Schon als Kind wollte Herodes stets ein guter König sein. Von seinem Vater lernte er die Tugenden, die einen guten Herrscher auszeichneten: Gerechtigkeit und Freigiebigkeit. Allerdings zeigte er sich seinem Volk sehr selten. Je älter er wurde, desto weniger. Er verstand die Menschen nicht, die in ihm etwas sahen, was sie in ihren Nächsten nicht sehen konnten. Er verstand nicht, warum sie ihn bestaunten. Die allermeisten seiner Tätigkeiten besprach Herodes mit seinem Hohepriester, der alle seine Aufträge gewissenhaft ausführte. Mehr und mehr sah das Volk nicht in Herodes, sondern in seinem Hohepriester den Herrscher des Landes.
Herodes war gerade einmal 25 Jahre alt, als er von Gerüchten hörte. Es hiess, es würde ein Erlöser auftauchen, ein Messias. Das Volk verlangte danach. Herodes dachte sich, dass es gar keine schlechte Sache wäre, wenn ein solcher Erlöser auftauchen würde. Deshalb gab er dem Hohepriester den Auftrag, seinen besten Ritter auszuschicken und nach dem Erlöser zu suchen. Dieser Ritter hiess Judas. Judas erhielt die Aufgabe, sich dem Erlöser anzuschliessen und diesen wenn nötig zu beschützen. Zudem sollte Judas dem Erlöser zu Diensten sein in jeglicher Art und Weise. Über sämtliche Geschehnisse sollte Judas Bericht erstatten beim Hohepriester.
Als nach fünf Jahren noch kein Erlöser aufgetaucht war (Herodes war gerade 30 Jahre alt), entschied Herodes, dem Wunsch seines Volkes nachzugeben und sich selbst zum Erlöser zu ernennen. Er nahm den Namen Jesus an und zog als Besitzloser durchs Land. Es schlossen sich ihm immer mehr Leute an, darunter auch Judas. Herodes erkannte Judas sofort, als er ihn sah. Judas aber durchschaute die Situation nicht. Er wusste nicht, dass Herodes und Jesus ein und dieselbe Person waren. Allerdings hielt sich Judas an den Auftrag des Hohepriesters und tat alles wie es ihm aufgetragen worden war. Auch als er von Herodes den Auftrag erhielt, ihn zu verraten, zögerte Judas nicht. Die 30 Silberstücke, die er für den Verrat erhielt, überbrachte Judas dem Hohepriester. Dieser aber nahm das Geld nicht an, da er noch immer in Herodes den rechtmässigen Herrscher sah und nun um das Wohlergehen dieses Herrschers fürchtete.
Als Judas erkannte, was er getan hatte, wollte er nicht mehr weiterleben. Zwar hatte er den Auftrag des Hohepriesters zuverlässig ausgeführt, doch dabei seinen Eid, dem König zu dienen, verletzt. Am Ende stand der Hohepriester alleine da. Er sah in die Ferne und wenn er noch eine Träne übriggehabt hätte, so hätte er diese jetzt wohl geweint. Der Hohepriester wollte sich zur Ruhe setzen, doch etwas gab es noch zu tun: Es galt, im Volk die Nachricht zu verbreiten, dass der Messias seine Kreuzigung überlebt hatte. Ansonsten wäre das Opfer des Herodes wohl für nichts und wieder nichts geschehen. Es steht geschrieben, dass der Hohepriester danach nach Indien reiste. Was er dort erlebte, steht allerdings in einem anderen Buch und soll zu einem anderen Zeitpunkt erzählt werden.