Es war einmal ein König, der hatte drei Töchter. Eine war böse, eine war hässlich und eine war dumm.
Er wollte sie gerne verheiraten, denn die Böse spielte ihm immer Streiche, die Hässliche schnitt ihm
Fratzen und die Dumme verschenkte seine Taler an Bettler.
Zuerst suchte er einen Mann für die Böse. Es hatte sich aber herumgesprochen, wie böse sie war.
Von allen Männern im Land war nur der Teufel persönlich bereit, sie zu heiraten.
Dann suchte er einen Mann für die Hässliche. Von allen Männern im Land war aber nur der
feuerspeiende Drache bereit, sie zu heiraten.
Dann suchte er einen Mann für die Dumme, aber zu seiner großen Verblüffung wollten alle Männer des
Landes, die noch ledig waren, ausgerechnet die dumme Königstochter heiraten.
Da musst er sich etwas einfallen lassen.

Also sprach der König: „Die Böse habe ich dem bösesten Geschöpf im Land gegeben, die Hässliche
dem hässlichsten Ungeheuer, also soll die Dumme der dümmste Idiot im ganzen Land kriegen.“
„Wie finden wir den Dümmsten?“, riefen die Leute.
Der König zuckte nur die Schultern. „Findet ihn, egal wie.“
Weil alle die dumme Königstochter heiraten wollten, begannen sie, sich wie Idioten zu benehmen.
Der Hufschmied schlug den Pferden die Hufeisen verkehrt herum an, der Bäcker buk Brote, die wie
Würste aussahen und der Schneider nähte Kleider, welche die Nähte außen hatten.
Auch die Gelehrten des Landes begannen, lauter Unsinn zu erzählen. Die Lehrer brachten den Kindern
bei, dass 1 + 1 = 3 ist. Die Architekten bauten schiefe Häuser. Die Astrologen sagten die Zukunft
absichtlich falsch vorher: „Im Januar werden die Äpfel reif sein.“
Sogar die Ritter benahmen sich völlig idiotisch und ließen ihre Pferde auf sich reiten.

Nun gab es aber zu jener Zeit einen Mann, der war wirklich dumm. Er war zu dumm, einen Eimer
Wasser umzuschütten, er trank ihn lieber aus. Sein Name war Honk.
Honk war so dumm, dass er sogar manchmal vergaß, zu atmen, wenn ihn etwas erstaunte.
Und ihn erstaunte vieles, selbst wenn die Leute sich normal verhielten. In letzter Zeit jedoch
verhielten sie sich so seltsam, dass er sehr oft vergaß, zu atmen.
Er wusste natürlich nicht, warum die Leute sich so idiotisch benahmen, denn weil er sogar zu dumm war,
um seine eigene Muttersprache zu lernen, konnte es ihm niemand erzählen.
Er hatte aber ein gutes Herz. Und darum dachte er: 'Ich muss den anderen Idioten helfen! Außerdem
falle ich sonst noch tot um, weil ich immer vergesse zu atmen!'
So kam es, dass, wann immer der König durch sein Land ritt, alles wieder ganz normal aussah, weil Honk
es in Ordnung gebracht hatte.

Das ärgerte die anderen Männer, denn sie wollten ja vor dem König möglichst dumm erscheinen, um die
Königstochter heiraten zu können. Sie beschlossen, Honk an einem Apfelbaum aufzuhängen. Genau da
kam der König vorbei und darum mussten sie den armen Mann nun an den Füßen hängen statt am Hals,
so dass Honk nicht am Aufhängen sterben konnte.
„Was hat der Mann getan?“, fragte der König. Aber niemand wusste es zu sagen, denn eigentlich hatte
Honk ja nichts getan, außer wurstförmige Brote in Scheiben zu schneiden und Butter drauf zu schmieren
und dann sahen sie wie ganz normale Brote aus. Er hatte auch den Pferden die Hufeisen abgenommen und
richtig herum wieder drauf geschlagen. Im Schneiderladen hatte er die Kleider einfach umgekrempelt. Und
er hatte auch in der Schule an der Tafel aus der 3 eine 2 gemacht und die Pferde von den Rittern
geschubst. Gegen die schiefen Häuser und die falschen Vorhersagen der Astrologen hatte er nichts tun
können, aber damals war es nicht unüblich, schiefe Häuser zu bauen und falsche Vorhersagen zu machen.

„Also“, sagte der König. „Wenn ihr nicht wisst, warum der Mann hängen soll und dann auch noch verkehrt
herum, dann müsst ihr alle Idioten sein! Holt ihn runter!“
Die Männer schnitten Honk vom Baum. Er fiel auf den Kopf und der König lachte.
Dann wandte er sich an Honk: „Warum wollen sie dich hängen?“
Aber Honk konnte ja nicht sprechen, also versuchte er dem König alles mit Zeichen zu erklären.
Er zog seine Jacke verkehrt herum an, ließ ein Pferd auf sich reiten und schrieb an eine Wand, dass
1 + 1 = 3 sei. Der König hörte gar nicht mehr auf zu lachen.
„Du bist der größte Idiot!“, rief er lachend aus. „Du sollst die Königstochter haben!“
So kam es, dass Honk, später auch bekannt als Honk der Schweigsame, die dumme Königstochter erhielt.
Außerdem das halbe Königreich, weil der König inzwischen selbst glaubte, dass 1 + 1 = 3 ist.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Der Teufel lebt auf jeden Fall noch, ich habe ihn neulich erst im Wirtshaus getroffen, wo er sich betrank und
über die bösen Streiche seiner Frau klagte.