1. #1
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    Question Der Rauch, der einen vorgetuschten Krper bildet/ El humo que form cuerpo fingidoH

    Hallo liebe Lyrikprofis,

    ich wrde gerne Eure Expertenmeinung zu diesem Gedicht hren. Einmal auf semantischer, pragmatischer und rhetorischer Ebene. Was haltet ihr von diesem Gedicht? Jeder Ideenansatz wrde mir ungemein helfen. Ich komme einfach nicht weiter. Ich wre euch sehr dankbar!
    Das Gedicht ist Teil des Theaterstcks ,,La discreta Venganza`` von Lope de Vega aus dem Jahre 1620. Es wurde in der Zeit de Siglo de Oro geschrieben.

    Rauch, der einen vorgetuschten Krper bildet,
    der, wenn er am dichtesten ist, zu Nichts wird;
    Wind, der mit khner Macht wehte,
    und der nicht im Netz gefangen werden konnte;

    Staub, berm Land vergangen
    durch die erste geschwellte Wolke;
    Schatten, der, die Form dem Krper gestohlen,
    aufhrte zu sein, wenn er vorberging;

    das sind die Worte einer Frau. Kommt
    etwas Neues, erstaunt es sie so,
    dass sie weder Treue noch Liebe noch Glaube behlt.

    Unbestndigkeit also,denn Frau kann man sie nicht nennen,
    wer sie besitzt, und whnt sich ihrer noch so sicher,
    besitzt doch nur Rauch, Staub, Nichts, Wind, Schatten.


    IM SPANISCHEN

    El humo que form cuerpo fingido,
    que cuando est ms denso para en nada;
    el viento que pas con fuerza airada
    y que no pudo ser en red cogido;

    el polvo en la regin desvanecido
    de la primera nube dilatada;
    la sombra que, la forma al cuerpo hurtada,
    dej de ser, habindose partido,

    son las palabras de mujer. Si viene
    cualquiera novedad, tanto le asombra,
    que ni lealtad ni amor ni fe mantiene.


    Mudanza ya, que no mujer, se nombra,
    pues cuando ms segura, quien la tiene,
    tiene polvo, humo, nada, viento y sombra.


    VIELEN DANK IM VORAUS AN EUCH!

  2. #2
    Registriert seit
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    589
    Meiner Meinung nach ist die bersetzung nicht so toll...
    Dies zeigt sich schon in der ersten Zeile beim Adjektiv fingido das etwa dem Wort fingiert entspricht und damit eben NICHT nur "Vortuschung".
    sondern auch vorgauckeln, erfunden, erlogen, vorgeben, vormachen, schauspielern, mimen, bis hin zu ersinnen...

    Von diesem einem Wort wird der weitere Sinn des ganzen Textes abhngen. Es empfielt sich also etwas mehr Sorgfalt auf das zu verwenden, was wirklich gemeint ist, m.M.n. keine Vortuschung sondern eher eine Art "Geist", etwas was man nicht zu fassen bekommt und immatriell ist und bleibt.

    Eine ganze Reihe von Verben und Adjektive sind unzureichend bersetzt. kein Wunder dass man da nicht rein findet.
    z.B. ist mir aufgefallen dass "la forma... hurtada" und "cogido" sehr zweifelhaft bersetzt (fr diesen Sinnzusammenhang) sind.
    la forma hurtada wre eine "flchtige Form" ...."cogido" heit in der Nennform "zufassen, zugreifen...etc. im in der Adverbialform ergriffen, erfasst etc.

    Ich empfehle eine mglichst genaue Linearbersetzung inklusive Einbeziehung des Thesaurus.
    Danach Ausschau halten welche Wrter "Symbolik" transportieren.


    Die Metrik im spanischen ist nach meinen Infos einfach nur Silbenzhlend und auf den Klang hrend.

    Rhetorisch ist das schon ein Kabinettstckchen, aber eher nach typisch sdlndischer Fasson (emotionalisierend). Mitteleuroper finden solche Texte eher schwlstig, weil sie zu weit entfernt von ihrem Erleben stehen. In den sdlichen Lndern ist dies aber anders....dort ist die Grenze zwischen leben und Symbolismus ineinander flieend.....Und im Urlaub lieben dies sogar Mitteleuroper.
    Eigenschaften des "Frau-Geist-Phnomens" werden konstrastierend mnnlichen Erwartungshaltungen gegenbergestellt, bzw. Erfahrungswerten.
    Das Frau-Geist-Phnomen wird somit mystifiziert - es steht aber auch als Symbol fr persnliche Freiheit und Selbstbehauptung, das ich einer Frau ist also stark und nicht einfangbar, einsperrbar und schon gar kein Besitz und wem es sich zuordnet ist freiwillig ohne Garantie fr Zeiten etc.
    Also die Freiheit ohne jegliche Fnge Verpflichtungen etc.
    Bei dem konservativen Frauenbild um 1620 in einem streng katholischen Land war dies sicher eine starke Provokation. Derlei Verse begegneten mir bisher fast nur im Flamenco, wo Frauen eine expressive Rolle durchaus zugestanden wurde ....wenn sie gute AkteurInnen waren.

    Cui gitano
    Gendert von gitano (30.09.2015 um 20:22 Uhr)
    "Die Deutlichkeit ist die Hflichkeit in der Kritik."
    feiner Satz von M. Reich-Ranicki

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