, seine Persönlichkeit, aus.

    Liebe Tessa,

    Quark, natürlich nehme ich dir das nicht übel. Ich habe mich erklärt und du auch, also alles gut.

    Du schreibst, dass es wichtig ist, dass der Dichter selbst mit seinen Zeilen zufrieden ist. Da gebe ich dir vollkommen recht und das ist glaube ich auch das, worauf Artname hinaus will. Wenn ich autentisch schreibe und mit den mir durch meine Person vorgegebenen Mitteln, dann kann ich hinter dem Gedicht oder Prosastück nur hinter stehen.
    Dann ist es meins, mit meinen Intentionen geschrieben und mit meiner Idee.
    Ein Unikat.

    Eifere ich aber anderen hinterher, bin ich besten Falls nur ein Nachahmer.

    So entwickelt sich dann - von einer gewissen Lernphase mal abgesehen, ein eigener Style, der den von mir benutzten Wörtern nicht nur Sinn, sondern auch Leben, in Bezug auf meine Persönlichkeit, die ich (der Schreiber ) unverwechselbar besitze, einhaucht.

    Trotzdem finde ich die Resonanz der Leser auch schön. Man fragt sich ja auch immer, können Andere/Fremde meine Gedankengänge nachvollziehen, können sie sich etwas, worauf ich als Schreiber abziele, herausziehen. Konnte ich sie unterhalten usw. usw.

    Stelle ich irgendwo Texte ein, ist das für mich persönlich nicht nur ein Text, sondern wie ein Kind, was ich geboren habe, ihm Ideen eingehaucht habe. Der Leser lehrt das Kind dann das Laufen.

    LG und einen schönen Tag an alle!
    Die Minos
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  13. #88
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    Liebe Minos,

    du erfüllst wirklich meine positiven Erwartungen an die Gastgeberin eines Palaver- Salons! Es macht Spaß, hier in der von Dir entspannt moderierten Stimmung übers Texten mal locker zu plaudern! Danke! - ich kann deinen Gedanken zustimmend, entspannt und vergnügt folgen.

    Das Thema "nachahmen" interessiert mich gewaltig. Darf ich mal ausholen?

    Ich denke: Jedes Lebewesen hat eine verborgene Grundstimmung. Viel hängt vermutlich mit der frühsten Kinderzeit oder gar mit den Vorfahren zusammen. Als sich MEIN Grundthema bei mir ab zu zeichnen begann, wuchs meine Lust am Texten immens. Denn ich begriff, dass ich, ehrlich gestimmt, thematisch niemals etwas Falsches schreiben kann. In den folgenden Jahren konzentrierte ich mich deshalb weniger auf Inhalte, sondern mehr darauf, wie ich Anderen meine zugehörigen Gefühle DARSTELLEN kann.

    Und dafür analysiere ich sehr, sehr oft fremde Texte. Aber immer im Bewusstsein der Möglichkeiten und Grenzen meines Seelenklaviers. Ich liebe Bukowskis Gedichte, bin mir aber bewusst, dass ich, obwohl selber gern drastisch, dennoch nicht so direkt wie er schreiben kann.... und will. Bukowski hat sich ein Leben lang gern geprügelt. Ich nur als Kind. Dieser Unterschied MUSS sich doch sprachlich irgendwo nieder schlagen. - Ich liebe Ana Achmatowa... aber gebe den weiblichen Anteilen in meiner Sprache bewusst nur vorsichtig Gestaltungsräume. Ich bin und bleib ein Mann. - Ich mag die bestechende Logik und Dichte eines Erich Frieds, aber bin mir immer bewusst, dass ich selber emotional vermutlich deutlich anders veranlagt bin. Ich falle, charakterbedingt, gern mal aus der jeweiligen Rolle, die ich doch eigentlich, rational gesehen, gerade für die BESTE halte... Das muss sich doch auch in meinen Texten nieder schlagen. Und zwar gern mit einer gewissen zärtlichen Ratlosigkeit

    Kurz: ich lerne sehr, sehr gern... aber frage mich oft misstrauisch: führt es zu meinem Grundthema hin oder weg von ihm?

    lg
    Geändert von Artname (25.02.2015 um 11:12 Uhr)

  14. #89
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    Hallo lieber Artname,

    Salon? Schön, dass dir aufgefallen ist, dass ich die rot-samtigen Plüschvorhänge wieder aufgehängt habe, im Hintergrund duddelt leise eine Schellackplatte mit "Oh mein Papa" und ein guter Tee zieht in der cremeweißen Porzellankanne, die mit den Schnörkeln drauf. Musst aufpassen, wenn du ihn trinkst, ist noch sehr heiß.

    Du schreibst immer wieder von Ehrlichkeit. Du schreibst auch, dass jeder Mensch eine verborgene Grundstimmung hat. Dem stimme ich absolut zu, nur denke ich, dass diese Grundstimmung nicht nur allein in der Kindheit, oder durch Vorfahren, entsteht. So wenig, wie das Leben Stillstand ist, umso mehr reichert sich diese Grundstimmung an und wächst. Man könnte auch sagen, ein Erfahrungsschatz baut sich auf, der auch mich wieder beeinflusst.
    Beispiel Trauer: Bin ich in einer Phase, wo ich trauer, weil ich jemanden verloren habe, der mir viel bedeutet, werde ich in den seltensten Fällen fröhliche Geschichten schreiben. Ich kann diese Phase der Trauer aber dazu nutzen, mir diese Belastung von der Seele zu schreiben. So öffnet mir die Trauer ein Tor, was ich, weil ich es vorher nicht empfunden habe, gar nicht durchschreiten konnte.
    Dies schreibe ich aus eigener Erfahrung und die Stücke, die in dieser Zeit entstanden sind, sind mir auch heute noch Stütze in der, in einer womöglich neuen Trauer.

    Hier braucht es dann aber auch viel Empathie und Disziplin meinerseits, um zwar tief einzutauchen in die eigene Gefühlswelt, sich aber trotzdem nicht mitreißen zu lassen und in der Trauer zu vergehen.
    Hier heraus sind die ersten Texte entstanden, die ich geschrieben habe und es gibt Menschen, die mir Rückmeldung gaben, indem sie sagten, du hast mir geholfen zu weinen und zu trauern. Wir waren wie erstarrt und konnten gar nichts mehr fühlen, existierten nur.

    Da komme ich dann an einen Punkt, wo ich sage, das Schreiben, das Eintauchen, hat sich gelohnt.

    Du analysierst andere Texte, soweit du es kannst. Du nimmst dann sicherlich auch ein Stück von der Wirkung und Stimmung auf, die den Text begleiten. Dir gefallen Wortwahl, Ausdruck, Scharfsinn und womöglich die spitze Zunge. All das darf und soll ja so sein. Damit erweitert man seinen Horizont, was ja nie verkehrt ist.
    Interessiert man sich dann speziell für ein gewisses Thema, nehmen wir mal als Überbegriff die Liebe, kann ich nur dann authentisch über sie schreiben, wenn ich sie schon mal erlebt habe. Aber da der Begriff so viel beinhaltet, hat die Liebe auch wieder viele Facetten. Schön, so gesehen, denn so hat jeder wieder einen Ansatz, über sie zu schreiben.

    Ob und inwieweit ich mich mit meinen Texten auch identifizieren kann, ist dann wieder ein anderes Blatt. Auch ich probiere gerne mal was Neues aus. Dann ist aber alles, was ich ausprobiere, etwas Neues, weil jedes Wort, was ich in Kombination mit meinem Gefühl verwende, neu gekoppelt ist. Man verglich ein Gedicht, was ich geschrieben hatte mal mit Morgenstern. War mir dieser Vergleich eine Ehre? Lach bitte nicht, aber ich kannte ihn bis dato gar nicht, also eher nein.

    Ich kann nun aber sagen, da war noch jemand, der auf die gleiche Art und Weise wie ich gefühlt und geschrieben hat, was mich dann im Nachhinein zu ihm hingezogen fühlt.

    Auch wenn man mal Ausflüge macht und andere Wege beschreitet, weiß man im Inneren doch, wo man hingehört und das hast du treffend beschrieben. Ich kann mich für etwas, für jemanden begeistern, aber ich bin immer noch ich.

    Und weißt du, was das Schönste daran ist?

    Ich kann mir selbst vertraue und binde mich gerne an das, was mich ausmacht. So wird es dir erst Recht gehen, denn in Zusammenarbeit mit deinen Kollegen bist du selbst gefragt und nicht irgendein xy, auch wenn der für den Moment noch so betört.

    LG
    Die Minos
    Falschen Menschen kann man nichts Falsches sagen

  15. #90
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    Liebe Minos,

    ich bleibe tatsächlich gern bei den ersten Jahren. Denn hier wird mMn entschieden, welche generellen Erfahrungen wir suchen oder meiden. Natürlich verändert sich unsere Art der Sucher- und Meidertätigkeit im Verlaufe unsreres Lebens. Natürlich kann ein Feigling als General und ein Tapferer als Bibliothekar enden. Aber wessen Startbedingungen schlecht waren, dem wird immer das Gefühl bleiben, kämpfen zu müssen. Viel mehr als der, der in Geborgenheit groß wurde.

    Ich bin in meinem Künstlerleben viel häufiger komplizierten Menschen begegnet als in meinem Vorleben als Büromensch. Im Ergebnis dessen sind fast alle meine Freunde keine Künstler. Obwohl meine intensivsten Partner Künstler sind, mit denen ich mich meistens auch ganz gut verstehe.
    Aber ich sehne mich nach einfachen Menschen. DIE wiederum interessieren sich mehr für das Schillernde. Zu meinem Glück
    Aber ich denke, Du verstehst auch DAS ganz leicht.

    Das Leben scheint nicht darauf angelegt zu sein, Irrtümer zu vermeiden. Es scheint eher danach zu streben, Erfolge in Irrtümer und Irrtümer in Erfolge zu verwandeln. Auf der Suche nach Stabilität entsteht immer wieder Instabilität. Erfolge und Niederlagen währen nicht ewig. Nur die Prägung, die scheint man nicht mehr ändern zu können. Also sollte man früh genug mit sich selber Freundschaft schließen. Vor 20 Jahren habe ich begonnen, mich nicht mehr im Kopf zu beschimpfen. Der Prozess scheint umumkehrbar abgeschlossen.

    Ich weiß wahrscheinlich nicht mal, wo ich hingehöre. Ich ahne aber sehr intensiv, was ich suche. Teilweise habe ich perfektionistische Züge, auf die ich verzichten würde, wenn ich könnte. Aber ich kann nicht. Was sich geändert hat: ich kann meineKritiker besser verstehen und viel leichter mit ihnen auch mal über mich lachen. Nicht taktierend, sondern aus vollem Herzen. Sie sind ja auch nicht so ganz ohne

    Lg
    Geändert von Artname (25.02.2015 um 21:34 Uhr)

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