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  1. #46
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    Moin Glorfindel,

    den ersten hätten wir gar nicht unbedingt stationär aufnehmen müssen. Man könnte zwar noch dran feilen, aber fürs erste sollte er allein zurecht kommen.

    Der zweite kommt mir hier erst raus, wenn's ihm besser geht. Ich hab mal folgendes EKG erstellt:

    XxxXxxXxxXxx
    xXxXxXxX
    XxxXx
    XxxXx
    XxxXxXxxX

    Aufgrund schwerer Schäden an den Organen 1, 2 und 5 ist der Patient in ungeschützter Umgebung kaum überlebensfähig.
    Da müssen wir zunächst erstmal mit dem Hammer ran - später mit der Feile (und, wenn noch Bedarf besteht, zuletzt mit etwas Schleifpapier). Willst du's erstmal selbst probieren? Tipps stehen im ersten Beitrag dieses Fadens.

    Kannst aber auch gern nochmal rufen.

    Bis später
    VC
    Das System sagt, ich will das, aber ich will das nicht.
    Peter Arbeitsloser

  2. #47
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    F1

    Die bunten Blumen an deinem Grab
    haben alle was was ich nicht hab.
    Sie sind alle Optimisten!
    Wenn wir nun auf sie pissten
    würden sie strahlend schön und stark.


    F2

    Die Blumen am bunten Ehrengrab…
    sie haben irgendwas was ich nicht hab.
    Sie sind wohl Optimisten!
    Wenn wir nun auf sie pissten…
    so würden sie strahlend schön und stark.
    Geändert von Martin123 (02.05.2017 um 09:58 Uhr) Grund: F2

  3. #48
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    N'ahmd Martin,

    okay - wir müssen weiter vorn ansetzen (dein Einverständnis vorausgesetzt). Noch hast du Schwierigkeiten, die betonten Silben zu erkennen. Zerlegen wir mal den ersten Vers, den ich in zwei Varianten lesen kann - deine Variante ist nicht dabei (fett bzw. großes "X" ist betont):

    1.
    Die bun-ten Blu-men an dei-nem Grab
    x X x X x x X x X

    2.
    Die bun-ten Blu-men an dei-nem Grab
    x X x X x X x x X

    Nach deiner Ixerei würdest du Blumen und deinem betonen. Probier mal, das auszusprechen.

    Wenn du das trainieren möchtest, schlage ich vor, einfach mal sinnlose Verse im richtigen Metrum zu schreiben. Die müssen zunächst auch keinen Zusammenhang ergeben. Einfach nur, damit du den Klang ins Blut bekommst. Ich gebe dir mal ein paar vor und du, falls du magst, schreibst so viel Zeugs darunter, wie du für nötig hältst.

    Ab jetzt gilt dieses Schema, okay: xXxxXxxXx
    Here we go:

    - Am Anfang erbrach er sich tüchtig

    - Beate beklagt sich seit Jahren

    - Vergiss nicht den Müll deiner Mutter

    Lass dich mal drauf ein und wenn das läuft, basteln wir weiter.

    lg VC
    Das System sagt, ich will das, aber ich will das nicht.
    Peter Arbeitsloser

  4. #49
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    Wanzenwecker

    Heut weckten mich Wanzen im Bett
    mit dröhnenden Bässen (echt fett!)
    Wie die sich zerfranzten
    im Blutrausch, und ranzten,
    war ohne Format - gar nicht nett.

  5. #50
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    Moin Albaa,

    sorry, jetzt hab ich dich hier ganz allein in der Werkstatt stehengelassen...
    Aber wenn ich mir deinen Lim so betrachte... du kommst ganz gut ohne mich zurecht, oder hast du eine spezielle Frage dazu? Ich frag nur nach, weil das doch hier die Lehrwerkstatt bzw. Bastelschmiede für halbgare Limericks ist.

    Okay, weil du schon mal hier bist/warst: Formal gibts nichts auszusetzen. Die Story scheint mir nicht ganz schlüssig, daran könnte man noch feilen, um den Witzfaktor zu steigern (oder ich habe sie nicht völlig kapiert)

    lg VC
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    Peter Arbeitsloser

  6. #51
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    Kleine Wunder
    Gewandet ein Fräulein aus Minden.
    War straff dekolltiert nur zu binden.
    Die Burschen voll Lob
    Was da alles log!
    Im WunderBH nix zu finden!


    Chorfreund

    Ein Kantor im Kloster zu Bingen
    erquickt manche Nonne zum singen.
    Der Chor war zu klein,
    er fand sich hübsch drein.
    Fünf Knaben dem Chorfreund schon singen!
    "Die Deutlichkeit ist die Höflichkeit in der Kritik."
    feiner Satz von M. Reich-Ranicki

  7. #52
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    Hallo Gitano,

    du also auch? Willkommen in der Schmiede.
    Da das hier eine Übungswerkstatt ist, nehme ich an, dass du eine Meinung zu deinen Lims und evtl. Tipps erwartest. Da hätte ich auch mal eine

    Bitte @ alle:
    euer Kenntnisstand über und eure Erfahrungen beim Schreiben von Limericks sind logischerweise sehr unterschiedlich. Ihr macht mir eine zielgerichtete Analyse eurer Lims leichter, wenn ihr dazu in ein, zwei Zeilen schreibt, was genau euch interessiert oder wobei ihr unsicher seid, was euch nicht rund erscheint - was auch immer. Dann kann ich mich gleich damit beschäftigen und muss nicht lang über Dinge referieren, die euch ohnehin schon klar sind. Fettes Merci!

    Okay, nun zu deinen, Gitano,

    formal sind die natürlich sauber. Schön, dass du die Tradition mit den Ortsnamen in V1 pflegst. Sollte man immer mal wieder machen.
    Gewandet ein Fräulein aus Minden.
    War straff dekolltiert nur zu binden.
    Die Burschen voll Lob
    Was da alles log!
    Im WunderBH nix zu finden!
    Der erste Vers erscheint mir ein wenig sperrig. Wahrscheinlich, weil er so kein vollständiger Satz ist. Was, wenn du statt des Punktes ein Komma setztest? Oder stattdessen: "Ein üppiges Fräulein aus Minden"? Wenn es das für dich noch trifft...

    Ein Kantor im Kloster zu Bingen
    erquickt manche Nonne zum singen.
    Der Chor war zu klein,
    er fand sich hübsch drein.
    Fünf Knaben dem Chorfreund schon singen!
    Dem hier kann ich inhaltlich nicht ganz folgen. "Jemanden zum Singen erquicken" klingt mir nicht ganz schlüssig.
    "Bewegt manche Nonne zum Singen"? oder "Erquickt manche Nonne durch Singen" - jenachdem, was du sagen willst.
    Auch ist mir unklar, wofür oder warum der Chor zu klein ist und worin er sich nun dreinfindet. Irgendwie stehe ich bei der Pointe auf dem Schlauch.

    lg VC
    Das System sagt, ich will das, aber ich will das nicht.
    Peter Arbeitsloser

  8. #53
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    Hallo VC,
    meine beiden Beispiele stammen aus dem Jahr 2008, seither habe ich sie nicht genauer angeschaut -ABER:
    Es gab bisher sehr unterschiedliche Rückmeldungen.
    Zu Deinen Anmerkungen:
    Kleine Wunder
    hat diesen Sprachgebrauch absichtlich um letztlich den Kontrast zu stärken
    Mittelalter (gewandet, Fräulein, Dekolltee binden, Burschen etc.) nebst inversiver Wortstellung vs. WunderBH und Moderne...sind Teil des Jokes a la man kann mit einem straffen Mieder/ Wonder BH falsche Tatsachen vortäuschen.


    Dein Vorschlag "üppiges Fräulein" einzufügen (in Z1 ) würde ja die ganze Pointe auflösen....
    die ja bekanntlich ist, dass eben nix im WonderBH zu finden ist.

    Zum Chorfreund
    Das Ding ist ein bißchen verdekct schlüpfrig und spielt auf die Tonäußerungen beim Geschlechtakt an (erquickt manche Nonne zum Singen)...
    Bisher gab es eigentlich keine Verständnisprobleme dazu ...

    Sorry dass ich eure Vorgaben leider nicht so genau kannte, bzw mich darüber informierte.
    Ich persönlich bevorzuge auch Limericks die sich an die traditionellen Vorgaben halten und innerhalb dieser Regeln ihre Virtuosität und Komik präsentieren.
    Vor Jahren hatte ich mich mal sehr ausführlich damit befasst...und kann nur empfehlen: schreibt mal ab und an Limericks, es schult ungemein und macht Spaß und hat einen großen Suchtfaktior *g*
    Limerickgedichte, die sich einem Thema widmen gehören zu meinen Favoriten in Sachen Humor.
    Danke für die rasche Rückmeldung!...und gern bin ich mal dabei wenn ihr mich braucht.
    Liebe Grüße und viel Spaß
    gitano
    "Die Deutlichkeit ist die Höflichkeit in der Kritik."
    feiner Satz von M. Reich-Ranicki

  9. #54
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    Hi gitano,

    Dein Vorschlag "üppiges Fräulein" einzufügen (in Z1 ) würde ja die ganze Pointe auflösen....
    Ja, gebe ich zu, weil es suggeriert, dass das Fräulein tatsächlich (und nicht nur scheinbar) üppig ist. Allerdings ziehst du die Pointe auch ein bisschen früh (in V4) an, oder?

    Beim Chorfreund habe ich schon eine gewisse Schlüpfrigkeit vermutet, auch (und vor allem) hinsichtlich der Knaben. Hat halt nicht so richtig gezündet bei mir. Humor ist eben auch eine sehr subjektive Geschichte. Was an dem einen vorbeigeht, spricht den anderen an.

    Was ich persönlich nicht so berauschend finde (und vorhin vergaß zu erwähnen), ist das Reimen auf das gleiche Wort (hier: singen). Auch, wenn man das bei einigen sogenannten englischen Klassikern gelegentlich sieht.

    Sorry dass ich eure Vorgaben leider nicht so genau kannte, bzw mich darüber informierte.
    Eigentlich möchte ich hier keine inhaltlichen Vorgaben machen, wenn du die Sache mit den Orten meinst. Sondern nur auf besonders auf das Formale achten. Der Faden soll ja vor allem eine Hilfe für Leute sein, die anfangen, sich mit dieser ganz fantastischen Form (und ihren unterschätzten Möglichkeiten) zu beschäftigen. Über das Knacken von Pointen kann man diskutierend anderer Meinung sein; die technische Umsetzung ist mMn nicht verhandelbar.

    schreibt mal ab und an Limericks, es schult ungemein und macht Spaß und hat einen großen Suchtfaktior *g*
    kann ich nur unterstreichen

    ...und gern bin ich mal dabei wenn ihr mich braucht.
    Kannst dich jederzeit in eine Diskussion einklinken.

    Vielen Dank und lg
    VC
    Das System sagt, ich will das, aber ich will das nicht.
    Peter Arbeitsloser

  10. #55
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    hi VC,
    allem was Du in #54 schreibst, kann ich zustimmen,
    Beste Ideen und frohes Schaffen....ich schaue bestimmt wieder rein!
    gitano
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  11. #56
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    Hallo Verbalcarpaccio,

    ohne dich hätte ich die Power des Limerick weiter übersehen. Ich hielt ihn mal für infantil, ich Esel. Deshalb hab ich ihn nicht weiter beachtet. Dank deines kürzlichen, kritischen Hinweises im Dotkommer-Faden bin ich zur Zeit süchtig. Nun ahne ich, was britischer Humor sein könnte.

    Ein Fleischer aus Wien liebt die Reimerei
    zur Abwechslung bei seiner Schweinerei.
    Zum Töten ein Lied
    is gut fürs Gemüt.
    Sein Lieblingsreim? - Eins zwei drei, eins zwei drei.

    Ich las, dass im Limerick die zwei verschiedenen Versarten in sich keine metrischen Grenzen kennen. Hauptsache, sie sind metrisch deckungsgleich. Liege ich, so gesehen, mit meinem Limerick in der Norm?

    ------

    Ich finde die Art, wie du diesen Faden moderierst, übrigens sehr einfühlsam und klug. Danke!

    Mich reizt vor allem, über den Limerick Hintergründigkeit zu üben. Vielleicht können wir zu diesem Thema ein paar weitere Gedanken austauschen. Angesprochen hast du es ja schon mehrfach. Mir kommt folgende Idee: Vielleicht wird man als Autor mutiger, im Nurandeuten, weil man beim Leser dieser Gedichtsform gesteigerte Hellhörigkeit voraussetzt? Oder ist es eher das ungewöhnliche Aufeinanderprallen von Lang- und Kurzzeilen, was automatisch schon etwas Komisches besitzt?

    lg
    Geändert von Artname (04.05.2017 um 10:25 Uhr)
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  12. #57
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    Hallo Artname,

    erstmal danke für dein nettes Feedback.
    ...dass im Limerick die zwei verschiedenen Versarten in sich keine metrischen Grenzen kennen
    Hui, kannst du mir irgendwie anders verständlich machen, was damit gemeint sein könnte? Die Versarten - die kurzen und die langen Verse? In sich? Metrische Grenzen? Bist du sicher, das so gelesen zu haben? Vielleicht sagt man ja so unter Sprachtheoretikern. Würde mich aber interessieren.

    Zu deinem Limerick kann ich aber natürlich meine Meinung sagen. Zunächst mal finde ich den super. Habe am Arbeitsplatz einen spontanen Lachflash bekommen, den ich dann erklären musste...

    Formal geht der für mich auch durch, obwohl es darüber möglicherweise unterschiedliche Meinungen gibt - auch hier im Forum. (vgl. z.B. ab #34 in diesem Faden) Der Grund dafür liegt im Reim. Du endest auf Xxx - reimst also auf die letzten drei Silben (und nicht nur zwei), weil der "Hauptreimklang" (blödes Wort) nunmal von betonten Silben getragen wird. Das gelingt von "Reimerei" auf "Schweinerei" auch relativ problemlos. Die Unsauberkeit ist beim Sprechen so gut wie vernachlässigbar. Bei "Einszweidrei" ist der Unterschied im Klang der ersten Silbe schon wesentlich deutlicher. Betont man des Reimes wegen nun aber die letzte Silbe besonders, ist der Reim sauber. Man hat aber eine vierte Hebung im Vers, was natürlich gar nicht geht.

    Wie gesagt - ich kann mit der Unsauberkeit prima leben, weil die Pointe einfach klasse ist - dieses Spiel mit dem Klischee des dumpfen Metzgers.

    Vielleicht können wir zu diesem Thema ein paar weitere Gedanken austauschen.
    Das gehört auf jeden Fall auch hierher - ich will ja auch was davon haben. Und deine Gedankengänge finde ich sehr interessant.

    Vielleicht wird man als Autor mutiger, im Nurandeuten, weil man beim Leser dieser Gedichtsform gesteigerte Hellhörigkeit voraussetzt?
    Ein "nurandeuten" ist sicher ein wirksames Stilmittel, wenn die Andeutung geeignet ist, zumindest einen bestimmten Kreis von Lesern zu erreichen. (Wenn nur noch Insider den Zusammenhang verstehen können, zündet nichts mehr) Hellhörigkeit kann man am ehesten bei erfahreneren Limericklesern erwarten. Für die ist eine angedeutete Handlung oder ein angedeutetes Ergebnis dann sicher ein besonderes Schmankerl. Aber ich glaube, dass auch der grobe Limerick seine Berechtigung hat - es darf schon mal auch ein "Schenkelklopfer" sein.
    Nicht ganz klar ist mir, was du mit "mutiger werden" meinst. Mutiger, nur anzudeuten? Oder noch etwas anderes?

    Oder ist es eher das ungewöhnliche Aufeinanderprallen von Lang- und Kurzzeilen, was automatisch schon etwas Komisches besitzt?
    Ich denke, das kommt noch dazu. Allerdings ist dieser Wechsel nicht unbedingt ungewöhnlich. Das funktioniert auch in jambischen Versen ganz gut. Man sieht das z. B. so (im Kreuzreim):
    xXxXxXxX
    xXxXxX
    xXxXxXxX
    xXxXxX
    Ob dabei zwangsweise Komik entsteht, will ich nicht behaupten (müsste man mal recherchieren). Aber es lockert den Text auf. Kann den Lesefluss abbremsen oder auch Fahrt aufnehmen lassen (wie bei dem doppelten Kurzvers im Limerick).
    Einen Moment hatte ich den Verdacht, dass die Komik auch durch die Wiederaufnahme des ersten Reims entsteht. Aber derartig umarmende Reime funktionieren auch mit ernsten Inhalten. Wahrscheinlich ist es die Kombination aller dieser Formalien, die den Witz (den die Story entwickelt) noch stärker hervorhebt. Und dazu kommt die Kürze.

    lg VC
    Das System sagt, ich will das, aber ich will das nicht.
    Peter Arbeitsloser

  13. #58
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    Zitat Zitat von Verbalcarpaccio Beitrag anzeigen
    Moin Albaa,

    sorry, jetzt hab ich dich hier ganz allein in der Werkstatt stehengelassen...
    Aber wenn ich mir deinen Lim so betrachte... du kommst ganz gut ohne mich zurecht, oder hast du eine spezielle Frage dazu? Ich frag nur nach, weil das doch hier die Lehrwerkstatt bzw. Bastelschmiede für halbgare Limericks ist.

    Okay, weil du schon mal hier bist/warst: Formal gibts nichts auszusetzen. Die Story scheint mir nicht ganz schlüssig, daran könnte man noch feilen, um den Witzfaktor zu steigern (oder ich habe sie nicht völlig kapiert)

    lg VC
    Danke, VC, bemüh dich nicht weiter, formatlose Wanzen sind einfach nicht witzig.
    Lieben Gruß
    albaa
    Geändert von albaa (04.05.2017 um 17:53 Uhr)

  14. #59
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    Hallo VC,

    meine Frage zur metrischen Freiheit will ich mal exemplarisch so vereinfachen:

    Ein Lehrer aus Berlin schrieb nachts Gedichte.
    Dann wollte er unsterblich sein bei Lichte.
    Er sann
    und sprang
    vom Fernsehturm rein in die Weltgeschichte.

    3 Langverse, 2 Kurzverse. Im Prinzip hätte ich auch 3 Sechsheber gegen 2 Einheber schreiben können. Ist das ok. solange man halt eine Pointe kreiert?

    Mit Mut meine ich Mut zur provozierend "unmoralisch" formulierten Pointe. Die meisten Gedichte, die ich im Forum lese, sind brave, lyrische Betrachtungen zur Natur, Psychologie oder Philosophie. Die Sau läßt hier keiner gern richtig raus. Obwohl das mMn dem Entwicklungsstand der Menschheit oder der scheinbaren Sinnlosigkeit aller Kreisläufe durchaus angemessen wäre. Aber dem ist nicht so - aus allen möglichen Kanälen tropfen kluge Erklärungen. Als gäbe es nix beruhigenderes als Analysen.

    Der Limerick jedoch verweigert sich normalen Erklärungen. Es sei denn das Normale ist verrückt. Insofern ist der Limerick für mich ähnlich dem Haiku quasi eine Gedichtform von einem anderen Planeten, die hilft, vom öffentlichen Gesäusel eingeschläferte Gefühle zu wecken.

    Über dein Lob hab ich mich sehr gefreut.

    lg
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  15. #60
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    Hallo Artname:
    Sowie Elegien nicht Blankversen geschrieben werden....weil in der aktuellen Erschaffungszeit und Pflegezeit dieser Gedichtart alle Beteiligten sich darüber einig wurden, dass nur bestimmte Verse mit ihren Eigenschaften an Metrik, Klang, Melodie, Rhythmik, Längen, Reimen / Nichtreimen eben den Gestus der Elegie bestimmen und wiedergeben - eingebettet in Kultur und Spracheigenschaften - so ist auch im Limerick.
    Weiterentwicklungen oder Varianten - wenn sie denn als solche Anerkennung suchen - sollte mehr als das Brechen der Regeln sein bzw. Effekthascherei. Sie sollte etwas Nützliches und Sinnvolles dem Bestehendem hinzufügen ohne es zu negieren- ANSONSTEN könnte auch eine neue Form begründet werden oder die man der Menge als eigene INNOVATION präsentiert

    Denn dürfen darf man alles - nur nicht unter jedem Namen...
    Auch würde ich empfehlen derlei "Innovationen" gut vorbereitet zu präsentieren ...

    Z1 Deines Vorschlages "funzt" mMn im Sinne eines Limerick nicht:
    Ein Lehrer aus Berlin schrieb nachts Gedichte (v - v -? v - -v- v-v...etwas unklar)
    gibt nach meiner Auffassung weder einen anapästischen noch einen amphybrachischen Gestus wieder
    Schon in Z1 gibt es einige unklare melodiöse / metrische Stellen. Die Zeile ist sehr davon abhängig wie "Berlin" betont wird:
    natürlich wäre Berlin...metrisch kommt es im beispiel zur Betonungsverschleifung die sich dann im Rest der Zeile fortsetzt....

    alternativ mit anapästischer Einleitung:
    In Berlin schrieb ein Lehrer Gedichte (v/v-vv-vv-v
    oder auch
    Ein Berliner schrieb nachts.... (v/v-vv-....

    amphybrachisch:
    Ein Lehrer schrieb nachts in Berlin ein Gedicht(e)
    unsterblich zu werden bei Lichte
    was er dann ersann
    war hart(frei/toll/blöd/taff/ etc.) denn er sprang
    vom Fernsehturm in die Geschichte

    wenn man daran etwas feilt wird der Vorschlag sicher noch etwas pfiffiger....insbesondere durch Sprechrhythmus- oder Melodievariationen.

    soweit mal mein erster Eindruck
    gitano
    "Die Deutlichkeit ist die Höflichkeit in der Kritik."
    feiner Satz von M. Reich-Ranicki

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