1. #1
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    Freunde

    ein leiser ort, es ist schon Herbst
    die welt in bunten farben
    mein blick sich langsam abwärts neigt
    den hier liegst du begraben

    grau der stein
    bestellt von deinen lieben
    den ort markiert wo all das liegt
    was von dir geblieben

    schweif in gedanken, weit zurück
    an jahre, an tage, an stunden voll glück
    das, kann man nicht unter steinen begraben
    es braucht keinen ort, um Dich bei mir zu tragen
    Geändert von Galaga (12.12.2015 um 19:00 Uhr) Grund: verbesserungs versuchl

  2. #2
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    Hallo Galaga,

    Der Tod und die damit verbundenen Gefühle, Rituale und Begegnungen berühren wohl die meisten Leser irgendwie. Dein Gedicht strahlt von den Worten her durchaus die nötige Ruhe aus!

    Allerdings macht die Gedichteform (und hier speziell der Rhythmus, andere nennen es auch Metrik) vieles wieder kaputt.

    1. Du hast ein sogenanntes Langzeilengedicht geschrieben mit 5- 7 Hebungen. Das strengt mMn den normalen Leser an, der im Prinzip eher an 4-5 Hebungen gewöhnt ist. Die ersten Verse könnte man noch dieser Gewohnheit anpassen. Aber dann kommen die Verse mit den 5 oder 6 Hebungen und nichts geht mehr.

    2. Gerade elegische Verse streben mMn nach einem ruhigen, gleichmäßigen Rhythmus. Man nennt ihn auch alternierend. In diesem Falle hier wechselt das Versmaß allerdings ständig zwischen jambisch (xX) und trochäisch (Xx). Zwischen durch kommt auch mal ein Hebungsprall oder ein daktylischer Versfuss (rot markiert). Also für MEIN Gefühl viel metrische Unruhe in der Form.


    Ein leiser Ort, es ist schon Herbst, die Welt in bunten Farben.... (7 Hebungen) [Jambisch]
    Mein Blick sich langsam abwärts neigt, den(n)* hier liegst Du begraben.... (7) [J]

    Grau der Stein, gestellt von deinen Lieben.... (5) [trochäisch]
    Markiert den Ort wo all das liegt, was von dir geblieben.... (7) [J]

    Stell mir vor Jemand käm vorbei und würd mich nach Dir fragen:... (8) [T]
    "Kannten sie den jungen Mann?" ...(6) [T]

    "So war es wohl", hör ich mich leise sagen....(5) [J]
    "Wir kannten uns sehr lange schon, seid frühesten Kindertagen"... (7) [J]

    Ruh Dich wieder aus, ich gehe nun. (5) [T]
    Brauch kein Stein und keinen Ort, um Dich bei mir zu tragen... (7) [T]

    Gut, ich weiß nicht, mit welchen Ansprüchen du hier postest. Würde sagen, von der Form hat dein Gedicht noch einige Reserven.







  3. #3
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    Hallo Artname,

    Vielen Dank erstmal für die sehr ausführliche und hilfreiche Kritik.
    Wie es scheint bin ich das ganze wohl sehr Naiv angegangen.

    Mein Anspruch ist sicher nicht sehr hoch, vielmehr suche ich eine Form meinen Gedanken und Gefühlen ausdruck zu verleihen.
    Ob das der richtige weg ist muss sich wohl erst noch zeigen.

    Mir war gar nicht bewusst das es so viele Formen und Grundregeln zum schreiben eines Gedichtes gibt.
    Daher nochmal doppelten Dank für die Mühe!

    Werde wohl noch sehr viel lesen müssen! (kein freestyle Tango mehr mit dem Bleistift auf dem Blatt Papier )

  4. #4
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    Hallo Galaga,

    ich verstehe dich schon.

    Mit dem Dichten ist es vielleicht wie man dem Bergsteigen. Jeder Gipfel bietet einen schönen Blick ins Tal. Und dennoch zieht es bestimmte Menschen immer höher...

    Alles Gute

  5. #5
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    Hallo Galaga

    Auch mir ist das Ding mit der Metrik aufgefallen, aber das hat Artname sehr schön erklärt und dargestellt, da will und kann ich nichts mehr hinzufügen, weil ich metrisch nicht wirklich Ahnung habe

    Ebenso wie Artname hatte ich die Idee, die Verse zu teilen, sodass du nicht mehr Strophen zu je zwei Versen, sondern zu je vier Versen hast. Funktioniert leider nur mit den ersten beiden Versen, da ab V3 sich die Silbenanzahl ändert, was aber auch schon von Artname angesprochen wurde.

    Mich hat am meisten gestört, dass du anfangs einen sehr schönen Paarreim gewählt hast, den ich selbst als halben Kreuzreim (a-b-c-b) gelesen habe (durch die Idee der Versteilung ).
    Leider ziehst du das nur in den ersten beiden Strophen durch. In Strophe 3 gibt es keinen Endreim mehr, ebenso wie in Strophe 5, stattdessen reimen sich die komplette 4. Strophe (die in sich wieder einen Paarreim beinhaltet) und der zweite Vers der 5. Strophe auf den ersten Vers von Strophe 3.
    Also sieht dein Reimschema wie folgt aus:
    1. Strophe: a-a
    2. Strophe: b-b
    3. Strophe: c-d
    4. Strophe: c-c
    5. Strophe: e-c
    Das ist wirklich schade, weil so auch die Stimmung durcheinander kommt, da man es nicht mehr so flüssig lesen kann wie am Anfang (abgesehen vom Metrum).

    Leider fallen mir jetzt spontan auch keine Synonyme ein, sodass es wieder mit dem Paarreim passt, ohne die Intention zu sehr zu verändern.

    Aber du könntest versuchen, das ganze noch einmal komplett reimlos aufs Papier zu bringen

    Viele Grüße und ein kräftiges Miau,

    Thrillermietze

  6. #6
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    Mir war gar nicht bewusst das es so viele Formen und Grundregeln zum schreiben eines Gedichtes gibt
    Ja, tatsächlich haben Dichter über Jahrhunderte viele Formen und Regeln erfunden. Als ich jünger war, fand ich das mindestens miefig. Aber mit den Jahren fand ich (für mich) heraus, dass der Mensch umgekehrt leider nichts mit einer "absoluten" Freiheit anfangen kann. Wenn er alles darf, wozu soll er sich dann noch anstrengen?!

    Der sogenannte frei Vers liest sich (für mich) oft langweilig. Aus lauter Jux und Tollerei klingt vieles künstlich, verrätselt oder wenigstens unnachvollziehbar, willkürlich. Selten jedoch wirklich witzig.

    Denn Witziges oder Gewitztes leben davon, eine Erwartungshaltung aufzubauen, die man dann eben NICHT bedient! Ein alternierendes Versmaß, ein Reimwort oder eine Sonettform erzwingen zweierlei:

    2. Der Dichter muss 1x, 2x, 10x überlegen, bis es passt. Auf diese Weise kommt er womöglich drauf, dass der erste Gedanke nicht zwingend der Beste ist.
    1. Erwartungen langweilen, wenn sie eintreten. Unterschwellig sucht jeder Dichter, den primitivsten Erwartungen eines Reimes ein Schnippchen zu schlagen. Kleine Regelverstöße erhöhen die Spielfreude.

    Meine falsche Nummerierung lenkt ab, stört auffällig? - Sehr schön. Mehr wollte ich gar nicht sagen.

    Nur ist ist es eben Regelverstoß nicht gleich Regelverstoß. Als Pointe der Idealfall, als Dauerfall eher ein Reinfall.
    Geändert von Artname (29.11.2015 um 13:30 Uhr)

  7. #7
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    Hallo Thrillermietze,

    auch dir erstmal vielen dank für die sehr ausführliche Kritik!
    Ich weiß ich im Momment noch nicht wirklich wie ich das umsetzen kann, verstehe was ihr mir sagen wollt, leider mangelt es noch an erfahrung.

    Dieses erste Gedicht (oder wie man es auch nennen mag) zu schreiben war mir ein bedürfniss, lange habe ich etwas gesucht, um diesen innerem Gefühl ausdruck zu verleiehen.

    Ich muss sagen das ich darüber geschrieben hab, hat mir etwas Frieden verschafft.
    Ursprünglich war das Ganze deutlich umfangreicher und mit mehr Zeilen und Ausschmückungen versehen (Kindehitsanektoden usw.) aber ich wollte das auf ein minimum, den Kern reduzieren.

    Ich versuche da noch ein wenig dran zu arbeiten.

    Vielleicht habt ihr auch noch ein paar Tipps für etwas neuem an dem mir sehr viel liegt.
    Das sind nur so ein paar Gedankengänge an denen ich grad rumwurschtel:


    Depression

    Die guten Gedanken beschranken,
    mich suhlen in Mitleidskuhlen.
    Rettungsringe verwerfen,
    Fluchtwege verminen.
    Die Aussicht verhängen, Lösungen verdrängen.

    Aufstehen, vorwärts gehen.
    Mich erheben, etwas erleben.
    Nur einen Augenblick, lass mich kurz sammeln.
    Gute vorsätze stammeln.
    Kurz zurücklehnen um zu erwähnen,
    was hinderlich sein kann.

  8. #8
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    Hallo, Galaga,

    Tod und Wachstum liegen dicht beieinander. Immer wenn etwas stirbt, muss etwas wachsen, und sei es Mut.

    Dein Text steht im Arbeitszimmer, und mein erster Rat wäre: ein Titel... sonst denkt man, es sei der Titel

    Das zweite, was ich an deiner Stelle ganz ratzefix aus der Welt räumen würde, sind Schreibfehler: "denn" in Zeile 2, ein fehlendes Komma in Zeile 5, sowie auch dort "jemand" (klein), "seit" in Zeile 8, "keinen" in Zeile 10.

    Jetzt, wo das erledigt ist: Ich stimme einigem, was meine Vorredner gesagt haben, zu. Manches sehe ich ein wenig anders. Ich spüre, dass du bereits ein gutes Gefühl für die Lyrik mitbringst. Daher wollte ich hier zusätzlich erklären, wozu diese Analysen gut sind, welche Probleme man damit aufdeckt, und auch mal auf den Inhalt schauen.


    Strophe 1

    Die ist dir gut gelungen. Ich würde zu Artname ergänzen, dass diese Strophe überwiegend "steigenden" (jambischen) Charakter hat, nämlich durch:
    ein lei-
    es ist
    schon Herbst
    die Welt
    mein Blick
    sich lang-
    denn hier
    liegst du
    begraben

    [Du siehst, hier steigt es von unbetont nach betont.]

    ...aber es gibt auch "fallende" (trochäische) Momente, nämlich bei
    leiser
    bunten
    Farben
    langsam
    abwärts

    [Zweisilbige Wörter, die betont anfangen, und dann fallen.]

    Es existieren also mehr jambische als trochäische Momente, daher überwiegt der jambische Eindruck, und so stimmt Artnames Einschätzung beinahe. Dieser Wechsel findet jedoch fast unmerklich statt, und es ist nicht so, dass hier (wenn Hebungen und Senkungen wie Wellen aussehen) Wellen gegeneinander schlagen und sich ausbremsen würden. Nein, es fließt schon, und ich finde, dieser subtile Wechsel passt gut zu dem, was Artname "elegisch" genannt hat - eine relativ konstante, wenig aufgewühlte Wellenbewegung, die aber doch eine leichte, kaum wahrnehmbare Spannung aufweist, wie eine Flussfahrt in den Hades. Ich wollte dir nur helfen zu verstehen, was mit den Begriffen gemeint war. Diese Analyse hilft noch nicht viel, aber es ist ein Werkzeug, um Probleme ausfindig zu machen.

    Ich schließe mich Thrillermietze an, dass diese Strophe sich deutlich nach vier Versen anhört. Hier veranschaulicht:

    Ein leiser Ort, es ist schon Herbst, (4) X
    die Welt in bunten Farben. (3) Xx
    Mein Blick sich langsam abwärts neigt, (4) X
    denn hier liegst Du begraben. (3) Xx

    Die Gleichmäßigkeit ist gegeben, immer wechseln 4-hebige und 3-hebige Verse, auch ein Wechsel sogenannter männlicher (X) und weiblicher (Xx) Vers-Endungen. Hier spielt nur der Reim nicht ganz mit, aber den braucht man ja nicht zwangsweise.

    Mir fällt sprachlich/inhaltlich auf:
    "ein leiser Ort". - das Wort "leise" wird uns später noch einmal begegnen.
    "Es ist schon Herbst." - okay, das passt ja.
    "Die Welt in bunten Farben." - nun, das ist nicht sehr poetisch: "in bunten Farben". Eben hast du schon "Herbst" gesagt. In meinem letzten Gedicht habe ich etwas ähnliches sagen wollen, und habe mich dort entschieden, es bei dem reduzierten Ausdruck "Zeit der Farben" zu belassen, denn "bunte Blätter", "Farbenpracht" etc. sind einfach zu abgenutzt und ergeben leider kein interessantes, die Sinne beschlagnahmendes Gedicht. Dann lieber die Idee kürzer fassen und den Effekt woanders rausholen. (außerdem hatte "Farben" bei mir noch eine 2. Bedeutung, das verbesserte die Lage. Zusätzlich hatte ich das Geschehen ans Ende des Sommers gelegt, nicht ganz in den Herbst. Bloß nicht ins Klischee! Herbst und Sterben ----aaaaahhhhhh)
    "Mein Blick sich langsam abwärts neigt" - hier passt eben gut, dass es trochäisch (fallend) wird. Aber das sind nur Details. alles in Ordnung

    Fazit:
    Ich habe versucht zu zeigen, warum ich finde, dass die erste Strophe ihre Aufgabe gut erfüllt. DU kannst mit diesen Werkzeugen versuchen, die anderen Strophen zu begutachten.


    Strophe 2 ist z. B. viel schwerer in vier Verse zu gliedern:

    Grau der Stein, (2) X
    gestellt von deinen Lieben (3) Xx
    Markiert den Ort, wo all das liegt (4) X
    was von dir geblieben (3)* Xx *oder (2), wenn man "was von" schnell und unbetont liest

    Man sieht sofort, dass im ersten Vers, verglichen mit Strophe 1, Silben fehlen. Das ist jetzt keine feste Regel, aber eine gute Empfehlung. Der Vorteil ist, dass sich der Leser besser in deinem Gedicht zurechtfindet, und mit an diesem Ort weilen kann. Strohe 1 gibt sozusagen den Ton an (=Exposition), da sollten die anderen Strophen bei dieser Art von Text mitziehen.

    Auch das "was von" irritiert. Bisher habe ich nur von Vers-Enden gesprochen, aber die Versanfänge sind noch wichtiger, mit ihnen beginnt das Auge die neue Zeile, und wenn es da gestört wird, ist der Vers ne Rutschpartie. In der ersten Strophe begannen alle Verse unbetont, also wäre es hilfreich, das weiterzuführen. Um Ärger bei den Wellenbewegungen zu vermeiden, hilft z. B. "was noch von dir geblieben", aber schön ist dieses "noch" nicht.

    Inhalt:
    "grau" - steht für Hoffnungslosigkeit
    "Lieben" - ein guter Kontrast
    "gestellt" - ich glaube, hier klingt eine unbeabsichtigte Nebenbedeutung an: "gestellt" wie "bezahlt" ("Das Schild wurde uns von Firma Reibach gestellt.") Vielleicht besser "aufgestellt"? - Aber halt! Dann gibt es eine Hebung zu viel! Hm...
    "von dir geblieben" - die sterblichen Überreste also... hm, das reicht noch nicht... hier fehlt etwas Intensiveres, denn wir reden hier von den Knochen, Würmern, Humus! Das ist doch tragisch und elend! Hier könnte (sollte?) man die elegische Gleichmäßigkeit ruhig mal unterbrechen.


    Strophe 3

    Bitte versuch selbst, daraus 4 Verse zu machen. Du wirst sehen, dass das Konzept aus Strophe 1 jetzt kaum noch greift. Du hast es aus dem Blick verloren. Eventuell lassen sich aus deinen 5 Strophen a 2 Zeilen ja auch 4 Strophen a 4 Zeilen zimmern - aber manche Zeilen würdest du umschreiben oder etwas hinzuzufügen müssen, ohne würde es nicht gehen.

    Inhalt:
    "Stell mir vor, jemand käm vorbei" - warum muss man sich das vorstellen? Weil sonst niemand fragt? Weil es sonst keinen interessiert? Diese Fragen türmen sich hier auf, und es ist entweder eine nicht so gute Idee, diese Vorstellung, oder man geht auf diese Fragen noch mehr ein.


    Strophe 4

    Inhalt:
    "leise sagen" - Ach, warum leise - das ist interessant. Als wäre da ein Zweifel. Wie gut hat man sich wirklich gekannt? Nach dem Tod ist es zu spät, das zu ändern. Mir gefällt, dass es so eine unsichere Antwort ist...
    "seit frühsten Kindertagen" ... aber hier wird diese Unsicherheit wieder mit einer Zeitangabe hintertrieben. Finde ich etwas unglücklich, es klingt wie Prahlerei (So lange kannten wir uns! Und all die Abenteuer! Niemand sonst war so dick miteinander!) Immerhin lässt sich ahnen, dass es wohl ein lebenslanger Freund oder ein Geschwisterchen war, was unter dem Stein liegt.


    Strophe 5

    Inhalt:
    "Ruh dich wieder aus" - UUUUUPSS! im Kontext, dass da jemand gerade tot ist, finde ich das schon zynisch. Jedenfalls unangemessen gegenüber einem Freund, oder?
    "brauch keinen Stein...." - Als Ende geeignet - vielleicht noch ein bisschen poetischer?


    Galaga, was das Inhaltliche angeht, habe ich hier und da Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Gedichts, denn manches, was da steht, wird dem Thema nicht gerecht oder geht zu leichtfertig damit um, und beißt sich damit auch mit dem Ton des Gedichts. Außerdem blieben ein paar Gelegenheiten ungenutzt, das Thema zu vertiefen bzw. ihm einen besonderen, persönlichen Anstrich zu geben. Der einzige persönliche Moment ist das Wort von den "Kindertagen", aber ich finde, das reicht nicht, wenn dir das Thema wirklich nahe geht.

    Aber ich wiederhole auch, dass du ein Grundgespür für Aussagen und Rhythmus hast und mit geschärfter Aufmerksamkeit einiges Lesenswertes schreiben kannst. Für den Moment reicht es noch nicht bis ganz ins Ohr hinein, noch nicht bis ganz ans Herz.


    Liebe Grüße

    PS: Für den neuen Text wäre ein neuer Faden im Arbeitszimmer besser. Sonst kommen wir hier nur durcheinander Aber das sieht schon interessant aus!
    Geändert von fatcat (05.12.2015 um 20:17 Uhr) Grund: typo
    fatcat's Zahmlose
    Es ist etwas an meinem Wort
    dran, das sticht.

    Tippsen: \_anamolie_/\_Flamme_/\_Anti Chris._/ ~ Bewegungsschule(fit for fun) ~

  9. #9
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    Hallo fatcat,

    Auch dir erst mal vielen Dank, für die sehr ausführliche und hilfreiche Kritik!

    Langsam beginne ich zu verstehen was ihr mir sagen wollt.
    Nur weil sich etwas reimt, ist es noch lange kein Gedicht.

    Habe viel hier im Forum gelesen, leider hat mich auch vieles verschreckt, die ganzen Fremdworte, formen usw.
    Du hast das sehr verständlich erklärt!
    Wenn ich heute ein Gedicht lese, dann mit ganz anderen Augen.

    Was mein kleines "Werk" angeht, möchte ich versuchen meine Gedankengänge ein wenig zu beleuchten.

    Zuerst einmal beruht das Gedicht auf einer wahren Begebenheit, ein sehr guter Freund von mir ist in jungen Jahren bei einem Motorrad Unfall ums Leben gekommen.

    Wir kannten uns seid wir 3 Jahre alt waren.
    Leider hatten wir uns zum Zeitpunkt des Unfalls schon eine weile nicht gesehen, so das es mir vorkam als hätte ich die Chance verpasst noch einmal mit ihm zu reden.

    Es ist ein kleiner Friedhof, ländlich gelegen, zwei Seiten grenzen an einen Wald.

    |Ein leiser Ort, da man auf einem Friedhof eher andächtig ist (Still wollte ich nicht schreiben, das es der Situation nicht gerecht schien und ausserdem eine gewisse verwechslungsgefahr birgt)

    Als ich ihn vor Jahren das letzte mal dort besucht habe, war es Oktober (sein Geburtsmonat).

    |Daher der Herbst

    Ich stand also dort, blickte mich um und sah die vielen bunten Bäume.
    Irgenwie erschien es mir surreal, das helle Licht (es war ein recht schöner Tag), die Farben und dazu der Ort an dem ich mich befand.

    Mein Blick fiel also auf das Grab und ich konnte mir nur schwer vorstellen, das hier die sterblichen Überreste von demjenigen liegen sollen, den ich so gut gekannt habe.
    Nur der Graue Grabstein mit seiner Inschrift wies darauf hin.

    Jetzt kommt der einzig erfundene teil, das ich mir vorstelle Jemand würde mich nach der Person fragen die dort liegt.

    |So wollte ich den Bogen spannen wer denn dort überhaubt liegt, was mir im Nachhinein auch nicht mehr sonderlich gefällt.
    Habe die Worte schon einige mal hin und hergedreht, was zugefügt oder weggelassen aber so richtig zufrieden war ich bisher noch nicht.


    Was das "Ruh dich wieder aus" angeht, so dachte ich eher and Frieden finden, ewige Ruhe, da ich sein Grab seid her nicht mehr besucht habe, was sich ja aus dem letzten Vers erklärt. (Das es zynisch klingen könnte war mir nicht bewusst)

    Ich hoffe ich konnte ein wenig licht in die Sache bringen.

    Momentan blockiert sich das schreiben bei mir ein wenig, da mir klar geworden ist das es dazu wohl doch deutlich mehr braucht, als einfach nur seine Gedanken zu Papier bringen.

    Lieben Gruß zurück.

  10. #10
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    Hallo, Galaga.

    Es tut mir sehr leid, was deinem Freund passiert ist, und auch wegen dir, niemand sollte das erleben müssen. Zum Glück habe ich nie diese Erfahrung gemacht, aber zumindest, dass man keine Gelegenheit hat, sich voneinander zu verabschieden, das kenne ich gut. Es ist eine Qual, und man muss aus ihr wachsen.

    Ich finde es toll, dass du dich mit den Kommentaren auseinandersetzt, denn das ist erstmal etwas schwierig. Fremdworte machen es nicht einfacher, das stimmt. Und dass es mir gelungen ist, etwas aufzuklären, freut mich. Doch lass dich nicht davon blockieren!!! Im Gegenteil:

    Ich verstehe alles, was dich zu diesem Gedicht motiviert hat, und die Dinge und Gefühle, die du zeigen möchtest. Niemals wollte ich ausdrücken, dass es ein Fehler war, das so aufzuschreiben. Nein, es ist nur jetzt ein Moment entstanden, wo du dich für die Lyrik aus Ausdrucksmittel, das auch fremde Leser hat, bekennen und dich ihr noch weiter hingeben könntest. Das ist dieser Moment.

    Ich hab gesehen, dass du viele Vorschläge umgesetzt hast, und auch die Form verändert: schon optisch wirkt das geschlossener, und ich werde mich nicht über die Kleinschreibung aufregen. Es ist sogar deutlich kürzer geworden, und zu dieser Entscheidung möchte ich dir gratulieren Es gehört einige Überwindung und Aufrichtigkeit dazu, Zeilen und Ideen zu streichen. Das beweist, dass du nicht zu stolz bist, um etwas Schönes zu erschaffen in meiner Anfangszeit hätte ich das nicht hingekriegt, ich war zu stolz...

    Doch, du gibst dich der Sache hin, und es hat schon gewonnen, durch deine Veränderungen. Strophe 3 funktioniert viel besser als die Passagen zuvor. Aber ist es wirklich bereits in allen Punkten das, was in dir vorgegangen ist, und was du zeigen möchtest? Zum Beispiel die "bestellt von den Lieben", das wirkt immer noch fremd. Angeregt von deiner Schilderung oben, habe ich noch ein paar Überlegungen für dich (ich hoffe, du hast noch etwas Lust?):

    Nimm, was du mir gerade in deiner Antwort erzählt hast: Deine Bilder sind deutlicher, die Zusammenhänge werden klarer, und die Wortwahl regt an!

    Es ist ein kleiner Friedhof, ländlich gelegen, zwei Seiten grenzen an einen Wald.
    Wenn dieses Szenario wichtig ist, verwende es, male es. Denn mancher Leser kann dieses Setting gut in Verbindung zum Thema setzen, z. B. dass der Tod ebenfalls an 2 Seiten grenzt, nämlich vor und nach dem Leben... dann ist dieser Wald etwas Kostbares und hat etwas Verwunschenes, Zauberhaftes, Unwirkliches.

    Irgendwie erschien es mir surreal, das helle Licht (es war ein recht schöner Tag), die Farben und dazu der Ort an dem ich mich befand.
    Genau! Das ist ein guter Start, ein toller Moment! Aber genauer: was für Gefühle?! Finde Bilder/Vergleiche dafür, bei denen du den Eindruck hast: Genau so war das! So muss man sich das vorstellen! Ich will dir da nicht mit Beispielen reinreden, denn das zentrale Bild muss von dir kommen - oder kam es etwa schon?

    ich konnte mir nur schwer vorstellen, das hier die sterblichen Überreste von demjenigen liegen sollen
    Ach so, also ging es dir um das Unverständliche, Unwirkliche der Situation... ahhh, das kam bei mir erst nicht rüber. Ich vermute, das ist das eigentliche Thema des Gedichts, denn die surreal-wohlige Stimmung inmitten des Friedhofs geht in ähnliche Richtung. Dort den Blick drauf werfen!

    Ich hoffe, dass ich dich bestärken konnte, dass alles, was du für dieses Gedicht brauchst, bereits in dir liegt, aber dass es manchmal doch erst ausgegraben werden muss. Eventuell ist es ratsam, nur einen Aspekt zu behandeln: z. B. alles, was mit dem "Unwirklichen" der Situation zusammenhängt, und sich erstmal darauf zu konzentrieren. Wenn andere Aspekte ebenfalls gut angeschlossen werden können, dann wäre das natürlich toll, aber lieber erstmal klein denken, das hilft bei Gedichten sehr!

    Die angesprochene Reue z. B.:
    so das es mir vorkam als hätte ich die Chance verpasst noch einmal mit ihm zu reden.
    Das Gefühl, wenn es hier noch Platz findet, muss unbedingt verbildlicht werden! Nein, muss natürlich nicht, aber ich sehe das kommen. Was in deiner ersten Fassung in die Richtung ging, war das leise Antworten, weil darin (für mich) so ein Zweifel steckte. Ist jetzt wieder verschwunden, aber naja.... es gibt andere Möglichkeiten. Und andere Gedichte.


    Abschließend zu den übrigen Punkten:

    das ich mir vorstelle Jemand würde mich nach der Person fragen die dort liegt.
    |So wollte ich den Bogen spannen wer denn dort überhaubt liegt, was mir im Nachhinein auch nicht mehr sonderlich gefällt.
    Habe die Worte schon einige mal hin und hergedreht, was zugefügt oder weggelassen aber so richtig zufrieden war ich bisher noch nicht.
    Das ist ein gutes Zeichen dafür, dass es eigentlich nicht da hingehört. Denn dafür braucht man keine zusätzlichen Figuren, die sonst keine Rolle spielen. So eine "erzählerische Krücke", um Informationen zu übermitteln, ist allgemein nicht so gut, aber in Gedichten besonders verpönt. Hier ist der Raum einfach zu knapp für solche Behelfsmittel. Das Streichen des Moments mit dem Passanten war eine gute Entscheidung, die Entscheidung eines Profis! Und was die Genauigkeit der Beziehung angeht: Entweder ist es nicht so wichtig, und man lässt es dem Leser offen, wer dort liegt - oder die Freundschaft wird durch die Art der Sprache deutlich - und/oder man gibt ein Beispiel, das möglichst gut erahnen lässt, wie tief die Beziehung (früher) war.

    Als ich ihn vor Jahren das letzte mal dort besucht habe, war es Oktober (sein Geburtsmonat). Daher der Herbst
    Ja... natürlich, da kann man nichts machen. Ich habe da etwas übertrieben. Man kann ja schlecht die Jahreszeiten meiden, bloß weil damit bestimmte Vorstellungen und Klischees verbunden sind. Man muss das bloß wissen. Und nicht immer muss die Jahreszeit mit hinein, es gibt da wirklich schon Tausende Gedichte.

    Was das "Ruh dich wieder aus" angeht, so dachte ich eher and Frieden finden, ewige Ruhe
    Hui, da war ich aber diesmal auch wieder ziemlich blind bei meiner Reaktion! In mir steckt wohl doch ein Zyniker, dass ich zuerst an die zynische Auslegung gedacht habe. Hei, aber immerhin kurz nach meinem Eintrag fiel mir ein, dass es natürlich auch geht zu sagen: Ewige Ruhe. Ich wollte dann abwarten, was du sagst. Aber natürlich... klar doch, bloß hatte ich das nicht gleich auf dem Schirm! Verzeih mir diesen Irrtum bitte. Da wir gerade dabei sind: Es gibt viele Redensarten, die man auch zynisch auffassen könnte. Bei der "ewigen Ruhe" sehe ich nicht nur Positives... aber das wäre eine andere Art von Gedicht, gehört nicht hier hin. Also bitte einfach ignorieren))

    Du siehst, Galaga, mein Gefühl trügt auch mich. Das ist menschlich. Darum sind Gedichte, die es schaffen, ein treffsicheres, untrügliches Abbild von Gefühlen, Gedanken, Erinnerungen zu geben, so etwas Besonderes und so schwierig zu erschaffen. Gebündelte Geduld und Hingabe. Ein kleines Wunder.

    Gute Reise weiterhin, im manchmal merkwürdigen Leben

    LG fatcat
    Geändert von fatcat (16.12.2015 um 00:07 Uhr) Grund: kleiner missverständlicher Versprecher
    fatcat's Zahmlose
    Es ist etwas an meinem Wort
    dran, das sticht.

    Tippsen: \_anamolie_/\_Flamme_/\_Anti Chris._/ ~ Bewegungsschule(fit for fun) ~

  11. #11
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    hallo fatcat,

    und wieder einmal vielen dank für die mühe
    unglaublich, wie du versuchts einem blinden die welt der farben näher zu bringen!

    gelegentlich scheint eine lichtung zu erkennen aber kaum sind ein paar äste beseitigt, ein dickicht zerschlagen, türmt sich ein noch gewaltigeres auf
    es beginnt ein wildes um sich schlagen, mit den armen fuchteln, schreien und gebären
    am ende hift's nichts, man steht immer noch am anfang und sinkt erschöpft zu boden

    ich habe wirklich viel gelesen, von metrik, metrum, jambisch und trochäisch, silbentrennung, icksen, absteigend aufsteigend usw....
    gedichte, kommentare

    wobei ich die kommentare besonders interessant finde
    wo ich einfach nur ein ei sehe, sehen andere geschichten vom bestehen und vergehen, vom grauen, behüten sein, verlieren und finden
    auch die bewegungsschule hat mich sehr faziniert

    es bleibt wie es ist, ein stochern im dunkeln

    wenn da nicht hin und wieder dieser eine klare gedanke wäre, leuchtend schön
    von fazinierender reinheit
    doch jeder versuch ihn zu fassen, verunreinigt und zerstört ihn nur
    hilflose kritzeleien auf dem papier

    lass mich erstmal weiter tragen, sehen was passiert

    dankbare grüße


    Rechtschreibfehler dienen der Authentifizierung dieses Textes.
    Das ist nicht was ich erwarte
    Das habe ich auch nicht erwartet

  12. #12
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    415
    Hi) ja, selbstverständlich. Der Geist braucht Pausen zum Atmen und Verdauen. Lass uns abwarten, was er gebiert! Und dass er etwas gebiert, erscheint mir sicher
    Ich möchte zuletzt nur betonen, wie reich an Möglichkeiten das poetische Universum ist. Was ich sehe, ist oft nur ein kleiner Ausschnitt, weit übertroffen von dem, was ich nicht sehe.
    Ich danke dir ebenfalls
    Liebe Grüße.

    PS: Was ich besonders schön fand, war neben der Tatsache, dass dein eigenes Gedicht jetzt viel persönlicher geworden ist, auch das, was du über die Kommentare von anderen gesagt hast. Es hat schon eine Magie, im Kreis dieser vollen Geister zu lauschen ... Manchmal fühlt es sich an wie angehoben, wie schwebend. Muss nur aufpassen, nicht abzuheben, das geht schnell
    Geändert von fatcat (16.12.2015 um 11:42 Uhr) Grund: das PS
    fatcat's Zahmlose
    Es ist etwas an meinem Wort
    dran, das sticht.

    Tippsen: \_anamolie_/\_Flamme_/\_Anti Chris._/ ~ Bewegungsschule(fit for fun) ~

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