1. #1
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    Von Nachtigall und Rabe

    So, mein erstes Gedicht! Über Kritik und Anregungen würde ich mich sehr freuen

    Schwarz in schwarz, so war die Nacht,
    Mit Nebelkleid und Schattenpracht,
    Weiß wie Tränen war der Dunst,
    Als stritten um des Mädchens Gunst,
    Die Nachtigall und Rabe.

    "Sieh die Schwingen, voller Kraft!"
    So sprach der Rabe, krächzt und lacht,
    "Und sieh mein Kleide, siehst dus nicht?"
    So lauscht das Weib im Angesicht,
    Von Nachtigall und Rabe.

    "Hör mein Singen, schön und fein!
    Und lausch dem Liede, hell und rein!"
    Sprach Nachtigall mit Zungen sanft,
    Und hin wogte, und her der Kampf,
    Von Nachtigall und Rabe.

    Sprach das Mädchen wohlvergnügt:
    "So hat mich beides wohl gerührt;
    Ebenholz'nes Federkleid,
    Und Sang der weht landaus, landein.
    Von Nachtigall und Rabe."

    "Sehet, doch bin ich kein Preis,
    Für Wettern, Kampf und Feilscherei!
    Seid euch dessen eingedenk:
    Ist Liebe nicht ein Gottgeschenk?
    Du Nachtigall und Rabe."

    Nebel zog da vor den Mond,
    Als drohend, dunkles Todesohm.
    Zornig lohten Hass und Wut,
    Es brannte heiß und hell das Blut,
    Von Nachtigall und Rabe.

    "Ewig!" sprach der Rabe nun,
    "Sei Feindschaft dir bei allem Tun!"
    "Komm nur!" rief die Nachtigall,
    So kämpften nun mit Kriegsgeschrei,
    Die Nachtigall und Rabe.

    Und die Dame nahm schon bald,
    An sich Sang und Federkleid.
    Flog und freute sich so sehr,
    Und keine Lieder künden mehr,
    Von Nachtigall und Rabe.

  2. #2
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    Hallo Rowen,

    witzigerweise habe ich mich über den Erlkönig diese Woche wieder ein wenig in die Balladenwelt bewegt, die ich als Jugendliche so sehr mochte. Vielleicht fallen mir beim Lesen mit ein bisschen mehr Zeit noch ein paar Punkte auf. Bei mir hast du einen Volltreffer gelandet. Ich mag nur nicht, dass du für die Nachtigall einen Artikel benutzt, beim Raben nicht. Da schreit in mir das Grammatikgefühl. Wenn du die noch weg bekommst... Aber, ich lese heute Abend dein Gedicht nochmals. Auf Anhieb sage ich - sehr nach meinem Geschmack. Schönes Sprachgefühl, anschaulich und verständlich. Mag ich!

    Liebe Grüße
    Tina
    ©

  3. #3
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    Hallo Tina,

    danke schonmal für die Antwort! Ich freue mich wenns dir gefällt und bin gespannt was du noch findest! Das Weglassen des Artikels für den Raben ist als Ellipse gedacht, um den Vers zu einer Art einprägsamem Kennzeichen des Gedichtes zu machen. Außerdem passt es so besser ins Metrum

    Liebe Grüße,
    Rowen

  4. #4
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    Hallo Rowen,

    das mit dem Metrum ist mir klar, dieser Punkt gefällt mir aber leider trotzdem nicht.

    Vielleicht wären an der ersten Stelle ein "so" oder "auch" möglich bzw. später "jetzt" oder "nun", dann müsstest du allerdings in der Zeile davor etwas ändern. Wäre für mich stimmiger.

    Noch mehr Grüße
    Tina
    ©

  5. #5
    Kohlräble Guest
    Hallo ihrs,

    der fehlende Artikel in S 1 wär schnell gerichtet. Die Zeile in S1 unterscheidet sich ja auch in der jetzigen Form von den Schlusszeilen der nachfolgenden Blöcke, also:

    Als stritten um des Mädchens Gunst
    die Nachtigall, der Rabe.

    qtr

  6. #6
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    Schöner Vorschlag vom Kohlräble - passt unten auch:

    "So kämpften nun mit Kriegsgeschrei,
    Die Nachtigall, der Rabe."

    - - - - - - - - - - Doppelpost zusammengeführt

    Hallo,

    mit etwa mehr Ruhe habe ich noch Kleinigkeiten entdeckt, die du ändern könntest:

    S2 V3 Die Wiederholung könnte man vermeiden, mir gefällt sie hier nicht
    S2 V3 du's

    S3 V4 Vor dem "und" kein Komma, meine ich

    S6 V3 Mir ist klar, was du mit "lohten" meinst, trotzdem wäre es eher "loderten". Lohten erscheint mir konstruiert.

    S7 V2 Das Tun ist sehr dem Reim geschuldet, inhaltlich naja...

    Trotzdem alles Kleinigkeiten, der Rest könnte sich in meiner Balladensanmlung mühelos eingliedern.

    Diese Anmerkung hatte ich schon ähnlich notiert, wieder gelöscht und ergänze sie jetzt doch: Mit Wörtern zu spielen mag ich, ganz glücklich bin ich mit dem "Sang" statt "Gesang" nicht. Es erscheint mir doch zu sehr der Metrik geschuldet und das Wort verstümmelt.

    Bin gespannt auf weitere Gedichte.

    Genug für heute, weitere Grüße
    Tina

    PS: Vermutlich würde ich mich für eine Variante ohne Artikel entscheiden, da mich der weibliche Artikel bei Nachtigall etwas stört.
    Geändert von TinaH (02.12.2015 um 08:17 Uhr)

  7. #7
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    Vielen Dank für eure konstruktive Kritik und die Verbesserungsvorschläge! Ich freu mich sehr wenns euch trotz dieser kleinen Fehler gefällt!

    Grüße an alle,
    Rowen

  8. #8
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    Hallo Rowen,

    Ich gehe einfach mal Strophe für Strophe vor und schreibe dazu, was mir aufgefallen ist.


    Schwarz in schwarz, so war die Nacht,
    Mit Nebelkleid und Schattenpracht,
    Weiß wie Tränen war der Dunst,
    Als stritten um des Mädchens Gunst,
    Die Nachtigall und Rabe.

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    Die erste Strophe gefällt mir eigentlich sehr gut, es fängt wie eine klassische Ballade an und die Stimmung passt. Auch das Metrum ist sauber durchgehalten. Einzig die dritte Zeile wirkt sehr gezwungen ins Schema gepresst, vielleicht klingt es leichter, wenn du das "als" durch ein "da" ersetzt.

    "Sieh die Schwingen, voller Kraft!"
    So sprach der Rabe, krächzt und lacht,
    "Und sieh mein Kleide, siehst dus nicht?"
    So lauscht das Weib im Angesicht,
    Von Nachtigall und Rabe.

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    Hier habe ich ein paar mehr Kritikpunkte. Die erste Zeile und zweite Zeile sind sehr schön, auch wenn Kraft und lacht natürlich kein sauberer Reim ist. In der dritten ist jedoch ein unnötiger Auftakt und sie klingt auch sehr gezwungen. Das "Und" am Anfang würde ich weglassen. Vielleicht kann man sie so umschreiben: "Sieh mein Kleid, siehst du's denn nicht?" . In der vierten Zeile störe ich mich an der Wiederholung des Wortes "so". Findest du da etwas anderes? Vielleicht passt "nun" besser.

    "Hör mein Singen, schön und fein!
    Und lausch dem Liede, hell und rein!"
    Sprach Nachtigall mit Zungen sanft,
    Und hin wogte, und her der Kampf,
    Von Nachtigall und Rabe.

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    Hier stolpert man doch etwas mehr beim Lesen. Sprachlich gefällt es mir sehr gut, allerdings würde ich die vierte Zeile ändern um den Lesefluss zu gewährleisten. Die Wiederholungen von Nachtigall und Rabe ist sehr gelungen, das verstärkt den Balladencharakter des ganzen. "Nun wogte hin und her der Kampf" wäre mein Vorschlag für die vierte Zeile. Auch hier sind die Reime wieder nicht ganz rein (sanft - Kampf).

    Sprach das Mädchen wohlvergnügt:
    "So hat mich beides wohl gerührt;
    Ebenholz'nes Federkleid,
    Und Sang der weht landaus, landein.
    Von Nachtigall und Rabe."

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    Hier ist der Lesefluss perfekt, einziger Kritikpunkt wieder die Reime.

    "Sehet, doch bin ich kein Preis,
    Für Wettern, Kampf und Feilscherei!
    Seid euch dessen eingedenk:
    Ist Liebe nicht ein Gottgeschenk?
    Du Nachtigall und Rabe."

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    Auch hier stimmt der Lesefluss. Darf ich fragen, warum du in der ersten Zeile nicht "Sehet doch, ich bin kein Preis" geschrieben hast? das klingt weniger gekünstelt und würde genausogut den Lesefluss gewährleisten. Preis und Feilscherei ist natürlich kein Reim, aber ich denke das weißt du selbst. Ansonsten hab ich hier nichts zu meckern. Naja, eine Kleinigkeit doch noch: das "du" bei Nachtigall und Rabe, deine Protagonistin spricht ja eigentlich beide an, da wäre ein "ihr" oder auch einfach ein "oh" angemessener.

    Nebel zog da vor den Mond,
    Als drohend, dunkles Todesohm.
    Zornig lohten Hass und Wut,
    Es brannte heiß und hell das Blut,
    Von Nachtigall und Rabe.

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    Der Leseflüss ist wieder perfekt, du scheinst ein gutes Gefühl dafür zu haben. Das "Todesohm" gefällt mir allerdings weder als Reim noch sprachlich. Bei Ohm habe ich elektrischen Widerstand im Kopf. Du meintest sicher ein Todesomen. Vielleicht fällt dir zu der Zeile noch etwas besseres ein, ich habe selbst leider auch gerade keine Idee. Der Rest ist hier sehr schön.

    "Ewig!" sprach der Rabe nun,
    "Sei Feindschaft dir bei allem Tun!"
    "Komm nur!" rief die Nachtigall,
    So kämpften nun mit Kriegsgeschrei,
    Die Nachtigall und Rabe.

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    Hier bricht das Kriegsgeschrei das bisherige Reimschema, ansonsten sehr schön.


    Und die Dame nahm schon bald,
    An sich Sang und Federkleid.
    Flog und freute sich so sehr,
    Und keine Lieder künden mehr,
    Von Nachtigall und Rabe.

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    Auch hier wieder ein Bruch im Reimschema. Der Rhythmus ist ein wenig anders als in den vorherigen Strophen. Sprachlich gefällt mir das "und freute sich so sehr " nicht so gut, das klingt, als wäre es dem Reim geschuldet. Ansonsten sehr schön, das Ende mag ich.

    Alles in allem eine lesenswerte Ballade mit kleinen handwerklichen Mängeln. Gern gelesen.

    LG
    venya
    demon_wolf: "Venya, wenn du ein Schiff wärest, wärst du die Titanic."

    Klick mich!

  9. #9
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    Hallo Rowen,

    für den Anfang nicht übel- gar gut.

    Anhand der ersten Strophe möchte ich dir zeigen... worauf es bei einem Gedicht (noch) ankommt:

    Reim und Metrum sind nur eine Seite der Medaille

    Schwarz in schwarz, so war die Nacht,
    Mit Nebelkleid und Schattenpracht,
    Weiß wie Tränen war der Dunst,
    Als stritten um des Mädchens Gunst,
    Die Nachtigall und Rabe.
    so war es, so soll es auch sein?!?

    unregelmäßige Verbe sind meist nichts anderes als ungenutzte Gelegenheiten, bzw. verpasste Chancen.
    Dort wo man sie durch ein Verb ersetzen kann...sollte man das auch tun. Du gewinnst dadurch an Ausdruck, dein Gedicht wird bildhafter, lebendiger.

    Hinzu kommt der Aspekt der Logik. Der "Streit" (als stritten um des Mädchen Gunst), also der Vergleich, erschließt sich nicht aus den Zeilen davor...deshalb:


    Schwarz in Schwarz, es stieg die Nacht
    Im Nebelkleid, welch Schattenpracht,
    Aus der Tiefe - mit dem Dunst,
    Als stritten um des Mädchen Gunst,
    Die Nachtigall, der Rabe
    Kleine Änderungen, große Wirkung.

    Betrachte durch diese Augen Strophe für Strophe - und Du wirst sehen...

    Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

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