1. #1
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    Der Holzfller, der Knig und der Ruberhauptmann

    Ein armer Baumfller bentigte nach einem Sturm Hilfe bei der Arbeit. Einer seiner Shne sgte den Ast, auf welchem er sa und verletzte seinen Vater im Fall derartig, sodass dieser sich gezwungen sah, seine Geschfte fortan einem seiner drei Shne zu bertragen.
    Der erste jedoch war auer stande sich in das Handwerk einzuarbeiten. Er war von schwchlicher Statur und klagte den ganzen Tag ber Arm- und Rckenschmerzen. Er schaukelte lieber unter einem Apelbaum.
    Der zweite, welcher seinem Vater in den Rcken gefallen war, schien zwar willig, jedoch von solch einer Dummheit befallen, dass er keine Tanne von einem Apfelbaum zu unterscheiden gewusst htte.
    Da fiel die Wahl auf den dritten Sohn.
    Dieser war sehr klug und sprach: ,,Nein, Vater, ich will in die Welt hinaus, um das groe Glck zu suchen. Mge der erste meiner Brder gengend Kraft aufbauen, um deine Geschfte knftig zu fhren, dem zweiten meiner Brder mge er die Anweisung erteilen, um jeweils den richtigen Baum auszuwhlen, und setze du dich nur mit deiner Erfahrung in deinen Stuhl, um ber die ganze Arbeit zu wachen!"
    Dem Vater, der sich in ihm einen wrdigen Nachfolger erhofft hatte blieb nichts anderes brig, als sich den Worten seines Sohnes zu fgen, ihm Glck zu wnschen und Lebewohl zu sagen.

    Am nchsten Tag schon wurde ein Pferd aus dem Stall gefhrt, welches fr die schwere Baumarbeit nicht mehr taugte und deshalb sein tgliches Gnadenbrot erhielt.
    Es war jedoch noch stark genug, die wenigen Habseligkeiten des klugen Burschen zu tragen, auch ihn selbst, wenn dieser vom Wandern mde wurde.
    Unterwegs kamen sie durch einen groen Wald, der berchtigt war, weil sich zwielichtige Gestalten in ihm befnden. Der kluge Sohn fhrte sein scheues Pferd mutig hinein.
    Pltzlich sah er die schwarze Kutsche des Ruberhauptmanns. Sie war umgestrzt und hatte das Bein des Halunken eingeklemmt, soda dieser sich nicht mehr bewegen konnte. Er hatte lngst keine Gefolgsleute mehr um sich, da er sich ihrer entledigt hatte, um seine Beute nicht teilen zu mssen. Lediglich seine Katze sa wild fauchend zu seinem Fen, als sich ihm der Junge nherte.
    ,,Warte, Wandersmann sprach ihn der Ruber an, ich gebe dir zehn Golddukaten, wenn du mir einen Schluck aus deiner Flasche gibst. Ich werde dir jeden Monat zehn Dukaten geben und dich mit meinen Geschften vertraut machen, wenn du zudem knftig mein Laufbursche sein willst. Es wird dir an nichts fehlen. Du wirst frstlich leben knnen und auf ewig ausgesorgt haben.
    Der Bursche berlegte nicht lange, nahm die zehn Dukaten, reichte ihm seine Flasche und lie den Ruberhauptmann unverrichteter Dinge unter seinem Wagen liegen.
    Als er weiterritt, bemerkte er drei Raben, die ihn in sicherer Entfernng begleiteten.
    ,,Der Alte hat bestimmt noch ein Vermgen in seiner Kutsche liegen!", kam es ihm in den Sinn. ,,Solange er unter der Kutsche liegt, wird er mir nichts anhaben knnen. Auerdem habe ich bald keinen Heller mehr, wenn ich die Dukaten gegen einen neuen Rappen eingetauscht habe."
    Nach einer weiteren Zeit des berlegens tauschte er sein Pferd, und folgte seinen eigenen Spuren in den Wald zurck.
    Dort lag immer noch der Ruberhauptmann. Er war sichtlich geschwcht und mit einem Sbel bewaffnet, dass ihm die wilden Tiere nichts anhaben konnten. Seine Katze jedoch war verschwunden.
    ,,Warte Wandersmann!", sprach er ihn wieder an, ,,ich verspreche dir das ganze Vermgen, welches sich in meiner Kutsche befindet. Gib du mir nur ein Stck von deinem Brot und befreie mich aus meiner Misere, so werde ich dich zu meinem Knig machen und dir knftig dienen."
    Der Wandersbursch berlegte nicht lange. Er kletterte in den Wagen und nahm soviel Gold, wie er nur tragen konnte. Es war jedoch zu viel, sodass er einen betrchtlichen Teil zurcklassen musste. Er befreite die armen Pferde aus dem Geschirr der Kutsche und lie den wtenden undn fluchenden Ruberhauptmann unter dem Gewicht seiner Kutsche liegen.
    So trat der Wandersmann nach einiger Zeit wieder aus dem Wald heraus und bemerkte zwei Krhen, die ihn in gebhrendem Abstand begleiteten. Bei der nchsten Gelegenheit besorgte er sich einen noch schnelleren Rappen und den angemessenen Zwirn eines Edelmannes, um mit seinem schwerbeladenem Tross nach einer angemessenen, stndigen Bleibe Ausschau zu halten.
    Die Nachricht ber den reichen Burschen machte schnell die Runde bis zum Knig. Der schickte sofort seine Soldaten aus, um einen ordentlichen Zoll fr die Benutzung seiner Wege zu verlangen. Schon nach kurzer Zeit war von ihnen umstellt und festgestetzt.
    Erleichtert bis auf drei kleine Dukatensckchen verlie der Bursche das Reich des Knigs und sah sich gezwungen, durch den Wald zurckzureiten, um den bescheidenen Rest seines Vermgens zu sichern und nicht weiterhin ausgenommen zu werden. Er wurde jedoch in sicherer Entfernung heimlich von der Truppe des habgierigen Knigs verfolgt, welcher sich auf der Spur noch grerer Reichtmer whnte.
    Der Holzfllerbursche traf wieder auf den Ruberhauptmann, der kaum noch in der Lage war zu sprechen. Wortlos reichte er dem Sterbenden einen Schluck Wasser und einige Brotkrumen, sodass dieser wieder zu Krften kam.
    ,,Warte Wandersmann!", vernahm er die dnne Stimme des Ruberhauptmanns ,,Wenn du mir auch noch den Kopf ein wenig polsterst, so will ich dir mein Versteck anvertrauen. Dort wirst du soviel Gold vorfinden, dass dein Leben und das deiner Familie nicht ausreichen wird, dieses auszugeben. Es bertrifft jegliche Reichtmer eines irdischen Knigs."
    Da schnrte der Baumfller ein Strick um die Kutsche, wie er es von zuhause vom Holzrcken her gewohnt war und wuchtete mit Hilfe seines Pferdes die Kutsche wieder auf die Rder.
    Der Ruberhauptmann aber war mittlerweile zu schwach um aufzustehen und zog ihn mit beiden Hnden zu sich herunter. Er nahm alle Krfte beisammen und wollte nicht mehr aufhren zu sprechen:
    ,,Folge dem Raben!" lie er ihn wissen, ,,Er wird dich zu dem Reich meiner Grten fhren. In Wirklichkeit wirst du diesen aber nur in dir finden. Folge dem Klopfen einer Axt, sie wird die Musik deines Herzens begleiten und die Arbeit wird dich sehend machen. Im fnften Garten welchen du auf deiner Reise antriffst wirst du auf der rechten Seite ein unscheinbares verschlossenes Holzhaus vorfinden. Meine Katze wird dich dort erwarten und dir den Ort des Schlssel zeigen. In der Zwischenwand dieser Htte wirst du einen Schatz finden, der alle Schtze dieser Welt bertrifft. Denn die Wnde bestehen aus reinem Gold, und unter den Bodendielen liegen lupenreine Diamanten und Brillianten von der Gre deiner Hnde. Doch dieser Schatz ist verhext. Du wirst erst ein Musikinstrument deiner Wahl erlernen mssen, um diesen Schatz bergen und ber ihn verfgen zu knnen. Und dass wird viel Arbeit fr dich bedeuten, genau genommen ein Leben lang. Daher werden erst deine Nachkommen die Frchte deines gesamten Schatzes ernten knnen. Du musst dich aber sputen, denn die Hscher des Knigs sind dir auf den Fersen. Lass den Rest des Goldes und mich in der Kutsche liegen damit die Gefolgsleute des Knigs ihren billigen Lohn erhalten!"
    Der Holzfllerbursche aber blieb ganz ruhig neben dem Ruberhauptmann sitzen. Bald schon schloss der seine Augen, um sie nie wieder zu ffnen.
    Der Holzfllerbursche schaufelte ihm ein angemessenes Grab und war dadurch wenn auch nur fr wenige Stunden in die Dienste des Ruberhauptamnns getreten. Nicht lange darauf vernahm er den nahenden Tross des Knigs.
    Sofort machte er sich auf den Weg. Er folgte der schwarzen Krhe, wie ihm vorhergesagt worden war. Und erreichte nach vierzehn Tagen das Reich der tausend Grten.
    Gerade, als er das unermessliche Gold in der Zwischenwand des Holzhauses entdeckt hatte, wie ihm vorhergesagt worden war, trat die gierige Truppe des Knigs hinzu. Sie nahmen den Jungen in Empfang, um abermals einen gerechten Wegezoll zu verlangen. Jedoch keine Golddukate konnte aus dem Garten entfernt werden. Jedesmal, wenn ein Goldstck in eine Truhe verladen wurde, ffnete sich diese wieder, und der Schatz verschwand sofort an seinen alten Platz. Irgendjemand spielte einen Zauber, den sich keiner erklren konnte, geschweige denn zu brechen wusste.
    Im Namen des habgierigen Knigs nahmen sie deshalb den Burschen gefangen, und bezichtigten ihn des Mordes an dem Ruberhauptmann. Sie erhofften sich so das Geheimnis um den verwunschenen Schatz aus ihm herauspressen zu knnen. Bald kam der neugierige Knig hinzu, um mit diesem Vermgen als Herrscher aller Herrscher in der Welt zu regieren.
    Als er aber merkte, dass er nicht das groe Geheimnis um den verwunschenen Schatz lften konnte, lie er den Holzfller frei. Er verbannte ihn jedoch in das Reich der Grten, bis dieser sich eines Besseren besonnen habe.
    Viele Menschen kamen, um den Verbannten besuchen, denn sie liebten die Grten, denen er sich von nun an widmete. Er befreite sie von Dornen und alten Bumen, um sie ihrer wahren Schnheit zuzufhren. Jeden Abend spielte er auf einem Harfeninstrument, welches von mal zu mal prchtiger und virtuoser klang.
    Jedes Jahr kam ihn nun auch der Knig persnlich besuchen, weil er immer noch daran glaubte, der Herrscher aller Herrscher werden. Dabei brachte er ihm zusehends grozgigere Geschenke mit, um den Holzfller umzustimmen und fr sich zu gewinnen. Dabei verblieb er immer ein wenig lnger in diesen schnen Grten. So konnte auch er der abendlichen Musik lauschen. Schlielich versprach ihm der Knig seine schne und kluge Tochter zur Frau. Er war mittlerweile alt und schwach und beide waren lngst Freunde geworden. Der Holzfllerbursche sah die Zeit gekommen, um den alten Knig endlich in das Geheimnis des Schatzes einzuweihen.
    Der Knig entschied sich fr den Rest seiner Tage das Spiel an der Triangel zu erlernen. Dazu beschloss er, im Reich der Grten an der Seite seines teuren Freundes zu verbleiben. Endlich hatte er den Schatz in sich gefunden.
    In den Grten wurde bald auch die Hochzeit mit seiner Tochter gefeiert, und der Holzfller lebte mit ihr glcklich und zufrieden bis an das Ende seiner Tage.
    Gendert von Anjulaenga (24.03.2017 um 17:42 Uhr)

  2. #2
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    Hallo Anjulanga!

    Bin quasi mit Mrchen gro geworden. Dieses finde ich
    wirklich spannend und gut gelungen.
    Leider sind die Zeiten der Mrchen vorbei!
    Deines knnte im Buch der Gebrder Grimm stehen.

    Gru charisma

  3. #3
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    Liebe / r charisma65,

    Danke fr die Blumen, L.G.A.

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