1. #1
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    Strelizienflug



    Bild von Susan-ne Kuchenreuther

    Noch zeugt ein grüner Streifen von der Erde,
    der die bizarre Blüte doch entstammt.
    Nun ist sie aufgegangen und entflammt,
    und spreizt sich in exotischer Gebärde.

    Als zögen in den schwarzen Himmel Kähne
    und segelten in traumgeborner Pracht
    wie Feuerschmetterlinge durch die Nacht,
    ein jeder Flügel eine Farbfontäne.

    Vielleicht sind's Barken, die vor Waffen starren?
    Mit Schneiden, scharfen Spitzen voller Gift
    und einem Blau, das die gefriert, die's trifft
    und die, vor Schönheit außer sich, verharren.


    zweite Fassung

    Ein grüner Streifen noch zeugt von der Erde,
    der die bizarre Blüte doch entstammt.
    Nun ist sie aufgegangen und entflammt,
    und spreizt sich in exotischer Gebärde.

    Als zögen in den schwarzen Himmel Kähne
    und segelten in traumgeborner Pracht
    wie starre Feuerfalter durch die Nacht,
    ein jeder Flügel eine Farbfontäne.

    Vielleicht sind's Barken, die vor Waffen starren?
    Mit Schneiden, scharfen Spitzen voller Gift
    und einem Blau, das die gefriert, die's trifft
    und vor der Schönheit wie gebannt verharren.

    erste Fassung
    :

    Als zögen in den schwarzen Himmel Kähne
    und segelten in traumgeborner Pracht
    wie Feuerschmetterlinge durch die Nacht,
    ein jeder Flügel eine Farbfontäne.

    Vielleicht sind's Barken, die vor Waffen starren?
    Mit Schneiden, scharfen Spitzen voller Gift
    und einem Blau, das die gefriert, die's trifft,
    die vor der Schönheit wie gebannt verharren.

    Ein grüner Streifen noch zeugt von der Erde,
    der die bizarre Blüte doch entstammt.
    Nun ist sie aufgegangen und entflammt,
    und spreizt sich in exotischer Gebärde.
    Angehängte Grafiken Angehängte Grafiken  
    Geändert von Michael Domas (15.11.2015 um 17:40 Uhr) Grund: Kritik von wilma
    .................................................................................................... ...............................................................
    Am Do., 28.3., ist bei "poetry trifft Poesie" die Slammerin Elena Nern mein Gast, U20-NRW-Meisterin im Poetry-Slam 2018
    Köln, Zum Goldenen Bock, 19.30 Uhr.

  2. #2
    Kohlräble Guest
    Hallo Michael,

    gut war vor allen Dingen, dass dein Anhang nicht aufgeht. ICh konnte mit dem Begriff Strelizie nichts anfangen, aber nachdem ichs nachgeguckt habe, passt dein Text eins a. Das Problem wäre dann nur gewesen, dass mMn kein Gedicht mit einem guten Bild Schritt halten kann. So gefällt mir der Text fast rundum.

    und einem Blau, das die gefriert, die's trifft,
    die vor der Schönheit wie gebannt verharren.

    hier hätte ich es schöner gefunden wenn der letzte Satz nicht so nachklappert mit dem "verharren" oder wenn der Satz begründend weitergeführt würde , ...trifft/ so dass sie

    und vielleicht könntest du anstatt Feuerschmetterlinge Feuerfalter andenken und noch was dazu um die Zeile wieder zu komplettieren

    Feuerfalter in dem xx Nacht / durch den xx Nacht

    Die Schmetterlinge sind etwas behäbig finde ich.

    Aber schöner Text und interessante Blume

    qtr

  3. #3
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    Lieber Michael,

    gut, dass ich das zufällig gefunden habe - die Rubrik ist ein bisschen versteckt.

    Es gefällt mir sehr gut, Dein Gedicht auf dieses Strelizienfoto.
    Den Vorschlag von Kohlräbel "Feuerfalter" finde ich bedenkenswert und hier noch einer von mir:
    Stelle den dritten Vierzeiler an den Anfang, dann bewegt man sich von der Pflanze zur Bildbeschreibung und wird als Leser von Schönheit gebannt entlassen.
    Es gäbe dann eine Erweiterung der Wahrnehmung.

    Ich wusste nicht, dass Du auch mal so etwas schreibst. Mit Freude und Achtung gelesen und betrachtet.

    LG Okotadia

  4. #4
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    Liebe Okotadia,

    genau! So hab's ich gemacht und die Strophen umgestellt.

    Auch habe ich „Feuerschmetterling“ gegen „Feuerfalter“ getauscht, aber der freiwerdende Jambus hat mir einige Probleme gemacht. „grelle Feuerfalter“? Nä, dann wird's zu zuviel. Also „starre“.

    Ähnlich,
    lieb's Räble,
    bei dem „klapperndem“
    und einem Blau, das die gefriert, die's trifft,
    die vor der Schönheit wie gebannt verharren.

    habe ich den Relativsatz aufgelöst. „so dass“ ging metrisch nicht, aber „und“ ist auch besser.

    Dankeschön !

    Michael

  5. #5
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    hallo michael domas

    das (ich spreche von der "alten fassung") ist ein auf einen gegenstand fokussiertes, begeistertes, klangvolles Gedicht mit umarmenden reimen, wo die weiblichen kadenzen die männlichen in sich aufnehmen.
    eigentlich würde sich da schon fast die sonett-form aufdrängen. aber die genannten vorzüge kommen auch so vorzüglich zur geltung.

    es ist ein schwärmerisches gedicht und da passen auch nächtliche schiffe im konjunktiv imperfekt voll an den anfang. dennoch kann es für den leser passender sein, wenn die erdung durch die blüte am anfang steht wie in der neuen fassung. nachteil: das gedicht hört dann auf mit der todesstrophe, wo der schwärmer steif und starr zu eis gefriert. nachteil? muss nicht. kann auch sinn machen.

    die schwärmerei des nachtfalters für die feurigen schmetterlinge kriegt einen argen dämpfer, wenn die letzte zeile uns ein x für ein r vormacht und aus der "erotischen Gebärde" des spreizens eine "exotische gebärde" macht. das ist allzu durchsichtig und auch unpassend, denn in einer solchen blumenmetapher kann es nicht und tat es noch nie um exotik gehen.

    ändern wir das x in ein r, wie es angesagt ist, können wir auch die "traumgeborne pracht" stehen lassen. im sinne von: lassen wir dem nachtschwärmer doch, wenn er schon zu eis erstarren muss, obwohl er von anderem träumt, den traum. bleibt es beim x, dann ist die "traumgeborne" eine eher "schaumgeborne zeile".

    in s2v4 ginge vielleicht "und die von Schönheit festgebannt verharren"?

    in s3v1 stört mich die lyrische satzstellung, vor allem, wenn sie zur anfangszeile des gedichtes wird.
    "Ein grüner Streifen zeugt noch von der Erde" / "Ein Streifen Grün erinnert an die Erde" / "Ein sattes Grün erinnert an die Erde"
    ("Grün" als Substantiv ginge mMn auch gut mit dem späteren (oder vorangegangenen) "Blau" gut zusammen.)

    zur neuen fassung:
    gegen die schmetterlinge spricht in meinen augen (und ohren) nicht viel bis gar nichts. sollen wir denn von jetzt an sagen: "ich habe falter im bauch", wenn wir "gebannt verharren"? und was soll das grässliche "starr" vor den faltern? es vernichtet mit fünf buchstaben die leistung der fotografin, kehrt sie gar um! und ausserdem wiederholt sich das "starr" zwei zeilen später.

    das "die, die, die" fällt auf. das zweite und das dritte "die" leiten parallel nebensätze ein, welche weder grammatikalisch noch semantisch wirklich parallel laufen. aber ein zweifaches "und, und" macht es nicht besser, umso mehr, als die und-verbindung der erwähnten nebensätze grammatikalisch absolut falsch ist.

    fazit:
    umstellung der strophen gemäss neuer fassung macht sinn (jedenfalls nicht weniger, als die alte).
    übrige änderungen in fassung zwei sind m.e. verschlechterungen.
    dazu einige stellen, welche mMn runder gestaltet werden können, wenn du nur meiner meinung folgst...

    LG wilma27

  6. #6
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    erotisch exotisch

    Liebe wilma27,

    nun bin ich, oder sind doch wenigstens meine Gedichte auch heftigerer Erotik nicht abgeneigt, aber vor diesen Strelizien fürchtete ich mich, „traumgeboren“ kann auch einen Albtraum meinen. Werden nicht auch Blumen so oft mit dem Beiwort „exotisch“ belegt wie nichts sonst (außer Vögeln vielleicht).

    Danke aber für den Hinweis auf die Wiederholung „starr“ - „starren“, huch. Wie das so ist, wenn man in einem Gedicht ein Problem behebt und dadurch ein anderes schafft, zurück also zu den Schmetterlingen.

    Auch bezüglich der „lyrischen satzstellung“ hast du Recht, ich ändere in noch zeugt ein grüner Streifen von der Erde. Das „noch“ ist mir wichtig, auch wenn ich dann auf die schöne substantivische Gegenüberstellung von Grün und Blau verzichte.

    Die Probleme der „grammatikalisch absolut falschen“ (Ja, wieder huch) Schlusszeilen haben es in sich.
    Mir fällt auch nichts besseres ein als Dein Vorschlag: „und die von Schönheit festgebannt verharren“, schade, dass „überwältigt“ nicht ins Versmaß passt.

    Was hältst du denn von : Vor soviel Schönheit werden wir zu Narren.?

    Danke für Deine Einfühlung und die Detailarbeit.

    Michael

    15.11.15
    die letzte Zeile

    Lieber Matthias,

    „und die von Schönheit festgebannt verharren“ schien mir dann doch zu pleonastisch.
    "und die von Schönheit tief bestürzt verharren"? Da fehlt der Artikel.
    Entschieden habe ich mich, auch um das schiefe "von" loszuwerden für:
    und die, vor Schönheit außer sich, verharren
    .

    Schwere Geburt

    M.
    Geändert von Michael Domas (15.11.2015 um 17:44 Uhr)

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