[...bevor hier etwas zum Leben erweckt werden kann, müssen wir uns durch Einkehr und Gebet vorbereiten. Ehe wir fortfahren zu [experimentieren] werden wir zunächst einen Tag lang fasten, dann nehmen wir ein Bad in kühlem, kaltem Wasser, worauf wir uns in ein Gewand aus allerfeinsten, weißem Leinen hüllen... (aus: Die Prozedur)] Wenn also die innere Schau abgeschlossen ist und die Seele für das folgende Experiment ausreichend geklärt und gesättigt wurde, kann das Spiel beginnen. Gaudeamus igitur...“darum lasset uns fröhlich sein!“

Man nehme einen Dealer1. Möglichst gut bestückt, also am besten donnerstags vormittags2, wenn alle noch nicht so richtig an die allwöchentliche große Feier zum Wochenendanfang denken. Wenn alle noch dem letzten Wochenende nachtrauern, gilt es, zuzuschlagen. Nachdem der Dealer sich erfahrungsgemäß am späten Mittwochabend für alle Eventualitäten vorbereitet hat, kommt man somit am frühen Donnerstag trotz der arabischen Herkunft des guten Mannes an eine westlich anmutendes breite Produktpalette. Hier sei nur am Rande an den einschlägig bekannten Kofferraum aus dem stilechten Lehrfilm „Fear and Loathing in Las Vegas“ erinnert.

Frühmorgens - kurz nach Sonnenaufgang - brechen wir auf und klingeln unseren Dealer aus dem Bett (ein Privileg - durch regelmäßigen und kostspieligen Konsum erworben). Dieser übergibt uns nach den obligatorischen Verhandlungen endlich die drei geforderten Plastiktaschen und wir marschieren heimwärts. Dort erfolgen Sortierung, Aufbereitung und Weiterverarbeitung des Materials. Alsdann sind die Mittelchen gemixt und wir nehmen und die restlichen Stunden bis zum frühen Samstag für die im Eingang beschriebene Prozedur.

Wir erwachen... Falls Sie, werte Leser, zu den Leuten gehören, deren Gedanken sich allmorgendlich ohnehin um die einzig verblieben Frage drehen „Woher kommt der nächste Kick?“, wird es Sie nicht sonderlich überraschen, dass wir sofort zum „Reservoir de Ultima Thule“ greifen. Zuerst erfolgt die rituelle Waschung mit einer legendären Indio-Salbe, deren Rezept wir in einer gatimajalatekischen Irrenanstalt von einem im Sterben liegenden Schamanen erpresst haben. Die halluzinogenen Wirkstoffe der Salbung werden meist schnell und ohne allzu große Schmerzen von der Haut absorbiert und der Blutbahn zugeführt. Die letzten klaren Gedanken nutzen wir, um die Kuckucksuhr aufzuziehen und uns die Schuhe zu putzen. Darauf erfolgt, zwar nicht immer in dieser Reihenfolge, aber regelmäßig in dieser Dosierung, die schnellstmöglich verkonsumierung einer ganzen Reihe von Standarddrogen. Wer PCP verabscheut, sollte dabei nicht hinschauen...

Natürlich hat der Körper immense Probleme mit der Aufrechterhaltung der normalen Funktionen, bei all dem schnupfen, schlucken und inhalieren. Besonders wenn wir dann gegen Mittag die zweite Stufe des „bacchultischen Endzeitreigens“ starten. Wir verlassen mit einer getriebenen Hektik das Haus, um uns mit dem ÖPNV gen Stadtrand zu machen. Intensive Studien der Non-Print-Medien haben uns gezeigt, dass die Menschen eine wahre Freude am Abartigen haben. Und wir genießen schamhaft unsere Mittelpunktstellung in der U-Bahn, wenn wir unseren elitären Rausch ausführlichst zelebrieren.

Am Stadtrand angekommen (gelegentlich werden wir schon auch vorher von diesen schwarzberockten Ordnungshütern aus dem Wagen geprügelt), platzieren wir die Kontaktlinsen „Marke Eigenbau“ auf unseren Pupillen, legen den Schlauch an den eigens dafür geschaffenen intravenösen Eingang und wollen per Anhalter nach Dixiland...

Nachdientsmeldungen vom folgenden Abend:
00:35 Uhr: Patienten bekamen drei Optipyrin
01:43 Uhr: Fortral-Zäpfchen
02:00 Uhr: Patienten kurzeitig wach
03:00 Uhr: Herzstillstand bei beiden –Wiederbelebung erfolgreich – Amphitamin 30mg, Vitamin „Hallowach2001“
03:03 Uhr: Patient A verstorben
03:21 Uhr: Patient B flüchtet aus Klinik...

(3 Tage später fand man seine Leiche im Gorilla-Käfig des städtischen Zoo´s)



1) am besten Monatsanfang, zunehmender Mond
2) nicht der typisch „hast-du-mal-en Zwanni-Gelegenheits-Dealer“, sondern der umherschweifende Stadtschamane, mehrdimensionalig denkend und handelnd, und stets gut ausgerüstet...