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    Sein letzter Kampf VIIi

    Zu erst wunderte ich mich sehr, dass nicht ein größerer Aufschrei auf unsere Bluttat hin zu vernehmen war. Nichts in der Zeitung, nichts im Fernsehen, Radio. Was war da los?
    Ich musste warten. Das war schlimm. Diese Ungewissheit. Warum kein Bericht, nicht ein kitzekleiner, was sich aber unmöglich und unverständlich ausmachte angesichts des hohen Blutzolls. Oder etwa nicht?
    Ich ahnte Schlimmes.
    Immer wieder gingen mir die Szenen durch den Kopf.
    Als nach einem Tag nichts zu hören war, wurde ich misstrauisch. Aber ich war doch in einer Blutlache ausgerutscht und habe mich quasi darin gesuhlt? Wie konnte man das verstehen, dass da kein heller Aufschrei durch die Presse ging?
    Willi verhielt sich nicht merkwürdig, er ging mir keineswegs aus dem Weg, was auf ein Schuldgefühl hätte hingewiesen, im Gegenteil. Ein paar Mal sagte er aufmunternd: „Den haben wir es aber gegeben, was Kamerad?“, wobei er die Faust in die Hand schlug. Aber war das wirklich so?
    Ich war schon zum Schluss kommen, dass die Behörden aus strategischen Gründen die Veröffentlichung des Massakers verheimlichte. Man kennt das mittlerweile ja von der Flüchtlingspolitik her, Fakten, Geschehnisse, unangenehme Vorkommnisse, die Bevölkerungsstimmung nur mehr anheizen würden, werden unter dem Tisch gekehrt. Die Offenlegung und Veröffentlichung über den Überfall auf eine Mossul goss natürlich auf verheerende Weise Öl ins Feuer und würde womöglich einen Flächenbrand verursachen – was wir auch mit unserer Tat beabsichtigten.
    Trotzdem, ich schwankte, so etwas konnten die Behörden denn doch nicht verduschen, oder Nein?
    Ich war gerade beim Waschen, als die Schwester in meinen Wohnbereich hereintrat. So nackt wie Adam, der seinen Morgenständer hat, konnte ich nicht wiederstehen. Ich wusste, sie würde hier hereinkommen in die Toilette und die frischen Leinentücher, feinsäuberlich gewaschen und akkurat zusammengelegt, auf das Waschbecken legen. Wie ein wilder Stier, der nur ein rotes Tuch wahrnehmen kann, stürzte ich mich sodann, den Überraschungseffekt ausnutzend, auf den weißen Kittel, packte ihn an den Revers des V-Ausschnittes und riss sie so auseinander, dass es die Knöpfe wegsprengte. Herrliche Möpse wippten mir hinter einem fein-gestickten, seidig-anmutenden BH entgegen.
    Ich griff mit vollen Händen zu, während ich mich mit meinen Körper an ihren schmiegte und rieb und diesen an die Wand drängen wollte.
    Plötzlich erschallte ein Laut. Was war das?
    Aber ich werkelte weiter an der widerspenstigen Madonna, bis sie mich in die Ecke stieß. In dieser stand das Klosettbecken, auf dem ich fiel, mir nun schmerzhaft bewusst, dass der Laut von vorhin eine Backpfeife gewesen war.
    Einen kurzen Moment hielt ich meine brennende Backe, war aber dann nicht mehr zu bremsen, ich stürzte mich nach vorne, die Schwester wich galant aus und ich stieß mit dem Kopf gegen die Verbundscheibe der Schiebe-Klotür. Ein schrecklich-lauter Krach erscholl zwar, aber die Scheibe zerbarst nicht, vielmehr schleuderte ich zurück und schon umfing mich mein Widerpart von hinten. Dabei ergriff er meinen Penis, hielt ihn in seiner Hand, drückte fest zusammen und rieb und rieb. "Da hast Du, was Du brauchst!"
    Ich schrie zunächst vor Schmerz auf...
    "Du verdienst nichts Besseres, Du Schwachkopf!"
    Oder sagte sie Schwanzkopf? Oder aber: "Du nur von Deinem Schwanz gesteuerter Schwachkopf." Egal, denn jetzt empfand ich die volle Lust, gab mich ihr selbstvergessen hin, denn so stark auch immer sich eine Faust um meinen Allergrößten drückte und presste, er hielt lustvoll dagegen.
    Die Schwester hinter mir fluchte, keifte und beschimpfte mich, wie's das Zeug hielt, mir war es jedoch schnurz, denn ich wurde endlich Mal richtig von einer Frau befriedigt.
    Der ganze Frust wurde mir dabei abgerieben, schließlich und schlussendlich ausgetrieben, als es mir kommen sollte.
    Noch war es nicht so weit, ich schloss die Augen, presste die Lippen vor Schmerz zusammen und ließ es zu, dass all die all die enttäuschenden, öden Gedanken der letzten Tage noch einmal durch meinen Kopf jagen.
    Wie sehr hatte ich mich doch gewundert, dass nicht ein größerer Aufschrei auf unsere Bluttat hin zu vernehmen war. Nichts in der Zeitung, nichts im Fernsehen, Radio. Nichts. Was war da los?
    Ich musste warten. Das war schlimm. Diese Ungewissheit. Warum kein Bericht, nicht ein kitzekleiner, was sich aber unmöglich und unverständlich ausmachte angesichts des hohen Blutzolls. Oder etwa nicht?
    Ich ahnte Schlimmes.
    Immer wieder gingen mir die Szenen durch den Kopf, besonders der mit dem Kopf, den ich in der Hand hielt. Sah er nur so aus wie eine Ziege oder wie ein Schaf oder doch nicht?
    Als nach einem Tag nichts zu hören war, wurde ich noch misstrauischer. Ich begann schon fast an mir zu zweifeln: Aber ich war doch in einer Blutlache ausgerutscht und habe mich quasi darin gesuhlt? Ich hatte das doch nicht geträumt?
    "Aua!", jetzt schmerzte es wieder ganz besonders.
    "Bisschen mehr Rücksicht, wenn ich bitten darf!"
    "Du darfst, aber Du wirst nicht erhört, Du Null und Nichts, Du Versager, Du Kanaillie..."
    Das erinnerte mich wieder an mein Hin- und Herüberlegen und Verwundern, dass und warum wohl kein heller Aufschrei durch die Presse ging?
    Willi verhielt sich nicht merkwürdig, er ging mir keineswegs aus dem Weg, was auf ein Schuldgefühl hätte hingewiesen, im Gegenteil. Ein paar Mal sagte er aufmunternd: "Den haben wir es aber gegeben, was Kamerad?", wobei er die Faust in die Hand schlug.
    Aber war das wirklich so?
    Hatten Willi und ich uns das vielleicht nur so ausgedacht - das hatten wir. Aber haben wir es dann wirklich getan.
    Ich gelangte zum Schluss, dass die Behörden aus strategischen Gründen die Veröffentlichung des Massakers verheimlichte. Man kennt das mittlerweile ja von der Flüchtlingspolitik her, Fakten, Geschehnisse, unangenehme Vorkommnisse, die die Bevölkerungsstimmung nur mehr anheizen würden, werden unter dem Tisch gekehrt (Anmerkung des Verfassers: Die Medien bauschen die Vorkommnisse auf und es sieht im Nachhinein nur so aus, als ob vertuscht worden wäre!) Würde der Überfall auf eine Musull in jedermanns Mund und Ohr sein, goss dies natürlich Öl ins Feuer und würde einen Flächenbrand verursachen - was wir auch mit unserer Tat beabsichtigten und was die Regierenden, die nur auf Sicherheit, Ordnung und Ruhe aus sind, verhindern wollen.
    Trotzdem, ich schwankte, so etwas konnten die Behörden denn doch nicht verduschen, oder Ja? Oder ich und Willi waren schon völlig gaga...
    Worte der übelsten Beschimpfungen zischten und keiften in meinem Ohr, dass es schmerzte. War es denn hinter mir überhaupt die Person, die ich vermutete? Hätte ich ihr nicht zugetraut, die mich da dort umfing, wo mein Mannsein war und dieses mein Gemächte so fest in Händen hielt, drückte, rieb, ja malträtierte, dass es eine wahre Wucht war. Ja, manchmal wird halt Saulus zu Paulus, die betreuende Schwester war eher von sanftem Gemüt, die meine Zudringlichkeiten bislang mit geschmeichelter Gestik und Mimik hatte abgewehrt. Jetzt aber!
    „Aua!“ Tut ganz schön weh auch.
    Gut, bin gerade vorhin nicht zimperlich, ja ihr sogar handgreiflich-brutal an die weiße Wäsche gefahren, aber das hier! Ganz schon fester Griff, das!
    Und eben zurecht, zur Feier des Tages, vielmehr der Woche, gewissermaßen zum Abschluss der erfolgreichen Aktion und des genialen Streiches wegen hatte ich eine Belohnung verdient.
    „Ohje!“ Zähne zusammenbeißen!
    Oder aber deshalb, weil ich meine Zweifel übertünchen wollte, hatte ich mich besonders brutal gebärdet, als ich mich auf sich gestürzt und ihr etwas den Kittel gelüftet habe?
    „Du Schafskopf. Bist' zu blöd eine Frau anzubaggern, nicht zu schweigen davon, einen generalstabsmäßig durchgeführten Überfall ordnungsgemäß über die Bühne zu bringen!"
    Damit endete das Zweifeln und Warten, welches zwar peinigend war, aber nichts im Gegensatz zur Offenbarung der Wahrheit, die nach einer Woche ans Tageslicht kam, beschämend und niederschmetternd, mittels dieser Schelte von Frau Oberschwester.
    Ich kam jetzt zwar, kriegte aber mit diesen Worten gleichzeitig einen Knall vor die Birne, als mir deren Bedeutung bewusst wurde. Nach dem Abgang schleuderte und stieß mich die Oberschwester in die Ecke, dort, wo die drei Abfalltüten über drei Chromständer gestülpt waren. Das federte glücklicherweise ab und ich sackte zu Boden. Aber bei meinem Flug durch den Raum hatte ich einen Rattanregal gestreift, dass nun über mich zusammenbrach und sämtliche darauf befindliche Dinge über mich ergoss: Schachteln mit Aspirin, Alcaselzer, Desinfektionsmittel-Plastikflaschen, außerdem Salben, Tüten, Verbände und Kompressen.
    Als Draufgabe warf sie mir ein kurz vorher unter der Dusche angefeuchtetes Handtuch über den Kopf: „Da, wasch Dich damit ab, damit du hier nicht noch alles versaust, Du, Du!“ Ich hörte nicht oder wollte ihre Worte nicht hören, oder konnte nicht. Ich war auch sehr beschäftigt, nämlich damit, mich beschämt wie kleines Baby abzuputzen und zu reinigen, das mit seinen Exkrementen, mit Lehm oder sonstigen ungehörigen Schmutz gespielt und sich verschmutzt hatte. Aber um dies gründlich zu machen, dafür hatte ich keine Zeit, vielmehr ließ mich meine Gebieterin keine, schon erhob sie sich über mich drohend, zu nahe schien mir, jedenfalls wie ein mächtiger Schatten über mir, grinste verächtlich auf mich herabschauend und, das ist wörtlich zu verstehen, rieb mir eine Zeitung unter die Nase.
    „Hier, Du geiler Versager! Du, Du.." Damit drückte sie mir dieses Zeitschrift wuchtig in die Hand. Man muss wissen, noch immer lag ich quasi wehrlos auf dem Boden und musste diese Dinge und Geschehnisse entsprechend erleben und, um es auf den Punkt zu bringen, über mich ergehen lassen. Hätte es noch schlimmer werden können? (Ja, es hätte und wird noch schlimmer kommen!)
    Erneut, meinte ich, explodierte etwas in meiner Birne, als ich den kleinen Bericht aus der Zeitung, inmitten der dicken Samstagszeitung ganz unten rechts an der Ecke, las. Danach fühlte ich mich, als hätte mich ein Schlag in der Magengrube getroffen, um es gelinde auszudrücken.
    Es handelte sich um eine Anzeige der türkischen Gemeinde, die der Verwunderung Ausdruck gab, was es zu bedeuten haben könne, einen Anschlag auf die Schuhe der Muselmanen-Vereinigung zu verüben, während sie deren Mitglieder gerade im Gebetsraum aufhielten? Die Verfasser äußerten die Meinung, dass es sich bei dieser Tat nur um einen Vandalismus-Akt (nicht Sandalen-Akt) und einen schlechten Witz gehandelt habe könne. Im anderen Fall aber, dass der Täter oder die Täter Gottsuchende seien, stehe hinter der Handlung ein verzweifelter Hilferuf nach der Beantwortung fundamentaler Fragen. Demnach tat die Gemeinde kund: "Unsere Gemeinde fühlt sich überfordert und nicht zuständig für solch religiöse Belange, die hinter dieser obskuren Tat stecken mögen. Wollten die Täter mit ihrer Tat ein Zeichen setzen, so haben sie ihr Ziel verfehlt. Leider kann die Gemeinde ihnen nicht weiterhelfen und Unterstützung wiederfahren lassen. Zwecks Beantwortung deren gewiss ernstzunehmenden Angelegenheiten sollen sich die Sinn- und Gottsuchenden doch bitte an die Al-Azhar-Universität in Kairo wenden, die die kompetenteste Institution in religiös-relevanter Fragen des islamischen Rechts und der Welt darstellt."
    "Aber ich, ich habe doch eigenhändig... Blut in den Händen... gehabt?"
    "Was hattest du gehabt?"
    "Blut, wie. Es war der Kopf von einem... einem Tier... einem Schaf..."
    "Genau, du hattest den Kopf von einem deiner Gesinnungsgenossen und Blutsbrüdern in der Hand, du verhinderter Cowboy und Indianer."
    Ich hätte mich auf keine Diskussion mehr einlassen wollen, denn die Nonne schrie sie in ihrer Wut regelrecht in eine Rage hinein, ihre Anklage wurde zum hemmungslosen Vorwurf, der sie in eine Bestie verwandelte.
    Noch schrie sie relativ moderat: "Nämlich einen Schafskopf, du, du..." Aber damit warf sie mir das große, feuchte, von meinem Spermium versuckelte und verunreinigte Handtuch übern Kopf, umfasste meinen Leben mit beiden Händen, schleppte mich ein paar Meter durch mein Zimmer und stieß mich mit aller Wucht Kopf voran auf mein Bett, ein Metall-Gestänge. Dieses krächzte laut, hielt aber stand. Dort lag ich, mit dem Gesicht voran, und spürte sofort einen fürchterlich starken Druck auf meinem Rücken, als ob sie mir mit den Fuß darauf getreten wäre.
    Mein Atem ging schwer, die Luft um mich war wohl nicht die Beste, doch würde ich nicht ersticken. Gut, dann stelle Dich wie als wärst Du tot. Bei verrückt gewordenen Furien oder Ähnlichem ist sich verkriechen, sich ruhigstellen, gleichsam tot der beste Rat und Stratege.
    „Dass sollst Du mir büßen!“ und ich merkte, wie sie mir die Hosen vom Leib riss, ja riss, denn mein Knopf wurde aufgesprengt dabei, sofort hatte sie die Hose herunter, die Unterhose, mein Unterhemd ließ sie an. Sie ging weg, ich hörte ihre Stöckelschuhe, klick-klack, sich entfernen, dann ein Rascheln, als ob sie in einer Tasche oder einem Rucksack herumkramte, dann näherte sich dieses Geräusch um so lauter wieder, als liefe sie vielleicht, klick-klack.
    Ich lag angespannt da, ganz von den Geräuschen gefangen gehalten, spähend, was da auf mich nun zukomme. Das war keine Ruhmestat, ich hätte doch besser daran getan, zu handeln, mir den feuchten Lappen, das feuchte Handtuch vom Kopf reißen, aufstehen, wegrennen oder ihr entgegentreten sollen. Aber stattdessen war ich einfach paralysiert, handlungsunfähig, noch zu tief saß mir der Schock über die Nachricht des vereitelten Anschlags, des Wissens um den Umstand, kläglich versagt zu haben, ins Leere geschlagen zu haben, alles verpufft zu haben, wie ein Geschoss, das nach hinten losgeht und dir nur wenige Zentimeter an Deiner Stirn vorbeigesaust war, einem Rohrkrepierer gleich, der alles um Dich herum, einschließlich Deiner mikrigen Existenz, Deinen lumpigen sterblichen Körper in die Luft hätte gehen und für immer und ewig hätte auslöschen können!
    Ja, solche Situationen gibt es für Soldaten, für Helden, wobei ich mich nicht rechtfertigen möchte. Doch so etwas geschieht im Kriegsgeschehen, in der Hitze des Gefechtes - aber nicht in einer solchen befand ich mich realita, für wahr!
    Also ich entschuldige nichts! Ich habe auch hier wieder, es muss gesagt werden, einfach versagt. Im Grunde genommen habe ich hier das zweite Mal, doppelt versagt! Insofern, was nun folgte, geschah zurecht. Auch wenn mir nur an den Gedanken daran sofort wieder mein Hintern zu brennen beginnt. Ich muss sagen: Dir geschah recht!
    Nun, das Schwirren verdichtete sich zu einem Saußen, zu einem Niedersaßen auf mein nacktes Gesäß, meinen Allerwertesten, meinen Herren Popo! Oho!
    Ein-, zwei-, drei Mal, ich konnte nicht zählen. Die Gerte sauste nieder, erbarmungslos, mein Wehgeschrei stachelte die wütige Nonne nur um so mehr an. Dabei schrie, sang sie, zumindest in den allerhöchsten Tönen stieß sie die Worte aus: „Mitleid, haha. Das kannst Du Dir als Salbe auf Deinen wunden Arsch schmieren – danach!“ Und schon sausten der Rohrstock oder was immer es sein mochte, auf mich herunter!
    „Einsicht? Einsicht soll ich haben? Draufsicht wenn Du hättest auf Deinen roten, feisten Arsch, dann wüsstest Du, was wirklich Sache ist. Aber Einsicht in Dein Versagen – nie, nie, nie!“ Und schon schwirrte es wieder und bereits erfolgte der umso heftigere Schmerz, der noch intensiver war als der vorhergehende. Sie ließ nicht locker, sie ließ nicht nach, am wenigsten ließ sie sich von meinen Worten beeindrucken. Im Gegenteil, wie gesagt!
    Am schlimmsten schlug sie zu, als ich alle Schuld auf Willi abwälzen wollte. Das brachte sie vollends außer Rand und Band, da geriet sie in totale Rage: „Du feiger Hund, du erbärmlicher. Ein Untergebener hat versagt, nicht die Führung, Sind das Deine Führungsqualitäten, mit denen Du immer geprotzt hast, Du alter ehrwürdiger Soldat der heldenhaften deutschen Wehrmacht?“ Und wieder ging es hernieder auf meinen Aller-, Allerwertesten, der nichts mehr Wert war, in den Augen dieser unbarmherzigen christlichen Nonne sowieso nicht! Das liegt fast in der Natur der Sache.
    Ich begann schon, beschämend, aber meine Erfahrung sagte mir dies, denn wie oft und sehr wurde ich doch in der Schulzeit von den Lehrern damit gezüchtigt, einmal wird der Schmerz derartig stark sein, dass er nicht mehr zu spüren sein wird. Dann kommt der Punkt, wo der Hintern nichts mehr als ein dumpfes Geschoss in Deinem Gehirn und in Deinem Bewusstsein sein wird! Ja, so weit war ich heruntergedemüdigt worden, bis in den Staub der Erde gesunken, dem Dreck des Bodens, worauf Menschen hin- und herhasteten tagsüber, bildlich gesprochen jetzt, dass ich nur noch dies Einzige hoffte! Oder anders gesagt, so tief war ich heruntergesunken, dass ich nur noch dazu imstande war, dies Eine zu denken und zu hoffen: Ohnmacht überwältige, erlöse und befreie mich!
    Doch hörte ich noch irgendwann einmal hochhackige Schule schallend über die Fliesen nach draußen sich entfernen.
    Ich weiß nicht, wie lange ich danach besinnung- und regungslos dalag.

    Ich war beschämt.
    Ich war erniedrigt worden.
    Ich war gedemüdigt bis aufs Blut.
    Ich war entmannt worden. Kastriert! Entweiht! Es gibt keine Worte mehr dafür...
    Aber ich kochte auch. Denn wer war Schuld? Natürlich Willi!
    Was hatte sich da Willi geleistet?
    Ich blickte nicht durch, was da passiert war, aber, typisch Willi, nicht nur nicht versagt zu haben, sondern auch noch daraus eine Art... Event zu machen. Seine Tat konnte er aber mir nicht als Manifest philosophischen Inhalts verkaufen, das, das... mag ich zwar ungebildet sein, doch doof nicht, noch lange nicht. Steckte dahinter die Absicht, unter die Politiker zu gehen? Die wollen auch immer und überall Zeichen, Signale und Metaphern, weiß der Teufel, was, setzen, nur nicht zupacken.
    Diese Tat hatte nichts mit Politik zu tun. Das war purer Schwachsinn, Klein-Jungen-Streich oder...
    Ich weiß, manche nennen das Kunst.
    Hohl sie der Teufel mit ihrer Kunst!
    Hatte aber Willi Pantoffel mit sich verbeugenden und knienden Muselmanen verwechselt?
    Ich konnte es nicht fassen.
    Ich musste ihn zur Rede stellen.
    Sofort rannte ich zu seinem Zimmer.
    Ich schäumte vor Wut und polterte an seine verschlossene Tür.
    Dann baute sich plötzlich die Nachbarin vor mir auf.
    „Bist Du schon blind?“
    Jetzt las ich erst den Zettel an der Tür: "Bin mal kurz weg!" Um ein weiteres gedemüdigt, entschuldigte ich mich. „Was gibt es Dringendes, dass Du gleich rabiat werden musst, he?“ Das hätte noch gefehlt, dass ich ihr den waren Grund genannt hätte. Ich log, ich musste lügen, irgendetwas Banales – dieses Lügenmüssen war doppelte Bestrafung und Demütigung für mich. Sie glaubte mir natürlich nicht: „Das kannst Du Deinen Brüdern aufbinden, aber mir nicht. Da steckt mehr dahinter. Oder bist Du schon...“ Sie zeigte mit dem Finger auf die Stirn. Jetzt reichte es, ich holte mit einem Arm aus. „Wage es!“ Ich war ja nicht verrückt, am Ende kamen sie uns auf die Schliche, es stand zu viel auf dem Spiel, obwohl es mich schon gejuckt hat. Ich verzog mich, wie die Ratte in ihr Loch – Schande.
    Willi war also mit einem Mal für zwei Wochen bei seinen Kindern untergetaucht. Der soll mir mal zurückkommen – drohte ich ihm und, was blieb mir übrig, beruhigte mich erst einmal – mit einem gehörigen Schluck aus meiner Geheimwaffe, der Schnapsbulle. Ja, ja, die Rakete V-IV...
    Aber je mehr Tage vergingen, desto überlegter und vernünftiger wurde ich und am Ende sah ich es klipp und klar vor mir, was schief gelaufen ist. Ein schreckliches Versehen war es, letztlich, kam ich zum Schluss.
    Willi, ich hatte immer schon meine Zweifel schon, Willi kam nicht umsonst aus dem Osten. Die waren sowieso nicht koscher und genau einzuschätzen. Ich wusste dies wie keiner, ich kam selbst von daher. Da mischte sich eh alles kunterbunt.
    Willi war aber nicht der Richtige.
    Jetzt kam es ans Tageslicht.
    Er hatte Sabotage betrieben. Warum?
    Das war bitter, war schmerzhaft, das war furchtbar: Willi war kein Nazi!!!
    Vielleicht auch war es keine Sabotage, vielleicht war Willis Demenz weiter vorangeschritten, als ich bislang vermutete. So etwas trat gerade in kritischer Situation zu Tage, Versagen in entscheidenden Momenten, da kommt's heraus, was lange Schlimmeres schon in ihm geschwelt, gekocht und gebrodelt hatte.
    Allmählich ging mir auch darüber das Licht auf, warum alles in Blut geschwommen hatte. Wie hatte die Oberschwester noch einmal gesagt: Schafskopf!
    Die Herren Türken schächteten und nahmen dort ihre Tiere aus.
    Daher der Saustall mit dem Blut!.
    Niederlage! Musste ich mir eingestehen, so hart das war.
    Aber Willi, warum hatte er nicht auf unser Zielobjekt geballert?
    Willi, wieder zurückgekehrt von der Flucht in die Familie: "Aber Kamerad, ich habe doch geschossen, Du hast das ja an der leergeschossenen MG selbst festgestellt."
    "Stimmt!"
    Diese Aussage bestätigte wenigstens, dass wir die Tat wirklich durchgeführt hatten. Wenigstens darüber konnte ich erleichtert sein.
    "Aber, worauf hast geschossen?"
    "Äh, auf, auf, auf sich beugende... etwas sich gebeugt habende Dinger, Menschen halt..."
    Offensichtlich hatte er doch in die dichtaufgereihten Gummipandaletten, Sandaletten und Schlappschuhen am Fuße der Treppe geballert, aber niemals in einen vollbesetzten Saal mit sich krümmenden Muselmanen.
    Zielverfehlung!
    Also nichts!

    Nach all dem nahm ich Willi anders wahr. Sein geistiger Verfall sprang mir ins Auge.
    ‚Wie ist es denn, wenn wir in die Innenstadt gehen,' sagte ich mir. Er fragt dauernd nach diesem und jenem Gebäude. Er will sich orientieren, damit er sich zurechtfinde, falls er einmal allein hierher komme. "Ich muss es mir einprägen, bis ich es mir gemerkt habe. Einmal wird es schon in meinem Kopf sein." Das nächste Mal die gleiche, wenn nicht schlimmere Konfusion und Verwirrung. Er kann sich an keins der Gebäude mehr erinnern. Erneut fragt er danach.
    Mich machte das wahnsinnig. Statt, wie bei jungen Menschen, es sich wirklich zu behalten, verlor er immer mehr die Kraft, es sich erneut ins Gedächtnis zu rufen. Sein Erinnerungsvermögen schwand zusehends, was mich allmählich erschütterte. Ja, das war erschütternd mitverfolgen zu müssen. ich merkte erneut, ich musste etwa tun, damit es nicht auch mich erwischte. Die galoppierende Alzheimerei und Amnesie konnte man nicht durch Gedächtnistraining aufhalten. Irgendwo anders musste man ansetzen.
    Ich sah mir diesen Ostheini mit seinen japanischem Fimmel an. Der war beinahe in unserem Alter, arbeitete aber noch immer, war voll auf dem Dampfer, total im Geschehen und woran lag es? Dass er solche Schwachsinns-Dinge machte. Lag daran der Rettungsanker: Selbstentäußerung, Kunst, Krempel machen undsoweiter, so hieß das doch?!
    "Only Action bringt Satisfaction!" - das war doch mal so ein Spruch aus den Sechzigern gewesen. Allerdings bedeutet Satisfaktion nicht, was es einmal in Deutschland gegolten hat. Das war in besseren Zeit, in Zeiten Kaiser Wilhelms, und davor. Da hat man sich noch gemessen, duelliert, mit der Waffe in der Hand, 1 zu 1, Mann gegen Mann, seufz, das waren noch wahrhaftig große Zeiten!
    Aber, na ja, die Engländer, selbst die Sprache versauen sie uns.
    Nun, ich ließ mir damals diesen halb deutsch-, halb englischsprachigen Satz von meinem Neffen übersetzen, diesem Studierten, übrigens der einzige im Familienverbund. Einer genügt vollauf!
    Also, daran war was Wahres!
    Dabei fiel auch mein Blick auf diese strickende Frauen.
    Ich betrachtete mir diejenigen alten Damen, die noch am fittesten und geistig regsten wirkten. Es war keine große Anzahl von Personen, worauf ich mein Augenmerk heftete, ungefähr 20 Personen. Aber bei fünf, die strickten, häkelten, klöppelten undsoweiter stellte ich größte Schlagfertigkeit, Neugierde, Redseligkeit, Interesse, Initiative fest. Die stachen eindeutig heraus! Und nicht nur, weil sie mehr als andere so blödsinnig kicherten wie junge Dinger.
    Diese Beobachtung sagte mir: du musst etwas machen, damit Du nicht verblödest, damit nicht Deine Seele, Dein Geist, Dein Ich vorzeitig aus Deinem Körper entschwindet und sich davonstiehlt. Die moderne Zivilisation hat es fertiggebracht, den Körper mit den besten Nahrungsmitteln zu versorgen und den Hunger zu vertreiben, aber fürs Gehirn, schien mir, hat sie das Gegenteil bewirkt. Fernsehglotzen, Disko-Musik, Einkaufen oder Schoppen wie das heißt, neue Bluse hier, neue Schuhe dort, nee, das bringt den Menschen zweifelsohne und unweigerlich in seinen geistigen Ruin.
    Also, rette Dich, indem Du Dich, mag es noch so blöd und abgedroschen klingen, verwirklichst, indem Du etwas tust und Dir nicht die Bequemlichkeit den letzten Funken Geist und Neugierde und Ideen und Mannsein ver- und austreibt.
    Also wurde ich wieder, was ich einmal war, aber nicht mehr sein durfte: Nazi. Das ist gewissermaßen logisch und zwangsläufig so: Ich bin Deutsch, musst Du so sehen, und Deutsche sind nun einmal Nazis, Punktum. Der Nationalismus war kein Unglück in unserer Geschichte. Nein! Alles andere ist Entnazifizierung, Verleugnung, weiß der Teufel was.
    Freilich, Willi, als ich dies erzählte, - ich glaube wirklich mittlerweile, dass er nicht Deutsch, sondern Pole ist, dieser Schlesier - lachte wieder süffisant: "Das ist eine Frage. Hehe, vielmehr eine Definitionsfrage."
    "Die mit dem Herzen beantwortet wird", entgegnete ich.
    Er lachte. "Ja, der Verstand ist in der Tat unzureichend. Das ist ja wie bei den Katzen, die ihr Revier mit den Klauen verteidigen. Aber der Mensch, der Mensch ist längst überzählig auf dieser Welt. Keine Katze kann ihr Territorium mehr verteidigen, wenn es eine Überbevölkerung ihrer Artgenossen gibt."
    "Dann dezimieren wir halt die minderrassigen Katzen. Scheiß drauf!"
    "Ja, das ist dein Kampf: Der Angorakater geht zur Angorakatze, nicht zur fränkischen Hauskatze..."
    "Wie die Deutsche zum Deutschen, jawohl."
    Er lachte.
    "Oder wie der Deutsche niemals zur Polackin gehen würde..."
    Dann schwieg er.
    Vielmehr bäumte sich noch einmal auf.
    "Du meinst also, am Deutschsein soll die Menschheit genesen."
    "Ja!"
    "Dass die deutsche Bevölkerung..."
    "Volk..."
    "Wie auch immer, besser als andere ist."
    "Ja."
    "Wie der Affe, der seine Fäuste auf die Brust schlägt."
    "So ungefähr."
    "Oder wie die Juden, die glauben, das auserwählte Volk auf Erden zu sein."
    Hm. Deutschen mit Juden gleichzusetzen, passte mir nun nicht.
    "Komm, die Selbstverliebtheit ist doch der Größenwahn, die Schizophrenie, die Paranoia der Menschheit."
    "Aber einer muss führen!"
    Endlich schwieg er.
    Wenn er auch in sich hineinmurmelte, aber kein verständliches Wort kam mehr über seine Lippen.
    Die weiße Rasse muss nun einmal zu sich selber stehen.
    Aus Amerika, gutes, einleuchtendes Beispiel, da kommt doch die Alzheimerwelle herübergeschwappt. Die sind doch am schlimmsten dran, haben als erstes diesen Virus, wenn man so sagen kann, abbekommen und deren kollektive Verblödung im Alter ist so eklatant fortgeschritten, dass einem das kalte Grausen kommt.
    Einerseits hampeln alte Knacker und scheppse Schachteln wie die jungen Burschen und Dirns herum, deren Anblick wirklich keine Freude ist. Dann konzentrieren die sich auch noch in so Megastädte, da wohnen die auf einem Haufen. Nur Alte - grausam, widernatürlich und dekadent. Die bauen sich freiwillig ihre Konzentrationslager! Und uns haben sie deswegen eine auf die Birne gehauen.
    Dieser moralische Verfall Amerikas - ich kenn die Ursache!
    Weil sich die weiße Rasse nicht mehr ihres Führungsauftrages stellt: der ganze Mulitkulti-Scheiß beweist's.
    Ich seh's doch im Fernsehen. Wenn ich Menschenschlangen vor einem Amt oder Wahllokal sehe, wo Weiße und Schwarze hintereinander brav anstehen, kommt mir die Galle hoch - warum lässt man den Weißen nicht den Vortritt? Dann packt mich der kalte Schrecken am Kragen und ich frage mich: wann wird es bei uns so weit sein?
    Also nein, wie immer, ich muss etwas tun, ich lass mich nicht ins Boxhorn jagen, mich zurückdrängen und mich zum Deppen machen, nein, nie und nimmer!
    Zurück zum Führungsrolle der weißen Rasse - das ist die Lösung, die Losung, die Rettung!
    Es lebe der Stolzeder Weißen Rasse!

    Aber Willi ließ nicht locker.
    "Du weißt doch, ich komm aus Schlesien. Da war ich doch neulich in Krakau, Prag, Budapest, hab da so eine Rundfahrt gemacht. Und da war ich in so einem Opernhaus, Konzertsaal, und du wirst es nicht glauben, da hat es mich aus den Socken gehoben. Ich bin doch die deutschen Säle gewöhnt mittlerweile. Das war ein Schock, kann ich Dir sagen."
    "Wieso?"
    "Na, ich hab gut verstehen können, warum die da im Osten alle froh sind, mit der sogenannten "deutschen" Kultur nicht mehr in Berührung zu kommen."
    Ich spitzte die Ohren, Was meinte er nur damit?
    "Na, schau Dir doch einmal unsere Konzertsäle an, ein Witz. Meist sind es Sport- oder Stadthallen, nach Bohnerwachs, Sagrotan und Terpentin stinkend. Und da soll ein kultivierter Mensch Bach, Brahms und Haydn genießen. Nö, du mit Deiner "deutschen" Kultur kannst mir gestohlen bleiben: Entweder sie zerstört alles mit Bomben oder mit Bauen, Umbauen, Neubauen, weiß der Kuckuck was. Nee, nicht mit mir. Aber klar, die die nachkommen, die Jungen, die jüngere Generation, können davon nichts mehr wissen. Denn, was man nicht kennt, fehlt einem nicht. Das wissen ja auch die, die alles entleeren, entseelen, entmannen..."
    Willi ging mir wirklich bald ganz schön auf den Wecker und Sack.
    Ich bäumte mich schon auf, strich mir die Haare aus der Stirn und wollte brüllen wie ein Ochse oder Hirsch: „Jetzt ist genug!“ Da fiel mir aber ein, was letzthin mein Neffe hatte verlauten lassen. "Wir haben jetzt wirklich internationale Kultbands: Kraftwerk, Rammstein, Unheilig...
    Willi lachte verdruckst: "Naja, ich kenn die zwar leider nicht, aber den Namen nach zu urteilen, passen die ja gut in meine Rede."
    Jetzt war’s aber genug, ich warf mich auf ihn.
    Geändert von pentzw (26.02.2017 um 21:51 Uhr)

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