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  1. #16
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    Hallo
    ich nehem mal auf Artnames Komm Bezug:
    Dienen die Stilmittel einer übergeordneten Idee? einer Sicht auf die Welt, einer kunstphilosophischen Betrachtung?
    ....oder doch nur Effekthascherei?...im Tümpel der Angst zu wenig wahrgenommen zu werden?

    Ja. Aber war das jemals anders? Geben wir (u.a. Lehrer, Kritiker, Feuilettonisten) nicht immer erst Jahre HINTERHER dem Ganzen einen tieferen Sinn, sozusagen aus sicherer Distanz?
    Quantitativ war es mal anders...Möchtegerne und Scharlatane hatte man früher auch mal aus der Stadt geprügelt, oder sie ausgelacht...
    Man traute sich wegen vielerlei drohender Sanktionen aus der Lebensgemeinschaft gar nicht jeden Möchtegernpups auch unters Volk zu bringen....
    Ähnlich dem Bäcker im Film Moliére. Die drohende, nachhaltige Lächerlichkeit in der Gemeinschaft war eine klare Bremse.
    Auch noch zu Zeiten kurz vor dem Internet war es wohl so gewesen...man trug auseinandersetzungen über die Printmedien, Radio und TV aus.

    Heutzutage ist es über den einfachen Zugang zu Verbreitungs(massen-)medien und der Anonymität doch schon sehr anders ...

    Ja. Aber war das jemals anders? Geben wir (u.a. Lehrer, Kritiker, Feuilettonisten) nicht immer erst Jahre HINTERHER dem Ganzen einen tieferen Sinn, sozusagen aus sicherer Distanz?
    Es gibt da sicher Menschen vielerlei Coleur....ich hatte bisher das Glück oft am Entstehen beteiligt zu sein, auch bei den Ersten zu sein, die ein Werk selkbst erfahren durften....oft durch persönliche Kontakte.
    Aber natürlich bin auch rückschauenender Rezipient zu unseren Klassikern etc. pp.
    Dies ist naturgegebener Maßen so...DOCH NICHT UM DEN TEXTEN EINEN SINN ZU GEBEN oder gar zuzuordnen - nur weil es einige Kriiker oder Professoren so blöken. Ich verlasse mich auf mich und event. auch noch auf einen Kreis von Freunden und Bekannten.
    Wenn ich zu einem Text, Bild , Plastik, Musik, Installation, Video, etc. momentan keinen Zugang finde, dann ist es eben so...vielleicht ein paar Jahre später. Aber eine Aussage vorrezipieren halte ich gerade in der Kunst für eher völlig daneben.

    Was heute kaum noch im Blickfeld ist - obwohl es die Große der Nachkriegsgeneration den jungen durchaus immerwieder nahe legten - sind die Klanglängen, die Zäsuren, Pausen...einfach alles was von formaler Seite her geeignet ist, einen emotionalen dichterischen Inhalt zu unterstützen.

    Simme ich zu! - Aber wer sagt uns, ob nicht doch genügend junge Dichter Klanglängen oder Zäsuren beim Schreiben nachlauschen. Vielleicht verludern WIR ja auch - als Rezipienten?
    Künstler und Rezipienten sind mMn eine funktionelle Einheit
    ohne Künstler keine Kunst
    ohne Rezpient keine Anerkennung zur Kunst
    Beide haben die Möglichkeit zur Entwicklung

    doch manchmal gibt es eben auch die intuitive emotionale Ebene, bei deren Wirkung dem Rezi schittegal ist vorher sie kommt - einfach nur weil sie für ihn wirkt, also angenehm ist - oder auch das Gegenteil.

    Die viel schwierigere Coleur sind mMn die Kritiker. Deren Komptetenz scheint in der Breite langsam zu versacken und sie umschwirbeln mit blumigen und altgriechischen Floskeln etwas, dass sie weder nachvollziehend noch bewertend fassen können. Leider hört ein nicht unbeträchtlicher Teil der verunsicherten Menge auf derlei Äußerungen.

    Nicht wenige Lyrikrezipienten sind selbst Autoren (Lyriker kaufen Lyrikbücher )
    Aber auch ansonsten ...in anderen Kunstformen erlebe iches immer wieder, daß besondere "Liebehaber" dieser KÜnste zumindest auf einem kleinen Maß auch ProduzentInnen sind....aber beileibe nicht alle.

    Dass wir im Allgemeinen den Eindruck gewinnen, die Welt sei quer durch alle Schichten weniger an Kunst interessiert als früher - den teile ich für Deutschland durchaus. Kunst wurde, noch mehr als früher, ökonomisiert, börsentauglich, Spekulationsobjekt,...aber auch komplizierter in einer werteinflationären Gesellschaft - in der man auffallen will und muß - für eigene Marketing.
    Wie soll da ein Rezipient immer mithalten...in Information, Bildung, Erfahrung...?

    ich besitze noch eine Ausgabe des "Hausbuch der Deutschen Lyrik". Früher gab es derlei Bücher zumindest in bürgerlichen Haushalten öfter. In der guten Stube, im Schlafzimmer oder auch in den Zimmern der Kinder hingen jeweils Bilder an der Wand. Es gab gestickte Trachten, Tischläufer, Nachbildungen von Plastiken (als Deko)...selbst in Bauernstuben fand man häufiger derlei an.

    Kunst war Teil einer ethischen Erziehungspraxis. In der Breite wußte die Bevölkerung aus dem Relionsunterricht, dem Geschichtsunterricht, dem Deutschunterricht, dem Kunstunterricht, dem Musikunterricht...ein bischen davon, wuchs damit auf und gab es weiter.
    Viele dieser langbewährten Staffetten sind heutzutage abgerissen...es gibt andere..aber deren sinnstiftende Wirkung muß sichmMn erst noch beweisen.
    Cui bis bald
    gitano
    "Die Deutlichkeit ist die Höflichkeit in der Kritik."
    feiner Satz von M. Reich-Ranicki

  2. #17
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    757

    hallo da-miteinander

    nun gewinne ich hier den eindruck-es mühen sich hier die meisten
    ihre (meist nostalgisch kulturpessimistische)weltanschauung mit
    der klärung-eines ebenso hochkomplexen wie höchst uneindeutigen
    sachverhalts-quasi in einem auf-wisch/wasch zu bewältigen
    (erfrischende ausnahme:#8 taras bulba)begriffsklärung:fehlanzeige

    metrum/versmaß entspricht eher dem takt/intervall(betont/unbetont)
    in der musik-rhythmus eher dem melodischen fluß(uptempo/laid back
    largo/presto etc.)dies ist keine alleinige frage der geschwindigkeit
    (sonst könnte man sie ja beliebig-besonders digital anpassen/ändern)
    hier geht es besonders um die AKZENTE-welche sich sogar der allgem.
    notation weitgehend entziehen-in der sprache ek-sistiert dies problem
    z.b.: bei der einfachen lautschrift-akzente/silben/moren unterliegen
    zum teil extrem abweichenden-artikulations-schemata(z.b.: europäisch
    portugiesisch/brasilianisch-englisch/japanischetc.)

    all dies unterliegt i.d.r. sprechgewohnheiten/sprachprägungen aus der
    frühen kindheit(muttersprache)und ist nur bedingt modifizierbar
    selbst in artifiziellen prosodischen ausdrucksformen(DADA rap/hip-hop)
    sind die AKZENTE der muttersprache-für das geschulte gehör aufzufinden
    eine wahre fundgrube ist hier die "weltsprache englisch"jamaika/japan
    china/maghreb/ost-west-süd afrika/indien/benelux/skandinavien/adria/
    levante/der mediterrane westen usw.lassen sich recht gut differenzieren

    in diesem thread scheint nun der wandel des sprechens von sprache
    seit wolfram von eschenbach/martin luther/goethe/schiller/brecht/benn
    ebenso belanglos zu sein-für die deutschen "zeiträume" bis dato
    wie der von donne/marlowe/shakespeare/dryden/wordsworth/blake/byron
    eliot/yeats/dylan thomas-weitaus vielschichtigeren formen des ausdrucks

    was nun meine per-sona betrifft-bin ich in erster linie ein lauscher-in die
    sprache-eines sprechenden wesens hinein-aus tiefer immanenter neugier
    mir geht es vorerst weitgehend am rektalen ausgang vorbei-was sich der
    dichter-dabei glaubt zu denken-etwas von dem-erreicht mich-oder nicht
    falls ja-dann wird es spannend bis erregend-falls nein-ich haben fertig-aus

    wenn ich dagegen selbst autor-isiere-lasse ich mich von einem einfach
    entsprungenen "metrum" inspirieren-ich hege keine absicht-noch habe ich
    eine "message" kundzugeben-(außer manchmal) ich höre was es aus mir
    sagen will(wie gerade jetzt z.b.)ich bin der maßstab dessen-was mich-in
    der lyrik sprechen läßt-aus all dem-was ich je erhörte-aus der welt der
    sprachen-die aus mir eine antwort meines ausdrucks-evozierten

    darum sind mir aussagen wie "die sind durch viele Revisionen
    gegangen, wurden von Freunden gelesen, laut und leise, und waren
    Gegenstand heftiger Auseinandersetzung.(Mkf0172)" völlig fremd-ja sie
    erscheinen mir-geradezu absurd-wie etwa "ich muß mal-prüfen/testen
    was ich-wann wie-warum sagen darf/muß-wenn ich die verantwortung
    als autor-übernehmen soll"(bei kommentaren scheint dies-wie durch ein
    wahres wunder-nicht die geringste rolle zu spielen-da wird skrupellos
    unqualifiziert verhackstückt & verwurstet) ob darin nun der grund zu
    suchen/finden ist-warum der urheber derartiger doktrinen-mit seinen
    eigenen machwerken-bis dato hinter einem-ach-so hohen berge hält
    vermag ich nicht zu sagen-überlasse es also der freien spekulation des
    (ab)geneigten lesers-simple verdächtigungen sind hier fehl am platze

    für meinereiner ist lyrik-ein spielerischer ausweg-aus den prosaischen
    zwecktext-narrativen-der unilateralen wahrnehmungs-verordnung
    auf die ebene der komplexen assoziatonen hin-befreit & befruchtet
    ein weiter spielraum-jenseits der beliebigkeiten-doch ohne jede starre regel

    was ganz für mich alleine zählt-ist kommunikation-mit selbst & welt

    so wahr & klar-wie eben möglich

    das weitere muß/darf jeder-für sich selbst entscheiden

    dies ist nur meine perspektive

    beste grüße-an die allgemeinheit

    hawemundt

  3. #18
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    Hallo!

    Ich habe heute in dem Buch von Christoph Wilhelm Aigner "Engel der Dichtung" interessante Zeilen gelesen, die gut zu meiner Frage passen.

    "Manchmal aber erscheinen Gedichte, als wären sie gezwungen worden, nur nach einer bestimmten Technik bewusst zu atmen. So respirieren und delirieren die gequälten Geschöpfe vor sich hin, an nichts anderes denkend als an ihren Atem, und können vor Atemtechnik sich nicht mehr bewegen."

    Es klingt vielleicht platt, aber ich denke, dass man die Versmaße kennen sollte. Ob man sie anwendet, bleibt dem Dichter selbst überlassen. Wenn jemand gerne schreibt, wird er sich irgendwann mit solchen Dingen auseinandersetzen wollen. Da er sich seiner Möglichkeiten als "Dichter" bewusst sein möchte. Es wäre vermutlich borniert, wenn niemals eine solche Auseinandersetzung stattfindet. - Ein Gedicht ist, nach Aigner und seinem Zitat, ein Geschöpf, welches nicht nur atmen, sondern sich auch bewegen will. Demnach muss man einem Gedicht wie Pygmalion seine Marmorskulptur "Leben" einhauchen. Wie dies funktioniert, ist ein Geheimnis und die hohe Kunst des Dichtens.

    Ich weiß nicht, ob meine Gedanken an dieser Stelle sinnvoll sind... aber ich möchte mich bei euch allen bedanken! Vielen Dank für eure Kommentare!

    Martin123

  4. #19
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    Lieber Martin

    Das ist kein gutes Schlusswort.
    Ein chinesischer Dichter des 10. Jahrhunderts hatte keine Ahnung von deinen "Versmaßen".
    Ein französischer Dichter anfangs des 19. Jahrhunderts verstand unter einem "iamnbischen Vers" was total anderes als ein Teil seiner deutschern Kollegen.
    Und das Zitat von Aigner ist nichts als heisse Luft. So platt könnte ein noch unbekannter Sternekoch über seine Kochkunst daherreden.

    Neene, so nicht
    w27

  5. #20
    Dr. Üppig Guest
    Ich denke schon, dass es ein gutee Schlusswort ist. Zunächst dreht sich die Unterhaltung hier weder um andere Zeiten noch um andere Sprachen, die Diskussion ging von Anfang an über Jamben, Trochäen etc., so, wie wir sie heute verstehen. Weiterhin bin ich überzeugt, dass es in jeder Sprache so ist, dass eine Form ohne Inhalt kaum etwas wert ist. Und außerdem, warum ist das Zitat heiße Luft? Muss man ein großer Dichter (was auch immer das ist) sein, um Poesie zu kritisieren? Ich bin kein (großer) Dichter, aber die meisten Gedichte Platens finde ich schlecht. Sie wurden in eine Form eingepresst, sie sind "[...] gezwungen worden, nur nach einer bestimmten Technik bewusst zu atmen. So respirieren und delirieren die gequälten Geschöpfe vor sich hin, an nichts anderes denkend als an ihren Atem, und können vor Atemtechnik sich nicht mehr bewegen."

    mfG

  6. #21
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    @TB
    Platen darfst du gerne Scheisse finden. Ich bin gleicher Meinung.
    Aber mit respirieren und delirieren hat das nichts zu tun. Was soll dieser idealistische Quatsch?
    Wieso unterstellst du mir, ich würde fordern, dass "man ein grosser Dichter (was immer das ist) sein (müsse), um Poesie zu kritisieren?"
    Das hat mit dem, was ich schrieb, null und nichts zu tun.
    w27

  7. #22
    Dr. Üppig Guest
    Zitat Zitat von wilma27
    Aber mit respirieren und delirieren hat das nichts zu tun. Was soll dieser idealistische Quatsch?
    Das ist eine Personifikation. Ein Gedicht wird mit einem lebendigen Wesen gleichgesetzt, das nicht atmen kann, wenn es in ein zu strenges Formkorsett gezwängt wird.
    Aber das mit dem idealistischen Quatsch merke ich mir für die nächste Weinverkostung.

    Zitat Zitat von wilma27
    Wieso unterstellst du mir, ich würde fordern, dass "man ein grosser Dichter (was immer das ist) sein (müsse), um Poesie zu kritisieren?"
    Ich nahm das wegen deines Vergleichs mit einem "noch unbekannte[n] Sternekoch" an. Wenn du damit nicht gemeint hast, dass Aigner von Sachen redet, von denen er aufgrund seiner Position nicht reden sollte, dann verstehe ich deinen Vergleich nicht wirklich und bitte um Erklärung.

    Aber letztlich ist das nur einer der drei Aspekte aus meinem Post. Darf ich davon ausgehen, dass du mit den beiden anderen einverstanden bist?
    Zitat Zitat von mir
    Zunächst dreht sich die Unterhaltung hier weder um andere Zeiten noch um andere Sprachen, die Diskussion ging von Anfang an über Jamben, Trochäen etc., so, wie wir sie heute verstehen. Weiterhin bin ich überzeugt, dass es in jeder Sprache so ist, dass eine Form ohne Inhalt kaum etwas wert ist.
    mfG

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