Thema: Streaming

Hybrid-Darstellung

  1. #1
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    Streaming

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    Streaming

    ein Knabe am Ufer versunken
    den Strom mit der Seele Augen maß
    glänzendes plattiges Wasserband
    Silberner Lichtkaskaden Tanz
    Ein Kontinent sich über die Tiefen spannt

    Hoch reckt die Bordwand ein leerer Kahn
    beschwingt von strömenden Helfern getragen
    Von der Reling fällt ein Kinderblick
    Munter bauscht am Heck die Fahne
    in goldenen Lettern prangt Rotterdam

    Schon stemmen sich gegen die Wasserflut
    Ja schier in ihr ertrunken
    Bergwärts in zeitlupenhafter Fahrt
    Vom schweren Motor gleichmütig getaktet
    Gebirge metallischer Reste und Schrott

    Der Bug treibt Keile durch die Wassermasse
    der Metallkoloss ist längst vorüber
    da hebt sich der mächtige Leib des Stroms
    Und wirft drei Wellen auf den Strand
    Die netzen die bloßen Füße

    Die Grenzen verschwimmen, was nah ist so fern
    der Kirchturm hinter dem grünenden Deich
    zur Schale wölben sich Land und Strom
    Mitsamt dem Knaben längst aufgehoben
    Ein bunter Kiesel stumm versinkt

  2. #2
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    Hallo chaton,

    ich glaube hier gelernt zu haben, dass es nicht verkehrt ist, ziemlich genau zu wissen, was mensch mit den Worten, den Sätzen, den Bildern ausdrücken möchte. Das geht bis in kleinste Details, was ich persönlich spannend finde.

    Jetzt habe ich deine Arbeit mehrmals, z.T. laut gelesen. Ich kann Momentaufnahmen daraus entnehmen. Das kann in Ordnung gehen, wenn das deine Absicht war, Momentaufnahmen in Worte zu fassen. Irgendwie aber haben sie mich in der Form, wie sie deine Arbeit präsentiert, nicht angezogen; ich suchte nach mehr, als eine bloße Aneinanderreihung von meist bewegungslosen Szenen.
    Kannst du mir da weiter helfen und die Intention in deiner Arbeit für mich darlegen? Dann habe ich es vielleicht leichter, mich auch auf Details zu stürzen und tatsächlich mit der Textarbeit zu beginnen.

    Grüße
    watsi
    Lass kommen...

  3. #3
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    Hallo watsi,
    ja, aus der Parataxe gibt es für mich kein Entkommen. Lange war ich irgendwie frustriert, dass ich keine "Geschichte" zustande bekomme (also richtig was Hypotaktisches mit Kreuz- und Quer-, Rauf- und Runter-, Vor- und Zurückverbindungen, so einen richtig saftigen Wusel aus Verstrickungen, Lösungen, dramatischen Verwicklungen mit vielen Darstellern, auf dicken Zeitachsen und in fetten Räumen). Dabei fand ich Geschichten recht schnell langweilig (ok, als Kind und Jugendlicher ist man natürlich von Geschichten fasziniert). Aber die Geschichte, das war eine Macht, diese Monumente der großen "Erzähler". Damit musste ich erst einmal klar kommen. Ich bin dann bei Grass gelandet - da war endgültig Feierabend. Genug ist genug. Mit der Zeit machte mir die parataktische Darstellungsform immer mehr Spaß. Man kann unzählige Stränge bilden und zu Mosaiken verbinden. Wenn man die Modi hinzunimmt und mal real, mal gedacht/imaginär, mal in indirekter Rede auf der modalen Klaviatur spielt, dann wird das scheinbar in platten parataktischen Ketten vor sich hin Vegetierende von seiner Plattheit "erlöst", bekommt einen "Körper" und vielleicht ein bisschen "Leben". Einfach ist es nicht - das merke ich wohl selbst.

  4. #4
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    hi chaton,

    ich seh´schon, du trägst eine ordentliche Menge an Gedanken mit dir rum, die wie wild den Weg nach außen suchen.
    Jetzt gibt es da Wege, die machen deine Gedanken sichtbarer und hörbarer und "Es soll ja lesbar sein und zwar mit Gewinn und vielleicht mit Genuss." Wenn es dir damit ernst ist, wirst du nach Sprachen fahnden müssen, die zumindest von einem anderen, besser noch, von vielen anderen verstanden werden.
    Ich denke, sich dann und darum Methoden, Fähigkeiten, "Techniken" anzueignen, die sowas wie allgemein anerkannt sind, um verstanden zu werden, ist nicht ganz unlogisch.....

    Viel Erfolg
    watsi
    Lass kommen...

  5. #5
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    hallo chaton

    für mich ist dein text absolut lesbar!...aber auch...weil ich vor allem aus deinen bildern lese. mir fällt der fachbegriff momentan nicht ein...wenn das gehirn automatisch lücken in einer reihe oder andordnung ersetzt...bzw vollständige aber durcheinander gebrachte symbole ordnet. ich lese ihn jetzt kein zweites mal...weil er mich nach dem ersten mal stark beeindruckte und ich es dabei belassen möchte.

    gruß, a.d.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

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