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  1. #16
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    Ich weiß zwar nicht, wo du diese ach so tollen Studien ausgegraben hast, aber Fakt ist, dass sie

    1. nur einen Teil aller Studien über Studenten und Unis, und was alles dazugehört, repräsentieren und du dir natürlich die negativen Beispiele extra herausgesucht hast. Folglich: keine Grundlage.
    2. ein völlig falsches Bild der Studentenschaft vermitteln. Als ob alle Studenten stupide Büffler sind, die nichts anderes im Kopf haben, als ihre Credit-Points! Ich habe bis jetzt - und das erste Semester ist fast rum - kein einziges Mal nachgeguckt, wie viele Punkte ich für welche/s Vorlesung/Seminar bekomme. Außerdem wiederhole ich nur zu gern, was Nachteule bereits erwähnte, nämlich das Studenten Gedichteforen moderieren, im Sportverein Jugendgruppen trainieren und sich auch um Flüchtlinge kümmern. Alles ehrenamtlich. Ich füge aus eigenen Erfahrungen hinzu, dass sie noch Nachhilfe geben, nachmittags mit behinderten Kindern spielen oder tatsächlich nebenher jobben gehen. Folglich besitzt auch dieser Grund keine Grundlage!

    Du solltest dir deine ach so tollen Rechtfertigungsgründe für irgendeine sinnfreie Diskussion, die nichts mit der eigentlichen Anfangsfrage zu tun hat, beim nächsten Mal genauer ansehen und raussuchen.

    MfG,
    Thrillermietze
    Zeige denen, die dich fallen sehen wollen, dass du ohne Flügel fliegen kannst.


    Auf den Spuren der Krimikatze

  2. #17
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    Weiß gar nicht warum Du dich so aufregst? Ich habe hier keinen persönlich angesprochen. Wenn das auf dich nicht zutrifft, dann ist doch alles bestens. Ich hatte lediglich recherchiert...ob sich meine Wahrnehmung mit der Realität deckt und ob es dafür Beweise gibt. Das Ergebnis war noch viel erschreckender als ich dachte. Liefert man keine Beweise für seine Aussagen, dann wird das einem angelastet. Liefert man sie, ist es auch nicht recht. Wenn ich von einer allgemeinen Problematik spreche, dann muss ich doch nicht explizit darauf hinweisen...dass es auch Ausnahmen gibt, oder?!? Es heißt nicht "alle"....sondern "die" Studenten - und somit ist das politisch korrekt. Die allgemeine Reaktion, die Studien in Frage zu stellen...statt nach Antworten zu suchen...bestätigt diese doch nur. Schon mal darüber nachgedacht?

    Zitat aachener - zeitung

    Aachen.
    Pflichtbewusst aber desinteressiert sammeln sie Punkte für ihren Bachelor-Abschluss an der Uni. „Die Zeit der politisch interessierten, engagierten Studenten, die die Gesellschaft verändern wollen, ist vorbei.“ Das schreibt Christiane Florin in ihrem gerade erschienenen Buch „Warum unsere Studenten so angepasst sind“.




    Christiane Florin ist seit mehr als zehn Jahren Lehrbeauftragte am Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie der Universität Bonn. Ihre Fachgebiete sind Medienpolitik und Medienkultur. Sie studierte in Bonn und Paris Politik, Geschichte und Musikwissenschaft. Bis 2010 leitete sie das Feuilleton des „Rheinischen Merkur“, heute ist sie die Redaktionsleiterin von „Christ und Welt“ in der „Zeit“.

    Zitat spiegel.de


    Neue Studenten-Generation: Hauptfach Egoismus . Studenten sind politisch engagiert, eher links und tolerant? Nicht unbedingt, wie nach SPIEGEL-Informationen eine neue Regierungsstudie zeigt. Demnach wollen sie vor allem eines: "Sich schöne Dinge leisten können



    Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  3. #18
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    Ich lebe in einer Kleinstadt mit Uni (8500 Studierende). Es ist eine techn. Uni und für die Durchschnitts-Studierenden sicher nicht repräsentativ. In geisteswissenschaftlicher Richtung käme doch noch, nehmen ich an, etwas mehr gesellschaftliches Engagement auf. Die hiesige Flüchtlingsinitiative ging zwar von einzelnen Studenten aus, aber aus dieser Richtung ist sie dünn aufgestellt. Für 1/3 der Flüchtlingsfamilien gibt es noch keine Paten. Gesucht werden hauptsächlich englisch/französisch sprechende Helfer, die hier in der Studentenschaft am ehesten zu finden wären. Die bisherigen Helfer sind überwiegend keine Studenten. Das, was @A.D anspricht, ist auch meine Beobachtung hier und ich war über die Zusammensetzung des Teams, dem ich selbst angehöre, anfangs sehr überrascht. Studenten treiben hier viel Sport in Vereinen, geben Partys und hängen auf der Bude vorm Rechner ab, doch man sah wenige bei bspw Mahnwachen gegen Atomkraft, Blockaden gegen Naziaufmärsche, ferner Kundgebungen gegen H4 u.ä. Im benachbarten Suhl kam es vor kurzem zu einer Asyl-feindlichen Demonstration, die nachweislich von Neonazis initiiert wurde, die als eine Reaktion auf eine Massenschlägerei im dortigen Asylbewerberheim (deutschlandweit berichtet) verstanden werden kann. Die Gegendemo stand mit etwa 70 Teilnehmern ca. 800 Asylfeinden entgegen. Unter den 70 war nach meiner Kenntnis eine Hand voll Studierende.
    Wenn ich auch nicht von Schuld der Studenten sprechen und hiesige Zustände 1:1 auf andere Städte übertragen will, ist das von @A.D beschriebene Phänomen existent. Es ist unbestritten, dass Studenten immer noch Protest generieren, doch die Relationen sind in Bezug auf die sogar jüngere Vergangenheit stark verändert. Über die Gründe lässt sich streiten.

    Mfg
    Geändert von Arkadier (11.01.2016 um 17:03 Uhr)
    Die Wälder wären sehr still, wenn nur die begabtesten Vögel sängen.
    Henry van Dyke

  4. #19
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    Vielen Dank für deinen offenen Beitrag, Arkadier!

    Auch wenn meine Eingangsfrage eine Provokation enthält, ging es mir nicht darum auf die Studenten einzuprügeln. Die Studenten dienten mir nur als Gesicht einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung, die m.E. mehr als nur bedenklich ist. Diese lethargische Gleichgültigkeit und diesen ausgeprägten Egoismus finden wir in allen Teilen unserer Gesellschaft. Gelegentlich kommen wir aus unseren Löchern und erleichtern mit symbolischen Handlungen unser schlechtes Gewissen, bevor wir uns dann wieder verkriechen. Aber da wo es noch ein Gewissen gibt, besteht auch noch Hoffnung.

    Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  5. #20
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    Kampfzone Klassenzimmer, so der reisserische Titel einer Maischberger-Sendung, die neulich ausgestrahlt wurde - der/die ein oder andere wird sie verfolgt haben.

    Zwar ging es ganz allgemein um den Sittenverfall an deutschen Bildungseinrichtungen, aber man kam sehr schnell zu überforderten Hochschulabsolventen und un(be)fähig(t)en Studenten.

    Zu Wort kamen Lehrer/Professoren, Schüler, Studenten, Soziologen, Verhaltensforscher, Gesellschaftswissenschaftler....

    2/3 der Studierenden sind zum Studium berechtigt, jedoch nicht befähigt. Von dieser Größe hörte man auch bei Maischberger. Das belegen Studien, aber die braucht es gar nicht....wenn man mit offenen Augen seine Umgebung betrachtet, 1er Abiturienten, die noch keine zwei Zahlen im Kopf addieren können - und die, setzt man sie ohne Handy im Wald aus, nicht mehr nach Hause finden. Da ich hin und wieder solchen Exemplaren einen Job gebe...kann ich das nur bestätigen. Da gibt es auch positive Ausnahmen - die gehören eben zum anderen Drittel. Die deutsche Wirtschaft beklagt, dass sie...wenn es darum geht Spitzenpositionen zu besetzen...im eigenen Land nicht fündig wird. Intellektuelle müssen wir importieren, Das war wohl schon immer so, aber nie so extrem wie heute.

    Sind die Studenten die wahren Schuldigen? "Nein", denn sie sind zunächst mal "nur" Opfer - Opfer eines Systems, das den Wert des Einzelnen alleine über Noten definiert. So werden jungen Leute, bei denen man sich vor 20 Jahren noch die Frage stellte "Haupt-oder Realschule?" durchs Abitur gepeitscht. Von der Gesellschaft, aber nicht selten auch von ihren Eltern dazu genötigt etwas zu leisten, das sie eigentlich gar nicht leisten können - und oft auch nicht wollen. Diese Studenten werden auch mal Eltern sein und mit ihren Kindern ebenso verfahren. Erst sind sie Opfer, dann werden sie zu Tätern.

    Dem Handwerk, egal welche Branche, fehlt der Nachwuchs. Das wird sich noch deutlich verschlimmern. Was den Geldadel angeht...wird unsere Gesellschaft einen Wandel erfahren. Das Bedingungslose Grundeinkommen wird eingeführt - die Frage ist nicht ob...sondern nur wann und in welcher Höhe. Und ich prophezeie (wobei sich das jeder selbst ausrechnen kann), dass die heutigen Studenten die BG-Empfänger der Zukunft sein werden. Für Spitzenjobs reicht es nicht, das Handwerk kann man nicht. Die Elite der Zukunft rekrutiert sich aus dem einen Drittel fähiger Studenten und aus Handwerkern. BWL-Studenten benötigt heute schon niemand mehr, und schon gar nicht solche von der jetzigen "Qualität" - in naher Zukunft werden sie überflüssig wie ein Kropf sein. Das ist aber nur ein Beispiel, ich könnte viele weitere nennen.

    ja, die Studenten sind auch und vor allem Täter. Sie machen schön mit bei diesem System, halten es am Leben und stützen es. So lange sie glauben davon profitieren zu können...wird sich daran auch nichts ändern. 2/3 der Studenten sind, zumindesr dem eigentlich Wortsinn nach, Asoziale, denn sie nehmen den Einkommensschwachen die Wohnungen weg. In meiner Universitätsstadt herrscht, wie in vielen anderen Städten auch, ein extremer Wohnungsmangel.- würden nur diejenigen studieren, die auch dazu befähigt sind....würde sich Lage deutlich entspannen. Das Gegenteil ist der Fall; jetzt wurde sogar der Wohnzuschuss für Studenten um Euro 50.- erhöht. Da diese Erhöhung aber vor allem durch die Vermieter abgeschöpft wird, verteuern sich auch für alle anderen die Wohnungen.

    Als Martin Schulz seine Wahlkampf-Abschlussrede hielt, waren tausende von Studenten anwesend. Die standen da mehr oder weniger gelangweilt herum, applaudierten hin und wieder mal...aber verhalten. Einzige Ausnahme: Als Schulz ankündigte das Bafög zu erhöhen und das Erasmus-Programm auszubauen, da flippten die Studenten regelrecht aus, da jubelten sie sich in Ekstase. Dieses Bild zeigte die ganze Wahrheit. Alle gesamtgesellschaftlichen Themen gingen ihnen am Arsch vorbei...ausser es ging um sie selbst. Wir müssen uns für einen Großteil unserer Studenten schämen, aber schämen alleine reicht nicht. Es sind unsere Kinder, Brüder, Schwestern usw. Wir alle haben an dieser Entwicklung mitgewirkt, Unsere Studenten sind das Ergebnis gesellschaftlicher und politischer Fehlentwicklungen. Es ist an der Zeit das zu korrigieren.

    Und wenn hier wie auch anderswo seitens der Studenten beklagt wird man müsse ja so viel für die Klausuren büffeln, dass man kaum noch Zeit für anderes hat...dann bestätigt das nur meine Meinung, denn das Studium sollte als Nachweis von Intelligenz...nicht als Nachweis von Fleiss dienen. Je weniger ich befähigt bin...desto mehr muss ich halt büffeln. Das Ergebnis kennen wird...
    Geändert von AndereDimension (13.05.2018 um 07:41 Uhr)
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  6. #21
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    Die Diskussion ist drei Jahre alt und aktueller denn je. Die Stimmen aus der Wirtschaft werden lauter. Die Hörsäle quellen über, was den Mangel an Handwerkern erklärt...aber gleichzeitig den Mangel an akademischen Fachkräften in einem komischen Licht erscheinen lässt. Die Industrie hat einen riesigen Pool von Studenten vor sich...kann daraus aber nicht schöpfen. Unsere Studenten sind einfach nicht qualifiziert genug um anspruchsvolle Posten zu besetzen. Die Industrie muss im Ausland werben.

    Diesbezüglich hat uns Evelyn aus dem Dschungelcamp vermutlich einen großen Gefallen getan und viele Leute dazu angeregt umzudenken. Da hat eine Abitur, für die vor zwanzig Jahren selbst die Hauptschule ein unüberwindbares Hindernis gewesen wäre.
    Und ihr Fachabi hat sie noch nicht mal in Berlin gemacht...was einiges erklären könnte...sondern in NRW. Dieses Mädchen kann nicht die vier Himmelsrichtungen bestimmen, aber zumindest theoretisch ein Studium beginnen. Und solche Evelyns gibt es viele. Je nach BL und Uni kann ich mit der Fachholschulreife (nach bestandener Aufnahmeprüfung) z.B. Lehramt studieren. Dadurch produziere ich neue Eyelyns - eine klassische Abwärtsspirale.

    Was ist zu tun? Ich weiß es auch nicht so genau. Keine Ahnung...wer hier das beste Konzept hat. Nun wurde mal wieder das Bafög erhöht...gewiss ein Schritt in die falsche Richtung...
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  7. #22
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    Hallo A.D.,
    verstehen kann ich die bisherigen Reaktionen auf dein Intro. Es verführt provozierend zur Polarisierung, und dann wird es schwer, sich mit deinem Thema objektiv auseinanderzusetzten. Schon die bisherigen Reaktionen zeigten, dass viele sich angesprochen fühlten und sofort eine Gegenposition aus subjektiver Sicht bezogen. Und wenn es persönlich wird, findet keine wirkliche Diskussion mehr statt. Nur bei Arkadier sah ich den Versuch, deine Thesen nachvollziehen zu wollen.

    Wenn ich das provozierende Element außeracht lasse, dann verstehe ich dich so, dass du nicht nur den Werteverfall in der Gesellschaft sondern auch den Leistungsabfall allerorten anprangerst.

    Meine Erfahrung dazu ist, dass ich in vielen Bereichen des täglichen Lebens ähnliches wahrgenommen habe. Nicht nur, dass feministisch angetrieben, Gleichberechtigung mit Gleichstellung verwechselt wird - ich erlebte kürzlich auf einer umweltmedizinischen Fachtagung eine Podiumsdiskussion mit 2 Professorinnen, die ihre Ämter vor 40 Jahren wegen fehlender Fachkompetenz niemals erhalten hätten - und ich las gestern, dass ein/e Gesetz/Verordnung, die eine Gleichstellung von Gesellen und Meistern festsetzte, wegen mangelnder Qualität der Arbeitsergebnisse wieder rückgängig gemacht werden soll. Ein Lichtblick!?

    Dass Hochschullehrer unterschiedlichster Fakultäten bei vielen Studierenden Grundkenntnisse vermissen, ist ja schon oft publiziert worden. Das aber liegt nicht an den Studenten sondern an der Schulausbildung. Und hier beißt sich die Schlange in den Schwanz. Wenn ich Menschen zu Lehrern mache, von denen viele nicht ausreichend qualifiziert sind, können auch Schüler nicht besser werden.

    Eine Lösung ist sicherlich schwer. Ich denke, nur wenn die Medien sich dieses Themas annehmen würden - sie haben den größten Einfluss - könnte in der Gesamtgesellschaft ein Umdenken stattfinden. Ob das gelingen wird? Ich habe da so meine Zweifel, da ja auch objektive Medienberichterstattung nur noch ganz selten stattfindet. Ich denke da auch an die unsäglichen Podiumsdiskussionen im Fernsehen.

    Gruß manehans
    Solange Glut ist, kann auch Feuer sein...
    Eva Strittmatter

  8. #23
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    Lb. A.D.,

    Was kann Deutschland tun?
    Wer ist Deutschland?
    um wieder einigermaßen brauchbare Bürger heran zu züchten?
    Wie sollen diese Bürger sein und für was oder wen sollen sie gebraucht werden?
    Junge Menschen, die für irgend etwas stehen und im besten Fall auch einstehen.
    Ich denke nicht für irgend etwas, sondern für Demokratie und Freiheit.
    Rächt es sich jetzt, dass da seit vielen Jahren nur noch blutleere Pfeifen unsere
    Universitäten bevölkern?
    Sie sind so wie es leider von ihren Beeinflussern erwartet wird. Sicher wird sich dies auch für einen großen Teil davon rächen.

    LG Hans
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

  9. #24
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    Zitat Hans Plonka

    Sie sind so wie es leider von ihren Beeinflussern erwartet wird. Sicher wird sich dies auch für einen großen Teil davon rächen.
    Hallo Hans, genau das ist das "Problem". Aktuell beschweren sich bundesweit Abiturienten wegen zu schweren Matheaufgaben, dabei wurde bereits vor Jahren schon das Niveau gesenkt...weil wir einfach zu doofe Abiturienten haben...die vor 30 Jahren bereits an der Mittleren Reife gescheitert wären. Das sage nicht nur ich...dazu gibt es auch einige Studien. Heute kommt ohnehin schon jeder Vollpfosten durchs Abitur...soll mans doch gleich verschenken. Und jetzt zu deiner Aussage: ja, das sind eben die Kinder von Helikopter-Eltern...die in vielerlei Hinsicht ein Ärgernis sind. Das Handwerk beklagt fehlenden Nachwuchs...kein Wunder...wenn potentielle Schreiner, Elektriker, Heizungsbauer +Co. heute durchs ABI gewinkt werden und meinen sie hätten nun etwas erreicht. Deshalb sagen viele Experten voraus...dass der heutige Student der Arbeitslose von morgen ist. Das Handwerk..wofür er eigentlich bestimmt war...kann er nicht...und für höhere Aufgaben ist er schlichtweg zu blöd - hochqualifizierte Informatiker, Ingenieure, Techniker... IT'ler usw müssen wir heute schon importieren...und das obwohl so viele studieren wie nie zuvor. Bachelor...Dr. +Co...das alles ist nicht mehr wert...als das Papier...auf dem es gedruckt steht.

    Gruß, A.D.
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  10. #25
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    Hey!

    Ich verstehe dein Anliegen schon. Der Eingangspost ist natürlich etwas provokant gehalten, aber gesamtgesellschaftlich hast du schon recht mit der Gleichgültigkeit. Und das sag ich jetz als Student, der sozusagen mit in der Gruppe ist. Ich glaube aber auch, dass gesellschaftliche Rahmenbedingungen dein Ideal eines Studenten zunehmend verunmöglichen.

    Wozu hat sich jemals auch nur ein einziger Student zu Wort gemeldet, wogegen rebelliert, wofür eingesetzt, worauf aufmerksam gemacht? Wo gab gibt es so etwas wie eine Boheme? In meinen Augen sind das nur noch auf ihr eigenes Wohl bedachten Egoisten. Hauptsache nicht auffallen, gut durchs Studium kommen, möglichst schnell einen gut bezahlten Job finden und an Bahnhöfen Stofftiere verteilen- Augen zu und durch.
    Weil genau das auch zunehmend von der Gesellschaft (und Politik!) gefordert wird. Studier schnell. Such dir einen Job. Hör auf, der Allgemeinheit auf der Tasche zu liegen. Natürlich führt der gesellschaftliche Druck zu einer gewissen Angepasstheit und Konformität. Der Gesellschaft per se ist egoistischer geworden, also ist es auch der einzelne (Student).


    Wie wir beide wissen... hat selten die Politik... sondern fast immer die Gesellschaft... für grundlegende Veränderungen gesorgt. Aber wer verkörpert (heute noch) die Gesellschaft? Wer gibt ihr ein Gesicht? Es steht nirgendwo geschrieben, dass die Studenten dafür zuständig sind, doch hatte das einst in Deutschland eine große Tradition. Angefangen mit der Deutschen Revolution...wo...anders als bei der französischen...die Mittelschicht und die Intellektuellen aufbegehrten- wenn auch mit wenig Erfolg und ohne geschichtliche Relevanz. Der Student der Neuzeit ging aus Betroffenheit, nicht aus Getroffenheit auf die Straße. Ihn berührte das Schicksal des Anderen - und so machte er es zu seinem. Diese Leute hatten das nicht nötig, denn sie wurden nur selten auch persönlich getroffen. Und dabei ging es nicht nur um die Deutschen, sie gingen für die Iraner (gegen den Schah), für die Vietnamesen, für die Israelis...und und und...auf die Straße. Sie hätten sich zurücklehnen können und sagen" Das geht mich alles nichts an".
    Und heute? Es gibt zig mal mehr und ernsthaftere Themen als damals, aber kaum noch jemanden der ihnen ein Gesicht gibt. Man macht alle vier Jahre sein Kreuzchen, lehnt sich zurück und beobachtet was geschieht. Es gibt für alle Themen noch Grüppchen von Aktivisten, aber wer sollte die hören/können?
    Zwei Sachen:
    1. Die Gleichgültigkeit ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen, das man anprangern kann. Ich glaube aber nicht, dass man den Studenten hier die Schuld geben kann. Die sind diesbezüglich genauso ein Rad im System.
    2. Natürlich gibt es wichtige(re) Themen, für die man demonstrieren könnte. Aber zum anderen gibt es auch immer immer mehr Themen. Mit der globalen Vernetzung gibt es heute nicht mehr das Gefühl, für dieses eine Thema, das alles andere überschatten kann, demonstrieren zu gehen. Es ist schwierig, zwischen der Flut an Schreckensmeldungen zwischen IS-Horror, Klimawandel, Sozialpolitik, Asyl jetzt dieses eine Zugpferd zu finden. Diese Flut könnte da zu einer Abstumpfung geführt haben (zumindest glaube ich, mich an eine diesbezügliche Statistik in Österreich zur Spendenbereitschaft gesehen zu haben).

    Auch wenn meine Eingangsfrage eine Provokation enthält, ging es mir nicht darum auf die Studenten einzuprügeln. Die Studenten dienten mir nur als Gesicht einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung, die m.E. mehr als nur bedenklich ist. Diese lethargische Gleichgültigkeit und diesen ausgeprägten Egoismus finden wir in allen Teilen unserer Gesellschaft.
    Da stimme ich dir zu. Die Frage ist nur: Warum ist die Gesellschaft lethargisch?

    2/3 der Studierenden sind zum Studium berechtigt, jedoch nicht befähigt. Von dieser Größe hörte man auch bei Maischberger. Das belegen Studien, aber die braucht es gar nicht....wenn man mit offenen Augen seine Umgebung betrachtet, 1er Abiturienten, die noch keine zwei Zahlen im Kopf addieren können - und die, setzt man sie ohne Handy im Wald aus, nicht mehr nach Hause finden. Da ich hin und wieder solchen Exemplaren einen Job gebe...kann ich das nur bestätigen. Da gibt es auch positive Ausnahmen - die gehören eben zum anderen Drittel. Die deutsche Wirtschaft beklagt, dass sie...wenn es darum geht Spitzenpositionen zu besetzen...im eigenen Land nicht fündig wird. Intellektuelle müssen wir importieren, Das war wohl schon immer so, aber nie so extrem wie heute.
    1. Ich stimme dir zu, dass mehr Leute studieren, als es sollten. Und dass wir Leute an Unis haben, die dort ihre Zeit absitzen und daran selbst keine Freude haben und den Vortragenden auch keine Freude machen.
    2. Ich halte Kopfrechnen für keine nötige Fähigkeit.
    3. Im Wald ausgesetztwerden ist nichts, was man üblicherweise lernt. Nichts, was man üblicherweise braucht. Survival und so ist zwar nice to know, aber viel mehr dann auch nicht.
    4. Würdest du heimfinden, wenn ich dich ohne Handy in irgendeinem Wald in Sibirien aussetze?
    5. Ich glaube auch nicht, dass Einstein, Gandi, Maria Theresia oder Winston Churchill heimgefunden hätten, wenn ich sie im brasilianischen Regenwald aussetze.

    Sind die Studenten die wahren Schuldigen? "Nein", denn sie sind zunächst mal "nur" Opfer - Opfer eines Systems, das den Wert des Einzelnen alleine über Noten definiert. So werden jungen Leute, bei denen man sich vor 20 Jahren noch die Frage stellte "Haupt-oder Realschule?" durchs Abitur gepeitscht. Von der Gesellschaft, aber nicht selten auch von ihren Eltern dazu genötigt etwas zu leisten, das sie eigentlich gar nicht leisten können - und oft auch nicht wollen. Diese Studenten werden auch mal Eltern sein und mit ihren Kindern ebenso verfahren. Erst sind sie Opfer, dann werden sie zu Tätern.
    Absolute Zustimmung. Der Druck, dass jeder studieren muss, dass jeder Abitur (Matura bei uns) machen muss, bringt dem einzelnen, der dafür eigenlich nicht befähigt ist, nichts, bringt dessen Klassenkameraden nichts und bringt auch sonst recht wenig. Ich glaube, dass die Überbewertung von Studium und das quasi gesellschaftliche Niedermachen der handwerklichen Berufe (und der Lehre) ein ziemliches Problem ist.

    Die Diskussion ist drei Jahre alt und aktueller denn je. Die Stimmen aus der Wirtschaft werden lauter. Die Hörsäle quellen über, was den Mangel an Handwerkern erklärt...aber gleichzeitig den Mangel an akademischen Fachkräften in einem komischen Licht erscheinen lässt. Die Industrie hat einen riesigen Pool von Studenten vor sich...kann daraus aber nicht schöpfen. Unsere Studenten sind einfach nicht qualifiziert genug um anspruchsvolle Posten zu besetzen. Die Industrie muss im Ausland werben.
    Siehe oben.
    Ich glaube, die Qualifikation wäre schon auch da. Da ist das Problem oft auf beiden Seiten. Es ist schwer, gute Leute zu finden. Diejenigen, die aber gut sind, finden am heimischen Markt dann aber nicht das Optimum. Wenn man da ins Ausland z.B Schweiz geht, hat man deutlich bessere Angebote. Wenn ich mir die Einstiegsgehälter in der technischen Industrie da anschaue, denk ich mir auch oft, dass ich das zu dem Preis sicher nicht machen würde. Wenn ich an der Uni für 30 h mehr bekomme, als in der Industrie für 40 h, dann hats was.

    Aktuell beschweren sich bundesweit Abiturienten wegen zu schweren Matheaufgaben, dabei wurde bereits vor Jahren schon das Niveau gesenkt...weil wir einfach zu doofe Abiturienten haben...die vor 30 Jahren bereits an der Mittleren Reife gescheitert wären.
    Finde ich auch komisch. Ist bei uns in Österreich aber dasselbe.
    Vor allem führt das zu einem Teufelskreis, was die Polik aber zu ignorieren scheint.
    Im Prinzip schauts so aus:
    1. Abitur ist zu schwer, machen wirs leichter.
    2. Die Leute kommen an der Uni nicht mehr mit.
    3. Die Uni kann jetzt auf einmal Auffrischungskurse anbieten, damit zumindest jeder Abi (Matura) Stoff beherrscht.
    4. Die Uni mag das nicht machen und führt Zugangstests ein, um noch einmal das Abzufragen, was man eigentlich für die Matura ohnehin schon hätte können müssen.
    5. Die Matura (die eigentlich den Zweck hat, dass sie einem die Eignung zum Studium bescheinigt) ist sinnlos, da man dann sowieso einen neuen Test machen muss. Die Uni steht als die böse da. Und wirklich geholfen ist niemandem.

    Ja, ist scheiße.

    _________________________________

    Noch ein paar Gedanken von mir:
    (Ich rede da jetzt von meiner österreichischen Seite, muss also nicht alles in Deutschland auch relevant sein)

    Mich wundert es nicht, dass die Studenten nicht mehr demonstrieren. Im Endeffekt forderst du damit nämlich das, was auf unserer Seite der Donau regelmäßig kritisiert wurde. Zum einen sollen Studenten schnell studieren, nicht der Allgemeinheit auf der Tasche liegen (Stichwort: faule Studenten, Berufsdemonstranten, Party-Studenten) - natürlich führt das dazu, dass dann die Studenten genau das machen. Schnell studieren. Da bleibt dann nicht wirklich viel Zeit, für Demos oder politischen Aktivismus. Dazu kommt, dass der Sozialabbau der letzen Zeit dazu führt, dass immer mehr neben dem Studium arbeiten. Ich studiere etwas Technisches, das ist quasi Vollzeit. Gearbeitet wird dann am Wochenende. Da bleibt dann nicht viel Zeit.
    Das nächste ist, dass das Internet nicht vergisst. Vor 30 Jahren konnte ich noch ruhigen Gewissens auf eine Demo gehen. Heute muss ich davon ausgehen, dass Fotos davon im Netz landen. Mit - möglicherweise - meinem Gesicht. Das mag im Moment noch lustig sein, aber politische Positionen mögen sich drehen, eigenen Position sich verändern. Aber das Internet vergisst nicht. Die Bilder sind noch da (und mitunter sehr schwer zu entfernen). Da verstehe ich es schon, dass man das nicht riskieren möchte.
    Dazu kommt - und da spreche ich von mir selbst: Ein immer größeres Maß an Frustration. Mit der Politik. Mit der Gesellschaft. Bestes Beispiel ist dafür in Österreich zB das Antirauchervolksbegehren. Ca 880000 haben in Österreich dafür unterschrieben, was in Österreich echt viel ist. Kommentar der Polik: "Ja gut, hmm herzliche Gratulation an das andere zeitgleiche Volksbegehren Anti-Rundfunkgebühr-Volksbegehren mit 330000 Unterschriften. Das sollten wir uns anschauen." Gut, ich hab beide unterschrieben. Aber ganz ehrlich war das ein ganz großes Aufdenkopfscheißen der Politiker. Selbiges gilt für Politiker, die entweder gegen besseres Wissen oder aus Dummheit kompletten Schwachsinn vertreten (Artikel 13). Ganz ehrlich, da bin ich grantig, aber was soll ich machen? Geh ich auf die Straße, darf ich mich von einem Hampelmann als gekaufter Bot diffamieren lassen. Mach ichs nicht, bin ich der wahre Schuldige.
    Die Parteien sind immer mehr Marionetten. Der Unterschied zwischen ÖVP (CDU CSU) und SPÖ (SPD) ist nicht mehr erkennbar. Keiner weiß mehr, wofür welche Partei steht, weil die Grundsätze für weitere 5 % bei der nächsten Wahl ohnehin geopfert werden (z.B Berufsheer Abstimmung in Österreich). Und die Masse feiert das auch noch. Und alle 5 Jahre darf man dann irgendwo sein X machen und sich super demokratisch fühlen, vielleicht sogar einen "politisch aktivistischen" Facebook-Post schreiben, in dem man seine Freude aufruft, auch unbedingt wählen zu gehen, weil es angeblich wichtig sein soll. In der Wahlkabine hat man dann die Wahl zwischen Neoliberal, Neoliberal, Neoliberal mit Rassismus, Neoliberal mit lieben Tierbildern, Neoliberal, Rechtsextrem oder Linksextrem. Ja wunderbar. Ich nehm Neoliberal. Und wenn ich in den nächsten 5 Jahren noch weniger hab, wenn dann noch irgendetwas an Freunderl privatisiert wurde, dann darf ich wieder so tun als hätte ich eine Wahl. Glaubwürdigkeit haben die Parteien ja schon lang nicht mehr. Bei uns hat die SPÖ zuerst die Vorschläge von FPÖ (AFD) verurteilt, nur um dann doch eins nach dem anderen zu übernehmen. Aber schön heftig distanzieren von der FPÖ. Dann wird die ÖVP von der SPÖ geschimpft, weil sie mit der FPÖ koalieren, während die SPÖ in den Bundesländern selbst mit der FPÖ koaliert. Gegen Peter Pilz wurde im Nationalrat demonstriert (obwohl er für keine Tat gerichtlich verurteilt wurde), während die SPÖ selbst einen Charly Blecha in ihren Reihen hat (Stichwort Lucona Skandal). So viel zum Thema glaubwürdig. Dann darf man sich nicht wundern, wenn die Gesellschaft frustriert oder lethargisch ist. Aber genau das haben wir. Wutbürger, angry white man, AFD, Trum auf der einen Seite. Nichtwähler auf der anderen Seite. Und die dazwischen glauben noch, dass sie eine Wahl haben. Umgekehrt wunderts mich auch nicht, dass es den Bach runter geht, wenn die Gesellschaft sich lieber mit Bildern und Videos von Hunderln und Katzerln unterhält, anstatt was Sinnvolles zu machen.

    Sorry für den Rant, aber ich bin mit unserer Politik echt frustriert. Ich bin sehr interessiert an Politik, aber je mehr ich darüber weiß, umso frustrierter bin ich.

  11. #26
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    Hallo MNF

    vielen Dank für deine Sicht auf die Dinge!

    Ich habe alles gelesen - und in vielen Punkten stimme ich Dir zu...bzw kann ich das Gesagte nachvollziehen. Wenn ich jetzt nicht im Detail darauf eingehe...dann bitte nicht als mangelnden Respekt oder Desinteresse verstehen. Ich würde mich in vielen Punkten wiederholen-und irgendwann ist alles gesagt...bzw sind die Meinungen ausgetauscht.

    Klar ist "die Studenten sind die Schuldigen" eine Provokation, aber das können/müssen die Studenten verkraften.

    Was ich etwas merkwürdig finde: die Satire Sendung heute-show griff aktuell genau diese Thema auf - bis dahin nicht merkwürdig...aber man wählte fast 1:1 meine Worte...auch den Duktus. Ich hörte sozusagen mich selbst reden. Man sprach von "Pfeifen", von einem zu niedrigen Niveau was das Abitur angeht, von eigentlichen Hauptschülern...die heute zur Uni gehen...was eine der Ursachen ist...warum es uns heute an Handwerkern mangelt. Schau es dir mal in der Mediathek an...Du wirst verblüfft sein.

    Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  12. #27
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    Hallo allerseits

    Zunächst finde ich das Thema, um welches sich die Diskussion dreht, etwas bedenklich. "Sind die Studenten die wahren Schuldigen?" Diese Frage setzt schon voraus, dass es irgendwelche "wahren Schuldigen" gibt, was nicht unbedingt sein muss. Die Frage könnte anders formuliert lauten: "Sind die Studenten diejenigen, die mehr Schuld an sozialen Missständen tragen als andere Bürger Europas?"

    Die Frage A.D.s
    Wozu hat sich jemals auch nur ein einziger Student zu Wort gemeldet, wogegen rebelliert, wofür eingesetzt, worauf aufmerksam gemacht?
    könnte man auch umformulieren:

    Wozu hat sich jemals auch nur ein einziger Arzt zu Wort gemeldet, wogegen rebelliert, wofür eingesetzt, worauf aufmerksam gemacht?

    oder

    Wozu hat sich jemals auch nur ein einziger Zimmermann zu Wort gemeldet, wogegen rebelliert, wofür eingesetzt, worauf aufmerksam gemacht?

    Was ich damit sagen will: Ich sehe nicht ein, wieso Studenten mehr rebellieren sollten als andere Leute...

    So kann auch die Aussage von NightFury verstanden werden:
    Der Gesellschaft per se ist egoistischer geworden, also ist es auch der einzelne (Student).
    Nicht nur Studenten sind egoistisch, sondern alle Leute. Wenn du, A.D., so generelle Fragen stellst und nicht genau sagst, warum die Studenten mehr Verpflichtungen in der Gesellschaft haben oder was genau für Verpflichtungen das sein sollen, dann ist auch die Antwort verständlich, dass alle Leute Verpflichtungen haben, denen sie nicht nachkommen, bzw. dass nicht nur Studenten, sondern alle Leute egoistisch sind.

    Die Gesellschaft hat gewisse Probleme, aber an diesen Problemen kann jeder arbeiten. Dabei ist auch zu beachten, dass es (wenigstens meiner Meinung nach) keinen Sinn macht, der Gesellschaft oder einzelnen Teilen davon Vorschriften zu machen. Jeder Mensch kann in der Situation, in welcher er gerade steckt, etwas bewirken.

    LG

    Ali
    Geändert von Ali (21.05.2019 um 12:17 Uhr)

  13. #28
    Registriert seit
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    Zitat Ali

    könnte man auch umformulieren:

    Wozu hat sich jemals auch nur ein einziger Arzt zu Wort gemeldet, wogegen rebelliert, wofür eingesetzt, worauf aufmerksam gemacht?
    Wozu hat sich jemals auch nur ein einziger Zimmermann zu Wort gemeldet, wogegen rebelliert, wofür eingesetzt, worauf aufmerksam gemacht?
    Was ich damit sagen will: Ich sehe nicht ein, wieso Studenten mehr rebellieren sollten als andere Leute..
    Nicht nur Studenten sind egoistisch, sondern alle Leute. Wenn du, A.D., so generelle Fragen stellst und nicht genau sagst, warum die Studenten mehr Verpflichtungen in der Gesellschaft haben oder was genau für Verpflichtungen das sein sollen, dann ist auch die Antwort verständlich, dass alle Leute Verpflichtungen haben, denen sie nicht nachkommen, bzw. dass nicht nur Studenten, sondern alle Leute egoistisch sind
    Hallo Ali,

    diese Aussagen/Fragen höre ich öfter - und auch ausschließlich von Studenten getätigt/gestellt. Ich habe schon oft darauf geantwortet...ob auch hier...das weiß ich jetzt gar nicht.


    Antwort:

    - zunächst ganz allgemein: "Tradition verpflichtet". Es wird wohl immer wieder die 68er Generation herangezogen...wenn es um diesbezügliche Vergleiche geht...aber das ist natürlich nur die halbe Wahrheit....denn das war "nur" das spektaküläre Ende...in der Reihe einer zweihundertjährigen Tradition.

    - der eigentliche und viel wichtiger Grund...warum gerade der Student die moralische Verpflichtung hat...sich gegen allgemeine Missstände zu wehren...sich für die Gesellschaft stark zu machen:

    - aus den heutigen Studenten rekrutieren sich die morgigen Eliten
    - der Student hat (noch) nichts zu verlieren
    - der Student gehört (noch) keiner Lobby an
    - der Student gehört (noch) nicht zum Establishment
    - der Student ist (noch) nicht voreingenommen
    - der Student weiß (i.d.R.) sich auszudrücken, besitzt die nötige Eloquenz, Rhetorik
    - die Studenten sind gut vernetzt, bzw können sich schnell vernetzen

    ...und einige Punkte mehr.

    Du wirst jetzt sagen...vieles von dem trifft auch auf den von dir zitierten Arzt zu. Ja - aber: wofür der Arzt sich auch stark macht, man wird ihm unterstellen...dass er versucht für sich persönlich Vorteile zu erlangen...bzw persönlichen Schaden abzuwenden. Er ist Teil einer Lobby. Geht es z.B. um die Gesundheitsreform...um Krankenkassenzahlungen usw...wird man ihn nicht als unbefangene Person wahrnehmen - er ist sozusagen für mindestens eine Partei unglaubwürdig.

    Dem Student kann man das nicht unterstellen...denn der weiß noch gar nicht wohin für ihn persönlich die Reise geht. Man nimmt ihn also nicht nur wahr...man hält ihn auch für glaubwürdig und unbefangen. Einzig wenn es um die Themen Bafög, Erasmus + Co geht...gilt er (zurecht) als befangen.

    Solche Studenten hatten wir das letzte Mal in den 80ern...wo es um die Stationierung der Pershing-Raketen, um Wackersdorf, um die Startbahn West, um Atomkraft, um die Nahosterweiterung ging. Das waren große gesellschaftliche und richtungsweisende Fragen....zu denen die Studenten klar Stellung bezogen. Das war seitens der Studenten nicht nur purer Aktionismus und reiner Protest...sondern mit ganz klaren Zielen verbunden. Und in vielen Punkten setzten sich die Studenten auch durch...bestimmten die nahe Zukunft wesentlich mit...prägten die Gesellschaft. Seit 30 Jahren ist da nur noch tote Hose...denken die Studenten nur noch an sich - haben sie ihre gesellschaftliche Verantwortung aus den Augen verloren. Sie sind maximal später mal klugscheißende Pädagogen...die denen...die sie einst im Stich ließen...auch noch Vorschriften machen wollen....die nichts anderes können als "verbieten". Diese beschissene "Haltung" vererben sie dann wiederum am ihre Kinder....die dann zu ebensolchen Pfeifen heranwachsen. Das ist eine Teufelskreis...der unbedingt unterbrochen werden muss.

    Wenn sich dann Zimmermänner, Ärzte, Altenpflegerinnen....den Studenten anschließen...umso besser - die haben dann auch weniger zu "befürchten"...wenn die Studenten vorher für eine breite Akzeptanz sorgen. ABer nein, das überlassen sie heute lieber einem 14-jährigen Mädchen aus Skandinavien...schauen selbst lieber nur zu - schließlich müssen sie ja lernen und für die Semesterferien die nächste Interrail-Reise buchen. Das ist wirklich erbärmlich - und in meinen Augen gibt es da auch keine Entschuldigung.

    Gruß, A.D.
    Geändert von AndereDimension (21.05.2019 um 18:41 Uhr)
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  14. #29
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    Hallo A.D.

    Du sagst, dass in den letzten dreissig Jahren die Studenten passiv geworden sind. Mich würde wundern, warum das wohl so sein könnte. Ich selber denke schon auch, dass es einen Kreislauf gibt von Studenten und Lehrern. Studenten lernen etwas und lehren dasselbe dann an die nächste Generation von Studenten/Schülern. Aber war das nicht schon immer so? Und wenn nein, warum war es früher nicht so? Einen möglichen Grund für diese Entwicklung sehe ich in der Verwaltung. Die "Gebildeten" sind so damit beschäftigt, sicherzustellen, dass irgendwelches vorhandenes Wissen aufgenommen wird, dass sie nur noch wenig neues Wissen generieren und auch nicht aufgrund ihres (möglicherweise allzu theoretischen) Wissens handeln, indem sie zum Beispiel auf die Strasse gehen und demonstrieren. Ich frage mich aber, wie sehr die Studierenden und auch die Dozierenden daran schuld sind.

    Auch wenn man einmal annimmt, dass tatsächlich die Studenten die "wahren Schuldigen" sind, das heisst sich nicht wegen aktuellen Problemen einsetzen, obwohl sie das müssten, so gibt es immer noch die Frage, welche anderen Probleme es denn gibt. Nehmen wir Greta Thunberg und den Klimawandel. Greta Thunberg demonstriert für mehr Umweltbewusstsein. Sie bekämpft dieses Problem, indem sie darauf aufmerksam macht. Man könnte fast sagen: Greta bekämpft Symptome. Sie sieht, dass die Leute die Umwelt verschmutzen, und versucht, diese Leute umzustimmen. Eine andere Frage ist aber: Warum verschmutzen die Leute die Umwelt? Und diese Frage führt zu den Umweltverschmutzern selber, die vermutlich selber schon wissen, dass sie die Umwelt verschmutzen, und es trotzdem tun, weil es einfach der bequeme Weg ist. Sie unterscheiden sich hier nicht gross von den Studierenden, die vermutlich ebenfalls den Weg des geringsten Widerstands gehen.

    Und so sieht es wohl mit vielen Problemen aus, welche die Gesellschaft hat. Die Studierenden könnten zwar die Gesellschaft darauf aufmerksam machen, dass solche Probleme existieren. Aber der Grund für diese Probleme liegt bei der gesamten Gesellschaft.

    Du selber machst mit deinem Diskussionsfaden die Studierenden auf dieses Problem aufmerksam... Aber die Frage, warum denn die Studierenden überhaupt so handeln, beantwortest du meines Erachtens nicht.

    Das ist meine Meinung hierzu, ich bin kein Experte.

    LG

    Ali

  15. #30
    Registriert seit
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    Hallo Ali

    Du selber machst mit deinem Diskussionsfaden die Studierenden auf dieses Problem aufmerksam... Aber die Frage, warum denn die Studierenden überhaupt so handeln, beantwortest du meines Erachtens nicht.
    Ich behaupte auch gar nicht auf alles eine Antwort zu haben - warum es so weit kam...das hatte ich zwar in Ansätzen versucht zu erklären...aber am Ende kann auch ich nur vermuten.

    Fakt ist: wir haben "erst" seit zwanzig Jahren in Deutschland "Tafeln"...inzwischen weit über 1000. Das ist m.E. kein Zufall, sondern hat unmittelbar mit der oben geschilderten Entwicklung zu tun. Das hätte man vor dreißig Jahren erst gar nicht zugelassen, dass es so etwas wie Tafeln unserem Land geben muss-. Die Tafeln sind nur ein Beispiel. In die gleiche Zeit fällt die inflationäre Veräußerung von staatlichen Immobilien - auch dagegen hätte man sich heftig gewehrt. Und warum hätte man sich gewehrt? Weil die Studenten zu jener Zeit sehr kritisch solche Entwicklungen betrachteten und hinterfragten...weil sie intelligent genug waren um die Folgen abschätzen zu können. Voraussetzung ist, dass man sich dafür überhaupt interessiert. Und genau an diesem Punkt mache nicht nur ich Problem aus: es interessiert die Studenten einfach nicht, da sie nur auf ihr eigenes Wohl bedacht sind. Sie kömmen i.d.R. nicht aus einem RTLII Haushalt, haben bereits eine gewisse Grundaustattung mit auf den Weg bekommen - laufen nur selten Gefahr am unteren Ende der Gesellschaft zu landen.

    Ich wohne in einer Universitätsstadt...in einer Stadt mit einer sehr hohen Studentendichte...gemessen an der Gesamt-Einwohnerzahl. Ich kann täglich beobachten...wie die feinen Töchter von Mami und Papi alles an den Arsch getragen bekommen...wie am Wochenende die dicken Audis und Mercedes vorfahren...um der geliebten Tochter die frische Bügelwäsche und ein paar Scheinchen zu überreichen. Das Mädchen soll ja nicht an der Tanke oder sonstwo arbeiten müssen - schließlich soll es viel lernen...damit es nicht später mal aufs Büro oder gar ins Handwerk muss. Will sagen: das spielen sehr viele Faktoren eine Rolle - und natürlich tragen die Studenten nicht die alleinige Verantwortung...aber von ihnen darf...muss man sogar viel erwarten. Ein nicht unwesentlicher Teil der Studenten ist für den Staat ein Zuschussgeschäft. Die Studenten sind dazu verpflichtet zurückzuzahlen- und damit meine ich nicht das Bafög.

    Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

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