Irgendwann im Leben tangiert wohl jeder die Philosophie; Fragen über die Wahrheit oder den Sinn des Daseins suchen nach Antwort. Als Junge drängte es mich eines Tages, die Bücher unserer großen Denkergenies zu lesen. Ich glaubte, darin alle Fragen beantwortet zu bekommen. Allerdings waren die Texte für mich kaum zu verstehen. Ich verschob also deren weitere Lektüre auf einen späteren Zeitpunkt, von dem ich annehmen durfte, über ein gereifteres Auffassungsvermögen zu verfügen.

An einige Inhalte erinnere ich mich aber, mit denen ich als Junge doch etwas anzufangen glaubte. So die Beispiele über die schwarzen Raben; und wenn nur ein weißer …; und so weiter und so fort. Und ich stieß auf eine Infragestellung, die mir ungeheuerlich erschien. Für mich war es bis dahin selbstverständlich und gewiss gewesen, dass die Sonne den nächsten und die folgenden Tage aufging. Für die Philosophen jedoch nicht. Und ich war ganz aufgeregt, mich nun plötzlich mit diesen Gedanken zu tragen. Denn als mein Freund Ben mich wie jeden Mittwoch daran erinnerte, dass wir am folgenden Tag Fußballtraining hätten, widersprach ich augenblicklich. Er könne doch gar nicht wissen, ob es überhaupt ein Morgen geben würde. Ben lachte und meinte, bisher hätte es ja immer geklappt. Und ich, der ich in philosophischer Erhabenheit schwelgte, entgegnete mürrisch, ich könne nicht versprechen, an dem Training teilzunehmen. Ben ging mit beleidigter Miene nach Hause. Er war eben noch nicht soweit, verstand rein gar nichts von Philosophie. So ein Depp.