Hektik, Tick Tack. Tick Tack
Ich mache Flick Flack zwischen Beruf und Privatleben, renn‘ im Zick-Zack hin und her und her und hin, dreh‘ mich im Kreis bis ich kaum noch weiß, wohin.
Ich bin mit den Beinen schon auf dem Weg nach Hause, doch der Kopf ist noch am Arbeiten,
Während ich Freunde in den Armen halte, gleichzeitig sportliche Aktivitäten und meinen Schlaf verwalte, derweil versuche, nicht zu zerreißen, Verbindungen mir nicht entgleiten zu lassen, jedem ein angemessenes Maß an Aufmerksamkeit zu schenken, dabei natürlich stets lächeln und freundlich sein, den Spagat halte und mich lautlos verrenke…bleibt kaum freie Zeit zum Nach-Denken..
Freizeit, was ist das schon? Was ist schon Frei-Sein? Was wert ist Freiheit, bei lauter Überstunden, gleich Engagement, gleich Aufstieg gleich Karrieregeilheit?
Denn, die bringt Geld rein und war das nichts so, dass Geld einem verhilft, endlich glücklich zu sein?!?
Ach nein, vor lauter Stress hab ich das ganz verpasst,
Da war doch noch LIEBE, FAMILIE und FREUNDSCHAFT.
Doch auch Freundschaft wird heutzutage zur Wissenschaft gemacht; Zu wissen, wie man es schafft, jedem gerecht zu werden.
Die ultimative, gesellschaftlich anerkannte (doch leider wenig entspannte) Lösung und mein persönliches Unwort: Quality Time. Pack alles in fünf Minuten hinein! Oder waren es zehn? Ganz egal, Qualitätszeit muss sein!
Das heißt so viel wie, eigentlich nie da sein. Dann ein paar Minuten am Tag, ganz intensiv: So verbringt man heut Zeit mit denen, die man liebt!
Ich frage mich, was bitte lief hier schief? Wie sollen wir so denn glücklicher werden? Tatsache ist doch: Der Mensch lebt in Herden.
Doch Herdendasein bedeutet uns nicht viel mehr, als in Reih und Glied am Hauptbahnhof stehen, wartend auf Züge und bessere Zeiten, einander zwar sehen, vielleicht sogar streifen, im Vorübergehen und manchmal sogar ganz eng, beim Drängeln, schon unangenehm… doch, wahrnehmen tut sich hier keiner.. Ich sehe keine Herde, nur einsame Einer.

Wie soll es auch anders gehen, wenn Eltern ihre Kinder nur noch am Wochenende sehen? Und selbst dann nur bei Fahrten zum Klavierunterricht, Chinesisch, Latein, Kung- Fu und so fort. Bloß keine Pause, Luft anhalten und weiter. Vom einem zum anderen, besseren Ort.
Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr. Doch unser gebildeter Hans, dem fehlt das Leben so sehr.
Und die Zeit.
Und die Freiheit.
Und das Unbekümmertsein.

Fortschritt, Bewegung: Das ist ideal.
Stillstand, Innehalten: wäre das so fatal?
Vielleicht haben wir bloß Angst, unser wahres Ich zu sehen, und, dass wir an Faden hängen, auch das ist etwas, das wir nur allzu gern verdrängen. Marionetten im System – Längst sind wir erwachsen, doch kaum einer kann selbstständig gehen.
Sich selbst zu erkennen, und das, was man wirklich braucht, ist nicht leicht. Doch wir lernen, pauken, ackern und am Ende können wir sagen: Ich habe etwas erreicht.
Ja, Bildung ist wichtig, nur so kommt man weit. Doch ist Schule gleich Intelligenz? Und was ist Familie ohne Zeit?
Wo bleibt Platz für Gespräche, die sich nicht um Leistung drehen? Wo bleibt Raum für Umarmung? Für Menschsein, Du-selbst-Sein und für Nähe?
Wir rudern immer weiter, auf der Oberfläche dahin, das vermeintliche Ziel im Auge, doch nur der Tiefgang macht Sinn.
Und, dass wir sind. Dass ich bin. Egal, was ich bin.
Schau ins Wasser, tauch‘ kurz unter, denn das Wasser ist tief und da ist noch viel mehr, so viel mehr. Doch meist bleiben wir blind und noch häufiger leer.

Ein Herdentier, das also bin ich. Was bleibt von mir? Was bleibt für mich?
Ich gehe unter in der Masse, werde oberflächlich eins mit ihr, ein ferngesteuerter Mitläufer im fremden Revier.
Und taumelnd gehe ich weiter mit Scheuklappen vor meinen Augen und Schalldämpfern auf den Ohren,
So leg‘ ich mich nieder und träume, dass doch noch nicht alles verloren.
Wach auf! Wach auf! – Was mach ich hier?
Tick Tack, Tick Tack…
Ach ja, ich mach nur Flick-Flack…