1. #1
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    "Bewusste Holperer" gegen dichterische Ödnis??

    Liebe Forums-Freunde

    Andernorts wurde ich in Metrikfragen auf eine Weise belehrt, welche mich nicht befriedigt.
    Ich zitiere hier mal Shakespeare mit dem gleichen Ziel, von Leutem, die sich auskennen, bestätigt oder widerlegt zu kriegen, dass grosse Dichter wie Sh. eben gerade bewusst die ach so geschmähten "Holperer im Metrum" eingebaut haben.

    Ist "Metrum" mehr als die Leinwand, auf die der Dichter seine Verse malt?, könnte meine Frage lauten. Will heissen: Zeigt dieses Sonett von Sh. nicht eben gerade, dass der grosse Meister den 5-hebigen Iambus im Interesse der Variation auch mal durchbrach? (oder anders: auf die Leinwand seine Pinselstriche nach eigenem ästhetischem Empfinden setzte.) Oder ist es vielleicht so, dass der Meister Sh. ein Verständnis von "Betonung" hatte, welches mir schlicht nicht gegeben ist? Und was denn für eines? Oder haben damals nicht Betonungen, sondern vielleicht die Silbenqualität eine Rolle gespielt?

    Unten nun das Sonett mit Fettschriftmarkierung jener Zeilen, welche mMn klar das Metrum brechen. (an anderen Stellen, wo mMn nicht wirklich ein Verstoss gegen das Metrum vorliegt, habe ich nur Klammern gesetzt).
    Wäre toll, wenn ich eure Meinung erfahren dürfte.
    wilma27

    1 When I doe count the clock that tels the time,
    XxxXxXxXxX

    2 And see the braue day sunck in hidious night,
    xXxXXXxXxxX

    3 When I behold the violet past prime,
    XxxXxXxxxX

    4 And sable curls or siluer'd ore with white:
    xXxXxXx(x)XxX
    5 When lofty trees I see barren of leaues,
    XXxXxXX(x)xX

    6 Which erst from heat did canopie the herd
    xXxXxXxxxX

    7 And Summers greene all girded vp in sheaues
    xXxXxXxXxX

    8 Borne on the beare with white and bristly beard:
    XxxXxXxXxX
    9 Then of thy beauty do I question make
    XxxXx(X)xXxX

    10 That thou among the wastes of time must goe,
    xXxXxXxXxX

    11 Since sweets and beauties do them-selues forsake,
    xXxXx(X)xXxX

    12 And die as fast as they see others grow,
    xXxXx(X)xXxX
    13 And nothing gainst Times sieth can make defence
    xXxXXXxXxX

    14 Saue breed to braue him, when he takes thee hence.
    xXxXxXXXx(X)

  2. #2
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    "Der einzelne Vers darf alles".

    Es gibt die Größen "Metrum" und "Rhythmus". Das eine ist die dem jeweiligen Vers zugrundliegende Regel zur Verteilung der Silben in Bezug auf eine bestimmte Eigenschaft (Betonung / Nichtbetonung, Länge / Kürze ...), das andere ist die sprachliche Verwirklichung des Verses auf der Grundlage dieser Regel. Diese sprachliche Verwirklichung kann nun das Metrum erfüllen oder sich in Widerspruch zu ihm setzen. Beides geht; das Metrum ist eben nicht Gesetz, sondern Bezugsgröße.

    ferdi, allerherzlichsten Dank für deinen Beitrag und die zitierwürdigen Sätze.
    du erlaubst bitte, dass ich "andernorts" einen link setze.

    Vielleicht kann uns noch jemand auseinandersetzen, wie es zu den "Holperern" in Sh.s Sonett kommt, bzw. ob es überhaupt welche sind.

    Eine Frage noch: Von wem sin die Verse zu Dr.Stotzens Parkbesuch?

    Aufrichtigen Dank und
    schönen Gruss
    wilma27

    P.S. Habe mit Interesse und Genuss die ersten Lektionen deiner Versmacherschule hier gelesen.

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