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  1. #16
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    Jetzt da ich die Fülle der Etikette und Formen auch mal mit auf den Weg bekommen habe, sieht die Welt der Dichtung im Vergleich zum Ausgangszustand viel komprimierter aus. Also ein enormes `VIELEN DANK´! Diese Art der Lehre bringt denen, die etwas mehr darüber erfahren möchten, wirklich etwas.Das meinte ich als ich im Wohnzimmer einen Lehrer suchte. Eine auf den Punkt vereinfachte Erklärung die verständlich wirkt
    und verstehen lässt.
    Aber wie das so ist, wenn sich zum ersten mal die Augen öffnen- ist mir der Weg natürlich noch nebelverhangener als zuvor.Ich habe (bis auf einige Ausnahmen) bisher diesen Dingen, die alle mit mir nicht so geläufigen Fremdwörtern(ach hätte man im Osten doch Latein lernen können!)einhergehen, wenig Beachtung geschenkt. Entschuldigt durch die Naivität der Unwissenheit.Ich habe es nun schon mehrmals erlebt das man meine Ausdrucksweise in der Fragestellung als zynisch verstanden hat. Daher möchte ich nur nocheinmal darauf hinweisen, das dem nicht so ist. So jetzt habe ich auch das flatterhafte Wesen meiner Frage wieder eingefangen und kann sie nun stellen. Was denkst du? Sollte man sich vorher überlegen in welcher Form man schreibt, respektive schreiben will, oder leidet dann eventuell die Spiritualität darunter? In meinem Kopf ist mit dem lesen dieses Threads etwas passiert und ich bin mir nicht sicher in welchem Wind ich schnuppern soll, da ich mir meinen Kopf
    auch nicht verwüsten will mit dem Wissen eines Fachidioten.
    Nochmal, nicht in den falschen Hals kriegen ,O.K.? Ich bin ja kein Student oder Akademiker sondern einfach nur jemand der mal Talent fürs Klarinettenspiel hatte, und der gerne Texte schrieb.Ich versuche meine Frage jetzt mal enger zu schnüren. Was denkst du müsste ich wissen von der Linguistik ohne Sprachwissenschaftler werden zu wollen und trotzdem den Spass an der Satzbildung zu behalten? Was ist deine Meinung, muss man die Gründe studieren oder kann man das Glück haben ...erleselt klingt nicht wie erleuchtet, eher nach IIAaaHHH.- Ich schreibe ja nicht um die Kritik anderer Leute einzufahren sondern weil es mir Spass macht.
    Ich habe einfach schöne Sätze gerne.
    Daher wende ich mich jetzt an dich da du mir nicht so abgehoben erscheinst wie andere.Sicher ich habe bisher nicht unbedingt dazu beigetragen dem Nimbus des Musterschülers Vorschub zu leisten.
    Dennoch glaube ich nicht daran das die Verwundenheit züngelnder Satzfragmente allein davon abhängig ist, wie viel man über die Zeitform der getroffenen Aussage weiss, sondern bin überzeugt, daß die Aussage an sich im Mittelpunkt steht. Wx5
    MfG Markus.
    P.S. P.S. und P.S....
    - dies richtet sich logischer( ja,ja)weise an den Urheber
    und (ich sag jetzt mal fleissigen) Schöpfer dieses Threats, vor dessen Recherche ich die allerhöchste Achtung zolle, es sei denn er hat es nur kopiert und sich mit den Gedanken anderer geschmückt.
    Die Idee ist absurt, aber es soll Leute geben die nicht sie selbst sein wollen.Solche Menschen haben natürlich auch immer das Glück und avancieren zum Kobold von China!..- Scheiß Regie!..spinn`n ...echtma!...Nörgelnög!.!

    [Geändert durch Markus Hilbert am 01-05-2004 um 11:24]
    ARTOFVOICE says NeveroddoreveN

    ich werde JAPANI(S)CH

  2. #17
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    Hallo Micha,

    Ich hoffe, ich nerve nicht. Da mich jemand bezüglich einer meiner Gedichte fragte, ob es ein Sonett sei und ich ihm die Frage bejahen wollte, möchte ich einen Link hierher verknüpfen. Dabei stellt sich nur folgendes Problem in den Weg: Es werden Reimschemen betreffs der Terzette genannt, die nicht vollständig sind. Es fehlt die von Opitz präferierte und von mir in betreffendem Gedicht angewandte cc-de-ed-Form, was meinen Link ad absurdum führen würde. Laut Opitz ist letztlich freigestellt wie sich die Reime in den Terzetten “schrencken”. So wie ich das gelesen habe, kamen die von Dir erwähnten Variationen erst nach dem Barock. Wäre schön, wenn sich eine Änderung möglichst bald einrichten ließe.

    Es grüßt von der anderen Seite

    Das Positron
    wer deutsche versbrecher findet, darf sie behalten
    oder: warum mein rechtschreibprogramm dem genitiv sein toast iszt...

    "Ein Lyriker, der glaubt, unabhängige Kunst zu schaffen, ist ein Narr, aber ein Mensch, der nicht fähig ist, seine Erfahrungen auf ein anderes Niveau zu abstrahieren, ist kein Künstler."

  3. #18
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    Aha, die alte Sonettsorge. Also, Positron, das Sonett ist eine Form, die es seit ca. 700 Jahren gibt. Sie etablierte sich im Florenz des 14. Jh. bei den Stilnovisen, bspw. Dante, Petrarca, Sachetti, etc., war dort von Einstrophigkeit geprägt, meist in zwei Quartette und zwei Terzette unterteilt und im Endecasyllabus (11-Silber) verfaßt. Seitdem hat es viel Imitation und Variation erfahren. Mal wurden zwei Quartette und zwei Terzette, mal drei Quartette und ein Duplet, mal ein Oktet und ein Sextett, mal gar keine weitere Unterteilung der Strophe vorgenommen. Hier hatten die Quartette gleiche Reimpaare, dort hatten die Terzette eine Folge von abc-abc, ein anderes Mal gab es umarmende Reime, dann wieder Kreuzreime. Inhaltlich wurden oft Antithesen zwischen den ersten 8 und den letzten 6 Versen gestaltet. Es findet sich aber durchaus auch eine stringente Argumentation an anderen Orten. Baudelaire schrieb einen Alexandriner (12-Silber), Opitz einen iambischen Pentameter und ich schrieb jüngst ein Sonett mit drei Strophen.
    Was ich damit sagen will, ist, daß es heutzutage keine große Einschränkung mehr gibt, wenn nicht jene, daß eine Strophe Sonett 14 metrische Zeilen haben sollte. Dem Dichter ist also viel Raum gelassen.
    Was er jedoch nicht vergessen sollte, ist, daß das Sonett seit jeher (kulturhistorisch) ein Gefäßt des erhabenen Stils (formell, sprachlich und inhaltlich) ist. Mit dem Gedanke "Sonett" verbindet sich also auch eine gewisse Leseerwartung, die man erfüllen oder ad absurdum führen kann.


    LG
    vamp
    --LeV

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  4. #19
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    Hallo Levampyre,

    Dein Sonett "die Schlange" (?) habe ich auch als solches sehr bewundert (auch wenn es mich thematisch zur Verzweiflung trieb ). Satchmos Sonett "der Feldherr", daß in Trochäen geschrieben wurde, erkannte ich auch als solches an.

    Es gab allerdings in der Rubrik "Liebe und Romantik" ein selbsternanntes "(Möchtegern-)Sonett..." von Dekar Feuerklinge, welches zu Recht, wie ich finde, für Anstoss sorgte. Das oben erwähnte Sonett von mir orientiert sich strukturell am Opitzsonett mit dem Reimschema abba-abba-ccdeed. Ob es inhaltlich dem gerecht wird, ist an dieser Stelle eine andere Frage.

    Die Person, die mich bei meinem Sonett fragte, kannte nur das Reimschema abba-cddc-efg-efg und war darob sehr verduzt. Deshalb ging es mir nur darum, gesichert einen Link in diesen Thread stellen zu können.

    Dennoch danke ich dir für deinen Rat, denn dass das Sonett erst im 14. Jahrhundert entstand, wußte ich nicht.
    Die ewige Sonettfrage möchte ich an dieser Stelle auch nicht neu entflammen. Ich wollte dich im Übrigen sowieso noch fragen, ob ich deinen Satz:

    "Von der Form her ein Versuch über ein vierzehnzeiliges Gedicht mit je sechs Hebungen pro Zeile..."

    bei Gelegenheit zitieren darf. Falls nicht, lösche ich hier auch wieder.

    Es grüsst von der anderen Seite

    Das Positron
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  5. #20
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    Klar, zitieren darfst du mich gerne, sofern der Grundgedanke des Zitates nicht im neuen Zusammenhang verdreht wird. Aber ich traue dir zu, daß du das hinbekommst.

    Daß das Sonett erst im 14. Jh. entstanden sei, habe ich nicht gesagt. Ich sagte, es hat sich in der Zeit als Form etabliert. Wann und wo es genau entstanden ist, ist heutzutage äußerst schwer nachzuvollziehen. Aber es wird in der Zeit gewesen sein, da wir keine Quellen kennen, die diese Form bezeugen und eindeutig früher datiert werden können, bzw. eine frühere Entstehungsgeschichte der beinhaltenden Texte wahrscheinlich machen.

    Den Link in diesen Faden, kannst du aber dennoch jederzeit setzen. Mir fällt jedenfalls kein Grund ein, der dagegen spricht.


    LG
    vamp
    --LeV

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  6. #21
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    Danke levampyre. Damit ist wohl alles ergänzt.

  7. #22
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    Gewisse Infos dazu findet man auch in meinem Metrikfaden
    Das hier ist meine Signatur und ich bin stolz darauf.

  8. #23
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    Hallo,

    habe mit größtem Interesse diesen interessanten Faden gelesen und möchte allen, die hier so hilfreich reingeschrieben haben, ein großes Dankeschön aussprechen.

    Ich hätte da aber noch eine Frage:

    Nach welchen Kriterien wählt man die Form? Ist es besser, zuerst seine Bilder zu beschreiben und dann schauen, welche Form dabei rauskommt (oder in welche Form sich das Ganze am besten gießen lässt), oder ist es vernünftiger, sich im Vorhinein schon eine Form zu überlegen (natürlich immer vorausgesetzt, man nimmt es mit Form und Metrik genau)? Was meint ihr? Gleich einmal vorab vielen Dank für die Info.

    Grüße

    Thomas
    "Man schreibt nicht, was man schreiben möchte, sondern was man zu schreiben fähig ist."
    Jorge Luis Borges


    Mein Wiedereinstiegsgedicht nach all der Zeit: So ist mein Herz ein dunkler Teich

    Meine Werke und meine Empfehlungen.

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    Und hier noch auf Wunsch von Nachteule etwas von ihm (als Dank für die Hilfe im Mod-Faden): Nachteule

  9. #24
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    Ich denke, die Vorgehensweise ist unterschiedlich. Bei bestimmten traditionellen Strophenformen, wie dem Sonett oder dem Rondeau nimmt man sich vielleicht vorher vor, ein Gedicht in dieser Form zu schreiben. Zumindest wird es einem nicht aus Versehen passieren, dass man plötzlich ein Sonett geschrieben hat.

    Ein metrischer Text kann aber auch freie Strophenform haben. Das meint, dass er zwar metrisch ist, aber keinem traditionellen Muster entspricht. Auch hier wird man vielleicht im Vorfeld planen, wie es ungefähr abzulaufen hat. Vielleicht gibt einem schon der erste Vers, der einem in den Sinn kommt eine Richtung vor.

    Worauf es bei metrischer Form ankommt, ist ein Betonungsmuster, welches auf dem Moment der Wiederholung aufbaut. Die metrische Form, die du wählst, sollte irgendeine Idee von Regelmäßigkeit vermitteln. Denn ein Text, der in V1 imabischer Fünfheber, in V2 dreihebiger Daktylus ohne Auftakt, in V3 abwechselnd vierhebig im Trochäus und Daktylus und in V4 sechshebiger Daktylus mit Auftakt ist, ohne dass sich dieses Muster in der nächsten Strophe exakt wiederholt, wird vom Leser unter Garantie nicht als metrisch empfunden. Denn es geht hier um Wahrnehmungsfragen.

    Diese Wahrnehmungsfragen sind es auch, die dich für eine Form entscheiden lassen. Entweder willst du eine Form bedichten und suchst einen passenden Inhalt oder du hast bereits einen Inhalt und suchst nach der passenden Form. Es klingt zum Beispiel relativ affig, ein Rondel mit hochphilosophischen Diskursen auszustatten (so mein Empfinden), weil es durch seine vielen Wiederholungen doch eher einen tänzerischen, jungen und eher naiven Charakter hat. Gleichwohl wirkt es auf mich immer etwas blöd, wenn jemand ein Sonett schreibt, in dem nichts weiter als Plattitüden stehen.

    Welche Form du wählst und ob du überhaupt metrisch schreiben mächtest, das liegt ganz in deinem Ermessen. In dieser Hinsicht ist wohl jedes Gedicht ein Experiment. Probier's mal aus und siehe, ob's funktioniert!
    --LeV

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  10. #25
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    Hallo,

    vielen Dank für deine rasche und informative Antwort. Da werde ich mich wohl auf mein (hoffentlich existentes) Gefühl verlassen. Meine nächsten Schritte lauten sowieso: Schauen, dass man irgendeine Metrik zusammenkommt, dann werde ich mich mal an die Experimente wagen.

    Jedenfalls ein großes Danke und noch einen schönen Tag!

    Grüße

    Thomas
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  11. #26
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    Auch wieder ein toller Thread, vielen Dank dafür! Mir ist auch hier aufgefallen, dass einer der Links nicht mehr funktioniert oder zumindest nicht mehr die relevanten Inhalte aufweist:

    Zitat Zitat von Metapher
    Eigene Anmerkung: Dies ist ein winziger Rahmen des Tanka. Es gibt sehr viele Themen und Stile dieser Stücke. Sehr gut nachzulesen auf www.ingrids-haiku.de !
    (außer ich bin zu blöd gewesen..) Sorry wenn ich so drauf hinweise, aber wollt mich gerad ein bisl weiterbilden und wenn mir sowas schon einma auffällt
    Das Leben ist mehr breit als lang.

  12. #27
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    Danke für den Hinweis. Ich habe den Link entfernt und schaue mal, ob ich irgendwo eine Alternative finde.

    es grüßt
    kurushio
    You know, wars aren’t kids - where you don’t have to pay attention to the youngest one because the older two will take care of it.
    - Jon Stewart

    Schwarze Gezeiten: heichaojing
    in Zusammenarbeit mit Lia: All Along the Watchtower
    (work in progress)

  13. #28
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    Ich finde die aufgebrachte Mühe, die nötig gewesen sein muss um diesen Beitrag zu schreiben,
    bemerkenswert, aber meiner Meinung nach sollte ein Dichter seinen eigenen Still entwickeln
    und sich nicht an Althergebrachtens halten. Was nicht heißt, dass man sich nicht daran bereichern
    soll. Ich will nur sagen, nehmt das Alte und formt daraus Neues.
    Dichter ist der, der seinen wertvollsten Besitz hergibt,
    sein lange gebündeltes Wort.

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