Thema: Oktober 2015

  1. #1
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    Oktober 2015

    Immer wieder Herbstgedanken...

    In leuchtenden Farben ertrinken,
    im satten Goldgelb, rotbraun versinken.
    Im langen Licht mit dem Wind tanzen…

    Die tiefen Schatten sind Lanzen,
    sie winken nicht, sind dunkle Narben
    im alten Gesicht des Seins...

    Schwarz, mächtig und ruhig stehen
    die starken Stämme der Bäume,
    bewachen die Barken des Todes und sehen
    immer noch in uralte Träume...

    Wie ein feuchtes Tuch kriecht Nebel über Räume,
    bedeckt den seichten Fluch des Anscheins,
    versteckt was wir einst hatten und was wir nun sind:
    nur noch ein Schatten des alten Menschseins,
    warten wir wieder auf Rettung durch ein Kind

    Oktober 2015

    Im satten Goldgelb versinken-
    den Rausch der Farben
    gierig trinken.-
    Mit Winden tanzen
    im langen Licht.

    Schattenwächter tragen
    lichtlose Lanzen,-
    sind wie Narben
    Im Angesicht
    des Seins.

    Knorrig ragen
    die starken
    Stämme der Bäume
    vom Grund empor.
    Sie bleiben, bestehen,
    bewachen die Barken
    der Toten, sind Tor
    und sehen
    in uralte Träume...


    Ein feuchtes Tuch
    kriecht über Räume,
    bedeckt grau den Fluch
    des Anscheins,
    versteckt was wir hatten
    und was wir nun sind:
    farblose Schatten
    des Menschseins,
    wartend und blind
    auf das leuchtende Kind…
    Geändert von macin (06.12.2015 um 09:03 Uhr)

  2. #2
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    Hallo Ferdi,
    Danke für die Kritik und die Anregungen, ich habe mal versucht einiges davon umzusetzen:

    Goldener Regen, schweben zum Grund
    sanftes Bewegen, ein Lachen im Mund.
    Im langen Licht mit der Windboe tanzen,-
    Schatten als Wächter mit scharfen Lanzen.
    Sie winken nicht, sind dunkle Narben
    im wilden Gesicht aus leuchtenden Farben.

    Mächtig und ruhig stehen
    schwarze Stämme von Bäumen.
    Ihre Formen: Tuschezeichen
    lehren ein neues Sehen,
    verführen zu uralten Träumen
    die bis in den Himmel reichen.

    Ein feuchtes Tuch,
    Nebel kriecht über Räumen,
    bedeckt seichten Fluch
    von Anschein,
    versteckt was wir hatten
    und noch sind:
    nur ein Schatten
    vom Menschsein
    warten wir wieder aufs Träumen
    oder auf Rettung durch ein Kind?!

    Also soweit der neue Versuch...

    LG
    macin
    Geändert von macin (31.10.2015 um 19:19 Uhr)

  3. #3
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    Hallo Ferdi,
    Danke zunächst für den ausführlichen Kommentar und die Auseinandersetzung mit dem Gedicht. Ich arbeitete gestern nacht und heute morgen an einer neuen Fassung und es entstand dabei noch ein neues Gedicht. Allerdings habe ich auch dieses weiter bearbeitet:

    In leuchtenden Farben ertrinken
    Im satten Goldgelb, rotbraun versinken
    Im langen Licht mit Winden tanzen…

    Schattenwächter tragen Lanzen
    winken nicht, sind dunkle Narben
    Im alten Angesicht des Seins.

    Die wuchtigen und starken Stämme der Bäume,
    die dort so ruhig stehen, bewachen die Barken
    des Todes und sehen uralte Träume.

    Ein feuchtes Tuch, Nebel kriecht über Räume,
    bedeckt seichten Fluch des Anscheins,
    versteckt was wir hatten und was wir sind:
    nur noch ein Schatten des Menschseins,
    warten wir wieder auf Rettung durch ein Kind?!…

    Vieles von dem, was Dir aufstößt, ist mir bewußt und Absicht. Der Anlass für dieses Gedicht war das erneute Erleben dieser Farbwucht, in der ich tatsächlich fast ertrinke, für mich eine Form der Realität, kein Bild! Gleichzeitig wollte ich vermitteln, dass die Endlichkeit eine immer existenzielle Dimension hat: eins der Kinder, mit denen ich arbeite, erlebte das heuer so stark, dass er alle Blätter "retten" wollte und schrecklich weinen mußte, weil diese Aufgabe nicht möglich war- er sah die Schönheit der bunten Blätter, die Einmaligkeit jedes einzelnen...wir belächeln das als naiv und unerfahren, aber für den Kleinen war es sehr ernst, eben existenziell, seine Gefühle waren stark und echt!!!
    Die Frage von Form und Inhalt ist auch immer schwierig, weil sie von Geschmack, Können; Wissen/Bewußtsein usw. abhängt. Ich versuche in Gedichten Bild, Klang und Form in für mich stimmige Werke zu vereinen, die Binnenreime/Klänge gehören für mich dazu, weil das für mich Lautmalerei ist (mit einem Hang zum Überteiben)...und dennoch bin ich dankbar für Feedback und Kritik und so ganz stimmig ist es für mich auch noch nicht.
    LG
    macin
    Geändert von macin (01.11.2015 um 19:46 Uhr)

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