1. #1
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    Immer wieder gerne -Eloge auf deinen Schwanz-

    Immer wieder gerne -Eloge auf deinen Schwanz-


    Nackt und bloß stehst du vor mir, deine Arme dekorativ nach oben genommen, die Hände dabei hinter dem Kopf verschränkt. Du reckst und streckst dich.
    Und ich sehe dich an.
    Sehe dieses lustige Gekräusel um deine Brustwarzen, das dichter bewachsene Terrain dazwischen. Und den feinen Pfad aus kurzen Härchen, der von dort oben nach unten führt und damit unmissverständlich den Weg weist.

    Zu deinem wunderschönen Schwanz.

    Gerade noch hing er weich, warm und unbeteiligt zwischen seinen beiden Freunden herum, ließ sich vom Schlafzimmer ins Badezimmer tragen, vom Bad in die Küche und wieder zurück ans Bett.
    Dann hat er wohl meinen Blick bemerkt und meine Zunge gesehen, die unwillkürlich bei seinem Anblick über meine Lippen streifen wollte, den Genuss der Vergangenheit nachschmeckend, in Vorfreude erwacht.

    Und schon stößt er sich lässig von dem faltigen Sack ab, der die zwei Freunde links und rechts beherbergt, um mir ein „hallo“ zuzurufen. Unentschlossen noch, denn seiner einer hat es ja nicht nötig, groß auf sich aufmerksam zu machen. Er wächst ein bisschen, strafft sich beinahe unmerklich, legt an Gewicht zu, nimmt mehr Raum ein. Ich könnte schwören, dass er irgendeinen Trick benutzt, denn gerne zeigt er sich in diesem Stadium unserer Begegnungen ein bisschen satter in der Farbe und, ja, er scheint zu glänzen, irgendwie fast zu leuchten, von innen heraus.
    Und das verfehlt selten seine Wirkung bei mir.

    Es drängt mich, ihn jedes Mal einfach sanft zu küssen, zuerst kurz und neckisch, dann, angetan von seiner zarten Haut, der Wärme, die er immer auszustrahlen scheint, und, da er nun recht schnell und freudig praller wird, länger und ernsthafter. Schließlich will ich ihn umfassen und liebkosen, kosten und ganz genießen und eben all das tun, was uns beiden immer wieder so gut gefällt, sodass wir unsere Freundschaft ohne gröbere Langeweile oder Abnutzungserscheinungen auf diese Art und Weise seit Jahren sehr regelmäßig zelebrieren.
    Dein Schwanz und ich, wir können einfach gut miteinander.

    Jetzt muss ich nur noch einen Weg finden, um mit dem Rest von Kerl, der da an deinem phänomenalen Schwanz hängt, ähnlich befriedigend und vertrauensvoll entspannt zurecht zu kommen.......




    © watsi 10/2016
    (c) watsi 11/2017



    Danke an festival; sein "am-Hintern-überwintern" war inspirierend.....



    zu hiilfe! ist eindeutig prosa, oder?und bei prosa ist bisher die aufteilung in themen wesentlich gröber als bei den gedichten. wenn es also irgend woanders hin besser aufgehoben wäre als hier, verschiebt den Text ruhig. Und gebt mir nur bescheid, wo ich ihn wieder finden kann.....

    *eine Stelle, auf die in den Beiträgen Bezug genommen wird, am 19.6.2018 etwas verändert
    Geändert von watsi (19.06.2018 um 00:24 Uhr)
    Lass kommen...

  2. #2
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    Hallo watsi,
    als Prosa - ein Gedicht! Gewissermaßen eine prosaische Ode an Priapos, die mir in ihrer Direktheit gut gefällt!
    Beste Grüße,
    Festival

  3. #3
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    oh weh, es scheint, als würden erotik und ironie doch ganz gut zusammengehen. was nun? sich das lächeln verkneifen?
    es gibt noch ein paar stellen, welche mehr in richtung erotische fantasie als in richtung erotische literatur gehen, z.b "muss ihn dann jedes mal einfach sanft und zärtlich küssen". die bringen eine prise unfreiwillige komik rein, welche das quäntchen zu viel an ironie bedeuten könnte.
    aber als beitrag zur diskussion jedenfalls ein amüsanter text.
    w27

  4. #4
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    Danke noch einmal an Festival!

    Lieber wilma, eine spannende Antwort. Warst du bis vor kurzem der Ansicht, Ironie und Erotik beißen sich nur? Ich bin der Ansicht, dass wir mit so viel schubladenlangweiliger Möchtegern-Erotik zugeballert werden, dass Ironie geradezu notwendig wird. Nicht, um die Erotik endgültig lahm zu legen, sondern, um sich wieder lachend darin suhlen zu können. Ich denke, manches muss vom Sockel geholt werden, damit es wieder genossen werden kann; und wie geht Demontieren besser als durch eine Art Karrikatur. Auch der eigenen Rolle. Quasi mal schauen, was passiert, wenn etwas nicht ganz so, wie allgemein vorgemacht, bierernst genommen wird.
    Nichtsdestotrotz interessieren mich die paar Stellen, die du fandest, die deinem Empfinden nach "eine Prise unfreiwillige Komik" mit sich bringen.

    Die von dir schon genannte Stelle konnte ich anfangs überhaupt nicht in die Sparte "eventuell zuviel des Guten" einordnen. Inzwischen sehe ich gerade in dem eher klischeehaft Ausgedrückten, dem unreflektiert Übernommenen "sanft und zärtlich" das Problem, was wiederum unterstreicht, dass das Übernehmen von Vorgegebenem, auch in der Wortwahl, eine "Sache" von mir entfernt, mich nicht wirklich hinein lässt in das Thema. Dies, denke ich, gilt nicht nur für den Bereich der Erotik.

    Freue mich sehr über deinen letzten Satz.

    Grüße
    watsi
    Lass kommen...

  5. #5
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    nein, war ich nicht. fortpflanzung ist eine tod-ernste sache, man kann darüber genauso wenig scherze machen wie über essen und trinken. und wer nun diese sache besingt, muss gewärtigen, dass der zuhörer sich dabei vorstellt, dass der schlachter mit denselben worten ein saftiges steak lobt. und schon stellt sich die ironie ganz von selbst und ohne absicht von irgendwem ein. mache ich aus den tanzenden rehkitzlein meiner schönen ein odenstück, leuchtet dahinter schon das hodenstück. man muss schon verdammt gut schreiben können, um ein gedicht über ein unglaublich gut schmeckendes butterbrot zu schreiben, das nicht ironisch wirkt. butterbrote fallen bekanntlich immer auf die bestrichene seite. so geht es leider auch vielen erotikgedichten.
    gute nacht
    w27

  6. #6
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    Lieber wilma27,
    ich widerspreche Dir nicht gern, aber - entweder ist Dein Beitrag spitzbübisch verklausuliert oder die Schweizer gehen zum Lachen in den Keller. Natürlich, da gebe ich Dir völlig Recht, ist die Fortpflanzung eine todernste Sache. Aber Erotik und Pflanzenkunde - die kriege ich nicht unter einen Hut. Als Aphrodite (wieder einmal) ihren erotischen Spielchen nachging (und schon stutze ich: Ging sie denen nach oder wäre "erlag" nicht angebrachter?) und sich im eigenem Ehebett mit Ares vergnügte, wurde sie von ihrem Gatten, dem hinkenden Hephaistos, erwischt. Mit einem Netz fesselte der die Engumschlungenen und schleppte sie vor die Versammlung der olympischen Götter. Die lachten sich schlapp und seitdem, Homer sei Dank!, haben wir das geflügelte Wort "homerisches Gelächter". Haben die Olympier über den Hahnrei, den hilflosen Kriegsgott, die wahrscheinlich nackte Liebesgöttin oder die Situation insgesamt gelacht?
    Solche "Bilder" zu malen, wie es Homer hexametrisch fertig gebracht hat und Erotik mit Lachen verbindet, wow!, das möchte ich auch können.
    Das mit dem Butterbrot - hast Du das mal ausprobiert? Das Resultat: Immer fällts auf die bestrichene Seite! stimmt nur, wenn die Fallhöhe etwa Tischhöhe (ca. 80 cm) ist. Hälts Du das Brot ein bisschen höher oder tiefer, klatscht es regelmäßig auf die unbestrichne Seite.
    Recht hast Du natürlich mit Deinem Schlusssatz über das Schicksal sogenannter Erotikgedichte! Bei diesem Thema die Balance zu halten zwischen Wollust/Freude/Humor zu halten, nicht ins Pornografische abzurutschen oder gar Ekelhafte, ist schon eine Kunst! Aber bitte - lasst uns dabei das Lachen, den Spaß nicht außen vor.
    Liebe Grüße,
    Festival
    Geändert von Festival (25.11.2016 um 10:26 Uhr)

  7. #7
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    leicht überarbeitete Version:




    Immer wieder gerne - Eloge auf deinen Schwanz -

    Nackt und bloß stehst du vor mir, deine Arme dekorativ nach oben genommen, die Hände dabei hinter dem Kopf verschränkt. Du reckst und streckst dich.
    Und ich sehe dich an.
    Sehe dieses lustige Gekräusel um deine Brustwarzen, das dichter bewachsene Terrain dazwischen. Und den feinen Pfad aus kurzen Härchen, der von dort oben nach unten führt und damit unmissverständlich den Weg weist:

    Zu deinem wunderschönen Schwanz!

    Gerade noch hing der weich, warm und unbeteiligt zwischen seinen beiden Freunden herum, ließ sich vom Schlafzimmer ins Badezimmer tragen, vom Bad in die Küche und wieder zurück ans Bett.
    Dann hat er wohl meinen Blick bemerkt und meine Zunge gesehen, die unwillkürlich bei seinem Anblick über meine Lippen streifen wollte, den Genuss der Vergangenheit nach schmeckend, in Vorfreude erwacht.

    Und schon stößt er sich lässig von dem faltigen Sack ab, der die zwei Freunde links und rechts beherbergt, um mir ein „hallo“ zuzurufen. Unentschlossen noch, denn 'seiner einer hat es ja nicht nötig, groß auf sich aufmerksam zu machen'.
    Er wächst ein bisschen, strafft sich beinahe unmerklich, legt an Gewicht zu, nimmt mehr Raum ein. Ich könnte schwören, dass er irgendeinen Trick benutzt, denn gerne zeigt er sich in diesem Stadium unserer Begegnungen ein bisschen satter in der Farbe und, ja, er scheint zu glänzen, irgendwie fast zu leuchten, von innen heraus.
    Und das verfehlt selten seine Wirkung bei mir.

    Es drängt mich, ihn jedes Mal sofort, aber noch sanft und beinahe schüchtern zu küssen, zuerst eher kurz und kindlich neckisch. Angetan von seiner zarten Haut, der geilen Hitze, die er immer ausstrahlt, und, da er nun recht schnell und freudig praller wird, werden auch die Küsse länger und ernsthafter. Schließlich will ich ihn umfassen und liebkosen, will ihn streicheln, ihn massieren, ihn lecken, schmecken, kosten und ganz genießen und eben all das tun, was uns beiden immer wieder so gut gefällt, sodass wir unsere Freundschaft ohne gröbere Langeweile oder Abnutzungserscheinungen auf diese und noch viele andere kreative Arten und Weisen seit Jahren sehr regelmäßig zelebrieren.
    Dein Schwanz und ich, wir können einfach gut miteinander.

    Jetzt muss ich nur noch einen Weg finden, um mit dem Rest von Kerl, der da an deinem phänomenalen Schwanz hängt, ähnlich befriedigend und vertrauensvoll entspannt zurecht zu kommen.......


    (c) watsi 10/2016
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  8. #8
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    Fts.
    "Du, Summsebienchen, dein Nasemann könnte den ganzen Tag Schmusereien in deine kleinen Öhrchen flüstern."
    "Aber vorher sollte der Herr Nasenbär ganz artig mit seinen Patschehändchen umblättern und brav Lesi-Lesi machen, was ich da für dich ausgedruckst habe. Ich schreibe doch sowas nicht, damit du einfach losurmelst? Und das mit dieser Mainzelmännchenstimme?"
    "O, diese deine tintenschwarze Kälte!"
    Geändert von Willibald W (22.07.2019 um 14:23 Uhr)
    alis nil gravius, o nycticorax

  9. #9
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    Hallo watsi,

    Ich frag mal ganz frei heraus: Wozu der Text? Ich finde da nichts sonderlich Kunstvolles, da berührt nichts, da ist aufgrund der Sachlichkeit eigentlich keine erotische Stimmung vorhanden, und ob derselben überrascht auch das Ende nicht. Nun gut, die Beschreibung ist sehr naturgetreu, nur da sie es ist, und das so ziemlich Jeder darum eben gleich beobachtet haben dürfte, kein Argument, den Text auszustellen?
    Die Frage stelle ich aber auch gern den Mitkommentatoren, denen es ja wohl zusagte. Und nein, ich meine das nicht provokant, sondern wirklich subtil wissbegierig. Dass Schmuddeltexte gern verschlungen und endlos kommentiert werden, weil es ja so mutig ist, einen solchen auszustellen, weiss ich ja; nur ist das hier nun ganz und gar kein solcher. Die Sachlichkeit ist ja fast schon klinisch.

    Kläre mich doch bitte einer auf *oo*
    Danke
    Nina
    .
    .

    "gesammelte Empfehlungen" von linespur
    Du vermisst einen Kommentar zu Deinem Gedicht?

    Genie ist weniger eine Gabe denn aus blanker Not geborener Erfindungsreichtum.
    Jean Paul Sartre

  10. #10
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    Hi nina,

    dein Hinweis "sachlich", "fast schon klinisch" ist interessant, neu und gut. Danke dafür; kann dir deine Frage nicht so ohne weiteres beantworten, außer mit einer Art Gegenfrage "wozu überhaupt Wörter, Worte, Gedichte, Texte....?"
    Deinen Eindruck von dem Text muss ich etwas mit mir herum tragen...vielleicht kommt dann was Gescheites bei raus...

    Der Text ist nicht nur hier, auch bei Bekannten, Freunden, auch wenigen Unbekannten auf einem mini-kleinen Poetry-Slam gut angekommen. Warum? Vielleicht, weil mensch auf "mehr" wartete, und die Spannung durch einen Wechsel der Themenebene, was wohl zum Lachen reizte, aufgelöst wurde?
    Ich weiß es nicht...

    Da könnte ich glatt einen eigenen thread draus machen.
    Muss die/der Autor*in immer genau wissen, warum sie/er was wie geschrieben hat? (Ist jetzt auch als ganz und gar ernsthafte, nichtprovokante Frage gedacht) Ich würde das mit "nein" beantworten, und das, obwohl ich behaupten würde, mindestens 99% meiner Worte, Wort-Bilder und Assoziationen sehr bewusst zu setzen und deshalb meine Kreationen erklären zu können (was ich nicht unbedingt will).
    Das Schreiben wird, so höre ich oft heraus, gerne auch als Therapie genutzt, um sich in bestimmten oder nach bestimmten Lebenssituationen selbst besser verstehen zu können. Das Texte-Hervorbringen als probates Mittel, um an eher Verstecktes, Verdecktes in sich selbst heran zu kommen....Und manchmal kommt dann etwas dabei heraus, das seine Wirkung hat, aber nicht wirklich völlig verstanden wird.....so vielleicht?

    Gruß
    watsi
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  11. #11
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    Eine vielleicht dann doch provokantere Frage noch angehängt, da mir einfiel, dass es "nur" Männer waren, die überhaupt auf den Text reagierten:

    vielleicht muss mensch "Schwanzträger" sein, um den Text als wie-auch-immer "berührend" zu empfinden?

    Gruß
    watsi
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