1. #1
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    Amerika Fürst, Amerika Fürst!

    Fähnchen twittern im Winde. Die ganze Familie ist gekommen für Onkel Sam.
    Debü- und Dile- Tanten warten bereits aufgeregt in der Vetternwirtschaft,
    und der Trumpeter spielt sich mit seinen Arschgeigen schon mal warm und auf.
    Ein Taschenspieler- Stückchen über ein grundsolides, familienfreundliches Unternehmen,
    ein trautes Stell-dich-ein auf leerer grüner Wiese.
    Man hatte zuvor nur wenig Zeit zum Üben gehabt.
    Doch die Voraussetzungen stimmen. Groteske Poli- Ticks und Tricks,
    so etwas hat man eben im kleinen Finger, oder nicht.
    Schnell bringen sie noch den Wendehälsen und Opportunisten
    die rechten Flötentöne bei.
    Gemeinsam wird man der Welt den Marsch schon geigen und blasen,
    und den meisten wird es am Arsch und Herzen vorbeigehen wollen.

    Fürst Lady stolziert völlig blau, jedoch perfekt und gelackt mit Samthandschuhen einher,
    wort- und sprachlos gähnen ihre natürlichen Kinder hintendrein.
    Die Rente ist ihnen ab sofort grundgesichert durch die Protektion einer weißen Nation,
    in ihrem weißen Haus, mit weißen Wänden, weißen schusssicheren Westen und weißen Händen,
    sie weiß, alle wissen es: ein farbenfrohes, buntes Theater!
    Aber Angst braucht jetzt diesen starken Mann, der imstande ist, diese auch zu erzeugen,
    und sie braucht ihn, einen aufrechten, fleißigen Künstler mit Visionen im Großformat.
    Er ist eben ein echter Trumpeter, ein hervorragender Bläser und Maler, sonst hätte man ihn nicht gewählt.
    Er bläst sich und die Träume der Menschen auf und wird nicht müde,
    wie besessen immerfort neue Feindbilder zu malen. Ein verbales Kunstwerk jagt das andere.
    Das klebrige Bonmot scheint ihm für alle sichtbar als Frosch im Rachen zu kleben.
    vielleicht ist es auch nur die Kröte, die er schlucken muss, weil er keine Folter einführen
    und anerkannte Flüchtlinge zurückweisen darf.
    Nur mutiges und entschiedenes Maulheldentum kann in Zeiten wie diesen eine Familie noch über Wasser halten.
    Hinreißend, der große Traum von Amerika, eingebunden in seiner noch größeren Wirtschaftsblase.
    Welch gigantomanes Bild und einem solch großartigen Land würdig.
    Die schwärzesten Schwarzmaler und Schwarzseher würden vielleicht ausgerechnet heute
    vor solch einer großartigen Kulisse der Claqueure auf seiner Blasenschwäche rumhacken,
    aber das will jetzt keiner wirklich hören. Andere haben einen Vogel,
    aber niemand außer ihm zeigt die wahre Tierliebe so stark nach außen,
    und geht öffentlich mit seinem Meerschweinchen auf dem Kopf Gassi.
    Andere hätten sich dafür in Grund und Boden geschämt,
    ihm scheint soetwas fremd zu sein, und er lässt seine ganze Partei für ihn fremdschämen.


    Nur Nestbeschmutzer könnten ernsthaft etwas gegen den Schutz der eigenen Familie einzuwenden haben.
    Solche Werte dürfen aber niemals untergehen, sie bilden schließlich die Keimzellen und Grundlagen einer
    großen Gesellschaft. Die große feine Gesellschaft steht ab heute wieder im Mittelpunkt.
    Und er ist ein guter Familienvater, ein leuchtendes Vorbild für alle.
    ,Aber sie sind doch noch so jung, und werden schon mit den milliardenschweren Lasten
    ihres eigenen Vaters beladen' mahnt ein kläglicher Rest von halsstarrigen Kritikern ...
    Und die Familie wird ihm in diesen schweren Stunden den Rücken stärken müssen,
    wenn sie dieses Unternehmen heil überstehen will.
    Stark sein kann nur heißen: gemeinsam gemein sein.
    Ein kleines Lehrstück für Europa will sich uns hier inszenieren und offenbaren:
    vorm Wahlsieger twittern und zittern lernen.

    Alle stehen auf, stehen natürlich für ein sauberes Amerika ohne Migrationshintergrund.
    Viele werden dabei blass, und selbst den letzten Mohikaner lässt es kurz aufhorchen
    und für einen Moment sogar hellhäutig werden.
    Ihr Amerika! Das große Land mit der großen Idee und den unbegrenzten Möglichkeiten.
    Nichts ist unmöglich: vom Tellerwäscher zum Millionär, vom Vollpfosten zum Präsidenten.
    Das bunte Volk, von Chinesen, Griechen, Spaniern, Mexikanern, Kubanern
    Afroamerikanern etc legen eine stille Gedenkminute für ihr Land ein und sie fassen sich inbrünstig als Herz,
    Prost! Sie fassen es nicht. Manche greifen direkt zu den härteren Drogen.
    Eine Mauer wird von mexikanischen Sklaven erbaut werden, wird gemunkelt.
    Und viel Arbeitsplätze werden entstehen, mit vielen Aufsehern. Mexiko wird das Kunstwerk sogar finanzieren,
    und der große Visionär wird die Mittel in der Hand haben, um sie zu überzeugen.
    Hier beweist es sich wieder, in ihrem geliebten Lande können einfach alle Träume wahr werden,
    in unvorstellbarem Ausmaße, sogar Albträume. Viele Stoßgebete erfüllen die Luft, und einzelne fragen sich
    unter vorgehaltener Hand: Wo um himmelswillen sind die Attentäter, wenn man sie braucht?

    Das ist es also, worauf die Welt so ungläubig gewartet hat, ein charakterstarker, Mensch,
    welcher nie lügen würde, welcher statt dessen alternative Wahrheiten anzubieten hat.
    Ab sofort gelten keine Ausreden mehr. Nur sein Wille zählt,
    sein Wille geschehe, und unser tägliches Brot gebe er uns heute!
    Ein wundersamer Mensch ist der Welt wie im Traume erschienen,
    welch ein Wunder, er wurde gewählt. Er ist ein As,
    und ein Meister der Sammelwut, der grenzenlos Macht und Reichtümer ansammelt.
    Böse Zungen sprechen gar von einem wahren Messi- As,
    der seine Krankheit jedoch noch nicht erkennen will.
    Sprich nur ein Satz, und er werde gesund. Der Glaube aller wird plötzlich gestärkt:
    Zehn Sitzungen Verhaltenstherapie und ein Satz heiße Ohren
    könnten bei ihm unglaubliche Wunder bewirken.

    Nicht jetzt einfach auflegen und wegschauen nach dem Motto :
    ,,upps, sorry, falsch verbunden, hab mich da wohl verwählt!"
    Doch bei aller unbändigen Freude ist auch ein wenig Vorsicht geboten.
    Der tollgewordene Wohlstand soll nämlich ausbrechen.
    Er will ausbrechen hinter Mauern und Gittern aus Stahl,
    wo das Raubtier mit Tolle schon lauert.
    Noch mehr Getwitter und Stahlgewitter sind für die nächsten Jahre
    lautstark und donnernd angekündigt.

    Und längst hat es jeder geahnt, die Tolle ist so unecht, wie sie aussieht.
    Donald heißt in Wirklichkeit Dagobert. Und die Demokratie ist nunmal eine bombensichere Anlage.
    Bald ist Gewinnausschüttung, und Dagobert wird sich einen bombensicheren goldenen Twintower
    als Geldspeicher bauen müssen. Aber das ganze muss ja irgendwie finanziert werden.
    Da wird Mexiko wohl wieder ordentlich in die Tasche greifen müssen,
    und will es vermutlich wieder nicht wahrhaben wollen.
    ,,Eleven nein!", schreien unverbesserliche Unkenrufer in die Wüste,
    dorthin, wo man sie inzwischen hingeschickt hatte.
    Auch die kritische Presse kräht, aber gewiss nicht mehr lange,
    Denn die ist einfach nicht mehr gesellschaftsfähig in solchen Kreisen.
    Count Down. Ihre Tage sind gezählt, bald hat sichs ausgeprägt,
    dann werden gratis gepresste Hähnchenschenkel aus Fischmehl unter das Volk gebracht:

    ,,Nichts ist mehr sicher. Es ist nicht sicher, dass etwas besser wird,
    wenn sich was ändert, wenn man es sichert.
    Nur eins ist sicher, dass sich was ändern muss,
    damit es besser wird."
    Wer soll sich denn soetwas anhören oder lesen? Solche Analysen sind schon viel zu kompliziert
    für einen normalen aufgeschlossenen Burger mit triefendem Ketchup.
    In den kommenden Zeit sind los Wochos special, mit goldenen, schicken Mc Nuggets für Mc Donald himself angesagt.
    Dem unbedarften Zuschauer schlägt bereits eine Zeit der wilden Gerüche und Gerüchte entgegen.
    Es stinkt nach Fisch, und der fängt bekanntlich immer am Kopf zuerst an zu stinken.
    Trunken von sich hält der Obernarziss immer noch an seiner eigenen, inneren Kultur fest,
    an der Zivilisation mit Tradition und aufrechten Werten, die er gewinnmaximierend dem Volke verkaufen kann.
    Das Volk muss wieder im Mittelpunkt stehen, dafür haben sie ja schließlich dem Souverän seine Stimme abgegeben.
    Der Wählerauftrag ist klar: dem Volke die volle Kaufkraft wieder zurückzugeben,
    und die Preise für die hauseigenen Produkte erhöhen.

    Die wenigen Musiker und Künstler gehen beim anschließenden Gruppenfoto auf dieser Siegesfeier in Deckung,
    um jetzt nicht missverstanden zu werden und ihre Glaubwürdigkeit als Künstler vollends zu verspielen.
    Doch ein Raubtier weiß: irgendwann werden schon alle aus ihren Löchern kommen,
    spätestens dann, wenn sie Hunger haben.
    Und tatsächlich findet sich auch jemand, der hungrig und verlegen aus dem Loch gekrochen kommt
    und ein Gratulationsständchen aufs Parkett legt, über den Preis wird höflich geschwiegen.
    Die willfährigen Flöten und Orgelpfeifen, grooven sich ein, und scharren übermütig mit ihren Hufen.
    Nur wenigen ist nach echter, ausgelassener Partylaune.
    Passend zum Anlass heult eine recht verspielte Katzenmusik zur Solo- Trumpete auf.
    Zwischenresümee schon nach kurzer Zeit: total verspielt!


    Die ersten schrägen Töne verklingen, heute muss erst einmal gefeiert werden.
    Vielleicht ein wenig peinlich, mag der aufmerksame Chronist anmerken,
    aber soetwas schreibt das Protokoll einer echten Demokratie nunmal vor.
    Für die Mehrheit gerät die Feier zu einer qualvollen Pflichtveranstaltung.
    Zur Auflockerung verteilt ein stummer Diener mit weißen Handschuhen Piccolöchen.
    Von welcher Plantage kommt er, und wo bitteschön bleibt der hochprozentige Magenbitter?
    Echte Taten sind jetzt gefragt, da hilft auch kein Lamentieren mehr. Einige Tanten sind eingeschlafen.
    Und wer bereits aufgewacht ist, wird sich nach seiner ausgiebigen Zeit über der Schüssel
    nochmals die ungläubigen Augen reiben. Hier versteht jemand sein Handwerk.
    Die Katzenmusik ist bereits zu einem Wurm mutiert. Er windet durch die Gehörgänge,
    und twittert sich durch Netzwerke.
    Am besten sofort mit einem ausgedehnten Katerfrühstück beginnen und schräge Vögel züchten,
    welche Würmer und Ohren lang zu ziehen wissen.
    Geändert von Anjulaenga (29.09.2017 um 08:24 Uhr)

  2. #2
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    In diesem Text haben sich viele interessanten Gedanken versammelt. Die Art wie du schreibst, spricht mich sehr an.

  3. #3
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    534
    Hallo Anjulaenga!

    Höre ich da immer wieder kehrende Bruchstücke
    nationalistischen Gedankengutes!

    Ohne Zweifel Nationalität zeugt noch keine Mörder.
    Das PingPong der Worte sollte nicht braun
    entarten.
    Doch ein Elefant im Porzellanladen benimmt
    sich nur wenig diskret! Er stolziert über
    die Scherben nach vorne marschierend.
    Wir werden sehen ob eine Maus ihm Angst macht!

    Gruß Charisma!

  4. #4
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    Liebe/r klaatu,

    Danke für dein positives Feedback, lieben Gruß, A.

    Liebe/r charisma65,

    Danke für deine besonnenen Gedanken.
    Leute wie Trump& Co werden Karikaturisten und die Hobbypoeten wohl immer bei Laune und Arbeit halten,
    wenn man es mal positiv sehen wollte.
    Und Spott ist mEa. nunmal die verwundbarste Stelle bei eitlen Menschen,
    die von einem humorlosen, narzisstischen Omnipotenzgehabe geprägt sind.
    L.G.A.

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