Unser Antrag wurde abgeschmettert, selbst nachdem ich gewählt worden war.
Demokratie!
Überstimmt wurden wir.
Tz - Volksherrschaft! Terror ist das, nichts weiter!
Stimmt schon, in sich logisch, die Regeln wurden eingehalten. Wir wurden überstimmt. Es sollte alles beim Alten bleiben.
„Demokratie ist auch nur ein Spiel. Wer deren Regel beherrscht, kommt gut bei raus…“, philosophierte Willi in Gegenwart der Frauen. Die zischten und blickten ihn sofort nieder.
„Sch... drauf!“, habe ich dazwischengefunkt und gebrüllt.
„Wir wollen dieses Wort nicht hören! Verstanden!?“
„Ja, ist ja gut...“, habe ich kleinlaut eingelenkt, gehorsam geschwiegen und mich mit Willi geduckter Haltung auf mein Zimmer begeben.
Dort habe ich mich erschöpft und tief atmend erst einmal in meinen Ohrensessel zurückgelehnt. Lagebesprechung jetzt.
Die Macht der Frauen ist einfach nicht zu brechen. Nicht einmal die Einschränkung und der Kompromiss wurde stattgegeben, die neuen Stockwerke im neuen Trakt, Anbau und in der Erweiterung so zu betiteln, wie von uns gewünscht. Nur mit Mühe konnten wir einen Namen durchsetzen, nämlich für das oberste Stockwerk des Neubaus: Obere Warte. Aber auch nur unter Protest. Was in den Köpfen von Frauen rumspukt, weiß der Teufel!
„Vielleicht haben wir das falsche Schwein geschlachtet, als wir gegen die Juden kämpften.“
„Wie meinst Du das?“
„À la Sir Winston Churchill...“
Ich fuhr hoch. Mein Rohrsessel knarrte nicht schlecht.
„Was murmelst Du da für einen Sch...“
„Churchill, der Engländer da mit seiner Havanna zwischen den fetten Lippen...“
„...dieses fette Sch...“
Willi nahm sich eine russische Zigarette aus einer Schatulle. „Meinst Du, ich bin schon vollkommen deppert?“ Ich schaute ihn bedrohlich an.
„Ob ich meine, dass Du schon verdeppert bist?“
„Ja!“, und ich zog die Stirn völlig kraus.
„Ich weiß, wer dieses Sch... ist! - Was hat der damit zu tun?”
Willi zog genüsslich an seiner Papyrossi, bevor er fortfuhr. Er stieß den Rauch von sich weg, aber redete nicht. Er verschränkte erst die Beine, hielt sich die Hand vor dem Mund und blinzelte scheel an die Decke, wobei er die Augen so weit nach oben verdrehte, dass sie zur Hälfte von den Augenlidern verdeckt waren und zur anderen wie ein dumpfes Fischei erschienen.
Ich schaute weg und aus dem Fenster, weg von diesem unerträglicher Anblick. Am besten hätte ich getan, in Habachtstellung zu gehen, denn bald würde sein Augapfel aus seiner Höhlung springen, wenn er weiter so tiefsinnig nachdachte. Schon vermeinte ich ein Plopp gehört zu haben. Instinktiv öffnete ich meine Hände, um sie aufzufangen. Aber nein, es war nur ein Korken, den Willi aus der Weinflasche gezogen hatte. Ich atmete auf. Jetzt könnte es noch lustig werden, der Abend begann vielversprechend. Es geschah nicht oft, dass Willi das tat, was er gerade tat.
Ich wischte noch diesen Anblick dieser abstoßenden Angewohnheit und Verhaltensweise von mir, die Willi da an den Tag gelegt hatte. Ich genoss es, dass er wieder seine Augen gesenkt hatte, seine Hände vom Mund genommen und die Beine entwirrt´hatte.
„Naja, du hast ja eine Frau...“
„...gehabt...“
„Nun, ich habe mich niemals verleugnet. Weil ich niemals geheiratet habe...“
„Dafür hast Du auch keine Kinder...“
`Wer keine Kinder hat, ist nicht Deutsch.`
„Naja, Du hast Kinder!?“
„Ja, eine Tochter.“
„Du hast zwar, aber was hast Du davon?“
Einen Moment schaute ich aus dem Zimmer durch das Fenster und mir wurde schummrig vor den Augen. Die Frage erschien mir nur zu berechtigt. Aber – keine Schwäche zeigen, ich fasste mich schnell wieder und sagte. „Naja, der Volkskörper als ganzes muss erhalten bleiben...“
„Volk ohne Raum...“
Ich seufzte.
Willi zog an dem platten Ende der Zigarette; ich nahm die Pulle zur Hand und genehmigte mir ein Schlückchen Schnaps, einen Obstler, Kirsche, brr – saugut, das Zeug! - wenigstens etwas, was man von einer Tochter hat, die mit einem Bauern verheiratet worden ist.
Aus dem Radio lärmte es: „Vergessen macht frei!“ Das war Musik, die sehr gut zum Schnapstrinken passte, wirklich und wie sie obendrein mein Neffe liebte, Neue Deutsche Welle, hat er gesagt. Dabei kommt er aus einer ganz anderen Ecke, merkwürdig!
Banause!
Wenn der wüsste, dass dies so neu nicht ist! Fast schien mir, als hätte man sie extra für uns alten Nazis komponiert.
„Vergessen macht frei. Geschichte wird gemacht.“
Am liebsten wäre ich sofort aufgesprochen, als ich es plärren hörte: „Ich tanze, den Mussolini, den Adolf Hitler...“ Als es dann tönte: „Ich war der Goldene Reiter, ich war zu hoch auf der Leiter, ich war der Typ dieser Stadt, doch dann stürzte ich ab.“, schaltete ich aus. Nazis scheitern nicht, sie glauben an das Nichts und das erreichen sie immer.

Willi hatte schon Recht. Die Weiber haben doch das Zepter in der Hand, das Sagen und die Hosen an.
Dass mir das bislang nicht aufgefallen war?
Gleichberechtigung – jaja!
Aber klar, was geschieht denn um mich herum, hier im Senioren-Heim?
Frau Meyer etwa. Sie kam mit dem Popen her, um ihren alten, schwachen und gebrechlichen Mann zu entsorgen. - Ja, die Frauen warten heutzutage nicht mehr, bis er, ihr Ehemann, abgekratzt ist, vergiften ihn nicht mehr oder stupsen ihn die Kellertreppe hinunter, den Herrn Gemahl! - Für was gibt es denn Pfaffen?
Kaum ist der Göttergatte in so einem Senioren-Heim-Zimmer abgekarrt, abgestellt und hinter Schloss und Riegel gebracht, die Angetraute stellt bestenfalls noch einen Blumenstrauß aus Gummi und Plastik auf das Nachtschränkchen ab, und schon lässt sie sich nicht mehr sehen. Wie ein lästiges Altmetallteil, das man endlich, sperrig, rostig und schwer auf den Schrottplatz hat transportieren und abliefern können, werden die männlichen Ehehälften hierher kalt- und abgestellt, auf Wartestellung gebracht – bereit für die Aussegnungshalle.
Bei Frau Meyer hat natürlich die Tochter mitgeholfen! Elternteil-Entledigung.
War ich denn bisher nur von Blindheit geschlagen worden? Deshalb vergöttern die Frauen diese Kleriker!
„Ein Phänomen, ja. Ein unerklärliches, nein“, hat Willi rätselhaft wie immer gesagt.
Man weiß ja, kaum befinden sich die Männer unter der Erde, schon hängen sie an den Lippen der Priester wie der Ekel am Fleisch und saugen Blut.
Nein, heutzutage schon vorher!
Oh, wie vorteilhaft, praktisch und bequem! Bevor der Mann das Gras von unten betrachtet, sind Frau und Kleriker wie Mann und Frau. Aber von der durchtriebensten Sorte. Gemeinsam schaffen sie den unliebsamen Nebenbuhler beiseite. Ja, ich habe miterleben müssen, nicht wenige Male, dass, wenn so eine treue Ehefrau ihren Alten loshaben wollte, flugs sie mit dem Paffen daherkam, Die fanden Mittel und Wege, den Ehemann zu übertölpeln und in ein Altenheim zu verfrachten, wo er hieb- und nagelfest sicher- und kaltgestellt war. Dabei waren diese Männer alles andere als, zumindest noch lange nicht tattrig, senil und geifernd, beileibe nicht.
Orchestriert wurde dann die Farce damit, dass der Herr Pastor von seiner Kanzlei herunterposaunte, dass keiner ihrer Schützlingen allein und ohne die drückend mild-barmherzige Hand einer Schwester, einem Pfleger oder von ihm höchstselbst vom Diesseits ins Jenseits entwischen würde. Alle, alle kriegten sie den christlich-notwendig-gebotenen Beistand. Dafür garantiere er und schwöre vor dem Allmächtigen.
Aber Pustekucken!
Ich hab’s erlebt, dass sich dann weder Ehefrau, Pfaffe noch Kinder um den entgeisterten Ehemann mehr kümmerte. Sage mir keiner, dieser Umstand trug nicht dazu bei, dass gerade diejenigen Männer, die aus ihren goldenen Käfigen vertrieben worden sind, am schnellsten ins Gras bissen.
Traurig, traurig.
Wer aber ist der eigentliche Drahtzieher im Hintergrund? Allein der bigotte Paffe, der willige Helfer der Frauen!
Aber was rege ich mich so auf, das ist nicht gut für mein Herz und für einen drohenden Gehirnschlag, Schwamm drüber, denk über Anderes, Schöneres nach!
Das Schlimme dran ist, dass außer ein paar Impotenten die meisten Schwule sind bei diesen Schein-Heiligen, tausendprotz, so sicher wie das Amen in der Kirche. Ja, mir braucht man nichts vorzumachen. Ich kenne mich da aus. Kein Mann hält es längere Zeit ohne aus. Dazu ist der Druck zu stark. Keiner erträgt solche Pein und Schmerz! Und die Heilige Maria ist auch kein Ventil! - Aber auch wirklich keiner...Und Onanie, ein schrecklicher Witz! Nein, allesamt sind sie Homosexuelle. Geht nicht anders.
Bin ich eigentlich eifersüchtig, weil ich zu kurz komme?
Ja, bei diesen Matronen hier, die bocken keinen mehr.
Seufz!
Die Frauen haben ihre Popstars, diesen bunten Mann mit lächelndem Schmunzeln. Die sind alle in den bunten Mann mit lächelnden Schmunzeln vernarrt. Und mit seinem fetischistischen, überdimensionalen, goldenen Kreuz grinst er mich in letzter Zeit arg unverschämt, um nicht zu sagen herausfordernd an. Er stört mich mittlerweile, muss ich sagen und zwar ziemlich ungeheuerlich!
Hust, hust, hust!
Katarrh!
Aufpassen, damit er sich nicht zur Bronchitis, dann Lungenentzündung, schließlich Exitus auswächst. Ich habe noch einiges vor!
Hust, räusper, spuck...
Ich kriege fast das Kotzen, wenn ich den Kleriker da auf dem Poster nur ansehen muss, besonders in den Momenten und Anlässen, an dem ich an ihm vorbeigehen muss, nämlich wenigstens nach den Mahlzeiten und gerade aus dem Essensaal komme und wieder zurück in mein Zimmer gehen will.
Das stört die Verdauung. Mir vergeht der Appetit sozusagen rückwirkend wieder. Ja, wirklich.
Aber egal!
Vor zwei Wochen habe ich mich sogar ertappt, wie ich den Eiferer dort mit der Faust gedroht habe, nachdem mich Frau Schau-Weit-ins-Land angestupst hat: „Wagen Sie es!“
Peinlich, peinlich...
„Diese Ratte kommt auch noch dran!“, habe ich noch gebrüllt. Dann bin ich schnell weitergehumpelt.
Peinlich, peinlich, mehr als peinlich!
Mehr als peinlich, was ist das?

Nach der Abstimmungsniederlage wurde mir auch bewusst, welch schweren Stand ich im Seniorenheim besaß. Zunächst traute ich mich nicht aus meinem Zimmer. Als ich mich wieder stark genug fühlte, war ich imstande, meine täglichen Spaziergänge zu machen. Ging ich durch den Garten, Hof und auf dem Gehweg ums Heim, kam ich mir vor, als liefe ich Spalier. Die mich anfeindenden und treffenden Blicke, sagten mir, dass ich mich der Lächerlichkeit preisgegeben hatte a) mit dem Sturz und Plumps in die japanische Kloake und Tümpel und b) wegen meines Unnazi-Ansinnens, auf die Mehrheit Rücksicht zu nehmen.
Allein Führung braucht der Mensch!
Nur mit Schaudern stelle ich mir vor, wie viele bei ersterem hinterm Vorhang hervorgelugt und sich an diesen Schauspielen ergötzt haben und sich vor Schadenfreude, Hohn und Verachtung die Hände rieben, sich ins Ohr flüsterten, hinter meinem Rücken kicherten.
Seufz!
Was blieb mir übrig, mein Stern verblasste. Ich kann sagen, dass ich bislang wenig Feinde besessen hatte. Im Gegenteil, war ich doch der Macher hier in diesem Reich. Wer sonst schon? Wohl kaum Willi, der mit seinen vor sich hinlallendem Schmierereien, äh Philosophierereien – so hatte ich schließlich Alleinstellungsmerkmal.
Klemmte eine Türe, die Spülung, die Balkontür, so wurde ich gerufen, wenn man unter sich bleiben und nicht gleich nach dem Hausmeister rufen wollte. Handwerkliche Geschicklichkeit setzte man bei einem Mann einfach voraus.
Diese Zeiten schienen vorbei zu sein!
Aber ich hatte mich nicht als strammen Nazi präsentiert, da ich aufs Parlament gesetzt und gewettet hatte, verflixt!
„Die Geschichte kennen wir doch!“ Frau Schau-Weit-ins-Land!
„Genau, leg mal ´ne andere Platte auf!“ Eine Mitläuferin hat das gesagt!
Nunmehr gelte ich bei allen diesen – pff! - alten Damen, äh, pfeif drauf!, diesen Schachteln als lächerlicher Kaspar und sie lachen sich ins Fäustchen, denken und munkeln: Nazis, das wissen wir mittlerweile ja alle, haben im Grunde noch nie etwas getaugt.
Seufz!
Ich merke, ich werde schwermütig...
Bestimmt sehen sie sich in ihrer Meinung bestätigt: letztlich sind sie deshalb halt über die Klinge gesprungen, die, wie heißen wir heute: Faschisten, Revisionisten, Revanchisten, Chauvinisten - so heute auch wieder, sieht man es doch an diesem aufgeblasenen Alt-Nazis. Wegen dieser Leute hatten wir schon einmal einen schrecklich hohen Preis bezahlen müssen, es ist nicht daran zu denken und auszudenken, sie wieder aufkommen zu sehen und erstarken zu lassen.
Hm – vielleicht denkt so Frau Schaut-Weit-ins-Land, aber die anderen? Die meisten! Vielleicht doch nur Schadenfreude, weibliche...
Ich befinde mich im Eingangs- und Ausgangsbereich, gehe schneller, jetzt stehe ich vor dem Lift, nein, den nehme ich lieber nicht, wer weiß, wem ich da begegne, lieber über die Treppen, genau, darüber gehe ich und ich merke, verdammt und zugenäht – mein Schritt beschleunigt sich rasant!
Nur nicht jemanden über den Weg laufen, denken meine Füße gewissermaßen.
Aber nein, so nicht!
Wer bin ich denn?
SCHLIESSLICH EIN NAZI!
Es ist erst 14 Uhr, viel zu früh, um auf dem Zimmer herumzuhängen, geh wieder zurück halte deine dir selbst vorgeschriebenen Zeiten ein, nämlich eine Stunde pro Tag Spaziergang!
Und was sehe ich da vor mir: das riesige Bild des Paters mit überdimensionalen Gold-Kreuz in der Hand, welches über die Brust gelegt ist und selbst an einer grobgliedrigen, silbernen Kette baumelt.
Na ja, das macht die Sache klar: Wir befinden uns in einem katholischen Altersheim, katholisch durch und durch. Dass daran kein Zweifel besteht, wie man sieht, wird schon am Eingang übergroß deutlich.
Aber nein, ich sehe es jetzt erst, der Pfaffe, verschmitzt grinsend wie der letzte Weckfresser, hält sein Ding da wie ein Schwert in der Hand – wie die Schwester Nonne Oberschwester Heimleiterin...
Ich renne los, ich merke, ich kann noch gut laufen, wohin laufe ich aber?
Plötzlich sehe ich diesen Bus, der, wohin geht er, egal, steig ein, ich steig ein, los geht’s, ich werde in die Sitzlehne – uff – geschleudert, dass ich wieder, wie in einem Schleudersitz zurückkatapultiert werde, aber hier ist doch eine Stange, genau, ich habe sie schon in der Hand – und ab geh die Post.
Das ist aber der reinste Kreißel, äh Karussellfahrt...Wie sich diese Stadt verändert hat, nicht wiederzuerkennen; aber ob ich überhaupt dort bin, wo ich glaube zu sein? Sieht eher aus wie in, in Odessa, Lemberg, äh Leibstadt, oder wie immer die hießen, diese Städte, aber nur nicht im Reich, in der Heimatstadt, IN DER HEIMAT, auf dem geheiligten Grund und Boden meiner, Ur-, Ur-Ur-Ur-Großväter, sprich Urvorfahren, halt Vorfahren...
Vorfahren? Warum „Fahren“? Warum nicht „Gehen“? Warum Vorsitzenden... nein..., weil schon besetzt, oder „Vorgänger“ passt nicht, schon besetzt, na ja, gegangen sind sie genauso wenig wie gefahren. Sprache! Nein! Lass fahren!
Pass auf!
Mensch, Mann, Junge, Bub, Kamerad, wer immer du bist, wo bist du?

„Wie heißen Sie?“
Der dickbäuchige Mann im bunter Schwimmweste vor mir, fragt mich das? Wenn der näher herankommt, überrennt er mich wie eine Dampfwalze.
„Weiß nicht?“
Er kommt näher.
Nein, das denke ich mir, aber, was hast Du Angst, Schiss, Du Vaterlandsverräter!
„Hören sich mich überhaupt?“
„Ja!“
„Wie heißen Sie?“
Mensch, wie heißt Du?
„Zeigen Sie mal ihre Papiere vor!“
„Welche Papiere?“ Hätte ich denn welche?
„Er hat keine Papiere und weiß nicht, wie er heißt!“, sagt der Koloss zu einem anderen, wie ich nun sehe, noch größeren Riesen. Aber der ist dunkelhäutig, dichtbehaart, wenn auch genau so schwammig im Gesicht wie der unmittelbar vor mir. Dieser hält Abstand, rechnet wohl mit allem. Womit er recht hat!
„Bringen wir ihn halt ins Büro!“
„Kommen Sie mit!“ Ich folge ihnen gehorsam, trotte wie ein Hund hinter dem einen dicken hinter her, wohingegen der andere mir wiederum hinterherdackelt.
Ich sehe, ich bin an einem Bahnhof, da ist eine Tür, dort geht es hinein. In einer Ecke ein Stuhl, für mich wohl. Die anderen lümmeln sich auf andere Sitzplätze. Der eine ruft irgendwo an, der andere schaut mich verwundert an. Dann legt der andere auf, verbirgt sich hinter einem Bildschirm, aha, erkennungdienstliche Hinweise jetzt im Rechner suchen. Ja, ja, die Technik! Immer vorn dran und voll drauf.
„Keinen Namen. Was machen wir da nur?“
„Oberunterammergauleitung!“
„Wie? Er spricht.“
Ja, woher habe ich nur diesen Namen: Oberunteramtlichkeitsgauleitungsbezirksverwaltungsdienst. Mann, was schwirrt mir der Kopf. Also!
„Oberunterdraufhauwaldheim!“
„Aha, ich suche!“
Der andere schaut mich an, als ob ich nicht gescheit wäre, aber denkste, völlig gleichgültig, als verstünde er keine einziges Wort. Er schaut mich jetzt direkt, taxiert mich vielleicht, rechnet sich aus, wo er mich packen muss, wenn ich davonrennen wollte, ja, ich kenn mich aus, ich war mal selbst an seiner Stelle gewesen.
Wenn der oder der andere jetzt aber Penner zu mir sagen, beiße ich ihnen die Ohren ab! Oder seine krumme Nase!
„Meyer, Schmidt, Huber...“
„Schmidt!“
„Aha, ihr Name...“
„Könnte sein, ja.“ Ich überlege, dieser Name kommt mir bekannt vor.
„Alles klar!“, ruft der eine aus und ruft noch einmal an. Dann lehnt er sich gemächlich zurück, anscheinend wartet er. Worauf?
Es war die Polizei gewesen.
Ich sitze in der Küche eines Bauernhauses, das meiner Tochter. Oje, ich möchte wieder zurück ins Heim! Nur nicht wieder diese Hölle!