Thema: Gelöst

  1. #1
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    Gelöst

    Wind bläst beständig aus glühenden Weiten
    An meinem Stein löst sich schmerzend der Sand
    Will wohl ein Weich-rundes aus mir bereiten
    mich weit zerstreuen, in zeitloses Land

    Halt einmal inne, im brennenden Leiden
    flieht auch das Leben, das starr nur begann
    doch so erleichtert und glücklich bescheiden
    sammelt mich fern, als der Stein hier zerrann
    Geändert von Arkadier (25.07.2016 um 09:25 Uhr) Grund: Änderung Hinweis Festival u. Sfjldm
    Die Wälder wären sehr still, wenn nur die begabtesten Vögel sängen.
    Henry van Dyke

  2. #2
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    Hi,

    deine Neubearbeitung sieht nach Filetierung aus, nachdem nicht mehr zu erkennen ist, welchen Tieres es entstammt. Ich hätte mich über eine detailliertere Kritik sehr gefreut, da die genannten Kritikpunkte nicht verortet wurden.

    Trotz allem Danke dir fürs Lesen und Kritik !
    Die Wälder wären sehr still, wenn nur die begabtesten Vögel sängen.
    Henry van Dyke

  3. #3
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    Hallo, Arkadier
    ich versuch es mal auf weniger verwirrende Weise: Der ewige Wandel geht auch am schroffen Fels nicht vorbei. Hitze und Wind (hast Du das Wasser vergessen?) beschleifen den Stein - die Zeit rundet und glättet, hinweg getragen wird der Sand, aus dem vormals Starren wird (mit "Geburtsschmerzen verbunden) etwas Mobiles, das anderswo sich in neuer Form manifestiert. Einzig bei dem Vers "Will wohl ein Weich-rundes an mir bereiten" würde ich statt "an" ein "aus" vorziehen. Ein jeder kann dieses "gelöst" auf sein, das menschliche Leben, beziehen. Der tragende Gedanke ist in passende Verse gepackt. Kompliment!
    Festival
    Geändert von Festival (24.07.2016 um 20:16 Uhr) Grund: Ergänzung

  4. #4
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    Lieber Sfjldm ysh iwv,

    nun gehöre ich nicht zu denen, die ihre Gedichte selbst interpretieren, doch will ich nachschicken, dass das Häufchen Elend eine Assoziation sein kann, die andere ist das gewinnbringende Aufhäufen. Assoziationen sind wohl das individuellste, was der Mensch hervorbringt, und das muss der Schreiber so hinnehmen.
    "häuft ich mich fern" ist methaphorisch gemeint; Das Li wird gelöst (gelassen) an anderem Ort neu aufgehäuft.

    Vielen Dank für Deine konstruktive Rückmeldung !

    LG

    Nachtrag: nach einiger Überlegung habe ich auf deinen Hinweis geändert: aus "häuft ich mich fern..." wird "sammelt mich fern..."

    Liebes Festival,

    ich zog das Wüstenklima als Methapher für die formende Umwelt hinzu; Natürlich ginge auch Wasser. Dein Vorschlag "aus" ist mir jetzt auch eingängiger und ich werde es ändern.
    Deine Interpretation passt und darüber bin ich sehr erfreut. Vielen Dank !

    LG Arkadier
    Geändert von Arkadier (25.07.2016 um 09:23 Uhr) Grund: Hinweis Sfjldm
    Die Wälder wären sehr still, wenn nur die begabtesten Vögel sängen.
    Henry van Dyke

  5. #5
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    Hui, der nukleare Terminator hat gesessen. Man könnte es glatt so auch verstehen. "Aus" macht sich da ja echt brachial in der Wüste Nevada. Ach sei´s drum.
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    Henry van Dyke

  6. #6
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    Klar, ich bin kurz davor, den Titel zu ändern: Lucky Strike
    Die Wälder wären sehr still, wenn nur die begabtesten Vögel sängen.
    Henry van Dyke

  7. #7
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    Hallo, nur ganz kurz:
    Z6
    flieht auch das Leben, das starr nur begann
    empfinde ich als unzutreffend weil sowohl für das Gleichnis "Stein" als auch für Leben nicht starr beginnen.
    Stein (aus der Ursuppe) > Magma > Lava, Leben > Zellen / Kohlenstoffverbindungen...beides nicht starr
    für mich irritierend...
    Dem Stein mag man ja, wenn die Lava mal abgekühlt ist, eine schroffe Starrheit zugetstehn...aber dem Leben?

    Die Trennung zwischen Gleichnis (S1) und Sichtwechsel auf ein LyDu wird für mich nicht so deutlich

    Beim Halbvers Z5: im brennenden Leiden
    wäre eventuell der Dativ zutreffender.

    cui gitano
    "Die Deutlichkeit ist die Höflichkeit in der Kritik."
    feiner Satz von M. Reich-Ranicki

  8. #8
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    Hallo Arkadier,

    Halt einmal inne, im brennenden Leiden
    flieht auch das Leben, das starr nur begann
    doch so erleichtert und glücklich bescheiden
    sammelt mich fern, als der Stein hier zerrann

    Ein Gedicht ganz nach meinem Geschmack, philosophisch, gute Bilder und der
    Daktylus passt ausgezeichnet zum Wehen des Wind, wie finde.

    Die zweite Strophe könnte für mein Gefühl allenfalls noch einen Feinschiff brauchen.

    Warum?:

    Das LI spricht hier mit sich selbst, es beginnt mit dem Befehl nachzudenken: Halt einmal inne! Vielleicht deshalb ein Rufzeichen oder mir gefiele ein Doppelpunkt. Dann würde ich bei der zeiten Person bleiben.

    Du meinst hier die Hitze der Wüste mit "brennendem Leiden" willst also vermutlich beim Windbild bleiben. Wie schon anmerkte, tu auch ich mir schwer damit, dass das Leben bzw. der Stein "starr begann"; ich sehe das eher so, dass es nicht starr, Kinder sind noch nicht "starr", sondern geistig und körperlich noch sehr beweglich, erst später werden sie konditioniert und "erstarren", spielen dann als Erwachsene bestimmte Rollen, finden sich in selbst bebauten geistigen Gefängnissen wieder, in erstarrten Beziehungen und so weiter ...

    Vielleicht könnte man das Problem so lösen, dass man in V2 zu einem Lavabild wechseln.

    V4: passt "zerrann" für die Korrosion in der Wüste? statt "fern" gefiele mir vielleicht auch "frei" oder "leicht", sodass deutlicher wird, dass das LI nicht wiederum in der Erstarrung landet ... oder war das deine Absicht? mir würde jedenfalls die optimistischer Sicht besser gefallen (?)

    Vorschlag, falls du noch darüber nachdenkst, etwas zu ändern:

    Halt einmal inne: Im brennenden Leiden
    flieht auch das Leben, das starr einst (schon - dir) gerann
    doch so erleichtert und glücklich bescheiden
    sammelt sich frei, was als Stein hier zerrann (allenfalls hier:begann).

    Ich hoffe, ich habe es richtig verstanden.

    LG
    albaa

  9. #9
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    Muss mal eins hochholen, das bei Recherche dummerweise als unbeantwortet unterging.

    Hi albaa,

    entschuldige mein Übersehen. Ich hatte starr gewählt, da mein LI eine Kindheit hatte, die nur mit diesem Attribut versehen werden konnte. Will wohl ein Weich-rundes aus mir bereiten, sollte die Schroffheit aus einer Kindheit verdeutlichen, die den Namen nicht verdient. Hätte metaphorisch noch stärker markiert gehört. Bin am Überlegen.

    LG Uwe
    Geändert von Arkadier (28.09.2019 um 17:19 Uhr)
    Die Wälder wären sehr still, wenn nur die begabtesten Vögel sängen.
    Henry van Dyke

  10. #10
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    Dem LI scheinen die Ecken geblieben zu sein, ansonsten waere dies hier nicht nochmals angespuelt worden, nicht? L.

  11. #11
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    Hallo Arkadier

    "von meinem Stein..."

    ansonsten ein ansprechendes Gedicht.

    Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  12. #12
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    Hi hi
    Dem LI scheinen die Ecken geblieben zu sein, ansonsten waere dies hier nicht nochmals angespuelt worden, nicht?
    Weiß nicht (wegen der Ecken), doch das LI hat es mit Sicherheit nicht auferstehen lassen.

    Hi AD,

    mit der Stein ist eine Distanzierung vom Vorleben m.M.n deutlicher.

    Danke fürs Lob

    LG Uwe
    Die Wälder wären sehr still, wenn nur die begabtesten Vögel sängen.
    Henry van Dyke

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