Sie war so völlig ohne Identität, ein Fashion-Victim, ein Möchtegern-Promi. Stolz stöckelte sie auf ihren
Highheels einen Pflastersteinslalom und stellte zeitgleich fest, dass es keine gute Idee war mit Minirock bei
Minusgraden durch die Stadt zu flanieren. Aber sie musste ihre Extensions erneuern, zur Maniküre und ihre
Mundpartie drohte merkelhaft unattraktiv zu mutieren wenn sie nicht schleunigst Botox nachspritzte. Sie
hatte kein Blick für die Armut, die Probleme der Welt- ihres waren momentan die Haare. Frierend klammerte
sie sich an ihrer Luis Vuitton Tasche fest in der sich ihre ganz Identität verbarg, zwischen Tampons,
Markenlippenstiften, Make-Up und I-Phone. Die Menschen auf der Straße waren graue Gestalten die sie
stets verächtlich belächelte. Als sie den "Drei Sterne Hair Designer" ihrer ersten Wahl betrat, wurde sie von
Gucci dem Friseurchihuahua begrüßt, stieß ihn aber mit angewidertem Blick und ihren sündhaft teuren Schuhen
zur Seite nicht ohne "Blöde Töle" hinterherzuzischen. Seufzend mit königlicher Attitüde ließ sie sich im Friseursofa
hernieder und orderte einen Champagner. Hier fühlte sie sich wohl, hier wurde ihre Fassade erneuert, hier
war sie Mensch.

Und Gucci war Hund und Gucci sah eine geöffnete Tasche.

Gucci hatte schließlich seine Hundeehre zu verteidigen.