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  1. #1
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    Die Reise des kleinen Schmetterlings

    Es war einmal ein Schmetterling,
    Dacht, ihm gehöre die Welt,
    Doch war er nur ein unwichtger Wicht
    Der sich für den Größten hält.

    Die andern fand er alle grau,
    Sich selbst als schönstes Kind,
    Erstrahlend in einem gelbgrünbunt -
    Dabei war er farbenblind.

    Da ging er zu der weisen Uhl,
    Fragte sie um Rat.
    Schrie lauthals: "Eule, hilf! Mach schnell!",
    Sobald er ihr Nest betrat.

    Die bat ihn: "Geht das auch in Nett?!
    So habe ich keine Lust!
    Hilf dir doch einfach einmal selbst.
    Das mäßigt deinen Frust."

    "Nein! Tu sofort was ich dir sag
    Und sag: was soll ich tun!?"
    Der Schmetterling war ziemlich dreist -
    Jedoch die Eule immun.

    Er holperte, polterte, machte Krawall,
    wies sonst kein Lindling tat,
    Als wäre er ein Schmetterwurm-
    Drum wars um ihn nicht schad:

    Denn dieser freche Flattermann
    machte die Flatter, Mann.
    Und meckerte insgesamt sehr wild:
    Die andern sein schuld daran.

    Drum schwebte der kleine Schmetterling
    Sacht in den Flatterwald
    Quer durch dessen laue Luft
    Allein zum Arterhalt.

    Ob Flattermann dort glücklich wird?
    Man wirds in Bälde sehn.
    Willst du vor ihm sicher sein,
    Darfst du dorthin nicht gehn.
    Meine Sydnatur:
    Greis und Greisin miss u <3
    Hier stehe ich! Ich kann nicht anders! Gott helfe mir! Amen!
    (Der Buchstabe)
    Du verstehst Nachteules Kommentar nicht? Lyrisches Lexikon der Nachteule; für Einsteiger: der Kommentarfaden; wenn dir ein Kommentar besonders gefällt, kannst du ihn zur Kritik des Monats nominieren
    Drama: Das Gericht; Prosa: Fernreise als Kurztrip, Krieg im Frieden, Die Tote

  2. #2
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    Was dem einen sin Nachtigall, ist dem andern sin Uhl.

    Was sagen wohl die trüben Tassen im Flatterschrank über dein Gebölk? Die Verstechnik und der Stilmix sind schon sehr eigen.

    Nebenbei: Ist Uhl nun männlich oder weiblich? Zu meinem Entsetzen finde ich das Wort in keinem Nachschlagewerk, das mir gerade zur Verfügung steht.

    Schönes Flattern
    wilma27

  3. #3
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    hallo nachteule,
    was wilma27 als "eigen" bezeichnet empfinde ich eher als handwerkliche unsicherheit. und so macht der text auf mich den eindruck der sprechrhythmischen überarbeitungsbedürftigkeit. balladeskes oder fabulöses, zumal doch angelehnt an die bekannten klassiker, wäre schön flüssiger zu lesen.
    ob inhaltlich "gehaltvoll" ? für meine erwartungen eher nicht...aber dies mögen andere leser auch anders sehen.
    cui
    gitano
    "Die Deutlichkeit ist die Höflichkeit in der Kritik."
    feiner Satz von M. Reich-Ranicki

  4. #4
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    Hallo Nachteule
    Die metrischen „Schlampereien“ scheinen der fortgeschrittenen Zeit der Abfassung geschuldet. Das kannst Du besser.
    Im wacheren Zustand hättest Du auch, wie folgt, die ersten Strophen abfassen gekonnt haben(der Satz ist schon beinahe Juristendeutsch)
    Wie Du feststellen könntest ein 5hebiger Jambus-Kreuzreim abab, cdcd Vorlage: -a-a, -b-b,

    Es war ein kleiner frecher Schmetterling,
    der dachte, ihm gehöre diese Welt.
    Doch ist er nur ein unbedeutner Wicht,
    der glaubt, dass jeder ihn für Wichtig hält .

    Die andern fand er alle grau in grau
    begriff sich dagegen als schönstes Kind
    beschrieb sich selbst als Regenbogenbunt -
    Dabei war er vermutlich farbenblind.

    Das ursprüngliche :
    Erstrahlend in einem gelbgrünbunt -
    Dabei war er farbenblind.
    Scheint mir irgendwie unlogisch. Die Farbenblindheit (Tritanopie) kommt doch nicht durch die farbliche Gestaltung seines Körpers zum Ausdruck, sondern daß er sie anders wahrnimmt als sie sich dem äußeren Betrrachter darbietet
    Anschließend fragt sich der lyr. Interessierte, war diese Tritanopie , der Anlaß die Uhl aufzusuchen?
    Drum wars um ihn nicht schade (S6 Z4)
    Was ist geschehen, hat ihn die Eule auf ihren Speisenplan gesetzt?
    Alternativvorschlag (ganz lapidar) der Uhl war ihre Zeit zu schad!
    S7 Z2 machte die Flatter, alsdann
    und Z4 die And'ren seien Schuld daran


    mit freundlichsten Grüßen
    talentlos
    Sprueche 16,16

    Ich wiege und messe meine Verse nicht !
    Ich kriege darum nicht hin, kein gut Gedicht


    Nichts ist so überflüssig an einem Gedicht wie dessen metrische Analyse!!!

  5. #5
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    Hallo Eule,

    ui, eine moderne Fabel als Chevy-Chase-Ballade! Die Strophe begegnet einem nicht oft. Wir hatten ja kürzlich erst darüber gesprochen Die-Chevy-Chase-Strophe

    Wie ich sehe, warst Du nicht zimperlich und hast die Gestaltungsmöglichkeiten der CCS (mit Ausnahme des Doppelauftaktes) voll ausgeschöpft, was bei freier Füllung bei weitem nicht so leicht ist, wie es aussieht. Die rhythmischen Schlenker sind sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Kein Wunder, wenn Du damit bei passionierten „Glattreimern“ keinen Blumentopf gewinnst. Ich mag das! Und ich hatte keine Schwierigkeiten beim Lesen.

    Die Kategorien Epik und Drama sind, wie es sich für eine Ballade gehört, durch die Abwechslung von erzählenden Versen mit wörtlicher Rede auch schön ausgewogen vertreten. Ich geh mal durch:


    Es war einmal ein Schmetterling,
    Dacht, ihm gehöre die Welt,
    Doch war er nur ein unwichtger Wicht
    Der sich für den Größten hält.
    "Unwichtger Wicht" ist eine witzige Dopplung, herrlich absurd und gleichzeitig die Patentlösung, den Vers vierhebig zu kriegen, ohne ihn durch Leerstellen zu verwässern. Jedes andere Adjektiv für einen Wicht wäre Frevel gewesen!


    Die andern fand er alle grau,
    Sich selbst als schönstes Kind,
    Erstrahlend in einem gelbgrünbunt -
    Dabei war er farbenblind.

    Da ging er zu der weisen Uhl,
    Fragte sie um Rat.
    Schrie lauthals: "Eule, hilf! Mach schnell!",
    Sobald er ihr Nest betrat.
    S2 ergänzt ohne viel Brimborium die Charakteristik des Schmetterlings. Die Doppelsenkungen, im Schnitt etwa eine alle zwei Verse, sind m.E. genau richtig bemessen, um die Handlung flott voranzutreiben. Der halbe Kreuzreim sorgt sowieso für ein zügiges Tempo, da darf man es nicht übertreiben. S3 kommt direkt zur ersten Konfrontation. Der auftaktlose Vers "Fragte sie um Rat" vermittelt schon einen ersten Eindruck vom ungestümen Auftreten des Schmetterlings (keine Zeit für Höflichkeiten).


    Die bat ihn "geht das auch in Nett?!
    So habe ich keine Lust!
    Hilf dir doch einfach einmal selbst.
    Das mäßigt deinen Frust."
    Diese Strophe ist die einzige, in der die Eule spricht. Sie sagt einmal, was sie zu sagen hat, und reagiert in der Folge nicht mehr auf den fordernden Ton des Schmetterlings. Ein guter Kontrast zum wiederkehrenden Lamento des Gegenspielers!


    "Nein! Tu sofort was ich dir sag
    Und sag: was soll ich tun!?"
    Der Schmetterling war ziemlich dreist-
    Jedoch die Eule immun.
    So weit, so gut! Die vergeblichen Bemühungen des Schreihalses hättest Du für meinen Geschmack noch etwas eindrücklicher darstellen können. Hier hätte ich mir mehr Drama gewünscht, wenn auch nicht unbedingt in wörtlicher Rede. Eine Steigerung in den herausgeschmetterten Kurzsätzen wäre zwar möglich, würde allerdings nicht mehr viel Neues bringen und das Gedicht unnötig in die Länge ziehen.

    Aber im erzählenden Teil könntest Du jetzt noch etwas Fahrt aufnehmen. Die schönen daktylischen Wörter "holperte" und "polterte" würde ich auch als Daktylen verwenden und damit an Tempo noch einen Zahn zulegen, z.B. statt "Er holperte und polterte":


    Er holperte, polterte, machte Krawall, (regte sich auf, schäumte vor Wut o.ä.)
    wies sonst kein Lindling tat,
    Als wäre er ein Schmetterwurm -
    Drum wars um ihn nicht schad:

    Dann hättest Du mit diesem sehr schnellen „Poltervers“ einen schönen Kontrast zu den nachfolgenden ruhigen Erzählversen. Das lässt aufhorchen.


    Denn dieser freche Flattermann
    machte die Flatter, Mann.
    Und meckerte insgesamt sehr wild:
    Die andern sein schuld daran.
    "Insgesamt sehr wild" gibt zwar den länger andauernden Prozess ganz gut wieder, aber ideal finde ich es nicht, weil es m.E. eine überfüssige Zusammenfassung des bereits Gezeigten ist. Vielleicht ginge etwas wie:

    Es waren nämlich ganz allein
    die anderen schuld daran.



    Drum schwebte der kleine Schmetterling
    Sacht in den Flatterwald
    Quer durch dessen laue Luft
    Allein zum Arterhalt.

    Ob Flattermann dort glücklich wird?
    Man wirds in Bälde sehn.
    Willst du vor ihm sicher sein,
    Darfst du dorthin nicht gehn.
    "Arterhalt" erinnert ein bisschen an Fortpflanzung. Na gut, das kann man mehrdeutig lesen. Vermutlich erhofft sich der polternde Schmetterling, dass er mit seiner Art zu kommunizieren anderswo erfolgreicher ist, und sie also einfach beibehalten kann.

    Mir gefällt Deine Ballade ganz gut und ich wünschte, ich würde mich auch endlich mal trauen, die Möglichkeiten der CCS richtig auszureizen. Die meisten deutschen Dichter waren da auch für meinen Geschmack zu vorsichtig. Da bin ich ganz bei Dir!

    LG Kakadu
    Geändert von Claudi. (27.05.2016 um 03:20 Uhr)
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  6. #6
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    Ich finde es lustig und beim zweiten Man lesen klappt es auch ohne Holpern, da es weitgehend in sich konsistent ist.
    (Mit Chevy-Chase kann ich nun nichts anfangen, da ergibt sich bei mir einfach keine Musik.)
    Dass er die anderen grau findet, sich bunt und selbst farbenblind ist, er gibt nicht wirklich Sinn. Es ist absurde Komik.
    Warum geht er zur Eule? Die Frage tauchte schon auf, ich hab sie mir auch gestellt. Vielleicht muss da eine Strophe rein, die zeigt, dass er mit anderen nicht auskommt oder keine Frau findet.
    Warum frisst die Eule ihn nicht auf? Ich habe damit gerechnet. Wäre aber zu erwartet.
    Im Detail hatte ich viel Spaß mit diesem Gedicht. "Nein! Tu sofort was ich dir sag / Und sag: was soll ich tun!?"

    LG

  7. #7
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    Hallo ihr drei,

    ich glaube, "eigen" trifft es am besten, wenn es um das Metrum geht. Das ist nämlich die Eigenheit der Chevy-Chase-Strophe. Festgeschriebene Hebungen mit Füllungsfreiheit. Ich weiß, eine alte Balladenstrophe für eine Ballade zu verwenden ist nicht sonderlich kreativ, aber ich fand es passend. (kakadu hat sie ja erkannt. Danke dafür. )

    @wilma27
    Was sagen wohl die trüben Tassen im Flatterschrank über dein Gebölk? Die Verstechnik und der Stilmix sind schon sehr eigen.
    Das kannst du drüben lesen, da es ein Gruppengedicht war. Aber wenn du dich über mein Nachtreten beschwerst, muss deines auch nicht sein, zumal es an der Grenze zur Beleidigung ist. Die Verstechnik habe ich, hoffe ich, mit der Strophenform erklärt, aber was meinst du mit dem Stilmix?

    Nebenbei: Ist Uhl nun männlich oder weiblich? Zu meinem Entsetzen finde ich das Wort in keinem Nachschlagewerk, das mir gerade zur Verfügung steht.
    Da ich davon ausgehe, dass du das sprachliche Geschlecht meinst, bin ich einfach davon ausgegangen, dass die Eule weiblich ist und darum "Uhl" auch, da es ja nur eine Verkürzung der "Eul" ist.

    @gitano
    und so macht der text auf mich den eindruck der sprechrhythmischen überarbeitungsbedürftigkeit. balladeskes oder fabulöses, zumal doch angelehnt an die bekannten klassiker, wäre schön flüssiger zu lesen.
    Ich weiß, dass man sich darauf einlassen muss, wenn man an mit einem alternierenden Metrum rechnet, aber ich habe mir von einem Testleser sagen lassen, dass es geht.
    Die klassiker waren aber (fast) alle zu feige, die Chevy-Chase-Strophe komplett anzuwenden.

    ob inhaltlich "gehaltvoll" ? für meine erwartungen eher nicht...aber dies mögen andere leser auch anders sehen.
    Halt eine Fabel über etwas, das eigentlich selbstverständlich sein sollte, aber nicht jeder schafft: Höflichkeit. Als ich es schrieb (ist schon zwei, drei Monate her), schien es mir nötig, das Thema wieder aufzugreifen, damit bestimmte Leute merken, dass es das gibt.

    @talentlos
    wie im allgemeinen Teil bereits gesagt, ist die Strophenform nicht auf alternierende Metren ausgelegt. (Und ich habe das Gedicht natürlich nicht um 03:00 geschrieben, sondern schon vor einer Weile und sogar tagsüber. ) Darum passen deine Vorschläge mit fünfhebigen Jamben und "ganzem" Kreuzreim natürlich nicht.

    Das ursprüngliche :
    Erstrahlend in einem gelbgrünbunt -
    Dabei war er farbenblind.
    Scheint mir irgendwie unlogisch. Die Farbenblindheit (Tritanopie) kommt doch nicht durch die farbliche Gestaltung seines Körpers zum Ausdruck, sondern daß er sie anders wahrnimmt als sie sich dem äußeren Betrrachter darbietet
    Weil du es aus dem Zusammenhang reißt.
    Die andern fand er alle grau,
    Sich selbst Erstrahlend in einem gelbgrünbunt -
    Dabei war er farbenblind.
    So erkennst du es vielleicht besser. Der Schmetterling hielt sich selbst für "gelbgrünbunt", obwohl er farbenblind war, dachte er, er sei der bunteste, aber die anderen seien grau.

    Anschließend fragt sich der lyr. Interessierte, war diese Tritanopie , der Anlaß die Uhl aufzusuchen?
    Da die Fabel das Verhalten des Schmetterlings behandelt und ich das Gedicht nicht unnötig verlängern, also verdichten, wollte, ließ ich es beiseite. Es könnte alles gewesen sein. Und das ist ja auch nicht schlecht. Egal, aus welchem Grund der Schmetterling zur Eule ging, er benahm sich falsch.

    Was ist geschehen, hat ihn die Eule auf ihren Speisenplan gesetzt?
    Nee, aber er ist in den Flatterwald geflattert, wo er jetzt lebt und vergnügt flattert. Und wenn er sich so wie bei der Eule verhält weiter allein...

    S7 Z2 machte die Flatter, alsdann
    und Z4 die And'ren seien Schuld daran
    Wie oben auch, passt das ins Metrum der CCS nicht, da der zweite Vers dreihebig sein muss.

    @kakadu
    Schön, dass du sie erkannt hattest.
    Wie ich sehe, warst Du nicht zimperlich und hast die Gestaltungsmöglichkeiten der CCS (mit Ausnahme des Doppelauftaktes) voll ausgeschöpft, was bei freier Füllung bei weitem nicht so leicht ist, wie es aussieht. Die rhythmischen Schlenker sind sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Kein Wunder, wenn Du damit bei passionierten „Glattreimern“ keinen Blumentopf gewinnst. Ich mag das! Und ich hatte keine Schwierigkeiten beim Lesen.
    Die Problematik habe ich oben ja bereits angesprochen. Wobei 101010 ja meint, beim zweiten Mal lesen sei es ihm besser gelungen. Das zeigt wieder, dass es hauptsächlich Gewohnheit ist.
    Doppelauftakte finde ich bei wechselnden Metren schwer umzusetzen und habe mich darum bewusst gegen sie entschieden.
    Dass du Schwierigkeitslos warst, freut mich natürlich.

    "Unwichtger Wicht" ist eine witzige Dopplung, herrlich absurd und gleichzeitig die Patentlösung, den Vers vierhebig zu kriegen, ohne ihn durch Leerstellen zu verwässern. Jedes andere Adjektiv für einen Wicht wäre Frevel gewesen!
    Freut mich, dass die die wichtige... witzige Doppelung gefällt. Da hat sich das kurze nacharbeiten ja gelohnt.

    S2 ergänzt ohne viel Brimborium die Charakteristik des Schmetterlings. Die Doppelsenkungen, im Schnitt etwa eine alle zwei Verse, sind m.E. genau richtig bemessen, um die Handlung flott voranzutreiben. Der halbe Kreuzreim sorgt sowieso für ein zügiges Tempo, da darf man es nicht übertreiben. S3 kommt direkt zur ersten Konfrontation. Der auftaktlose Vers "Fragte sie um Rat" vermittelt schon einen ersten Eindruck vom ungestümen Auftreten des Schmetterlings (keine Zeit für Höflichkeiten).
    Gut zusammengefasst. Aber meist ist es keine Zeitfrage. Wenn man nett fragt geht das meiste ja schneller. Und eine ungestüme Art, die du hier attestierst, ist ja auch kein Zeitfrage, sondern hat eher etwas mit Charakter(losigkeit) zu tun.
    Es freut mich, dass du meine metrische Herangehensweise zwecks Tempo passend findest.
    Diese Strophe ist die einzige, in der die Eule spricht. Sie sagt einmal, was sie zu sagen hat, und reagiert in der Folge nicht mehr auf den fordernden Ton des Schmetterlings. Ein guter Kontrast zum wiederkehrenden Lamento des Gegenspielers!
    Eulen stehen ja für Weisheit. Wenn dann jemand kommt, der unhöflich ist und auf keine Weise versucht, sich seinem Gegenüber respektvoll zu verhalten schweigt der Weise. Doch der flatterhafte Schmetterling (keine Ahnung, ob es den in der Fabel gibt, aber ich finde das passend. Ich glaube, sie sind eher Eitel... aber auch da ist ja nicht unpassend. XD) hat keine Lust dazu und bruddelt weiter, fordert sogar noch Hilfe bei seinen Entscheidungen. Da ist Schweigen die einzig passende Reaktion...
    So weit, so gut! Die vergeblichen Bemühungen des Schreihalses hättest Du für meinen Geschmack noch etwas eindrücklicher darstellen können. Hier hätte ich mir mehr Drama gewünscht, wenn auch nicht unbedingt in wörtlicher Rede. Eine Steigerung in den herausgeschmetterten Kurzsätzen wäre zwar möglich, würde allerdings nicht mehr viel Neues bringen und das Gedicht unnötig in die Länge ziehen.
    Ich habe immer die Angst, zu viel zu schreiben und das Gedicht unnötig in die Länge zu ziehen. Mal sehen, ob ich noch irgendetwas finde, das ich da einfügen kann, ohne dass es störend wirkt.

    Aber im erzählenden Teil könntest Du jetzt noch etwas Fahrt aufnehmen. Die schönen daktylischen Wörter "holperte" und "polterte" würde ich auch als Daktylen verwenden und damit an Tempo noch einen Zahn zulegen, z.B. statt "Er holperte und polterte":


    Er holperte, polterte, machte Krawall, (regte sich auf, schäumte vor Wut o.ä.)
    wies sonst kein Lindling tat,
    Als wäre er ein Schmetterwurm -
    Drum wars um ihn nicht schad:

    Dann hättest Du mit diesem sehr schnellen „Poltervers“ einen schönen Kontrast zu den nachfolgenden ruhigen Erzählversen. Das lässt aufhorchen.
    Der Vorschlag gefällt mir sehr gut. den Übernehme ich gerne. Auch die Begründung überzeugt. Sehr schön!

    "Insgesamt sehr wild" gibt zwar den länger andauernden Prozess ganz gut wieder, aber ideal finde ich es nicht, weil es m.E. eine überfüssige Zusammenfassung des bereits Gezeigten ist. Vielleicht ginge etwas wie:

    Es waren nämlich ganz allein
    die anderen schuld daran.
    Hier muss ich noch etwas überlegen. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich deinen Vorschlag übernehmen soll... Wir werden sehen.

    "Arterhalt" erinnert ein bisschen an Fortpflanzung. Na gut, das kann man mehrdeutig lesen. Vermutlich erhofft sich der polternde Schmetterling, dass er mit seiner Art zu kommunizieren anderswo erfolgreicher ist, und sie also einfach beibehalten kann.
    Die Doppeldeutigkeit war beabsichtigt, um das Gedicht etwas ironisch-fröhlich zu beenden. Gemeint ist natürlich sich selbst als Art, da er Angst haben musste (wie andere ja sowieso erwartet haben) von der Eule für seine Art und Weise, gefressen zu werden. Weiter zu ziehen ist manchmal einfacher als sich anders zu benehmen. Zumindest bis an anderer Stelle gemerkt wird, wie sich der Schmetterling benimmt.

    Mir gefällt Deine Ballade ganz gut und ich wünschte, ich würde mich auch endlich mal trauen, die Möglichkeiten der CCS richtig auszureizen. Die meisten deutschen Dichter waren da auch für meinen Geschmack zu vorsichtig. Da bin ich ganz bei Dir!
    Das freut mich!
    Jaja, die Angst vor der eigenen Courage unserer Vorgänger. Wir haben im Vorstellungfaden der Strophe ja beide gemerkt, wie lange man braucht, bis man ein wirklich passendes Beispiel gefunden hat. Das kann natürlich auch daran liegen, dass der Leser die Musik, die Fffffuchs nach dir anspricht, fühlen möchten und das bei wechselnden Metren einfach schwerer wird und die alten Meister, da sie davon lebten, umso mehr den Geschmack des Publikums treffen mussten und darum lieber monoton als erzählerisch vorgingen...
    Einfach mal trauen. Muss ja nicht gleich perfekt sein.

    @101010
    Ich finde es lustig und beim zweiten Man lesen klappt es auch ohne Holpern, da es weitgehend in sich konsistent ist.
    Schön, dass es beim zweiten Mal schön... äh... schon besser ging. Was du mit "in sich konsistent" meinst, ist wahrscheinlich die festgeschriebene Anzahl an Hebungen. Ohne die würde es sicherlich für das geübte Gehör deutlich schwerer zu lesen sein. Bei der Strophenform muss man sich von Silbenlesen zum Hebungslesen umgewöhnen und die Senkungen als Tempogeber, siehe kakadu, lesen. Dass das schwer ist, verstehe ich und ich war auch ab und an kurz davor, aus "Eule immun" "Eul' immun" zu machen, aber das hätte der Strophenform widersprochen. XD Ist wie beim Hexameter. Immer nur zwei Senkungen macht es zwar leichter zu lesen, aber langweilig. Zumindest wenn man ihn als erzählenden Vers einsetzt und dann 15 Strophen damit schreibt.
    Dass du die Fabel lustig fandest, freut mich natürlich auch.

    Dass er die anderen grau findet, sich bunt und selbst farbenblind ist, er gibt nicht wirklich Sinn. Es ist absurde Komik.
    Ja und Nein. Absurde Komik ja, nicht wirklich Sinn ist eine Perspektivfrage. Wenn man sich selbst über alle erhebt sind alle grau. Dadurch, dass man über den anderen steht, muss man selbst ja bunt sein. Man ist doch nicht ordinär grau!
    Warum geht er zur Eule? Die Frage tauchte schon auf, ich hab sie mir auch gestellt. Vielleicht muss da eine Strophe rein, die zeigt, dass er mit anderen nicht auskommt oder keine Frau findet.
    Wie (inzwischen) oben gesagt wollte ich u.a. das Gedicht allgemein halten. Warum ist egal, weil das Verhalten der Eule gegenüber einfach nicht geht. Selbst wenn er einen Wirbelsturm in Amerika ausgelöst hat, darf er anderen gegenüber nicht so auftreten. Als Fabel hat das Gedicht ja auch eine Aussage. Ich habe dann immer Angst, sie zu sehr zu fixieren, wenn ich beim Auslöser zu genau werde.

    Warum frisst die Eule ihn nicht auf? Ich habe damit gerechnet. Wäre aber zu erwartet.
    Weil Eulen nette Tiere sind. Nein, dass ist ähnlich wie bei "Mrs. Brisby und das Geheimnis von NIMH". Die Eule ist der Ratgeber, nicht der Handelnde, auch wenn sie quasi in die Rolle des Handelnden gedrängt wird. Außerdem ist das Gedicht *hüstel* ein Tatsachenbericht.

    Im Detail hatte ich viel Spaß mit diesem Gedicht.
    Das freut mich! Das ist ja auch einer der Gründe, warum wir dichten.
    (Den von dir zitierten Vers hätte ich auch unter keinen Umständen entfernt. )

    Danke für eure Kommentare!

    nächtlicher Gruß, gutes nächtle und carpe noctem
    Nachteule
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  8. #8
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    wenn dich so ein kommentärchen "fast" beleidigt, werde ich es nicht wagen, einzelne verse oder strophen zu bemängeln. aber die sind auch als chevy-chase durchaus diskussionswürdig.
    lg vom testbeleidiger
    w27

  9. #9
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    Hallo wilma,

    das kam wohl etwas falsch an. Ich meinte lediglich die "trüben Tassen", was nicht hätte sein müssen. Damit hast du auch nicht mich beleidigt, sondern die Stammuser im "Flatterschrank". Und da die wenigstens von dort hier noch wirklich aktiv sind, können sie sich nicht einmal wehren.
    Ich hoffe, dass dich diese Klarstellung davon abhält, deine Kritik nicht zu äußern. Gerade, was für ein Stilmix du meinst, interessiert mich nämlich noch. Aber auch die von dir eben erst erwähnten Verse und Strophen würden mich interessieren.
    Dass die Verse nicht perfekt sind, war mir klar, da das mein erstes CCS-Gedicht war.

    nächtlicher Gruß, gutes nächtle und carpe noctem
    Nachteule
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  10. #10
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    lieber nachtuhl
    tut mir leid. diesen hut muss ich mir wohl aufsetzen.
    gerne werde ich für mich deine ccs aufmerksam anschauen. zuerst werde ich aber claudis besprechung lesen. und wenn ich anschliessend den mund halte, soll dir keine antwort antwort genug sein.
    schönen tag
    w27

  11. #11
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    Vogelschau per Verhaltenspsychologie die leider nur ornithologisch kommt, wegen Selbstbefriedigungsdrang des Schmetterwurms in einer Wildbahn welche hoffentlich nicht nur zum Diskussionszweck dient.

    Alles Gute dir ins Gefieder machend, der mit der Pumpgun alles vom Himmel holt was nicht ordentlich krächzen kann, wie der Rabe der ich auch so ein bisschen sein darf, weils an der Hierarchie der Beteiligen doch etwas arg Unflatterhaftes ist.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  12. #12
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    Hallo Terrorist,

    schön, dass du wieder einen Weg gefunden hast, mit möglichst vielen Worten möglichst wenig zu sagen. Ich bezweifle aber, dass Schmetterlinge ornithologisch sind. Jedenfalls ist mir nicht bekannt, dass Insekten von der Vogelkunde erfasst werden...

    Das Verteilen von Noten mit Pumpguns zu verwechseln ist bedauerlich, liegt aber leider in der Natur des Terroristen.

    nächtlicher Gruß, gutes nächtle und carpe noctem
    Nachteule
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  13. #13
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    Den Kernpunkt meiner Kritik habe ich aber unwiderlegbar herausgearbeitet, da dein Kategoriedenken doch nur in der Realität greifen würde.
    Das dir nochmal mitgebend widerstehe ich der Versuchung etwas aufzupieken was seinen Texten nicht mal den Glanz seinerselbst verleihen möchte.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  14. #14
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    Hallo Terrorist,

    da die Kategorien nicht nur in der Realität greifen, sondern in allen Ebenen. Schmetterlinge sind nun mal keine Vögel und sind sie auch in Gedichten nicht. Auch der Lindwurm, der Teil des Schmetterwurms ist, ist kein Vogel.
    Wer keine Kernpunkte hat, kann auch darin nicht widerlegt werden.

    Hat dich auch keine drum gebeten... Also nur was sagen, wenn du auch Inhalte zu vermitteln hast. Ist häufig besser so, weil du mich dann nicht mit dem sinnlosen Suchen von Inhalten nervst.

    nächtlicher Gruß, gutes nächtle und carpe noctem
    Nachteule
    Meine Sydnatur:
    Greis und Greisin miss u <3
    Hier stehe ich! Ich kann nicht anders! Gott helfe mir! Amen!
    (Der Buchstabe)
    Du verstehst Nachteules Kommentar nicht? Lyrisches Lexikon der Nachteule; für Einsteiger: der Kommentarfaden; wenn dir ein Kommentar besonders gefällt, kannst du ihn zur Kritik des Monats nominieren
    Drama: Das Gericht; Prosa: Fernreise als Kurztrip, Krieg im Frieden, Die Tote

  15. #15
    Registriert seit
    Nov 2009
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    Spamdibudibau!
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

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