1. #1
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    Claudischer Doppelreim mit Schüttlern

    Erfolglos suchte einst ein Meerschweinchen
    nach einem effektiven Kehrreimchen.
    Was soll'n mir, sagte es, die Reimleichen,
    ihr würdet besser mir was Leim reichen.
    Dann könnt ich mir ein festes Haus bauen,
    statt mir an Poesie en Baus* hauen.
    Aus 'nem Gedicht - kann man nicht raus schauen.

    So fand das Schwein noch die Refrainzeile,
    die ich mit ihm in der Lamäng teile:
    Ob Schönschrift oder Sauklauen,
    aus 'nem Gedicht - kann man nicht raus schauen.

    * Trierer Platt für „Beule“
    angeregt durch Claudis "Doppelreim mit Hinkebein"
    Geändert von Michael Domas (21.11.2016 um 00:56 Uhr) Grund: Claudi
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    Am Do., 28.3., ist bei "poetry trifft Poesie" die Slammerin Elena Nern mein Gast, U20-NRW-Meisterin im Poetry-Slam 2018
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  2. #2
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    Hallo Michael,

    ein "Doppelreim mit Schüttlern". Gefällt mir im Grunde gut, nur denke ich bei Deinen Reimen immer, du hast einen überhöhten Anspruch an Dich. Wie soll ich es erklären: Also, du dichtest sicher sehr gut, anspruchsvoll, elegant .... aber manchmal, ist "weniger mehr".
    Einfach mal loslassen vom Anspruch und leicht und locker und lustig, solch ein Thema wie des Meerschweinchen's Suche anpacken.
    Mir bleibt beim Lesen einfach die Lust zum Lachen im Halse stecken, obwohl das Gedicht ja amüsant ist.
    Es grüßt (mit einem ganz leichten Lächeln)
    Neropezine

  3. #3
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    Liebe Neropezine,

    den „überhöhten Anspruch an mich“ habe nicht ich, sondern der Antispast gestellt, der „wahre Dämon der Disharmonie“ (August Wilhelm Schlegel, weiß ich von Claudi). Der legt es halt nun mal drauf an, den „Hörer stutzig zu machen“ (sagt wikipedia unter „Choljanbus“), da kann ich also nix dafür. Dazu noch der Doppelreim und und den noch an fünf Enden als Limerick – Du meinst, ich habe mich verhoben?
    Wie weit darf oder soll man einem (versuchten) Bravourstückchen die Anstrengung ansehen?
    Der Artist in der Zirkuskuppel
    ratlos

    Michael
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  4. #4
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    Lieber Michael,

    wow, sogar zwei echte Schüttler drin! Damit hältst Du mir ein Möhrchen hin, lässt es mich aber nicht bis zu Ende knabbern. Ich weiß, mit Schüttelreimen wirds nochmal ein paar Umdrehungen schwieriger, den roten Faden nicht zu verlieren. Gut, aber darum ging es nicht vorrangig. Du wolltest natürlich nicht ein halbes Jahr warten, und so lange kann es manchmal dauern, bis man bei solchen Herausforderungen einen gangbaren Weg findet.

    Ich finde, von der Länge hast Du genau das richtige Maß erwischt. Mehr sollte man dem Hörer von diesem schrägen Sound auf einen Schlag eigentlich nicht zumuten. Schade, dass das "ei" sich in den ersten vier Versen so häuft. Vielleicht wolltest Du da intuitiv mit genauso viel "au" gegensteuern? Ich weiß es nicht. Jedenfalls ist mir da der Reim dreimal hintereinander einmal zu viel.

    Die Idee, den Kehrreim auch tatsächlich zu bringen, finde ich schon toll. Was hieltest Du davon, auf den Sauklauenvers zu verzichten, der mir wegen des fehlenden "s" sowieso nicht recht zu passen scheint?


    Erfolglos suchte einst ein Meerschweinchen
    nach einem effektiven Kehrreimchen.
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    So fand das Schwein noch die Refrainzeile,
    die ich mit ihm in der Lamäng teile:
    aus 'nem Gedicht kann man nicht raus schauen.



    Hattest Du "rausschauen" getrenntgeschrieben, damit der Hebungsprall besser rauskommt? Der letzte Vers ist eigentlich XxxX XxxXXx, was ich im Vortrag absolut klasse finde. Für den "Nurleser" müsste man das m.E. besser vorbereiten, sonst denkt er, das Metrum sei versemmelt. Deswegen würde ich wohl schreiben:

    aus Poesie kann keiner rausschauen.


    Hat Spaß gemacht, Dein Meerschweinchen zu besenfen!

    LG Claudi
    Geändert von Claudi. (20.11.2016 um 15:37 Uhr)
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  5. #5
    cheeny Guest
    Oh, hallo Michael,

    jetzt habe ich mindestens wenn nicht öfter dein Gedichtchen gelesen, bevor ich dahinter gekommen bin was ein Doppelreim mit Schüttlern sein soll. Aber nach Claudi's Bemerkung mit dem "rausschauen" ist mir ein ganzer Kronleuchter aufgegangen. Auch der Hebungsprall ist mir blitzartig klar geworden.
    Nun kann ich fast mit Meerschweinchen fühlen und ein wenig schadenfroh grinsen.

    Gerne gelesen
    mit lieben Grüßen
    cheeny
    Geändert von cheeny (21.11.2016 um 01:39 Uhr)

  6. #6
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    Liebe Cheeny,

    schön, dass Du Dich, obwohl das ja alles ein wenig speziell ist, mit dem Gedicht anfreunden konntest. Und mir die Gelegenheit gibst, meinen Lieblingslimerick zu zitieren:
    „Es klapperte die Klapperschlang, bis die Klapper schlapper klang.“
    Es gibt für den Schüttelreim Spezialisten, die ich immer bewundert habe, mir selbst habe ich keinen einzigen zugetraut.

    Liebe Claudi,

    deshalb freut mich natürlich Dein Spaß an meinen ersten. Ja, das Gedicht ist mit lauter Kraftmeierei überladen, aber wenn schon, denn schon. Obwohl mir bewusst ist, dass der "Dämon" hier die Disharmonie noch grausamer betont als bei Deinem Doppelreim mit Hinkebein. Mir wird nach meinen eigenen Fingerübungen auch immer staunenswerter, dass dieses Monster in Deinem "Antispastische Knallfrösche" so gezähmt wurde, dass sich ein richtig hübsches und feines Gedicht ergeben hat, dem man die Artistik nicht anmerkt. Vielleicht gelingt mir innerhalb des nächsten Jahres auch sowas, da genügt es ja nicht, sich an den Schreibtisch zu setzen und sich anzustrengen. Jetzt aber wollte ich Zirkus und habe ihn bekommen, schön muss das nicht sein. Die 4 "ei" Reime am Anfang, kriege ich nicht weg, weil "Schwein" und "Reim" Thema sind, die Sauklauen-Zeile nämlich (Schwein, ick hör dir trapsen) gefällt mir gut, auch wenn, ja, ein "s" fehlt.
    Die Unreglmäßigkeit im Refrain
    aus 'nem Gedicht kann man nicht raus schauen.
    Werde ich durch einen Gedankenstrich betonen und rausschauen für den Hebungsprall zusammenschreiben:
    aus 'nem Gedicht – kann man nicht rausschauen.
    Aber wenn schon "Kehrreim", dann muss er auch hinter die S1.

    Claudi, Du siehst, wo ich schon mal nen Einfall hatte, kann ich schlecht auf ihn verzichten, typische Anfänger-Fehlhaltung.

    Zur Versöhnung deshalb meine Widmung an Deine "Pfingstochsen"

    Prächtig geschmückte, trainierte und willige Pfingstochsen
    wollten es wissen und einmal im Leben im Ring boxen.
    „Vollochsgebox!“, so schrieben sie auf die Plakatsäulen.
    Ach, wer da kam! Sie konnten vor Glück in der Tat heulen:
    Mächtig entzückte, studierte und chillige Märzkühe
    rollten herbei. Aber gaben sich doch nur zum Scherz Mühe.


    So wie ich

    Michael
    Geändert von Michael Domas (21.11.2016 um 13:12 Uhr)
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  7. #7
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    Lieber Michael,

    uiui, da sind noch so viele Antworten auf Kommentare offen! Ich komme nur schleppend hinterher und bitte um Geduld in den anderen Fäden. Klar, der Kehrreim muss rein, wenn Du ihn schon ankündigst. Bei mir ist es ja ein Schweifreim geworden.

    Deine Pfingstochsenverse sind ja entzückend! Wenn Du Lust hast, könntest Du die auch noch aufbereiten und einstellen. Was ich allerdings vermeiden würde, wenn man die Pfingstochsen richtig lesen soll, ist das "Vollochsgebochs". Auch scheint es mir hier weit günstiger, mit Auftakt zu beginnen. Sobald auf ein Pfingstochsenwort eine betonte Silbe folgt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Pfingstochse daktylisch gelesen wird, m.E. größer. Überhaupt würde ich diese regelmäßigen Daktylen vermeiden und lieber ein, zwei Einfachsenkungen in jeden Vers einstreuen. Dann weiß der Leser schon: Aha, dies ist kein regelmäßiges Metrum, hier muss ich aufpassen!

    Hat mir Spaß gemacht!

    Muhende Grüße von Märzkuh Claudi
    com zeit - com .com

  8. #8
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    Hi! Claudi,

    beim Stöbern hierzuforum stoße ich auf diesen Thread, bei dem es um dreierlei geht, an dem ich interessiert bin: Antispast, Schüttelreim und Pfingstochsen. Da ich mit letzteren seit frühester Jugendzeit vertraut bin, bitte ich um einen Link zu den oben erwähnten Pfingstochsenversen. Ich kann sie nämlich nicht finden.

    LG Friedhelm
    ______________________________

    Reime zu schütteln, gilt vielen als Nonsens von Spaßern, nichts Rechtes!
    Aber die Spaßer mit Ernst suchen im Unsinn den Sinn!

  9. #9
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    Lieber Friedhelm,

    meine Gedichte zum Antispast hat Michael oben verlinkt. Mit "Pfingstochsen" sind die XXx-Wörter gemeint, die sich so schwierig in ein gängiges Versmaß bringen lassen. Du hast es vielleicht gar nicht mitbekommen: Dein Pfingstochsendistichon war der Namensgeber dafür! Seit unserer Diskussion zu Deinen Pfingstochsenversen hat sich der Name (zuerst in Ferdis Forum und jetzt auch bei uns) als anschauliche Bezeichnung für diese besonderen Wörter etabliert.

    Mit Schüttlern ist bei mir nicht so viel los, wie Du sicher weißt. Ich glaube, ich habe hier nur ein einziges Schüttelgedicht eingestellt, und auch die Doppelreime waren nur mal ein kleiner Gag nebenbei.

    LG Claudi
    com zeit - com .com

  10. #10
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    Liebe Claudi,

    dass die Urheberschaft über die Pfingstochsen mir gebührt, ist mir in etwas unliebsamer Erinnerung. Ich dachte, ich hätte damals ein vortreffliches Distichon verfasst und musste mich eines Besseren belehren lassen. Das hat mich schon heftig geschüttelt, seither schüttle ich nur noch, auch der Pfingstochs ist mit von der Partie, analog Christian Morgensterns Mondschaf.

    LG Friedhelm
    ______________________________

    Reime zu schütteln, gilt vielen als Nonsens von Spaßern, nichts Rechtes!
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  11. #11
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    Liebe Claudi,

    immer habe ich gedacht, ich versuche, Deine Tipps zu meinen Pfingstochsen-Versen umzusetzen, d.h. "mit Auftakt zu beginnen, ein, zwei Einfachsenkungen in jeden Vers einzustreuen und das Vollochsgebox zu vermeiden". Nun ist zwar das Jahr, in dem der Text reifen sollte, noch nicht vorbei, aber ich bin zur Zeit so weit von solchen Kunststückchen entfernt, dass ich nicht weiß, wann ich mich mal wieder rantraue. Nun gut, ich setz mich unter Zugzwang und stelle die „Pfingstochsen“ in einen eigenen Faden, mal gucken was passiert. Vielleicht geht es mir so, wie Dir mit Deinem super geschütteltem „Pechsträhne“, auch da halfen ja Geduld und Leser.

    Lieber Friedhelm,

    die Links in #6 zu Claudis Antispasten hast Du inzwischen entdeckt. Deinen eigenen Pfingstochs wiederum finde ich nicht.

    Gerade habe ich Geschütteltes von Dir gelesen. Ihr habt ja Sachen drauf

    Michael
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