1. #1
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    Ergebnisse des Wettbewerbs März/April 2017

    Hallo zusammen,

    die Ergebnisse des letzten Wettbewerbs stehen nun fest. Wir gratulieren den Siegern und bedanken uns für die rege Teilnahme, sowohl bei allen, die ein Gedicht eingereicht haben, als auch bei allen, die mit abgestimmt haben! Denjenigen, die keine Stimme bekommen haben, drücken wir für's nächste Mal die Daumen!

    Aber nun im Folgenden die Platzierungen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Eure Wettbewerbsleitung
    Bitte beachte die Richtlinien der Wettbewerbe.

    Hier sind die Sieger des letzten Wettbewerbs .

    Du findest einen Kommentar gut? Dann schlag ihn doch einfach zur Kritik des Monats vor!

  2. #2
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    1. Platz

    Mit je 9 Stimmen auf Platz 1:

    Ein unverschämter Gast

    An meinen Tisch setzt sich der Tod
    und hängt das Leben an den Faden -
    ich frage mich, welch Vollidiot
    hat diesen Trottel eingeladen.
    Ich habe keine Zeit für ihn
    und viel zu groß wär auch der Schaden -
    was glaubt der wohl, wem das hier dien,
    nähm ich mein Wissen mit ins Grabe.
    Ich hätt ihm ja vielleicht verziehn,
    doch ignoriert er meine Gabe,
    er fragt mich nicht, was ich ihm biet -
    er will das liebste, was ich habe.

    von Eremit




    Löserin

    Ganz anders war sie, schön auf mädchenhafte Art.
    Als sie die Mühsal seines hohen Alters spürte,
    verharrte sie, zu ihm gebeugt, und küsste zart
    die Stirn, die sie in dunkler Mission berührte.

    Als sie die Mühsal seines hohen Alters spürte,
    mit seinen Ängsten, seinen Nöten so vertraut,
    die Stirn in ihrer dunklen Mission berührte,
    da ging sie ihm besonders nah – unter die Haut.

    Mit seinen Ängsten, seinen Nöten so vertraut,
    nahm sie den müden Leib in ihre festen Hände,
    da ging sie ihm besonders nah – unter die Haut,
    ersehnte er, nun mürbe, seines Tagwerks Ende.

    Nahm sie den müden Leib in ihre festen Hände,
    verharrte still, zu ihm gebeugt, und küsste zart,
    ersehnte er, nun mürbe, seines Tagwerks Ende:
    Ganz anders war sie, schön auf mädchenhafte Art.

    von monalisa
    Geändert von WBL (15.04.2017 um 00:32 Uhr)

  3. #3
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    2. Platz

    Zweiter Platz mit 8 Stimmen ist:

    Kohleteufel

    Du sprachst zu uns und riefst uns und wir kamen
    mit großem Scharren, scheu und ungewiss,
    und traten ein in Deinen weiten Rahmen
    durch den geformten Riss.

    Du sahst uns an mit hungrigen Pupillen
    und machtest uns zu Kindern Deiner Zeit
    und zum Insekt in Deinem Bernsteinwillen
    der Unberührbarkeit.

    Du fülltest uns die Augen mit Zikaden
    und warst so seltsam still und sanft dabei
    und zärtliche, fast samtene Dryaden
    erstickten unsern Schrei.

    Als wir dann wieder weinten, lief das Wahre
    die Wange warm hinab in roter Bahn
    und band verklumpend unsre weißen Haare
    nach Deinem blinden Plan.

    Wir fühlten Deine Nähe, die uns hütet,
    wir fühlten Deinen Stachel und sein Gift,
    Du bist ein Maul, das immer schlingt und tötet,
    ein Pfeil, der immer trifft.

    Du bist ein Bild, gemalt aus Schattenrissen,
    ein scharfer Schnitt, der Welten leise trennt,
    ein Schweigen und ein lauerndes Gewissen
    in jedem Element.

    Du bist ein Tanz im Gleichklang meiner Flächen,
    ein stummer Drang, der keine Richtung kennt,
    Du bist ein klares, goldumhülltes Schwarz -
    und saugst in Deine Flamme unser Harz,
    bis alles dunkel brennt
    im Wirbel unsrer Schwächen.

    von Wegesanfang
    Geändert von WBL (15.04.2017 um 00:32 Uhr)

  4. #4
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    3. Platz

    Mit etwas Abstand und 4 Stimmen auf Platz 3:

    ?

    Samtene Dunkelheit
    Ende von Schmerz und Leid
    Sternengefunkelzeit
    bricht mein Herz und weit
    flieg ich in Endlichkeit...

    Endlose Dunkelzeit
    graue Ungewissheit
    ängstliches Gemunkel zeigt
    zerissene Uneinigkeit
    in gnadenloser Ewigkeit...

    Bist Du Erlöser?
    Bringst Du das Licht?-
    oder ein Böser,
    der alles zerbricht?

    Bist Du das Ende,
    der Abgrund, das Aus?
    oder nur Wende,
    ein darüber hinaus?

    Bist Du die Sehnsucht,
    das Ende vom Lied?,
    oder die Ausflucht,
    die einfach geschieht?

    Bist Du ein Ausweg,
    weil keiner dich kennt?,
    oder der Steg,
    der uns vom Licht trennt?

    Ist Dein Schnitt
    eine Form von Gewalt?,
    oder ein Schritt
    in andere Gestalt?

    Du bleibst das gr0ße Fragezeichen,
    begegnen Dir ohne Verstehen!
    Erst wenn die müden Knochen bleichen,
    wird es im sanften Wind verwehen...

    von macin
    Geändert von WBL (15.04.2017 um 00:32 Uhr)

  5. #5
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    4. Platz

    Auf dem 4. Platz liegen mit je drei Stimmen:

    Mein Tod tritt ein

    Mein Tod, tritt ein, du warst schon hier im Zimmer,
    du nahmst mir Sie, du nahmst auch meinen Sohn,
    du ließest mich verbittert, wie zum Hohn,
    beim russischen Roulett gewinnen - immer.

    Jetzt schau mir zu! Da lernst selbst Du dazu,
    du Missgeburt der Qual - ich sterbundsinge!
    Besinge kühl den Widerhall der Klinge
    nachdem das Fallbeil lächelte, juhu!

    und blinzle noch als freies Haupt vom Schlag,
    falls jemand mich beim Namen rufen mag.

    Sieh zu, wie Störtebeker ohne Krone
    die Zähne bleckt und niemanden erlöst,
    sieh zu, wie Geist entsteigt, wie Fleisch verwest,
    wie Stahl verstummt. Was juckt mich das? Die Bohne.

    von Alcedo




    Endlich unendlich frei

    Das Leben braucht das Sterben, um zu sein,
    der Tod benötigt sich, nur selbst, allein.
    Von unsrem Ich, wird er nichts haben wollen,
    egal wie lang und wann es schon verschollen.

    Er wird erst mit dem Lebensende sein, gleich enden
    und keine Hoffnung für ein Weiterleben spenden.
    Das einzige, das wir von ihm bekommen werden,
    ist unsre Angst vor ihm, solange wir auf Erden.

    Trotz alle dem, wir sollten ihm höchst danken,
    er schenkt alleine Sicherheit, ohne zu wanken,
    wenn er ist da, mit ihm, dann alles ist vorbei,
    mein Ich, noch zittert es, doch dann, endlich unendlich frei.

    von wenigviel
    Geändert von WBL (15.04.2017 um 00:33 Uhr)

  6. #6
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    5. Platz

    Auf dem fünften Platz mit jeweils 2 Stimmen:

    Bilanz eines Lebens

    Wir sind zusammen rausgefahren, auf der Suche nach Ästhetik und Philosophie.
    Wir ließen den Tag am Abend beginnen und liebten uns in der Nacht.
    Weiterentwicklung war unser Standpunkt und völlige Abschottung die Resonanz.
    Auf Autodächern liegend, in eisiger Landschaft, mit Whisky und Zigaretten genossen wir unser Leben.
    Wir brauchten keinen Strom, da der Mond genug Licht bot.
    Ich fragte dich oft nach deinen Gedanken, doch du gabst mir nie eine Antwort.
    Wir kamen meist tagelang ohne Essen aus, und unsere Knochen rieben beim Ficken aneinander. Ich begann mich intensiver der Kunst zu widmen, schrieb die ganze Nacht und bat dich darum mir deine Meinung anzuvertrauen.
    An deinem Lächeln, sah ich das du es mochtest, und an deinen Küssen spürte ich es.
    Wir verbrachten Stunden damit über diverse Metaebenen in den Werken Ciorans zu diskutieren und pausierten nur, um uns zu lieben.
    Ich fand eine Gitarre und schrieb dir aus Amoll, C, F, G ein Lied.
    Du fandest Pinsel und maltest mich nackt.
    Oft saßen wir nur da, tranken, rauchten und schwiegen, konnten die Zeit aber dennoch intensiver genießen, als je ein Erlebnis zuvor.
    Viellicht war eine gewisse Melancholie, die unsere Stimmung dauerhaft beherrschte, vielleicht aber auch eine Rationalität in unserem Denkwesen, die andere Menschen nicht verstanden.
    Doch wir konnten gut damit leben.
    Du nanntest es oft unsere eigene Anarchie. Dafür liebte ich dich.

    Von Zeit zu Zeit wurden wir dünner.
    Unter unseren Augen lagen Schatten, doch wir sahen nur die Ästhetik des Verfalls darin.
    Wir hielten unsere Gedanken in Büchern fest.
    Wir füllten einige hundert Seiten mit Theorien, unseren eigenen Lebensphilosophien und Gedichten.
    Ich glaube innerlich war uns bewusst, dass wir nicht alt werden würden, doch wir waren rational genug, dass uns das egal war.
    Wir waren gefangen in der Scheinvorstellung der Kunst.
    Unsere Lebensorientierung war zurückzuführen auf Genies ihrer Zeit.
    Doch Darling, wir hätten beide wissen müssen, dass wir keine Genies sind.
    Irgendwann küsste ich dich. Doch du warst nicht mehr da.

    So sollen auch meine Aufzeichnungen enden.
    Der letzte Brief und die Bilanz eines Lebens.
    Was jetzt sehr negativ klingt, ist keineswegs so gemeint.
    Wer sich rational mit der Existenz auseinandersetzt, der sieht die Sinnlosigkeit von allem.
    Wir haben sie früh gesehen, uns geliebt und damit unser Schicksal besiegelt.

    von blendednoah




    Gedicht 1

    Schwärze umschließt die fallenden Lider,
    wachsweich umschmeichelt der Schlaf
    schmerzschwache Glieder.

    Berge aus Stein, sich türmend über
    dem Heben und Senken der Rippen,
    lässt Seide entweichen über den
    trockenen Lippen, Blei atmend, bis
    faulige Luft, über vertrocknetes Grau
    die Lunge zerquetscht.

    Starrheit quillt aus zerbrochenen Strängen,
    während das Weiß, den Fackelgang folgend,
    verzauberten Lichtern sich öffnet, sehend
    das Ganze, den Staub, für ein Lächeln in meinem Gesicht.

    Ich schließe die Lider, lege Hände erkaltet auf
    still gewordenes Herz, öffne das Fenster für freies Reisen.
    Ich wünsche Dir Frieden, ich wünsche Dir Glück!

    von charisma65
    Geändert von WBL (15.04.2017 um 00:33 Uhr)

  7. #7
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    6. Platz

    Den 6. Platz teilen sich mit je einer Stimme:

    Der gute Tod

    Mein Tod hat ein pinkes Hemd an
    grellgrüner Samtstoff der Kragen
    Mein Tod liebt es Cocktails zu schlürfen
    orange ist sein Porsche, sein Wagen

    Mein Tod ist ganz außergewöhnlich
    er hasst es, nur Angst zu verbreiten
    so geht er, seit ich ihn erkannte
    neue Wege, die Freude bereiten

    Mein Tod findet den Schlaf gut
    der tiefer und tiefer sich senkt
    ganz zart und erstaunlich leise
    vom Leben zum Sterben hin lenkt

    Mein Tod will so gern mit mir lachen
    will Freund sein und wohl gelitten
    er hätte auch nichts gegen weitere
    schwer Kranke, die Gaben erbitten

    So feier' ich heut' meinen Tod
    mit Sekt und Häppchen und Liedern
    ich hab' es genug genossen
    muss mich dem Leben nicht weiter anbiedern

    von watsi




    Die Lebensversicherung

    Des Lebens will ich sicher sein!
    Drum sorg ich gänzlich bis zum Tode
    vor (das ist jetzt groß in Mode)
    und versichre mein Gebein.

    Doch nein! Es ist ein wahrer Hohn:
    Der nette Titel sollte blenden
    (nur als Werbung zu verwenden?);
    lebend hab ich nichts davon!

    Denn leider merk ich dann und wann:
    Grad jener, der so hämisch kichert
    über mich, ich "Todversichert",
    ist der alte Sensenmann.

    von Gugol




    Gestorben um zu leben


    Der Tod: Unmissverständlich alles verlieren (, um alles zu gewinnen!)

    Als ich zu mir kam, war sie tot.
    Ihr offenstehender Mund erschreckte mich.
    Die Spritze hing halbvoll von ihrem Arm. Ich nahm sie weg. War sie kalt?
    Ich drückte mir den Schuss.
    -
    Als ich wieder zu mir kam, ekelten mich ihre faulen Zähne und der weit
    herausstehende Knochen über der hohlen Wange war bizarr. Alles an ihr war
    hässlich und abstoßend. Da war nicht eine friedliche Stelle.
    -
    Als ich zurückkam, war der Körper weg. Ich denke, ich roch sie.
    -
    Die Angst vor dem Tod und seinem Gesicht, den Schmerzen, der Nüchternheit,
    dem Wahnsinn, sich selber und Verantwortung. Es war die Hölle.
    -
    Ich bin mir bewusst, dass ich im Urwald lebe und dass es schwierig ist, den
    Weg zu mir zu finden. Und der Tod kann es nicht! Ich bin gestorben, um zu leben.

    [Februar 2017]

    Ps: Jetzt verklumpte mir kurz das Herz schwer und ich hatte feuchte Augen.
    Erstaunlich.

    von L A F Strässler




    Hero läandert

    (Terzanelle)



    Roher Schmerz frisst mich seit Stunden,
    ich nehm's kaum wahr, bin wie erstarrt und leer,
    denn - ich hab ihn tot am Strand gefunden

    und will folgen, sinken! So viel tiefer noch als er.
    Mich kümmert nicht das erste Singen in den Bäumen,
    ich nehm's kaum wahr, bin wie erstarrt und leer.

    Der Tag nagt schon an nachtzerfransten Säumen
    und was Leander war, bleicht nun in Fischernetzen,
    mich kümmert nicht das erste Singen in den Bäumen,

    oder Möwenschleier, Gischt und Wolkenfetzen.
    Die Luft ist scharf und das Licht ist bitter
    und was Leander war, bleicht nun in Fischernetzen.

    Bin nicht mehr eins, bin tausend Splitter!
    Und nicht wird jemals mehr genesen.
    Die Luft ist scharf und das Licht ist bitter.

    Der Morgen graut, die Nacht liegt im verwesen,
    roher Schmerz frisst mich seit Stunden
    und nichts wird jemals mehr genesen,
    denn - ich hab ihn tot am Strand gefunden.


    von Jazemel




    Auf der Bahre

    Nun ruht dein Leib.
    Der Atemhauch steht still.
    Die Hände ruh`n,
    die Leben angepackt,
    die Füße,
    die ins Alter dich getragen.

    Nun schließt die Seele
    endgültig ihren Frieden,
    entschlüpft dem Kokon
    ihrer Zeit und flattert
    mit dem,was sie erworben,
    hinüber in die Ewigkeit.

    von Carolus




    Schleife der Schweifen

    Schlag um Schlag gesungen,
    aus heiterer Kehle Liebe,
    mein Lied meiner Freiheit,
    dass jeder finde ein Friede.

    Seeluft in meinen Fängen,
    und zwischen den Schlägen,
    tritt mein Herz auf die Luft,
    so geht mein einzig Leben...

    Und ohne Schatten im Gold,
    fallen meine Augen zu, in Glück,
    und noch einmal rieche ich...
    das schwere Salz in dieser Luft.

    Bevor ich falle auf Sand,
    es schnürt mir eine Kette,
    Plastik, mein Verstand,
    ich falle, ich rieche, ich

    krächze...

    Falle in ein Schlaf der Tiere,
    werde abgeholt vom Herr,
    nimmt mich auf in Liebe und
    öffnet die Schleife vom Meer.

    Schlag um Schlag gesungen,
    aus heiterer Kehle Liebe,
    mein Lied meiner Freiheit,
    dass jeder finde ein Friede.

    von Wortetanzen




    der knoten

    er war winzig
    sie überließ sich ihm
    und niemandem sonst

    er beherrschte sie nicht
    kam und ging, wuchs beständig
    ein knauf an welcher tür?

    es gab so viele, dahinter räume
    erfüllt von erdachtem licht oder
    düsternis, lauernd in allen fluchten

    sie verbarg ihn wie einen schatz
    befühlte ihn zart, fast zärtlich
    er war ihr geheimnis

    er gehörte ihr
    sie war seine heimat
    vertrauter nichts auf der welt

    kostgänger, vollstrecker
    sie teilte alles mit ihm
    sogar die liebe zum leben

    nur die zu manchen details
    blieb ihr allein
    blieb nicht

    von Okotadia




    Im Endzeitfilm

    Wenn Morgen ein Leben ganz leise erwacht
    im Sonnenkreis sinnlich ein Fühlen entfacht.
    Wird dann einen Andren das Ende gebracht?
    Im Endzeitfilm still das Erlöschen verlacht?


    Ach Tod ist so fragend, ein Irrtum vom Ende?
    Die letzten Visionen und ohne die Wende.
    Die Zukunft einst fragend doch still in der Fremde
    So farblos so klanglos doch leer sprechen Bände.


    Wenn Sehnsucht erfriert einen Halt streng gebiert.
    Die Lieder vom Leben ersticken, verstummen.
    Die Liebe nicht spüren, nur stillsein regiert.
    Kein Wolkenbruch, Sternenbild, kein Bienensummen?


    Das Leben zu leise vergeben im Streben?
    Und neben den sprudelnden Reden kein geben?
    Nein jedes Vergeben vernahm doch ein Beben,
    denn Echos sie weben so lautlos und leben.

    von horstgrosse2
    Geändert von WBL (15.04.2017 um 00:34 Uhr)

  8. #8
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    7. Platz

    Ohne Stimmen geblieben und sich den siebten und letzten Platz teilend:

    Im(De)pressionskampf

    Schon wieder bin ich in Gedanken
    aufgewacht im Dunkel der Nacht.
    Ich steh auf, fang an zu schwanken.
    Schau auf dich in bitter-süßer Andacht.

    Da liegst du vor mir, oh Geliebte mein,
    so zart, so weich, so ruhig, so frei von Sorgen.
    Ich wollte für dich kämpfen und befrei'n,
    über deinen Schlafe wachen bis zum Morgen.

    Mit jedem Tag wirst du wieder nur mehr leiden,
    ich kämpf' und kann es doch nicht mehr vermeiden.
    Du leidest unter meiner Multiplen Sklerose.
    ich weiß, dir fehlt es, dass ich dich liebkose.

    Nun sitz ich hier verkrüppelt am off'nen Fenster.
    in mir gedeihen die Ängste, die miserablen Gespenster.
    Ach könnt‘ ich dich doch nur vor diesem Leid bewahren.
    Keine Lösung, nur die Angst verbreitet sich in Scharen.

    Ich hab keine Angst, dass du mich lässt gehen,
    denn wer könnt schon leben mit so einem Mann,
    der kaum allein essen, noch laufen kann.
    Ehrlich, ich kann dich nur zu gut verstehen.

    Ich will dir dieses ganze Leid ersparen.
    Ich will dich nun erlösen, dir die Freiheit schenken.
    Ich kann nicht mehr klar denken.
    geschweige denn meine Sinne lenken.
    Ein letztes Mal nun will ich über deine Wangen fahren.

    Mein Leben es verwirkt in diesem Moment.
    Gedanken gefasst, der Wille steht fest.
    Ich hoffe du weißt, wir sind niemals getrennt.
    Ich will das du mich nun für immer geh‘n lässt.


    Bitte, lass mich nun los, lass mich sterben,
    schon bald wird dich ein anderer umwerben.
    Ich will das du dein Leben kannst genießen.
    Ich weiß, bald werd' ich meine Augen schließen.

    Für immer werde ich dann schlafen.
    Doch warum? will ich dich bestrafen?
    Wenn ich nur könnte würde ich ja kämpfen,
    doch bin ich schwach, geplagt von Krämpfen.

    Ich sehe keinen Sinn mehr in diesem Leben,
    auch wenn ich versprach, alles zu geben,
    ist es doch nur noch leeres Worte weben.
    Ich werde mich nun ganz dem Tode hingeben.

    Ich schreib' dir noch schnell meinen letzten Gruß.
    Nun knie ich mich hin, geb‘ dir meinen letzten Kuss.
    Trink nun das Gift, ganz langsam, still und mit Genuss
    und wart‘ nun auf den meinigen selbst gewählten Schluss.

    Ich denk‘ noch kurze Zeit darüber nach,
    was passiert, wenn du, dann morgen wirst wach.
    Ich werde dann kalt und tot neben dir liegen,
    sanft wirst du mich dann in deinen Armen wiegen.

    Du wirst weinen und auch schrei’n,
    dann flehen ich soll erwachen, aber nein.
    Ich kann nicht mehr anders oh Geliebte mein,
    dies hier wird mein Abschied sein,
    denn nun lass ich meinen Tod herein.

    Mein Leben es verwirkte in jenem Moment,
    Gedanke gelebt, der Wille stand fest.
    Ich hoff‘ du weißt, wir sind nie mehr getrennt,
    ich will, dass du mich auf ewig geh‘n lässt.

    von Herr_Snyder




    schiff ins unbekannte

    ich sehe dein gesicht
    genau vor meinen augen
    du steigst ein
    in ein schiff
    ins unbekannte

    du schaust zurück
    du lächelst
    ich schaue auf
    ich weine

    du denkst an die schönen momente
    du hast erinnerungen
    ich denke an die schönen momente
    ich habe erinnerungen

    auf deinem weg zum ziel
    du hast einen neuanfang
    ich verbleibe hier
    darf nicht mit
    habe kein ticket fürs schiff

    auf meinem steht ein anderes datum
    doch dann werde ich nachkommen
    dann werden andere am ufer weinen
    und ich auf dem schiff lächeln
    weil ich dich wiedersehe
    weil ich weiß dass sie nachkommen
    wenn ihr ticket gültig wird

    du schaust zurück
    du lächelst
    ich schaue auf
    ich weine

    von Poem Lady
    Geändert von WBL (15.04.2017 um 00:34 Uhr)

  9. #9
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    @monalisa: Gratuliere!

    @Eremit: mein Glückwunsch!

    @Abstimmer: Vielen Dank für die drei Stimmen zu meinem Text.

    Grüße
    Alcedo

  10. #10
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    Glückwunsch an die Gewinner und schöne rege Teilnahme - mona, hast meine Stimme bekommen, Hammer Teil einfach. Jaz, handwerklich und bildlich fand ich das auch ansprechend, aber ich habe als Außenstehender leider überhaupt keinen Zugang gefunden und fand den wichtigen Part, um den Titel und das "Läandern" und auch das, was "Leander" war (ist das ein Eigenname? Warum dann Hero im Titel?) zu krytpisch Ah, grad nochmal gegoogelt - wenn man die Sage von Hero und Leander nicht im Repertoire des Allgemeinwissens hat, muss man sich natürlich an die eigene Nase fassen - schade! In diesem Rahmen ist das Teil natürlich auch der Hammer, die Sage war mir aber leider nicht geläufig und jetzt ärgere ich mich, weil Du meine Stimme auch bekommen hättest
    Ich bin definitiv nicht für diese Zeit gemacht.

  11. #11
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    Das war wirklich ein spannender Wettbewerb mit vielen sehr unterschiedlichen und spannenden Beiträgen. Da viel die Wahl wirklich nicht leicht! Durch den Osterjubel/trubel komme ich erst jetzt dazu, mich bei all jenen zu bedanken, die für die 'Löserin' gestimmt haben und allen Teilnehmern zu ihren teils sehr originellen, teils sehr berührenden Werken zu gratulieren, besonders natürlich Eremit zu seinem 'unverschämten Gast', der noch lange auf sich warten lassen möge und den anderen auf den Stockelplätzen! Berührt haben mich vor allem auch Strässlers 'Gestorben um zu leben', weil es so authentisch klingt und 'Mein Tod tritt ein' von Alcedo.
    Herzlichen Dank auch an die WBL fürs Organisieren!
    Liebe Grüße
    mona

  12. #12
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    Wieviel Titel hast du eigentlich schon, liebe mona! Deine Überschrift schaut schon ein bissl protzig aus!

    Spaß beiseite, ein schöner Text, hat den ersten Platz verdient! Ich gratuliere allen am Treppchen und auf den Plätzen. Mein persönlicher Favorit ist immerhin auf Platz 2 gelandet! Ich finde den "Kohleteufel" immer noch außergewöhnlich gut, gratuliere Wegesanfang und danke für das Lesevergnügen!

    Lieben Gruß
    albaa

  13. #13
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    Hallo Albaa,
    dass du meine Anhäufung von Titeln protzig findest, kann ich wunderbar nachvollziehen, aber was ist an 'Löserin' protzig? Vor allem aber möchte ich ein herzliches Danke für dein Lob sagen .

    Liebe Grüße
    mona

  14. #14
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    Zitat Zitat von Wegesanfang Beitrag anzeigen

    Kohleteufel

    Du sprachst zu uns und riefst uns und wir kamen
    mit großem Scharren, scheu und ungewiss,
    und traten ein in Deinen weiten Rahmen
    durch den geformten Riss.

    Du sahst uns an mit hungrigen Pupillen
    und machtest uns zu Kindern Deiner Zeit
    und zum Insekt in Deinem Bernsteinwillen
    der Unberührbarkeit.

    Du fülltest uns die Augen mit Zikaden
    und warst so seltsam still und sanft dabei
    und zärtliche, fast samtene Dryaden
    erstickten unsern Schrei.

    Als wir dann wieder weinten, lief das Wahre
    die Wange warm hinab in roter Bahn
    und band verklumpend unsre weißen Haare
    nach Deinem blinden Plan.

    Wir fühlten Deine Nähe, die uns hütet,
    wir fühlten Deinen Stachel und sein Gift,
    Du bist ein Maul, das immer schlingt und tötet,
    ein Pfeil, der immer trifft.

    Du bist ein Bild, gemalt aus Schattenrissen,
    ein scharfer Schnitt, der Welten leise trennt,
    ein Schweigen und ein lauerndes Gewissen
    in jedem Element.

    Du bist ein Tanz im Gleichklang meiner Flächen,
    ein stummer Drang, der keine Richtung kennt,
    Du bist ein klares, goldumhülltes Schwarz -
    und saugst in Deine Flamme unser Harz,
    bis alles dunkel brennt
    im Wirbel unsrer Schwächen.
    hallo W

    der Text war mein Favorit bei diesem Wettbewerb gewesen. alleine schon wegen der Zikadenzeile, aber auch wegen der klanglichen Ausgefeiltheit (bis zum „trifft.“), die sich beim Lesen anfühlt, als ob man sich blind eine steile Treppe hinunter tasten würde, bei der, nach jeder dritten Stufe eine fehlt. ja, alleine deshalb schon, bekam er meine Stimme.

    wahrscheinlich ist er jetzt noch zu lang. alles nach dem „Pfeil, der immer trifft.“ bräuchte es, nach meinem Ermessen, nicht. da käme dann der, für mich, endgültige Fall ins Nichts, mit keiner weiteren Stufe mehr.

    Wir fühlten Deine Nähe, die uns hütet,
    wir fühlten Deinen Stachel und sein Gift,
    Du bist ein Maul, das immer schlingt und tötet,
    ein Pfeil, der immer trifft.

    xXxXxXxXxXx
    xXxXxXxXxX
    xXxXxXxXxXx
    xXxXxX

    die alternierenden jambischen Kreuzreime laufen dabei samt Assonanzen und herausragenden Vergleichen, dem inhaltlichen Abstieg entgegen. jedes Anheben der Füße sackt inhaltlich stetig, Stufe für Stufe, tiefer. die fehlenden zwei akatalektischen Versfüsse, der jeweils letzten Strophenzeile (zwei vollständige Jamben), erzeugen einen dermassen starken Sog nach unten, dass mir fünf Strophen völlig reichen würden für den finalen “Schubser“ mit dem Pfeil, zumal mir die jetzige letzte Strophe klanglich durch Repetition und inhaltlich durch Redundanz, wie ein Stolperer in der Sackgasse mündet mit der weichen Kadenz „unsrer Schwächen“ am Ende, die weder nachklingt noch gefällt.

    die Überschrift bezieht sich mir immer irgendwie auf dieses sorbische Sprichwort:
    „Gott hat die Lausitz geschaffen, aber der Teufel die Kohle darunter.“
    bekomme einfach keinen anderen Bezug hin. sie erscheint mir deshalb zu schwach und zu harmlos, wie ein kraftloser Kinderschreck im Vergleich zu diesem ausgewachsenen, furchtlosen Textkörper. ob es da nicht eine stärkere Alternative dazu gibt?

    die vielen „und“s - bereits bei den Kindern und dem Bernstein - störten mich spätestens nach der starken Zikadenzeile (die ist sehr eindringlich, habe ich so, und selbst so ähnlich nicht, noch nie gelesen - ein originelles Highlight, das bewirkte, dass ich nach weiteren Texten von dir suchte und dass ich hier dranbleibe). Vorschlag zur Eliminierung von mindestens einem Bindewort, und

    Du fülltest uns die Augen mit Zikaden,
    verbliebst so seltsam still und sanft dabei
    und zärtliche, fast samtene Kaskaden
    erstickten unsern Schrei.

    habe mir auch gleich erlaubt die Baumnymphen versuchsweise mit Kaskaden zu ersetzen. die Baumgeister der griechischen Mythologie erschienen mir hier nicht ganz stimmig, sondern etwas aus der Zeit gefallen, auch wenn der Bezug zu den Bäumen über das versteinerte Harz und den Riss (Frostriss?) gegeben ist.

    womöglich gibt es auch noch weitere Optimierungsmöglichkeiten.
    bin überzeugt, dass der Text dadurch gewinnen würde.

    Gruß
    Alcedo

  15. #15
    Registriert seit
    Nov 2010
    Ort
    im Schwabenländle
    Beiträge
    628
    Hallo zusammen

    herzlichen Glückwunsch den Gewinnern!
    Schade, dass nicht mehr User bei solchen Wettbewerben ihre Stimme abgeben.

    (Bitte verzeiht, wenn folgende Zeilen für manche eher in einer PN ausgesprochen werden sollten)

    Lieber Wegesanfang, du hast mich während der ganzen Jahre auf Gedichte.com immer begleitet, deine Geddanken finde ich
    herausragend und ich bin ein absoluter Fan deiner Werke.
    DANKE, dass du dich wieder gezeigt hast.
    Danke für dieses fantastische Gedicht.

    Herzliche Grüße an alle

    Wüstenblume
    So bin ich nur als Kind erwacht,
    so sicher im Vertraun
    nach jeder Angst und jeder Nacht
    dich wieder anzuschaun.
    Ich weiß, sooft mein Denken misst,
    wie tief, wie lang, wie weit - :
    du aber bist und bist und bist,
    umzittert von der Zeit.

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